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Politik

Tschetschenische Sicherheitsbeamte versprachen, Kritiker zur Verantwortung zu ziehen

рубрика: Politik

Tschetschenische Sicherheitsbeamte drohten den im Ausland lebenden Bürgern der Republik, als Reaktion auf die Kritik der Regionalbehörden eine „Forderung“ zu stellen. Die entsprechende Erklärung wurde vom stellvertretenden tschetschenischen Ministerpräsidenten für den Machtblock Abuzaid Vismuradov bei einem Treffen der Bewohner des Dorfes Achmat-Jurte abgegeben, berichtet der „Kaukasische Knoten“.

Der Zeitung zufolge war die Versammlung im Stammdorf des Chefs von Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, den Aussagen von Bürgern gewidmet, die in andere Länder abgereist waren, insbesondere dem ehemaligen Abgesandten und Feldkommandanten der selbsternannten tschetschenischen Republik Ichkeria (ChRI) Akhmed Zakayev. Die Teilnehmer der Versammlung verabschiedeten eine Resolution, in der der Euro-Itschkerianer verurteilt wurde (so werden die Anhänger von Ichkeria und die Kritiker von Kadyrov, die nach Europa gingen, im Kommentar Tschetschenien – Lenta.ru genannt) und nannten ihn einen gescheiterten Schauspieler. „Was diese Kreatur heute sagt, Zakayev … Er und seine Verwandten betrachten ihn nicht als Mann. Alles zu seiner Zeit. Wenn es der Wille des Allmächtigen ist, werden wir sie erreichen “, sagte Aslan Iraskhanov, Leiter der russischen Administration für das Innenministerium der Stadt Grosny. Außerdem diskutierten die Anwohner Informationen über die Folter des Moderators des oppositionellen Telegrammkanals 1ADAT Salman Tepsurkaev. Der Leiter des Innenministeriums von Tschetschenien, Ruslan Alkhanov, sagte, dass der Blogger für die Verbreitung diffamierender “ Sachen über Mütter und Schwestern“ bestraft wurde. „Wir Tschetschenen haben immer alles geschützt, was Frauen, Mütter und Schwestern betrifft“, erklärte er.

Anfang September erschien im Netzwerk ein Video mit der Teilnahme von Salman Tepsurkaev, in dem er sich für seine Aktivitäten entschuldigt, sagt, dass er sich selbst bestraft und auf einer Flasche sitzt. Später berichtete die Zeitung Novaya Gazeta über Beweise dafür, dass Tepsurkayev von Bewohnern der Republik entführt worden war. Ihr zufolge war er in der Terek SOBR-Basis in Grosny. Dann sagte Zakayev, der heute in Großbritannien lebt, dass es Hinweise auf die Beteiligung der tschetschenischen Behörden an der Folterung eines jungen Mannes mit einer Flasche gebe. Danach fanden in Tschetschenien mehrere Volksversammlungen gleichzeitig statt, deren Teilnehmer Tepsurkaev und Zakayev verurteilten.

Übersetzt und Übernommen aus:  https://m.lenta.ru/news/2020/09/17/ugroza/?fbclid=IwAR1PxGPdxsFJWGgwPSt-dELhp6BzCRuhR4muY2kEnTyLPEewSUMmugIc7o8

Sehr geehrte Mitmenschen!

рубрика: Politik

In Tschetschenien wieder ein Verbrechen gegen die Menschheit begangen wurde. Diesmal handelt es sich um einen jungen Mann der aufgrund seiner Meinungsäußerung öffentlich misshandelt und gedemütigt wurde. Der 19-jährige Salman Tepsurkaev wurde gezwungen sich komplett nackt vor die Kamera zu setzen, seine Mutter und sich selbst zu beleidigen, am Ende des Videos ist zu sehen wie er sich auf den Hals einer Glasflasche setzt. Er behauptet er hat dies freiwillig gemacht, aber kein Mensch bei gesundem Verstand würde sich selbst so etwas antun.

Niemals hätte ich gedacht, dass es tatsächlich so weit gehen würde, eine Demütigung dieser Art ist nicht nur ein Verstoß gegen Menschenrechte sondern zeigt wie schwach das System in diesem Regime ist. Es herrschen keine Gesetze, selbst wenn, wird nicht nach diesen Gesetzen gehandelt. Meinungsäußerungen sind ein großes Tabu, dies könnte nämlich einem das Leben kosten.

Wir dürfen nicht wegschauen, wir haben schon zu oft weggeschaut und ignoriert was dort passiert.

Dies ist ein Appell an Österreichs Politiker und Politiker aller Welt! Sbschiebungen sind keine Lösung. Ihr seht mit euren eigenen Augen was dort vertuscht wird aber ihr entscheidet euch wegzusehen.

Kulturverein ICHKERIA.

