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Kadyrow, Kriminelle & Kampfsport

Kampfsportler im Konzentrationslager

рубрика: Kadyrow, Kriminelle & Kampfsport

Das Schicksal des Mannes, der als Hertzko Haft in Oświęcim (dt. Ausschwitz) nur deswegen überlebte, weil er dort für die SS boxte, und der als Harry Haft in den späten Vierzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts gegen die besten Schwergewichtler seiner Zeit antrat, ist einzigartig. Und doch waren seine schrecklichen Erfahrungen unter dem Nationalsozialismus keineswegs ein Einzelfall: In den Konzentrationslagern des Regimes war eine ganze Reihe von Boxern interniert. Die meisten davon wurden ermordet.

In den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten wurde in der ersten Hälfte der 1940er-Jahre auch etliche Boxer aus ganz Europa gefangen gehalten und misshandelt. Viele von ihnen waren dort gezwungen, zum Amüsement der SS-Leute bei Schauboxkämpfen anzutreten. Sport, richtiger: diese pervertierte Form von Sport, gab es tatsächlich in beinahe jedem KZ, das die Deutschen unterhielten. Es wurde Fußball gespielt, zuweilen, wie etwa in Theresienstadt, mit einem Ligasystem. Handballpokale wurden ausgelobt, und in Ausschwitz stand gar ein Reck.

Das Wissen um die sportlichen Aktivitäten in den Lagern wurde lange Zeit verdrängt. Die Berliner Historikerin Veronika Springmann forscht seit Jahren zum Thema »Sport im KZ« und weist in diesem Zusammenhang auf eine Fülle an Berichten hin, die noch kein Geschichtswissenschaftler jemals ausgewertet hat. Die Motivation des Sportbetriebs in den Konzentrationslagern sieht Springmann in dem Bedarf der Rüstungsindustrie an Arbeitskräften – vor diesem Hintergrund sei der Gedanke der körperlichen Kräftigung einzelner Häftlingsgruppen zu erklären. »Ab 1942 verstand die NS-Führung die KZs auch als Wirtschaftsunternehmen.«

Das Boxen nahm jedoch eine besondere Stellung ein. Hier ging es in der Regel um Leben und Tod – ein einziges sadistisches Spektakel. Es waren Weltklasseprofis wie der frühere Fliegengewichtsweltmeister Young Perez oder der Ranglistenboxer Leone Efrati, die von grölenden SS-Leuten in den Ring steigen mussten. Exzellente Amateure wie die griechischen Freunde Salamo Arouch und Jacko Razan. Spitzenboxer wie Rukelie Trollmann und Kids Francis. Frühere Olympiateilnehmer wie Heinz Levy und Imre Mandi. Und Männer, die zuvor nie geboxt hatten, wie Noach Klinger oder Hertz Haft.
Jahrzehntelang waren sie vergessen, beinahe als hätte es sie nie gegeben.

Über einige der Boxer haben Journalisten und Historiker mittlerweile Informationen zusammengetragen, in anderen Fällen aber muss man sich bis zum heutigen Tage mit fragmentarischen Daten zu ihrer Biografie begnügen. Oftmals sind nicht einmal die rudimentärsten Fakten überliefert, wie auch der Freiburger Historiker Diethelm Blecking in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme bei Hamburger erfahren musste: »Es sollen Boxer mit olympischen Erfolgen und nationalen Meistertitel in Neuengamme gewesen sein, etwa ein farbiger Schwergewichtler aus Frankreich, dessen Namen allerdings nicht bekannt ist.«

Über HERTZKO HAFT, der sich in den USA später Harry Haft nannte und auch unter den Vornamen Herschel und Hertzka auftrat, wissen wir einiges. Im Alter von 78 Jahren, rund sechs Jahrzehnte also nach seinen Erlebnissen in den Lagern der Deutschen, offenbarte er sich 2003 seinem Sohn, der die Lebensgeschichte des Vaters für die Nachwelt festhielt. Wenngleich einige Details sich bei genauer Prüfung als historisch falsch oder zumindest zweifelhaft erwiesen haben, so gilt doch insgesamt, was der Sportpublizist Bernd M. Beyer schreibt: »An der Wahrhaftigkeit und an der Eindringlichkeit seines Erlebens ändert das nichts.« Die Geschichte von Hertzko bzw. Harry Haft hat sich in etwa so zugertagen, wie sie in Alan Scott Hafts Niederschrift ‚Eines Tages werde ich alles erzählen‚ und in der Graphic Novel von Reinhard Kleist geschildert wird. Es ist eine unglaubliche, aber doch glaubwürdige Biographie.

Hertzko Haft wurde am 28. Juli 1925 im polnischen Belchatow geboren, einer mittelgroßen Industriestadt nahe Lodz. Seine Eltern waren Moische und Hynda Haft, der Vater handelte mit Obst, das er von den Bauern in die Städte brachte. Als der Zweite Weltkrieg am 1. September 1939 mit dem Angriff Deutschlands auf Polen begann, gehörte Belchatow zu den ersten Kriegszielen: Die Stadt wurde von der deutschen Luftwaffe bombardiert; schon am 5. Oktober hatten die Deutschen Belchatow eingenommen. Die dort ansässige jüdische Bevölkerung wurde in ein Ghetto gesperrt, in dem sie Zwangsarbeit leisten musste. 1941 wurde Hertzko Haft verhaftet und in die Arbeitslager Poznan und Strzelin verbracht. Am 2. September 1943 deportierte man ihn über das Sammellager Bochnia nach Ausschwitz-Birkenau. Hertzko Haft wurde die Häftlingsnummer 144738 in den Unterarm eintätowiert. Allerdings sind weder sein Name noch die anderen etwa 3000 an diesem Tag aus Bochina eingetroffenen Häftlinge in den Listen des Konzentrationslagers verzeichnet worden. Es ist dies nachweislich nicht der einzige Fall, dass die Lagerbürokratie angesichts des enormen Mordsprogramms überfordert war. Später hat man Haft in das etwa 20 Kilometer vom schlesischen Kattowitz gelegene Ausschwitz-Nebenlager Jaworzno verlegt, wo die Häftlinge in Kohlegruben schuften mussten. Hier hat Hertzko Haft geboxt, protegiert von einem SS-Mann, dessen Namen nicht bekannt ist und der in Buch und Comic »Schneider« genannt wird.

Als im Verlauf des Zweiten Weltkrieges die Rote Armee immer näher rückte, wurden die Häftlinge, darunter auch Hertzko Haft und sein Bruder Peretz, den er in Jaworzno wiedergetroffen hatte, auf Todesmärsche Richtung Westen geschickt. Der erste Marsch führte sie, beginnend am 17. Januar 1945, nach Groß-Rosen in Niederschlesien, etwa 50 Kilometer von Breslau entfernt. Bald darauf wurde auch das KZ Groß-Rosen geräumt, und nach einem neuerlichen Todesmarsch fanden sich die Häftlinge im Lager Flossenbürg in Bayern wieder. Dort wurde am 13. Februar 1945 die Ankunft der Brüder Haft bürokratisch festgehalten. Aus Flossenbürg, aber auch aus anderen KZs, in denen zu Beginn des letzten Kriegsjahrs klaustrophobische Enge, katastrophale hygienische Verhältnisse und ein dramatischer Mangel an Lebensmitteln herrschten, sind Fälle von Kannibalismus bekannt geworden, wie sie sich in Hafts Erinnerungen finden. Am 16. März 1945, auch das ist durch die Lagerbürokratie verbürgt, wurden die Brüder Haft von Flossenbürg nach Leonberg bei Stuttgart verbracht. Als sie von Leonberg aus wieder auf einen Todesmarsch geschickt wurden, diesmal nach Bayern in die KZ-Außenlager Kaufering und Mühldorf, gelang Hertzko Haft die Flucht. Sein Bruder Peretz hingegen erreichte das Ziellager und wurde bald darauf von der US-Armee befreit.

Hertzko Haft blieb nach dem Ende des Kriegs zunächst in Bayern, wo er 1946 vor 10.000 Zuschauern ein Boxturnier für jüdische »Displaced Persons« gewinnen konnte. Kurz darauf wanderte Haft in die USA aus und schlug 1948 eine Karriere als Profiboxer ein. Seine sportliche Laufbahn nahm einen vielversprechenden Anfang mit zehn in Serie gewonnen Kämpfen, die Haft zumeist durch K.o. für sich entschied. Dann aber setzte eine Reihe von Niederlagen ein. Am 18. Juli 1949 verlor Haft im Rhode Island Auditorium in der Stadt Providence den letzten Boxkampf seines Lebens durch K.o. in der dritten Runde. Es war das Duell gegen den späteren Schwergewichtsboxer Rocky Marciano. Ob dieser Kampf tatsächlich vom organisierten Verbrechen geschoben war, wie Haft Zeit seines Lebens behauptet hat, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen: Einerseits wurde Marciano nachweislich von der Mafia protegiert, andererseits war er definitiv einer der besten Schwergewichtsboxer des vergangenen Jahrhunderts, in einer Reihe mit Joe Louis oder Muhammad Ali. Hafts Kampfbilanz nach 21 Profikämpfen lautete: 13 Siege, davon acht durch K.o, acht Niederlagen, davon fünf durch K.o.

»Mein Vater war Analphabet, er konnte lediglich die Comics und die Ergebnisspalten im Sportteil der Zeitung lesen.« berichtet Alan Scott Haft von der schwierigen Arbeit an der Lebensgeschichteseines Vaters. Daher sei es Harry Haft auch verwehrt geblieben, zur Überprüfung seines Gedächtnisses historische Werke oder Dokumentationen heranzuziehen. Fast sechzig Jahre lang hatte er die dramatischen Erlebnisse zu verdrängen versucht. Sein Sohn schildert den Vater als »grausamen und gewalttätigen Mensch« es habe sehr lange gedauert, bis er begriff »wie viel Schlimmes er in seinem Leben mitgemacht hatte« Das Erscheinen der amerikanischen Ausgabe seiner Biographie hat Harry Haft noch erleben dürfen. Am 3. November 2007 ist er in Florida gestorben.

Hertzko bzw. Harry Hafts Lebensgeschichte ist einzigartig und steht doch in Teilen exemplarisch für vergleichbare Biographien. Einige Schicksale sollen in Folge vorgestellt werden.

VICTOR »YOUNG« PEREZ Wurde 1911 im französischen Tunesien als Victor Younki geboren und wuchs in einer sephardischen Familie im jüdischen Viertel von Tunis auf. Mit 14 Jahren wurde Perez Boxer; 1927 ging er als Profi nach Frankreich, wo er eine Weile lang eine Beziehung mit der späteren Schauspielerin Mireille Balin führte. 1931 schlug er den Amerikaner Frankie Genaro und wurde Weltmeister im Fliegengewicht. »Die Rückkehr nach Tunis wurde zu einem wahren Triumphzug« schreibt der Historiker Diethelm Blecking. »100.000 begeisterte Zuschauer säumten die Avenue Jules-Ferry und huldigten dem Champion.« Noch im November 1938, exakt am 9. November, dem Tag der »Reichskristallnacht« reiste Perez nach Berlin, um dort zu boxen. Aus Angst vor dem, was er dort zu sehen bekam, verlies er das Hotelzimmer nur zu seinem Kampf. In der Deutschlandhalle verlor er gegen den Österreicher Ernst Weiss – und wurde vom Publikum mit Hass überschüttet. Als die Wehrmacht Paris besetzte, versuchte Perez zu fliehen, fiel aber einer Denunziation zum Opfer. Am 21. September 1943 wurde er inhaftiert und schon bald darauf nach Ausschwitz deportiert, wo er als Zwangsarbeiter der IG Farben im Lager Ausschwitz-Monowitz (auch bekannt als Ausschwitz III) endete. Zum Vergnügen der SS-Leute musste er hier boxen. Von einem Kampf berichtet Diethelm Blecking: »Das Publikum bestand aus 200 SS-Männern, die aus allen Ecken, auch benachbarten Lagern, gekommen waren. Dazu kamen 100 bis 150 Blockälteste und Kapos aus der Lager-Nomenklatura sowie Hunderte von Häftlingen, die aus 100 Meter Entfernung zuschauten.« Angesichts der näher rückenden alliierten Truppen schickte die SS die Häftlinge aus Monowitz gegen Kriegsende auf einen Todesmarsch nach Gleiwitz. Young Perez überlebte ihn nicht, er wurde am 22. Januar 1945 ermordet, vermutlich durch den Schuss eines Bewachers.

1943 wurde der damals 17-jährige Straßburger Jude NOACH KLIEGER nach Ausschwitz deportiert. Lagerkommandant war Heinrich Schwarz, dem nachgesagt wurde, sich zu einem privaten Amüsement eine Boxstaffel zusammengestellt zu haben. Klieger hatte nie zuvor geboxt, aber als Freiwillige für Schwarz‘ Staffel gesucht wurden, meldete er sich. »Ich weiß nicht, was mich damals geritten hat, an der Rampe die Hand zu heben« sagte Klieger später dem Journalisten Helmut Kuhn. Als einer der Häftlinge, die jeden Sonntag für die SS-Schergen zum Schauboxen antraten, erhielt Klieger einen zusätzlichen Teller Suppe pro Tag. Insgesamt absolvierte er 22 Kämpfe – »gewonnen habe ich keinen« Mit ihm hätten, so berichtet er, zwei Boxeuropameister und ein früher Profifußballer in Ausschwitz geboxt. Ihre Namen sind nicht bekannt. Später wurde er ins KZ Dora-Mittelbau nach Thüringen verlegt und, als die Rote Armee näherkam, auf die Todesmärsche geschickt. Klieger gelang es zu überleben. Nach 1945 wurde er einer der Kommandanten des legendären Schiffes »Exodus« das Juden nach Palästina brachte. In Israel hat er später als Journalist gearbeitet und stand als Präsident Makkabi Tel Aviv vor, bis heute einer der besten Basketballklubs der Welt. Geboxt hat er nie wieder.

Der Niederländer LEENDERT »LEEN« JOSUA SANDERS gab sein Profidebüt als Mittelgewichtler bereits mit 18 Jahren. 1929 konnte er den Deutschen Gustav Eder schlagen, doch trotz solcher Siege über starke Gegner konnte er keinen wichtigen Titel für sich verbuchen: Die Gewinne der niederländischen Leicht- und Mittelgewichtsmeisterschaften bleiben seine größten Erfolg; 1936 unterlag er im EM-Kampf gegen den Belgier Felix Wouters. Noch im Dezember 1940 absolvierte Leen Sanders einen Profikampf in Amsterdam. 1941 wurde die jüdische Familie Sanders nach Ausschwitz deportiert. Sanders‘ Frau, seine Söhne, seine Eltern und sieben Geschwister wurden dort umgebracht. Leen Sanders überlebte allein deshalb, weil er im Lager boxte. Nach seiner Befreiung ging Sanders in die Niederlande zurück und bestritt dort noch zwei Profikämpfe. Im Jahr 1992 starb Leen Sanders 83-jährig in Rotterdam.

Der Italiener LEONE »LELLETTO« EFRATI begann seine Profikarriere 1935 als 20-jähriger. Drei Jahre später ging die USA, und bereits Ende 1938 erhielt der Federgewichtler einen großen Kampf: Gegen den amerikanischen Weltmeister Leo Radak ging er über zehn Runden und verlor. Vermutlich war der Kampf allerdings nicht als Titelkampf lizensiert gewesen. Es gibt Stimmen, die vermuten, dass Efrati, der damals als Nummer zehn der Weltrangliste geführt wurde, durch einen Sieg über Rodak in den USA hätte bleiben können. So aber wurde der Jude nach Italien abgeschoben. Um 1940 herum erfolgte Efratis Deportation nach Ausschwitz. Die italienischen Journalisten Alessandro Ferrarini und Paolo Consiglio haben Efratis Geschichte recherchiert: »In Ausschwitz wurde er gezwungen, an grausamen Boxkämpfen teilzunehmen, in denen er gegen wesentlich schwere Gegner antrat – zur Belustigung der Wachmannschaften.« Ferrarinis und Consiglios Nachforschungen zufolge hat Efrati all das überlebt. »Doch als sein Bruder von den Wachleuten schwer misshandelt wurde, suchte er Vergeltung. Niemand hat ihn besiegt – nur die bewaffneten deutschen Soldaten: Leo Efrati wurde in Ausschwitz ermordet, er starb am 19 April 1944.«

Mit 14 Jahren hat der Grieche SALAMO AROUCH seinen ersten Boxkampf absolviert, und schon mit 17 Jahren wurde Arouch 1941 Balkanmeister im Weltgewicht. Nachdem die Wehrmacht Griechenland besetzt hatte, wurde Arouchs gesamte Familie nach Ausschwitz deportiert. Auch sein Box- und Jugendfreund Jacko Razon, wie Arouch Jude, wurde mit seiner Familie verschleppt. Bald musste Arouch mehrmals die Woche vor SS-Leuten boxen. Insgesamt absolvierte er nach eigenen Angaben 208 Kämpfe – keinen einzigen verlor er, auch wenn er häufig gegen schwerere Gegner antreten musste. »Es war eine Art Hahnenkämpfe« berichtete Arouch später der New York Times. Die Unterlegenen Kämpfer seien zumeist ermordet worden. »Salamo Arouch überlebte« schreibt Diethelm Blecking »Dank seiner boxerischen Fähigkeiten und dank der Wettprämien, die seine Boxkünste demjenigen garantierten, der auf ihn setzte.« Noch kurz vor Ende des Krieges wurde Arouch nach Bergen-Belsen deportiert. Dort erlebte er die Befreiung. Arouch ging nach Palästina, hatte Anteil am Aufbau des Staates Israel und versuchte sich 1955 als Profiboxer. Den einzigen Kampf seiner kurzen Laufbahn verlor er allerdings durch K.o. Danach gründete er ein kleines Transportunternehmen. 1989 wurde Arouchs Leben von dem US-Regisseur Robert M. Young. Mit Willem Dafoe in der Hauptrolle unter dem Titel ‚Triumph des Geistes‘ verfilmt. Im Abspann sieht man Dafoe und Arouch in einer anrührenden Szene gemeinsam in einer griechischen Taverne tanzen.

Der Mittelgewichtler JACKO RAZON wurde 1939 18-jährig griechischer Meister der Amateure. Boxen hatte er gemeinsam mit seinem Jugendfreund Salamo Arouch gelernt. Für Olympiakos Saloniki, den Fußballklub seiner Heimatstadt, stand Razon zudem in der ersten griechischen Liga im Tor. Als die Deutschen Griechenland 1943 eingenommen hatten, wurde der Jude Razon nach Ausschwitz deportiert. In Ausschwitz-Monowitz stellte er vermutlich im Auftrag des Lagerkommandanten Heinrich Schwarz eine Boxstaffel zusammen: zwölf Boxer, Juden und Nichtjuden, Profis und Amateure. Der frühere Weltmeister Victor »Young« Perez war darunter, vermutlich auch der Franzose Noach Klieger. Jacko Razona selbst musste jede Woche mindestens einmal boxen, oftmals gegen schwere Gegner. Die meisten seiner Kämpfe hat er gewonnen; über 120 sollen es gewesen sein. Ihm wird nachgesagt, dass er durch seine guten Kontakte zur Lagerküche, aus der seine Extrarationen bekam, vielen anderen Häftlingen helfen konnte. Später wurde er nach Gleiwitz, dann nach Mittelbau Dora verlegt. Auch in Dora boxte er. In Bergen-Belsen, der letzten Station seines Leidenswegs, sollte er auch gegen seinen Jugendfreund Salamo Arouch boxen. Die Befreiung des Lagers im Mai 1945 durch die britische Armee verhinderte den Kampf. Nach 1945 organisierte er eine von den britischen Mandatsbehörden als illegal bezeichnete Einwanderung von Holocaust-Überlebenden nach Palästina. Als 1989 das Schicksal seines Freundes Salamo Arouch als Triumph des Geistes verfilmt wurde, reichte Razon Klage ein: Es sei sein Leben gewesen, das da in Szene gesetzt worden war. Sein Protest war erfolglos.