 

6. August 1996, der Tag des Sieges des tschetschenischen Volkes über die russische Armee

рубрика: Politik

Vor 24 Jahren, am 6. August 1996, begann eine einzigartige groß angelegte Militäroperation «Jihad» der Streitkräfte der Tschetschenischen Republik Ichkeria, die tschetschenische Hauptstadt Grosny und den Rest des Tschetschenien von russischen Invasoren zu befreien, die den ersten russisch-tschetschenischen Krieg beendeten. Infolgedessen musste Russland am 31. August 1996 die «Abkommen von Chasav-Yurt» unterzeichnen.
Die führenden Militärexperten der Welt nannten die tschetschenische Operation «Jihad» – Eine brillante Militäroperation, die in der Welt Geschichte der Militärkunst keine Analoga hat.
Die politische Entscheidung über die Notwendigkeit der Operation traf der Präsident der Tschetschenischen Republik Ichkeria, Zelimkhan Yandarbiev. Die Operation wurde vom Chef des Hauptquartiers der Streitkräfte der Tschetschenischen Republik Ichkeria, Aslan Maskhadov, entwickelt und geleitet. Tschetschenische Abteilungen griffen gleichzeitig mit der Stadt Grosny und anderen großen Städten der Republik an – Argun und Gudermes. In der Stadt Argun gelang es den russischen Besatzungskräften, nur das Gebäude des Kommandantenbüros zu erhalten, die Stadt Gudermes wurde von ihnen kampflos an die Streitkräfte des Tschetschenischen Republik Ichkeria übergeben.
Die tschetschenischen Militär Truppen, die Grosny angriffen, zählten nach verschiedenen Quellen zunächst 850 bis 1,5 Tausend Soldaten. Während einer Woche des Kampfes stieg die Gruppierung der Streitkräfte der Tschetschenischen Republik Ichkeria in Grosny aufgrund des Transfers von Verstärkungen aus anderen Regionen der Republik auf 3-4.000 Soldaten. Die russische Militärgarnison nur in Grosny zählte mehr als 20.000 Besatzer. Darüber hinaus war die russische Seite in Bezug auf gepanzerte Fahrzeuge, Artillerie und absolute Luftherrschaft völlig überlegen.
Tschetschenische Soldaten haben der russischen Seite Taktiken auferlegt, die für sie äußerst nachteilig waren.
Die Tschetschenische Abteilungen drangen in Grosny ein und «breiteten sich wie Bäche» zwischen den russischen Kontrollpunkten, den Kommandantenbüros und anderen Einsatzorten der russische Garnison der Hauptstadt aus. Die Streitkräfte der Tschetschenischen Republik Ichkeria hatten sich nicht zum Ziel gesetzt, alle Gegenstände zu beschlagnahmen oder zu zerstören, in denen die russischen Truppen stationiert waren, sondern nun zu blockieren und wenn es notwendichist zu zerstören.
Als die Soldaten von Ichkeria in Grosny eintrafen, blockierten sie russische Truppen an Kontrollpunkten und in den Büros der Kommandanten, isolierten sie voneinander und demoralisierten sie mit ständigem belästigendem Feuer.
Der Hauptschlag wurde in einem Komplex von Verwaltungsgebäuden in der Innenstadt (Regierungsgebäude, Innenministerium, FSB usw.) verübt, in dem neben dem Militär mehrere russische Journalisten blockiert wurden. Die Einheiten des Russischer Verteidigungsministeriums, die an Militärstützpunkten in «Khankala» und am Flughafen «Severny» stationiert waren, reagierten eher träge. Die Generäle der Armee hofften, dass die Tschetschenische Streitkräfte die Stadt wie im März 1996 selbst verlassen würden, und hatten es nicht eilig, ihre Untergebenen zu werfen, um den „Verbündeten“ des eigenes Truppen von Innenministeriums zu helfen.
Die ersten Versuche, das Situation in Grosny zu wenden, wurden erst am Nachmittag des 7. August von den russischen Truppen unternommen, nachdem sie den Belagerten Panzerkolonnen zu Hilfe geschickt hatten, aber die tschetschenischen Soldaten organisierten kompetent Hinterhalte in ihre Richtungen.
Den Tschetschenischen Streitkräften mangelte es nicht an Waffen – weil am Bahnhof von Grosny, wurde am Tag zuvor insbesondere ein mit Panzerabwehrgranatenwerfern beladener russischer Wagen als Trophäe erbeutet. Infolgedessen wurden russische Militärfahrzeuge ein leichtes Ziel für mobile leicht bewaffnete tschetschenische Einheiten. Erst am sechsten Kampftag, dem 11. August, gelang es einer der russischen Kolonnen, in die Innenstadt einzudringen, um den belagerten Besatzern zu helfen.
Seit dem 14. August hat die Armee der Streitkräfte der Tschetschenischen Republik Ichkeria Grosny fast vollständig kontrolliert. Das russische Kommando gab die Versuche auf, die Stadt zurückzugeben, und konzentrierte sich darauf, Militärstützpunkte am Rande der tschetschenischen Hauptstadt zu halten – am Flughafen «Severny» und in «Khankala».
Es gab immer noch Widerstandsnester in der Stadt, an den Einsatzorten wurden Tausende von Militärangehörigen und Milizsoldaten der russischen Truppen blockiert.
Während einer Woche des Kampfes kontrollierten die Tschetschenische Streitkräfte fast das gesamte Gebiet desTschetschenien, Städte Argun und Gudermes blieben unter ihrer Kontrolle, und die tschetschenische Armee verstärkte ihre Aktionen in der Nähe von Städte Urus-Martan und Vedeno.
Unter diesen Bedingungen gelang es Sekretär des Sicherheitsrates der Russischen Föderation Aleksandr Lebed am 14. August, in Grosny einen Waffenstillstand zu schließen, und am 17. August unterzeichnete russische General K. Pulikovsky einen Befehl, die Feindseligkeiten in der gesamten Republik einzustellen.
Der letzte Versuch der russischen „Falken“, den Friedensprozess zu stören, fand am 19. August 1996 statt.
An diesem Tag erteilte der sprecher des russischen Präsidenten B.Elzin, Sekretär des Sicherheitsrates der Russischen Föderation A. Lebed den Befehl, das System der Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung in Grosny ab dem 5. August (dh vor dem Sturm auf die Stadt) wiederherzustellen.
General K. Pulikovsky stellte den Streitkräften der Tschetschenischen Republik Ichkeria ein Ultimatum – innerhalb von 48 Stunden, um die Hauptstadt der Republik zu verlassen und ihre Waffen niederzulegen, sonst wird die Stadt von allen verfügbaren Waffensystemen getroffen.
Die russische Artillerie und Luftangriffe auf Grosny wurden in der Nacht des 20. August vor Ablauf der festgelegten Zeit wieder aufgenommen. Dies war zum unvermeidlichen Tod verurteilt. Das in der Stadt blockierte russische Militär Truppen General Pulikovsky dachte nicht einmal, und natürlich nicht an die Opfer unter der Zivilbevölkerung, von denen es laut Menschenrechtsaktivisten von Memorial in Grosny zwischen 50 und 70.000 gab.
Diese blutige unfassbare unmoralische Plan von General Pulikovsky
wurde realistisch von Russen selbst eingeschätzt und schließlich vom Chef des russischen Sicherheitsrates General A. Lebed gestoppt.