Ende der 1920er-Jahre zählte der Sinto JOHANN »RUKELIE« TROLLMANN aus Hannover zu den besten norddeutschen Amateurboxern. Als er nicht zu den Olympischen Spielen 1928 entsandt wurde – vermutlich da er als »Zigeuner« galt – wurde er Profi. Am 9. Juni 1933 kämpfte er gegen den Kieler Adolf Witt um die deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht. Der Titel war vakant, weil der Inhaber, der jüdische Boxer Erich Selig, emigrieren musste. Trollmann boxte überlegen, doch der nazifizierte Boxverband verweigerte ihm den Gürtel. Publikum und Trollmann protestierten unter Tränen, und er wurde doch Meister. Vier Tage später erkannte der Verband ihm den Titel wieder ab: Ein deutscher Boxer dürfe »nicht in aller Öffentlichkeit heulen«. Trollmann boxte auf Rummelplätzen weiter, immer wieder von Repressalien bedroht. 1938 wurde er verhaftet. Zunächst steckte man ihn ins Arbeitslager, dann in die Wehrmacht zum Einsatz an der Ostfront, und 1942 kam er schließlich ins KZ Neuengamme. Dort musste Trollmann boxen um die SS-Männer zu unterhalten. Am 9. Februar 1943 wurde er für tot erklärt. Der Hamburger Sportjournalist Roger Repplinger fand Aussagen eines anderen KZ-Häftlings, wonach Trollmann unter dem Namen eines verstorbenen oder ermordeten KZ-Insassen in das KZ-Außenlager Wittenberge gekommen ist. Immer wieder wurde er dort von SS-Leuten und Kapos zum Boxen gezwungen; im Jahr 1944 trat ein Kapo namens Emil Cornelius gegen Trollmann an. Als Trollmann ein Niederschlag gelang, nahm sich Cornelius einen Knüppel und erschlug ihn. Erst im Jahr 2003 hat der Bund Deutscher Berufsboxer Rukelie den Deutschen Meistertitel 1933 nachträglich zuerkannt. Diese symbolische Rehabilitierung erfolgte erst auf massiven öffentlichen Druck.

Obwohl der Pole TADEUSZ »TEDDY« PIETRZYKOWSKI das Boxen erst mit 20 Jahren erlernt hatte, wurde er bald Warschauer und polnischer Vizemeister im Bantamgewicht. Angesichts des Überfalls der Wehrmacht auf Polen 1939 meldete sich Piertrzykowski zur Verteidigung von Warschaus. Mit Polens Kapitulation im Frühjahr 1940 versuchte er sich nach Frankreich durchzuschlagen, wurde jedoch verhaftet und nach Ausschwitz verbracht. Vermutlich hat er in Ausschwitz-Monowitz 40 bis 60 Boxkämpfe bestritten. Es gibt Berichte, wonach er auch gegen den niederländischen Mittelgewichtler Leen Sanders geboxt habe. Später wurde Pietryzkowski nach Neuengamme verlagert, wo er noch einmal etwa 20 Kämpfe absolviert haben soll. Nach einer neuerlichen Verlegung nach Bergen-Belsen wurde Pietryzkowski im April 1945 von britischen Soldaten befreit. Nach dem Krieg organisierte Pietryzkowski die Sportausbildung in der polnischen Armee. Vor dem Hintergrund von Pietryzkowski Leben schrieb der polnische Schriftsteller Jozef Hen die Erzählung Der Boxer und der Tod, die 1964 auch in deutscher Sprache erschien. Bereits zwei Jahre zuvor hatte der tschechoslowakische Regisseur Peter Solan die Geschichte unter Mitwirkung des DDR-Schauspielers Manfred Krug erfolgreich verfilmt.

Unter dem Namen »KID FRANCIS« wurde der in Frankreich lebende Italiener FRANCESCO BUONAGURIO bekannt. 1925 wurde er französischer Bantamgewichtsmeister, und 1926 verlor er gegen Henri Scillie den Kampf um die Europameisterschaft nur knapp nach Punkten. Einmal, 1931 im legendären Madison Squarre Garden von New York, lieferte sich Kid Francis einen Schaukampf gegen Fidel LaBarba: vor fast 8.000 Zuschauern begeisterte mit einer »entfesselten Boxvorstellung« wie die New York Times damals schrieb. Als die Wehrmacht Paris besetzte, wurde der Jude Kid Francis festgenommen und bald darauf nach Ausschwitz deportiert, wo er vor SS-Leuten Schaukämpfe absolvieren musste. 1943 wurde Francesco Buonagurio im KZ ermordet.

Die Mehrzahl der Männer, die im KZ um ihr Leben boxten, fanden dort den Tod. Die wenigen, denen es gelang sich durchzuschlagen, vermochten später kaum über ihr Leiden zu berichten. Sie waren schwer traumatisiert, und ihr Schicksal stieß weitgehend auf taube Ohren. Erst allmählich öffnen sich Geschichtswissenschaft und Sportjournalismus diesem schwierigen und wichtigen Thema, wie beispielsweise Martin Krauss.

Diethelm Blecking/Lorenz Pfeiffer (Hgg.): Sportler im Jahrhundert der Lager. Profiteure, Widerständler und Opfer. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2012

Alan Scott Haft: Eines Tages werde ich alles erzählen. Die Überlebensgeschichte des jüdischen Boxers Hertzko Haft. Göttingen 2009

Reinhard Kleist: Der Boxer. Hamburg 2012

Antisemitismus bei Kadyrow Anhänger

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Der Hamburger Kampfsportprofi Selim A. äußerte sich am Samstag, 1. Juni 2019, auf seinem Facebook-Profil offen antisemitisch. Einen Bericht über Proteste gegen den antisemitischen Quds-Marsch in Berlin kommentierte er mit den Worten “Dreckigen Juden”.

Der 25-jährige A. bestreitet seit 2014 Profikämpfe in den Mixed Martial Arts (MMA). In Deutschland trat er zuletzt bei Veranstaltungen der Reihen “GMC – German MMA Championship”, “Fair. FC” und der “Hanseatic Fight Promotion” an. Auf seinem Facebook-Profil teilte er außerdem eine Karikatur, die einen orthodoxen Juden als “Kindermörder” darstellt und so die antisemitische Ritualmordlegende aufgreift. Zustimmung bekam er für diese Karikatur vom rechtsextremen MMA-Kämpfer Frank Kortz, der in der Vergangenheit u. a. durch Hakenkreuz-Tätowierungen und Kontakte zum neonazistischen “Blood & Honour”-Netzwerk auffiel.

Fraglich ist ob der Mob beim Al-Quds Aufmarsch welcher skandiert »Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf‘ allein!« auch nur einen Kampf im KZ gegen Gegner wie Yaakov Razon, Noach Klieger, Victor Younki, Hertzko Haft, Johann Trollman, Francesco Bounagurio, Tadeusz Piertrzykowski, Leone Efrati oder Leendert Josua Sanders überstanden hätte.

Seit Ramsan Kadyrow  zum informellen Nahost-Beauftragten des Kreml aufgestiegen ist, scheint er  in seiner Interpretation des Islam noch flexibeler zu sein. Selbst Antisemiten ist er offen gegenüber, wie seine Kontakte zu Said-Magomed Ibragimov in Deutschland belegen.

Auch der spirituellen Pfad der Tariqah scheint schwer zu schreiten für Ramsan Kadyrow, durch den Sprecher der »jüdischen Gemeinden in Tschetschenien«, Mosei Junajew, mokiert er selbst das Schicksal der Bergjuden Tschetscheniens.

Die Anhänger der Politik von Ramsan Kadyrow scheinen zu vergessen, dass eine jüdisch-muslimische Tradition existiert und jeder Prophet bis auf Muhammad s.a.s. Jude war.

In Zeiten des wieder aufflammenden Israel-Palästina-Konflikts mischt sich inmitten gerechtfertigter Kritik an der Politik Israels oftmals purer Judenhass. Fälschlicherweise suggeriert dies eine Verankerung des Antisemitismus im frühen Islam. Ein Blick auf die islamische Lehre und Tradition dagegen zeigt ein sehr differenziertes Bild – trotz darin auftretender Spannungen.

Der Grund für die Verbreitung antijüdischer Parolen, Angriffe auf Synagogen und Rabbiner durch Menschen, die sich „Muslime“ nennen, ist fehlende Menschlichkeit und Ignoranz gegenüber ihrer eigenen Religion. Zweifellos gibt es einige Muslime, die antijüdisch eingestellt sind, genauso wie einige Christen, Agnostiker oder Atheisten. Der Islam aber sieht sich in der Kette der Religionen als Abschluss der göttlichen Lehren für die Menschheit. Jede göttliche Lehre, die vor dem Islam exisitierte, sollte also schlussendlich in diese abschließende Religion münden. „Wahrlich, die Religion vor Allah ist Islam. Und die, denen das Buch gegeben ward, wurden uneins, erst nachdem das Wissen zu ihnen gekommen war, aus gegenseitigem Neid.“ (3:20).

Vor diesem Hintergrund erscheint jede Schmähung der Juden so, als würde man ein mehrstöckiges Haus errichten, sich im obersten Stockwerk einnisten und gleichzeitig die Grundfeste zu zerstören versuchen, weil man meint, sie hätten nichts mehr mit den oberen Stockwerken gemein. Jede Schmähung des Judentum ist somit ein Angriff auf den Islam.

Angesichts der lautstarken Proteste vor israelischen Botschaften dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren, dass viele der Protestierenden häufig persönlich betroffen sind, indem sie Verwandte und Freunde vor Ort haben, vielleicht sogar durch die Bodenoffensive in Gaza Familienmitglieder verloren haben. Jede Art der Beschimpfung muss deutlich verurteilt werden. Doch es darf nicht vergessen werden, dass dieser Hass eine emotionale Trotzreaktion auf das unverhältnismäßige militärische Vorgehen der Israelis ist. In diesem Fall von einem „islamischen Antisemitismus“ zu sprechen, ist vollkommen absurd, da eine nüchterne Reflexion wichtig wäre, um sich einerseits darüber im Klaren zu sein, dass es Islam keinen Platz für Judenhass gibt und andererseits würde festgestellt werden, dass Israel nicht gleich Judentum ist.

Tiefer Respekt vor Juden im Islam

Diejenigen, die krampfhaft versuchen, Bezugspunkte für den islamistischen Antisemitismus in der Frühgeschichte des Islam auszumachen, ignorieren völlig die islamische Lehre und Tradition. Sicherlich kam es in dieser Frühgeschichte zu Auseinandersetzungen mit den jüdischen Bündnispartnern, da einige von ihnen vertragliche und politische Verpflichtungen nicht erfüllten, sogar Mordversuche an dem Propheten Mohammed verübten. Trotz all dieser Ereignisse, die die Beziehung zwischen Muslimen und Juden auf eine große Zerreißprobe stellten, bewies der Prophet des Islam Zeit seines Lebens immer wieder, wie sehr er Juden respektierte und sie dafür wertschätzte, dass sie an den einzigen gemeinsamen Gott und Seine Propheten glaubten. Basierend auf etliche Gemeinsamkeiten schloss der Prophet Mohammed daher zukunftsweisende Toleranzverträge mit Juden und Christen. Die Behandlung von Juden durch den Propheten Mohammed wirkte so anziehend auf sie, dass einige unter den Juden eine derartige Liebe entwickelten, dass sie die Hände und Füße des Propheten küssten (Trimdhi). Der Prophet blieb immer seinen Prinzipien treu und verurteilte nicht nur jedes Unrecht gegenüber Verbündeten, vielmehr wird im Koran auch gegenüber Feinden geboten: „Und die Feindseligkeit eines Volkes soll euch nicht verleiten, anders denn gerecht zu handeln.“ (5:9).

Islam-Kritikern fällt allersdings zuallererst, dass der Islam selbst Judenhass fördere, indem er Muslimen die Freundschaft mit Juden und Christen verbiete. Tatsache ist jedoch, dass der Vers kein allgemeingültiges Gesetz darstellt und diese Kritik den historischen sowie textuellen Kontext missachtet. Muslime ansprechend, warnt Gott im Koran konkret vor einer Freundschaft mit Juden und Christen, „die mit eurem Glauben Spott und Scherz treiben“ (5:58) und „die euch bekämpft haben des Glaubens wegen und euch aus euren Heimstätten vertrieben und (anderen) geholfen haben, euch zu vertreiben“ (60:10). Dies wurde also den Muslime zu einer Zeit befohlen, als sie sich in Auseinandersetzung mit anderen Stämmen befanden, bei denen durch eine Freundschaft wichtige strategische Pläne der Muslime an die Feinde weitergegeben wurden.

Im Koran wird aber auch scharfe Kritik an der jüdischen Glaubenspraxis geübt. In einem Urteil über die Kinder Israels, also Juden und Christen, zürnt Gott darüber, dass sie vom rechten Pfad abgeirrt seien und bezeichnet sie an einer Stelle als „Schweine und Affen“. Wer nun diese Aussage als ein Pauschalurteil auffasst, der zeigt sich unwissend über den Inhalt des Korans. Die Heilige Schrift der Muslime ist kein Nachschlagewerk, sondern muss ganzheitlich verstanden werden. Und da der Koran Bilder und Gleichnisse enthält, muss er interpretiert werden. Wenn also einigen Juden und Christen die Eigenschaften eines Schweins oder eines Affen zugeschrieben werden, dann wird auf diejenigen Menschen verwiesen, die, nachdem Gott sie rechtleitete und reichlich beschenkte, ihm Götter zur Seite stellten und sich als undankbar erwiesen. Sie begannen, ähnlich wie Schweine, ohne zu selektieren alles zu konsumieren, und, den Affen ähnlich, alles um sich herum nachzuahmen.

Bei einem sorgfältigeren Blick auf den Koran wird deutlich, dass der Islam einen durchaus differenzierten Blick auf die jüdische Glaubespraxis pflegt. Es wird immer wieder betont: „Es sind unter ihnen Leute, die Mäßigung einhalten.“ (5:67). Außerdem fällt auf, dass auch Juden in das ewige Paradies einziehen dürfen. Es heißt dort: „Wahrlich, die Gläubigen und die Juden und die Christen und die Sabäer – wer immer (unter diesen) wahrhaft an Allah (Gott) glaubt und an den Jüngsten Tag und gute Werke tut –, sie sollen ihren Lohn empfangen von ihrem Herrn, und keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie trauern.“ (2:63). Neben dem Koran gibt es unzählige Überlieferungen, die von einer großen Wertschätzung des Judentum durch den Propheten zeugen. So wird berichtet, dass einst ein Jude sich beim Propheten darüber beschwerte, dass ein Muslim ihn geschlagen hatte, als er den Propheten Moses über den Propheten Mohammed stellte. Daraufhin rügte der Prophet den Muslim und sagte: „Gebt mir keinen Vorrang vor anderen Propheten!“ (Bukhari). An anderer Stelle wird überliefert, dass der Prophet aus Respekt aufstand, als eine jüdische Leichprozession an ihm vorbeizog. Als er von einem Gefährten darauf hingewiesen wurde, dass es das Begräbnis eines Juden sei, antwortete er: „Ist das keine Menschenseele?“ (Bukhari). Als Safiyyah, die jüdische Ehefrau des Propheten, verächtlich als „Tochter eines Juden“ bezeichnet wurde, bat der Prophet darum, darauf so zu antworten: „Warum bist du besser als ich, wenn mein Mann Mohammed ist, mein Vater Aaron und mein Onkel Mose?“ (Tirmidhi).

Die judeo-arabische Kultur

Als der Prophet Mohammed im 7. Jahrhundert verstarb, folgte ein dreißigjähriges Kalifat der spirituellen Nachfolger des Propheten. Im Anschluss an diese Zeit folgten rein weltliche Herrschaftsformen, in denen Führer unter dem Deckmantel des Islam unmoralisch handelten. Sie eroberten und mordeten aus Habsucht, Herrschsucht und Ehrsucht. In diesen Zeiten geschah auch den Juden zeitweise großes Unrecht. Es wäre jedoch völlig falsch, diese Zeit als Basis für die Schaffung von Frieden zwischen Juden und Arabern heranzuziehen. Vielmehr gibt es eine oftmals vergessene jüdisch-islamische Symbiose im Mittelalter, die als Vorbild für ein Zusammenleben herhalten könnte. Tatsächlich ist wenig bekannt, dass Juden in Spanien länger lebten als in jedem anderen Land, einschließlich Israel. Über 1.000 Jahre spielten Juden eine bedeutende Rolle in der kulturellen und sozioökonomischen Entwicklung der iberischen Halbinsel. Es lebten mehr Juden in Spanien als in allen Ländern Mitteleuropas zusammen. Einen Großteil der Zeit auf der iberischen Halbinsel verbrachten diese Juden unter muslimischer Herrschaft, welche auch den längsten Zeitraum einer friedlichen Koexistenz mit anderen Gesellschaften darstellt. Mit dem Sieg der Muslime bei Jerez de la Frontera begann im Jahre 711 die rasche Eroberung des Westgotenreiches, in dem Juden durch zahlreiche Gesetze christlicher Konzile starker Ausgrenzung ausgesetzt waren. Die dort lebenden Juden empfanden die muslimische Eroberung Iberiens als eine Befreiung. Unter muslimischer Herrschaft kam es dann zur Herausbildung einer jüdisch-islamischen Tradition, die nicht nur eine Symbiose auf dem Gebiet der Wissenschaft und Philosophie beinhaltete, sondern auch eine Assimilation der Juden an islamische Denk- und Verhaltensweisen zur Folge hatte. In nahezu allen kulturellen Bereichen erbrachten sie unter der muslimischen Herrschaft Höchstleistungen.

Erst unter osmanischer Herrschaft sollte sich die Lage der Juden verändern. Obwohl Juden wichtige Stellungen in Handel, Gewerbe oder im Staatsdienst einnahmen, löste sich die kulturelle Symbiose schrittweise auf. Es kam zu Auswanderungswellen im 15. und 16. Jahrhundert von Juden aus Europa in das tolerantere Osmanische Reich. Antisemitismus unter Muslimen bildete sich erst im 19. Jahrhundert im geschwächten Osmanischen Reich heraus. Wieder einmal zeigt sich: Geschichte wiederholt sich. Sündenböcke und Feindbilder bei Verbrechen, Seuchen und Unheil aller Art waren schnell gefunden. Ethnische und religiöse Minderheiten, auch Juden, da sie nur wenig integriert waren und häufig unter Restriktionen litten, wurden zur Zielscheibe des sich ausbreitenden Hasses. Erstaunlich ist hierbei, dass antisemitische Ideologien erst aus Europa importiert wurden, indem antisemitische Pamphlete meist christlicher Verfasser ins Arabische übersetzt wurden. Erst im 20. Jahrhundert wurden zusätzlich nationalsozialistische Ideologien importiert, die seitdem eine wichtige Quelle der Inspiration für islamistische Bewegungen der arabischen Welt darstellen.

Wege zur Bekämpfung des Antisemitismus

Wie kann man nun diesem „neuen“ Judenhass begegnen, der als Konsequenz des ungelösten Israel-Palästina-Problems aufflammt? Israelische Fahnen helfen nicht im Kampf gegen Antisemitismus. Die Menschen müssen wieder zwischen dem israelischen Staat und Juden unterscheiden können. Das wird indes nicht funktionieren, wenn der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Dr. Graumann, mehr Empathie und Verständnis für den jüdischen Staat fordert, sobald Kritik an der israelischen Politik geäußert wird. Auch wird ein reflexhaftes Verweisen auf das Existenz- und Selbstverteidigungsrecht Israels durch jüdische Geistliche in Deutschland die Kritiker nicht dazu bringen, sorgfältig zu differenzieren. Muslime und Juden müssen offen Stellung gegen Unrecht beziehen und diesem ihre Lehren des Friedens und der Toleranz entgegenstellen. Die Heiligen Schriften beider Religionen sprechen von einem Grundsatz, der als Brücke und gleichzeitig als eine rote Linie fungieren könnte:

„Wenn jemand einen Menschen tötet […] , so soll es sein, als hatte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, so soll es sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten.“ (Koran, 5:33).

„Denn jeder, der eine Seele Israels tötet, der gelte nach der Schrift wie einer, der eine ganze Welt getötet hat. Und jeder, der das Leben einer Seele Israels rettet, der gelte nach der Schrift wie einer, der eine ganze Welt gerettet hat.“ (Talmud, Sanhedrin, 4:5)

Auch Medien und Politik in der Bundesrepublik müssen ihre Rolle ernst nehmen. Sie dürfen nicht zu einem Wegbereiter des Antisemitismus werden, indem sie ständig versuchen, ihre blinde Loyalität zu Israel unter Beweis zu stellen. Natürlich gibt es aber noch so etwas wie die deutsche Vergangenheit, die im kollektiven Gedächtnis Deutschlands fest verankert ist. Und trotzdem kann man nicht mit dem Verweis auf schreckliche Dinge der Vergangenheit das heutige Unrecht geschehen lassen. Ja, Frau Merkel, nicht nur die Sicherheit Israels sollte zur Staatsräson gehören, sondern der Schutz jedes einzelnen Menschenlebens! Diese Emanzipierung von alten Denkmustern hätte eine große Signalwirkung im gemeinsamen Kampf gegen jede Art von Ungerechtigkeit unabhängig religiöser und nationaler Zugehörigkeiten. Denn sollte jede Israel-Kritik als „antisemitisch“ abgestempelt werden, dann wird der Frust der schweigenden Kritiker sie in extreme Haltungen führen. Hier müssen auch die jüdischen Gemeinden in Deutschland aktiver werden. Sie müssen mit unpolitischen Aktionen mehr Transparenz, mehr Berührungspunkte und Dialogmöglichkeiten schaffen. Zu betonen wäre hierbei, dass antimuslimische Ressentiments in keiner Weise zur Bekämpfung von Judenhass beitragen können. Man kann doch nicht brennende Häuser löschen, indem man andere Häuser anzündet!

Die Kadyrow Stiftung »Allah gibt großzügig«

рубрика: Kadyrow, Kriminelle & Kampfsport

Die Kadyrow Stiftung verteilt (vermeintlich) tonnenweise Hilfsgüter unter dem Banner von Wladimir Putin, Ramsan Kadyrow und Bashar al-Assad. Gerne prahlt der Ramsan Kadyrow damit, dass seine Hilfsstiftung als einzige direkt an der Frontlinie aktiv ist, dabei waren andere jahrelang vor ihm vor Ort aktiv, als die russische Regierung noch damit beschäftigt war die Präsenz eigener Einheiten in Syrien zu negieren.

Der Kaukasische Knoten dokumentierte, wie man »Geld von Allah« ausgeben kann: Der Turmbau zu Babel in Tschetschenien, sagenhafte Steuergebühren und Kampfsportturniere ohne Regeln werden, zusammen mit den üblichen sozialen und wirtschaftlichen Projekten erwähnt, wenn es um die Aktivitäten der Tschetschenischen Achmat Kadyrow Stiftung geht. Anfangs 2018 hat die Kadyrow-Stiftung versprochen, 800´000 Dollar für muslimische Flüchtlinge aus Myanmar zu spenden. Nach der Zeitung Kommersant, wird das Geld für den Fonds »in freiwilliger Form« von allen tschetschenischen Beschäftigten im öffentlichen Sektor gesammelt. Einnahmen stammen ebenfalls aus Angeboten und Beiträge von Handelsunternehmen.

Zu den bedeutendsten Projekten des Fonds gehört z. B. die Errichtung der Moschee in Grosny, welche nach Achmat Kadyrow benannt ist. Für das »Herz von Tschetschenien« welche nach Angaben von Ramsan Kadyrow die größte in der Föderation sei (Die Moschee von Machatschkala ist grösser) wurden alleine 900 Millionen Rubel ausgegeben. Weitere Bauprojekte welche die Stiftung finanzierte, sind die Wohnanalgen in Grosny, Argun Stadt sowie Shali Stadt und natürlich der 400 Meter hohe Achmat Turm, mit einem Kostenvorschlag von 500 Millionen Dollar. Aus dem Geld des Fonds werden die Gäste in Grosny bezahlt – seien es Schauspieler wie Claude Van Damme, Hillary Swank, Gerard Depardieu oder Sportler wie Mike Tyson oder Diego Maradona. Der Fonds deckte auch die Kosten für diverse Kampfsportveranstaltungen wie Die schreckliche Schlacht (Грозную битву) ein Turnier für Kämpfe ohne Regeln und des Fußballvereins, welcher erst gerade auf Wunsch von Kadyrow von »Terek« in »Achmat« umgetauft wurde.

Wer führt die Stiftung?

Die Kadyrow-Stiftung wurde 2004 gegründet, kurz nach dem Tod seines Vaters Achmat Abdulchamidowitsch Kadyrow. Aktuell ist »der Präsident« der Stiftung Achmat Kadyrows Witwe – Aymani Nesievna Kadyrova. Ramsan Kadyrow hält die Funktion des Vorsitzenden des Kuratoriums inne. Die Gründer des Fonds sind unteranderem Khalid Vainakhov, der Leiter des Dienstes »für die friedlichen Richter von Tschetschenien«, stellvertretender Generaldirektor für Sicherheit von Grozneftegaz OJSC Abusupyan Daayev und der Chef des Ministeriums für innere Angelegenheiten von Tscheljabinsk Shamkhan Denilkhanov – Bruder von Ramsan Kadyrows Frau.

Was macht das ganze Geld?

Nach offiziellen Daten werden die Ressourcen des Fonds zur Reparatur von zerstörten und Errichtung neuer Häuser, medizinischen und pädagogischen Einrichtungen, zur Unterstützung von behinderten Menschen und Kriegsveteranen, zur Vergabe von Mitteln zur Unterstützung von Museen und Tanzensembles, sowie zur Errichtung und Wiederherstellung heiliger Stätten in Tschetschenien verwendet und darüber hinaus, zur Organisation und Durchführung von Veranstaltungen auf nationaler, allrussischer und internationaler Ebene (islamisches Forum, »Golden Perot« Journalistenwettbewerb), sowie der Finanzierung von Sportmannschaften und Wettbewerben.

Woher kommt das Geld?

Es gibt keine offiziellen Informationen über die Finanzierungsquellen auf der Website des Fonds. Nach Ramsan Kadyrows Angaben gibt Allah großzügig – ebenso wie freundliche Leute »die Freunde meines Vaters und meine Freunde …, die nicht oft nach Hause kommen und deshalb der Republik durch den Fonds helfen können.« Darunter tschetschenische Geschäftsleute wie Umar und Hussein Dzhabrailov, Ruslan Baisarov, Michail Gutseriev. Es gibt nach Kadyrow »Freunde im Ausland, die eine Seele für ihr Mutterland haben«. Der Fonds wird auch mit anonymen Spenden muslimischer Geschäftsleute aufgefüllt.

Darüber hinaus ist der Fonds in der Wirtschaft tätig, da sich der Gründer in mehreren Unternehmen mit politisch-profitablen Aktivitäten engagiert. Der Fonds besitzt 100% der Megastroyinvest, Chechen Mineral Waters (Produktion von nichtalkoholischen Getränken), Iceberg LLC (Eiscreme-Produktion), Bolu Travel LLC und Zentrum für Islamische Medizin. Alle erhalten profitable Regierungsausschreibungen. Der Fonds handelt unter anderem auch mit Immobilien (Arena City), Abhalten von Sportveranstaltungen (LLC „Colosseum“), Finanz- und Investitionstätigkeit (JSC „Banking – Partner“), Herstellung von Arzneimitteln (JSC „Belfarma“). Einnahmen aus Handelsfirmen und Ausschreibungen sind aber nur eine der Einkommensquellen des Fonds.

Jeden Monat sind alle Staatsangestellten verpflichtet, etwa 10% ihres Einkommens aus Nächstenliebe zu übertragen. Spenden sind formalisiert, obwohl sie freiwillig verpflichtet sind. Mitarbeiter von privaten Unternehmen geben ein Drittel, Unternehmer circa die Hälfte ihrer Gewinne. Das Monatsvolumen der »freiwilligen Beiträge« erreicht 3-4 Milliarden Rubel. Dieses Geld fließt nicht in die Steuern, existiert außerhalb des Gesetztes und entzieht sich jeder Art von Kontrolle.

Die Angaben zum Jahresabschluss des Fonds sind zum Teil nicht vorhanden/einsehbar. Offizielle Angaben zum Jahresabschluss 2012 – 2015 geben die Realität nur verzehrt wieder. Nach dem Unified State Register der juristischen Personen (EGRUL), die Balance des Betrags für 2012 allein 916 Millionen Rubel, erhöhte sich auf 1,45 Milliarden im Jahr 2013, und in 2014 – 2015 auf fast 1,6 Milliarden Rubel. Nach dem Bundesgesetz über gemeinnützige Organisationen sollten diese Informationen in der Datenbank des Justizministeriums verfügbar sein, aber das Ministerium stellte fest, dass das RJF von dieser Anforderung befreit ist, wie es nationalen Medien berichteten. Doch in welchen Medien werden die Informationen über die Kadyrow-Stiftungsfinanzierung veröffentlicht? Weder die Kontenkammer noch die Federal Tax Service haben jemals die Achmat Kadyrow-Stiftung geprüft oder sogar den Wunsch geäußert, dies zu tun.

Projekte der Kadyrow-Stiftung

Die Finanzierung und somit auch Kontrolle über aller Großprojekte in Tschetschenien werden über die Stiftung abgewickelt oder durch Personen im nahen Umfeld von Ramsan Kadyrow. So hat die Stiftung im Jahr 2007 die Grosny Avia-Fluggesellschaft gegründet. Im Jahr 2012 wurde die Fluggesellschaft, vor der Reorganisation, Eigentum des Ministeriums für Verkehr und Kommunikation von Tschetschenien und LLC Liner-1. Allein im Jahr 2012 erhielt »Grosny Avia« durch die Staatsverträge 120,8 Millionen Rubel. Im Jahr 2014, als die Regierung versprach, Tarife für die Flüge auf die Krim zu subventionieren, wurde Grosny Avia die erste russische Fluggesellschaft, welche regelmäßige Flüge nach Simferopol nach Annektierung der Halbinsel anbot. Die Gesamtsumme der Subventionen, die das Unternehmen im Jahr 2014 erhielt, betrug 87, 7 Millionen Rubel. Allerdings konnte selbst die Stiftung die großen Umsatzverluste nicht abdecken, die von 46,8 auf 172,2 Millionen Rubel 39 anstiegen. Als Ergebnis setzte Rosaviatsia im Dezember 2016 das Zertifikat der tschetschenischen Fluggesellschaft aus.

Es ist interessant, dass selbst Aimani Kadyrova LLC Liner-1, ein Unternehmen, dass offiziell in der »Lebensmittelproduktion« aktiv ist, keine Einsicht in die Buchhaltung gewährt aber dessen Besitzer Ramsan Musaykhanov, (Gründer von Sapphire/Reparatur von Elektrogeräten) dennoch erfolgreich Staatsauschreibungen gewinnt. Zum Beispiel, im Jahr 2013, erhielt Sapphire vier Regierungsaufträge für insgesamt mehr als 620 Millionen Rubel, und in jedem Fall war der Kunde das Ministerium für Verkehr von Tschetschenien. Von 2007 – 2014 war die Stiftung auch im Besitz von »Leader Auto« Später ging es in die kontrollierte Struktur des Fonds – Grozny-City LLC von Bai-Ali Edilgireev über, der auch Toyota Center Grozny besitzt. Die Hauptkunden von Leader Auto waren die Bezirksverwaltungen, territoriale Wahlkommissionen. Insgesamt erhielt das Unternehmen 141 Staatsverträge für insgesamt 71,4 Millionen Rubel. Die Firma »Grosny City« verwaltet einen Komplex von Wolkenkratzern im Zentrum der tschetschenischen Hauptstadt.

Der Gründer des Unternehmens – Kharon Algereyev leitet gleichzeitig die Firma »Chechenprojekt«, welche sich in architektonischer Gestaltung und Konstruktion engagiert. Generaldirektor von »Grozny City« Movsadi Alva, steuert wiederum 100% der Firma »Shali City« die der Betreiber des gleichen Namens des Verwaltungs- und Wohnkomplex in Shali ist. Movsadi Alviev ist auch mit vielen Unternehmen verbunden, die große Staatsverträge und Projekte aus dem Fonds erhielten. Neben Shali-City besitzt er Sochi-Greenlight, Kare, Kondi und ist als CEO bei ZAO Inkomstroy tätig. Bis Ende 2014 leitete er »Stadtgeschichte«.

Im Jahr 2013 lud die »Stadtgeschichte« als sie noch von Movsadi Alviev geführt wurde, die slowenische Firma Omnia Arhing ein, an dem Bau einer Ziegelfabrik in Grosny in Tschetschenien teilzunehmen. Der Kunde war Minstroy von Tschetschenien. Für ihre Arbeit erhielt die slowenische Firma 5,2 Millionen Dollar. Der Unterauftragnehmer des Baues war die Firma »Rosslav« Gela Valieva. Der Direktor der slowenischen Firma Shcheka Štefanová und Gela Valiev Gelenk haben ein Joint Venture »GS – Gruppe« welches sich im Handel mit dem Bau- und Holz betätigt. »GS – Gruppe« ist in Gudermes unter der Adresse der Kadyrow-Stiftung eingetragen.

Im Jahr 2017 stellte sich heraus, dass die Gelder für die Omnia Arhing-Rechnung an die slowenische NLB-Bank nicht vom tschetschenischen Ministerium für Bau, sondern von den britischen Firmen Ronida Invest LLP (2008-2015) und Drayscott Overseas LLP (2013-2015) kamen. Britische Unternehmen erwiesen sich als einer der wichtigsten Teilnehmer im »Landromat« – ein Schema mit Hilfe von denen Russland 22 Milliarden Dollar gewaschen hat. Movsadi Alviev beteiligt sich weiterhin an den Aktivitäten von »Stadtgeschichte« obwohl in den Dokumenten Magomed Musayev als Inhaber der Firma Lortina Assets Limited auf den Virgin Islands registriert ist.

Bis Ende 2018 beabsichtigt »Stadtgeschichte« ein internationales Ausbildungszentrum für Spezialeinheiten bei Gudermes zu bauen. Auf der Homepage der Ausbildungsstätte wird als Leasingpartner der Republik JSC »Multifunktionaler Sport Trainingszentrum Meister« Alexei Chudanov gelistet. Die Gesellschaft ist in Gudermes bei der Rechtsanschrift der Stiftung eingetragen.

Aber das größte Unternehmen des Fonds ist das MST, gegründet 2007 (seit 2012 – MSI). Aktuell ist Ruslan Saidov tätig und bis vor kurzem wurde die Firma von Muslim Zaypulayev geführt, der im April 2016 von Kadyrow zum Minister für Bau/Wohnungswesen und kommunale Dienstleistungen von Tschetschenien ernannt wurde. In nur für fünf Jahre »erarbeitete« sich die Firma Staatsaufträge im Wert von 2,9 Milliarden Rubel. Die Stiftung besitzt außerdem die Anlage »Tschetschenische Mineralwässer« und die Eisfabrik »Eisberg«. Im Jahr 2007 wurde die »Tschetschenische Mineralwässer« von einem Alikhan Dergizov geleitet, der gerade 2006 ein Hochschulabschluss erhalten hatte. Gleichzeitig leitete er die Organisation »Arena City« (Grosny Stadt). Im Jahr 2015 betrug der Umsatz der Anlage 515,7 Millionen Rubel. Die größte Eiscreme-Anlage im Gebiet von Tschetschenien, der »Eisberg«, wurde im Jahr 2008 auf dem Territorium des Gudermes-Bezirks aus dem Geld der Stiftung gebaut und wird von einem Mann namens Shakhmamed Abdulkhakimovich geleitet – auch er mit den bekannten Nachnamen Kadyrow.

Die Stiftung eröffnete 2009 das Islamische Medizinische Zentrum in Grosny, wo eine kostenlose Behandlung für Menschen mit neuropsychiatrischen Erkrankungen angeboten wird. Alle von ihnen werden durch das Lesen der Verse des Korans behandelt. Das Zentrum wird von dem stellvertretenden Vorsitzenden der Spirituellen Direktion der Muslime von Tschetschenien, Daud Selmurzayev geleitet.

So besitzt der Fonds eine Reihe von erfolgreichen und teuren Unternehmen, die mit Ramsan Kadyrow in einer oder anderen Weise verbunden sind. Aber die Hauptmittel kommen nicht aus kommerziellen Tätigkeiten, sondern freiwillig und zwangsweise aus den Geldbörsen der gewöhnlichen Tschetschenen. Ihr Gesamtbetrag wird auf 3-4 Milliarden Rubel geschätzt. Zwar leistet die Stiftung einen Beitrag zur Entwicklung der Infrastruktur in Tschetschenien, aber in einem viel größeren Ausmaß ist es eine Art persönlicher Schatz von Kadyrow, den er genießt, wie er will. Aus dessen Quellen kann er sich und seine Umgebung unterhalten, indem er nicht nur russische Stars, sondern auch ausländische aus Übersee nach Tschetschenien einlädt und sich gegenüber den Gästen in Grosny generös gibt – von der Uhr für nur 100.000 für den Herrn Kreisvorsteher bis zu zwei Millionen, für denjenigen Boxer den das Blut nicht beeindruckt.

Kadyrow & Kinderkämpfe

рубрика: Kadyrow, Kriminelle & Kampfsport

Im Kaukasus hat Kampfsport einen hohen Stellenwert, weil das alltägliche Leben oft einem Kampf gleicht, doch Kadyrow missbraucht diese Kultur für seine persönliche politische Propaganda. Gerne gibt Kadyrow sich als Kampfsportler aber es ist als Mann zu weich für den Ring. Wenn er kämpft dann nur gegen Schwächere und um sich selbst zu inszenieren wie im Fall von Salambek Ismailov – lieber lässt er seine Kinder kämpfen.

Am 12.10.2017 Ramsan Kadyrow, der die Republik seit 2007 mit eiserner Hand und von Russlands Gnaden regiert, in Grosny erneut Kämpfe seiner Söhne austragen lassen. Im Gegensatz zu den im letzten Jahr abgehalten Schlagabtausch, welcher auf breite Verurteilung stieß, lösten die aktuellen Kämpfe keine besondere Reaktion aus, und Beamte aus Tschetschenien reagierten wie gewohnt enthusiastisch auf die Kinder von Kadyrow. An den Kämpfen beteiligten sich alle seine drei Söhne – der 9-jährige Adam, der 10-jährige Zelimkhan und der 11-jährige Ahmad. Ahmad besiegte Tamirlan Merov in der Gewichtsklasse bis zu 42 kg durch technisches KO. Zelimkhan bezwang Ahmed Sherdiyevs seinen Gegner in der Gewichtsklasse bis zu 32 kg mit einem Ergebnis von 5: 0 und Adam besiegte Islam Huseynov durch technisches KO. Alle Sparringpartner von Kadyrows Kindern kamen zu den Wettkämpfen aus der Republik Kabardino-Balkarien. Magomed Daudov »der Herr« beeilte sich seine Bewunderung für die Kinder von Kadyrow zum Ausdruck zu bringen und betitelte sie als »seine Neffen« als er ihnen auf Instagram gratulierte, obwohl Daudow nicht einmal verwandt ist mit Kadyrow. Dieser hingegen schwieg bisher, selbst auf seiner persönlichen Propaganda Plattform – seinem Instagramm Account – würdigt das Oberhaupt der Republik den Sieg seiner Kinder nicht. Knapp vor einem Jahr, konnte Kadyrow nicht davonlassen, den Sieg seiner Söhne zu zelebrieren was zu einer surrealen Diskussion mit dem Präsidenten der »Russian MMA Union« Fjodor Jemeljanenko führte. Gesponsert wurde der Kampf von Kadyrows Kindern wie immer durch seine Stiftung, wie diverse seine anderen politischen Projekte.

Am 17.08.2018 organisierte Ramsan Kadyrow einen weiteren Kinderkampf in Grosny und zahlte einem 11-jährigen Kickboxer aus Kabardino-Balkarien 100.000 Rubel für die Niederlage im Kampf gegen seinen Sohn. Benutzer von sozialen Netzwerken haben den Unterschied in den Gewichtsklassen der Gegnern moniert, welche den Sohn von Kadyrow begünstigten. Ein Bericht über den Kampf seines 10-jährigen Sohnes mit dem oben genannten Kickboxer aus Naltschik wurde heute von Ramzan Kadyrow auf seiner Seite in der «VKontakte» zusammen mit einer Videoaufzeichnung des Schlagabtausch veröffentlicht. Laut Kadyrow war die Leistung seines Sohnes »eine echte Dekoration und ein spektakulärer Punkt des Internationalen Kickbox-Turniers in Grosny«. Ramsan Kadyrow lobte seinen Sohn für »ausgezeichnetes körperliches Training und Technik» und behandelte seinen Gegner als »echten Krieger« und »außergewöhnlich talentierten Kämpfer«. Beide jungen Kämpfer erhielten nach dem Kampf Becher; und der Junior-Rivale von Kadyrows Sohn erhielt auch 100.000 Rubel von der Kadyrow-Stiftung, heißt es in dem oben genannten Bericht im sozialen Netzwerk «VKontakte». Die Benutzer des sozialen Netzwerks, die das Video des Kampfes gesehen haben, haben bemerkt, dass sich Kadyrow Jr. von seinem Gegner mit einem stärkeren Körperaufbau unterschieden hat. «Wenn ich mich nicht irre, haben diese Jungs unterschiedliche Gewichtsklassen: Man hat mit bloßem Auge gesehen, dass [der Sohn des Chefs Tschetscheniens] schwerer ist als der Rivale«, schrieb einer der User in einem Kommentar zum Video. «Deshalb hat er gewonnen«, schloss Liana Kamilova in ihrer Antwort.

Sollten sich Soziologen sorgen?

Der Soziologe Michael Meuser spricht von den »ernsten Spielen der Männlichkeit«». Durch sie wird eine Ordnung in der Gruppe hergestellt. Es fühlt sich besser an, unten in der Hierarchie zu stehen als gar nicht zur Gruppe zu gehören. Die Demütigungen ausgehalten zu haben, ist die Eintrittskarte in die Gruppe. Schließlich ist für manche die Aussicht, danach selbst andere demütigen zu dürfen auch ein Gewinn. Ein wichtiger Bestandteil der männlichen Sozialisation und damit dieser Riten ist es, die Machtausübung über Frauen und andere Männer als Gewinn anzusehen.

Gewalt gedeiht gerade in ungleichen Machtverhältnissen sowie hierarchischen Zusammenhängen, die auf Unterordnung und Macht beruhen. Wo sie möglich ist findet sie auch statt, denn der Grund weshalb jemand sich nicht gegen die demütigende Rituale wehrt, liegt in der Initiation selbst, welche wiederum eng mit der Sexualität verknüpft ist. Männlichkeit und ebenso männliche Institutionen sind von Ausschluss geprägt sind, nämlich dem Ausschluss allen Weiblichen und damit auch allem Homosexuellen als dem »weiblichen Männlichen«.

Je mehr Potenziale und gesellschaftliche Optionen Jungen und Mädchen haben, umso vielfältiger können sich die Geschlechter entwickeln. Es ist zwar auch heute noch üblich, dass männliche Jugendliche über Gewaltrituale und Hierarchien eine Zugehörigkeit zur Gruppe herstellen. Dieser Rückgriff auf Männlichkeit geschieht vor allem dann, wenn keine andere gesellschaftlich wichtige Zugehörigkeit Anerkennung verspricht.

Kadyrow & Konsorten (Deutschland)

рубрика: Kadyrow, Kriminelle & Kampfsport

Loyalitätsbekundung für Kadyrow vor dem deutschen Bundestag mit Timur Duagasjew, Adam Tahaev, Vladimir Babaev, Sergey Bitkov, Schamil Dadagov inkl. Entourage

Abusaid Wismuradow welcher die Spezialeinsatzkräfte ‚Terek‘ (SOBR) sowie Kadyrows Kampfpsortverein ACA leitet auf Besuch in Berlin in Begleitung von Shamil Dadagov , Adam Tahaev und Timur Dugasajew (kniend) inkl. Entourage.

Timur Dugasajew, Sergey Bitkov, Adam Tahaev, Shamil Dadagov, Adam Tahaev, Ruslan Tschagajew, Vladimir Babaev mit Kadyrow T-Shirt und Georgsband. Seit den regierungskritischen Massenprotesten 2011 und 2012 in Russland und dem Krieg in der Ukraine seit 2014 dient das Georgsbändchen als Zeichen der Unterstützung für den politischen Kurs der Putin-Regierung.

Sergey Bitkov und Said-Magomed Ibragimov ua. beim Systema

Abusaid Wismuradow mit Timur Dugasajew, Adam Tahaev, Schamil Dadagov, Said-Magomed Ibragimov ua. bei MMA Tunier.

Trotz ausstehnder Anklagen durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) konnten Kadyrows Kommandeure wiederholt nach Deutschland kommen, nicht nur zu Kämpfen sondern selbst Operationen.

»Die jungen Exil-Tschetschenen verfolgen aufmerksam das Geschehen in ihrer Heimat«sagt Sokirianskaia. Über YouTube und soziale Netzwerke wie Instagram erfahren sie, wie Kadyrow in seiner Republik jegliche Kritik unterdrückt, wie er für Friedhofsruhe sorgt – und fühlen ihre eigene Machtlosigkeit. Aus der Ablehnung Kadyrows entsteht ein immenses Radikalisierungspotenzial, das die Eltern der jungen Tschetschenen nicht auffangen können.

Die Kommandeure Magomed Daudow und Abusaid Wismuradow beim Kampf von Muamer Hukic mit Timur Dugasajew in Deutschland – dasselbe Jahr als Daudow mit dem Kampfnamen »Der Herr« Ruslan Kutajew für seine Veranstaltung zur Deportation 1944 folterte.

Deutsche Boxfunktionäre ua. Mario Lemke mit Magomed Daudow

Timur Dugasajew mit Magomed Daudow bei Kampf in Deutschland

Said-Magomed Ibragimov mit Abusaid Wismuradow, Selim Agaev sowie Timur Dugasajew

Thomas Pütz Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB) mit Alexander  Saldostanow Gründer und Präsident des russischen Motorrad- und Rockerclubs Nachtwölfe und Timur Dugasajew.

Orden von Kadyrow für Said-Magomed Ibragimov

»4Blocks« deutsche Netflix mit Grimmepreis ausgezeichnet in welcher Said-Magomed Ibragimov mitspielte.

Said-Magomed Ibragimov & Wappen des Sonderverband Bergmanns

1. Timur (Spitzname Puhlyi) 2. Schamil Dadagov 3. Umar  4. Adam Tahaev (Said Salayh) Artyom (russischer Konvertit) 6. Timur Dugasajew 7. Bruder von Muamer Hukic 8. Muamer Hukic (bosnischer Boxer) 9. Vladimir Babaev (Spitzname Dingo) Inoffizieller Anführer Magomed E. sowie Ramsan (in Haft)

Timur Dugasajew mit Ramsan (hält Kadyrow Flagge) »Präsident« der «Guerilla Nation Vaynakh» vor dem Brandenbruger Tor am 05/09/2017

Said-Magomed Ibragimov mit Ramsan und Adam

Team Wolf

Adam

Magomed vom Regiment 95 mit Adam vom Team Wolf unterwegs

Magomed beim Kampf von Zurab Betergaraev am 05/20/2017 in Bremen

Magomed mit Selim Agaev, Zurab Betergaraev und Magomed Apazov

Selim Agaev mit seinem Trainer David Marcina und Zelimkhan Umkhadzhiev

Magomed mit Regiment 95

Magomed mit Magomed Apazov

Magomed mit Selim Agaev

 

Die diversen Kampfsportschulen und Sparrings bieten das ideale Umfeld für rechtsfreie Räume und Angriffe auf andere, wie der Fall von Mowsar Eskarchanows (2017) und Minkail Malizaew (2018/2019) in Deutschland zeigen. Der in beiden Fällen mit der Tat verbundene Beslan Dadaew, Korrespondent von Kadyrows persönlicher Propagandaplattform Grosny TV, ist oft in Begleitung von Kampfsportlern anzutreffen.

Magomed Askhabov in Leipzig © Vayfond

Beslan aus Bremen bot Magomed Daudow Hilfe für die Blutfehde mit Tumsu Abdurachmanow an. Bereits Ende 2015 hatte Kadyrow deutlich gemacht, dass Sippenhaftung nicht nur für Angehörige mutmaßlicher Terroristen gilt, sondern auch für Tschetschenen, deren Angehörige im Ausland gegen seine Politik protestieren. »Unser Brauch ist es, dass der Bruder für seinen Bruder verantwortlich ist.« Weil sein Bruder Tumsu ein bekannter Blogger und Kritiker von Kadyrow ist, gilt die Sippenhaftung auch für sein Bruder Mochmad Abdurachmanow. Dennoch wurde dessen Asylantrag in Deutschland abgelehnt, während diverse Kadyrow Anhänger sich frei in der Bundesrepublik bewegen und dem »Herrn« selbst Hilfe anbieten können.

Mowsar Ikaev aus Berlin ein Bekannter von Beslan aus Bremen © Vayfond

Beslan Algeriev aus Bremen © Vayfond

Adam Tahaev und Schamil Dadagov auf Besuch bei Ramsan Kadyrow

Adam Tahaev und Schamil Dadagov in Deutschland mit Adam Schahidov

Adam Schahidov besucht seinen Bruder Umar Mulla in Berlin in Begleitung von Timur Dugasjew, Schamil Dadaev, Adam Tahaev und Ibragimov Magomed.

Republikherrscher Ramsan Kadyrow hat eine Art Staatsislam eingeführt, heute verfolgt er alle, die seine Religionsauslegung und seine persönliche Macht infrage stellen – von islamistischen Kämpfern über Salafisten und moderate Muslime bis zu säkularen Menschenrechtlern. Dabei scheut er nicht vor Sippenhaft zurück.

Dennoch darf Timur Dugasajew unter dem Deckmantel eines Kulturvereins in Deutschland offen Werbung für die Politik von Ramsan Kadyrow machen.

»Tschetschenischen Kulturzentrum« am Germaniahafen 1, Kiel 24143.

Kadyrow & Kriminelle

рубрика: Kadyrow, Kriminelle & Kampfsport

Kriminelle ohne Kodex (31)

Im Jahr 2013 verbüßte Aziz Batukaev seine 16-jährige Haft in einer strengen Regimesiedlung in einer Stadt in Naryn. Er begann sich schlecht zu fühlen und wurde mit akuter Leukose diagnostiziert. Diese tödliche Krankheit wurde zum Anlass, sich mit einem Ersuchen »zwecks frühzeitige Freilassung des Insassen« an das Gericht zu wenden. Das Gericht stimmte mit den Ärzten überein beruhend auf Artikel 363 der Strafprozessordnung. Dem Artikel zufolge kann ein Insasse bei schweren Erkrankungen freigelassen werden. Interessanterweise war Batukaev der erste Verurteilte in Kirgisistan, der aufgrund einer schweren Krankheit freigelassen wurde.

Am 9. April 2013 nutzte Batukaev einen Charterflug von Bischkek nach Grosny – 6 Stunden nach den Anhörungen. Nachdem Aziz Kirgisistan verlassen hatte, stellte sich jedoch heraus, dass die Ergebnisse der medizinischen Untersuchung, die dem Gericht zur Verfügung gestellt wurden, falsch waren. Am 30. April 2014 hob das Stadtgericht Naryn seine Entscheidung auf.

Anschließend wurde bekannt, dass Adam Delimchanow ein Mitglied des tschetschenischen Parlaments und Vertreter von Ramsan Kadyrow, den Transport von Batukaev im Challenger 300 (einem Passagierflugzeug mit erhöhtem Komfort) bezahlt hatten. Azis hat in Tschetschenien einflussreiche Beschützer, die für ihn im Mutterland zwei Strafverfahren erwirkten. Dank dieser »Formalitäten« gelang es Batukaev, in Tschetschenien zu bleiben.

Im März 2014 setzte das Gericht in Bischkek den Verbrecher auf die Liste von Interpol. Um Aziz vor der Auslieferung an Kirgisistan zu bewahren, führten tschetschenische Sicherheitsbeamte ein Strafverfahren wegen Waffenbesitz gegen ihn ein und verurteilten ihn sogar zu drei Jahren Gefängnis.

Offiziell ist Batukaev als Gefangener der Strafkolonie Chernokozovo-2 gelistet. Doch im Internet waren Fotos zu sehen, die Batukaev zeigten, wie er seine Zeit in Vergnügungsorten Tschetscheniens verbrachte und selbst Versammlungen abhielt.

Aziz Batukaev 2015 während seiner »Haftstrafe« in Tschetschenien

Die Freiheitsstrafe des flüchtigen Diebes war Anfang September 2017 offiziell abgelaufen. Die Generalstaatsanwaltschaft der Republik Kirgisistan hatte erwartet, den Verbrecher zurückzuerhalten – das tschetschenische Gericht hat jedoch ein anderes Urteil gefällt. Im August hat ein Bezirksgericht in Grosny Batukaev zu 3 Jahren und 10 Tagen in einer Siedlungskolonie verurteilt.
Den Gerichtsunterlagen zufolge hat Aziz Batukaev dieses Verbrechen 1,5 Monate vor seiner Verurteilung wegen Waffenbesitzes am 24. Mai 2014 begangen, d. H. Am selben Tag, als er auf die internationale Fahndungsliste gesetzt wurde.

Laut Anklageschrift verursachte Batukaev im berauschten Zustand mit einem Mercedes-Benz 500 in der Nähe des Dorfes Starye Atagi, 20 km von Grosny entfernt, einen Verkehrsunfall. Aus Angst vor Rache der Angehörigen des Opfers sei der Aziz Batukaev von der Unfallszene geflüchtet.

Es ist schwer zu sagen, ob es in der Realität einen tödlichen Verkehrsunfall gegeben hat oder nicht. Die Aufzeichnungen über Verkehrsunfälle in der tschetschenischen Republik für das Jahr 2014 enthalten keine ähnlichen Vorfälle. Natürlich werden nicht alle Autounfälle auf der MIA-Website angezeigt, aber tödliche Unfälle müssen dort veröffentlicht werden. Auf dem offiziellen Portal sind jedoch keine Informationen über einen Vorfall eines international gesuchten Diebes im Gesetz, der berauscht einen tödlichen Unfall verursacht zu finden.

Aziz Batukaev 2017 während seiner neuen »Haftstrafe« in Tschetschenien

Die Behörden von Tschetschenien stellen auch im Fall von Gilani Sedoy (Gilani Aliyev) ihre Unterstützung zur Verfügung. Der Oberste Gerichtshof der Republik hat dem Dieb im Gesetz von der Bestrafung für den Auftragsmord an einem armenischen Geschäftsmann in der Tschechischen Republik freigesprochen. Das tschetschenische Gericht hebte eigenmächtig das Urteil des Prager Stadtgerichts auf, welches Gilani Sedoy zu 18 Jahren Haft verurteil hatte.

Am 28. Februar 2013 hatte das Prager Gericht die Diebe im Gesetz Gilani Sedoy (Gilani Aliev) und Zap (Andranik Sogoyan) in Abwesenheit zu 18 bzw. 22 Jahren verurteilt. Die beiden erhielten so lange Haftstrafen für ihren Versuch eine der Hauptfiguren der russischsprachigen Kriminellen in Mitteleuropa, dem armenischen Geschäftsmann Arman Akharonyan, im Jahr 2007 zu eliminieren.

Der Auftragsmord scheiterte jedoch kläglich. Der glücklose Killer Timur Tretjakow erstach einen anderen armenischen Mann mit einem Messer, weil er ihn mit dem Opfer verwechselt hatte. Die Ärzte konnten das Leben des Verwundeten retten. Nach 14 Tagen erschoss Tretjakow den Fahrer des Firmenleiters von Sazka weil er ihn für Arman Akharonyan hielt. Gemäß der Entscheidung des Prager Gerichts wurde der Auftragsmörder, der sein Ziel nie beseitigt hatte, zu 22 Jahren Haft verurteilt.

In Hinsicht auf Aliev und Sogoyan brauchte das Justizsystem einige Zeit, um ihre Schuld zu beweisen. Die Diebe wurden zweimal freigesprochen und erst 2013 wurde sie vom Prager Gericht in Abwesenheit angeklagt. Zu diesem Zeitpunkt war es ihnen jedoch bereits gelungen, das Territorium der Europäischen Union zu verlassen.

Gilani Sedoy und Zap beim Prager Gerichtsurteil

Dies ist nicht das erste Mal, dass sich Kriminelle und Verdächtige in Tschetschenien verstecken können durch die Unterstützung von Ramsan Kadyrow. Zum Beispiel ist Ruslan Muchudinow im Rahmen des «Nemtsov-Falls» angeklagt und aufgrund Abwesenheit vom Gericht in Moskau zur Verhaftung ausgeschrieben. Vermutlich wohnt er im Nozhai-Yurt-Bezirk der Republik. Der mutmaßliche Schütze etwa, Saur Dadajew, war Offizier des Bataillons «Nord». Die Sondereinheit untersteht dem föderalen Innenministerium, ist faktisch aber Teil der Privatarmee des berüchtigten Republikoberhaupts Ramsan Kadyrow

Ruslan Geremeev, Kompaniechef im Sever (Nord) Bataillon, von dem viele glauben, dass er der wahre Drahtzieher hinter der Ermordung von Boris Nemtsow sei, lebt ebenfalls dort. Nach Angaben der «Nowaja Gaseta» verbrachte Geremejew längere Zeit mit den Angeklagten in Moskau, die ab Herbst 2014 mit der Observierung Nemzows begonnen hatten. Dennoch wurde Geremejew in diesem Strafverfahren nicht einmal als Zeuge geladen und scheint als Neffe von Suleiman Geremejew, einem Mitglied des russischen Oberhauses, sowie seiner Verwandschaft mit Adam Delimchanow, Abgeordneter der Staatsduma sowie Cousin von Ramsan Kadyrows, immun gegen jegliche Strafverfolgung zu sein.

Rustam Machmudow, der Mörder von Anna Politkowskaja, hatte sich nach seiner Flucht quer durch Europa viele Jahre in seinem eigenen Heimatdorf versteckt. Ramsan Tsitsulaev der wegen massiven Betrugs 2014 verhaftet werden hätte sollen, konnte sich Dank schlagkräftiger Betätigung seiner Bodyguards der Verhaftung entziehen und nach Tschetschenien flüchten, bevor man sich seiner Habhaft werden konnte 2017.

Die vorsätzliche Flucht von Batukaev aus Kirgisistan hat wahrscheinlich viel Geld gekostet. War seine Freiheit in Tschetschenien billiger? Niemand kann genau sagen, warum die tschetschenischen Behörden einen «Dieb im Gesetz» brauchten. Vielleicht will Ramsan Kadyrow einen Einfluss auf die kriminelle Welt durch einen «Gekrönten Dieb» in der Person von Batukaev ausüben können? Trotz seiner Drogensucht und politischen Ansichten scheint Ramsan Kadyrow kein Kontakt mit solch ehrenwerten Kriminellen zu scheuen.

Adam Delimchanow und Timur Diky (Tamaev)

Timur Diky (Tamaev) und Aziz (Aziz Batukaev)

Deutschland:

Said-Ibragimov Magomed und Ramsan Kadyrow

Guerilla Nation Vaynakh

1. Timur (spitzname Puhlyi) 2. Schamil Dadagov 3. Umar 4. Adam Tahaev (Said Salayh) Artyom (russischer Konvertit) 6. Timur Dugasajew 7. Bruder von Muamer Hukic 8. Muamer Hukic (bosnischer Boxer) Vladimir Babaev (Spitzname Dingo) Inoffizieller Anführer Magomed E. sowie Ramsan (in Haft)

Timur Dugasajew mit Ramsan (hält Kadyrow Flagge) »Präsident« der «Guerilla Nation Vaynakh» vor dem Brandenbruger Tor am 05/09/2017

Das BKA weiß Bescheid über die Verbindungen von GVN zu Ramsan Kadyrow und Team Wolf von Ibagimov Magomed, sowie zu Rockern wie Kadir Padir (Prozess seit mehreren Jahren) oder Mahmoud El-Zein dessen Familie in Berlin im Bereich der Bandenkriminalität bekannt ist. Die Gruppe wird in erster Linie wegen ihren Kontakten zu Rockern als Organisierte Kriminalität geführt, ist innerhalb der Szene jedoch klein im Vergleich zu Hells Angels Bandidos, den Gremium MC oder den Outlaws MC.

»Einige haben nicht mal einen Führerschein« sagt LKA-Ermittler Strehlow. Zu einer Prügelei sollen die «Rockerähnlichen» wie sie in Abgrenzung zu den echten Rockern tituliert werden, kürzlich sogar mit der BVG angereist sein.

Said-Magomed Ibragimov mit Ramsan und Adam

Magomed von Regiment 95

Österreich

Am 4. Februar 2017 wurden auf der Donauinsel in der Nähe des Schulschiffes 22 Tschetschenen vorübergehend festgenommen, nachdem an Ort und Stelle mehrere Schusswaffen und auch eine Maschinenpistole gefunden worden waren. Die Ermittlungen führten im Herbst zur Operation »Palace« bei der etwa 200 Beamte beteiligt waren und neun weiteren Festnahmen erfolgten. ÖVP-Innenminister Wolfgang Sobotka ließ es sich im Vorwahlkampf nicht nehmen, im Beisein von Bundeskriminalamtschef Franz Lang die »Aufklärung« der Straftaten dieser Erpresserbande »mit großer Genugtuung zu präsentieren«. Für Tschetschenen gebe es »überhaupt keinen Grund für Asyl«.

Vor Gericht dagegen erschien der »Kronzeuge« dem Schöffensenat »höchst dubios«, wie Richter Andreas Böhm am Ende des Verfahrens feststellte. Hinsichtlich dessen Angaben bemerkte Böhm: »Alles, was der erzählt, ist unglaubwürdig.« Die Männer im Alter zwischen 27 und 40 Jahren wurden  nach dreitägiger Verhandlung von den gegen sie erhobenen Vorwürfen freigesprochen. Doch nicht alle konnte das Gefägnis verlassen, die einzigen welche aufgrund ihrer Schuld in Haft verblieben scheinen alle Kontakte zu Ramsan Kadyrow zu haben, wie Muslim Tsibaev.

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