Am 31. August 1996 handelte dann der russische General Alexander Lebed mit dem Chef der tschetschenischen Übergangsregierung Aslan Maschadow ein neues Waffenstillstandsabkommen aus, das auch den Abzug der russischen Truppen aus Tschetschenien beinhaltete (Abkommen von Chassaw-Yurt).
Der fast zweijährige Krieg kostete nach Schätzungen mindestens 100.000 Zivilisten das Leben. Offiziellen Beobachtern zufolge haben sich russische Armee immer wieder als schwerer Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht.
Bis Ende 1996 verließ die russische Militär Truppen das Gebiet Tschetscheniens …

https://www.facebook.com/alimpascha.soltyhanov.7/posts/317618402620111

 

Tschetschenen fürchten um ihr Leben Auftragsmord in Österreich?

рубрика: Politik
Viele der in Österreich lebenden Tschetschenen und Tschetscheninnen haben den Kontakt zu ihrer Familie im Nordkaukasus abgebrochen, weil sie fürchten, sie durch ihr Leben in Europa in Gefahr zu bringen. Foto: BR/ Anna Feininger

Ein Wochenende Anfang Juli 2020: In Gerasdorf bei Wien wird ein 43-jähriger gebürtiger Tschetschene auf offener Straße erschossen. Der inzwischen als Martin B. bekannte lebte seit 2005 in Österreich, war anerkannter Konventionsflüchtling, geflohen aus einem Land, das gerade einmal so groß ist wie Oberbayern. Der mutmaßliche Schütze war ebenfalls geflohener Tschetschene und wurde nach einer Verfolgung in Linz festgenommen. Ein zweiter Mann galt zunächst noch als Zeuge, wurde aber als möglicher Komplize festgenommen, nachdem er sich in seinen Aussagen verstrickte.

Viele der Transparente der Demonstration sind über 10 Jahre alt. Für die Demonstrationen sind sie noch immer aktuell. Foto: BR/ Anna Feininger

In Österreich ist es schon der zweite Mord an einem Tschetschenen. In Frankreich wurde erst im Februar 2020 ein regierungskritischer tschetschenischer Blogger tot in seinem Hotelzimmer gefunden. Im vergangenen Sommer wurde im Berliner Tiergarten ein Tschetschene georgischer Staatsangehörigkeit erschossen. Die tschetschenische Community zählt seit 2001 in ganz Europa mindestens 16 ermordete tschetschenische Geflüchtete. Unter den Tschetschenen in Österreich geht die Angst um, was sie auf einer Demonstration vor der russischen Botschaft in Wien zum Ausdruck brachten.

Anna Feininger

https://www.ard-wien.de/2020/07/31/oesterreich-tschetschenen-fuerchten-um-ihr-leben/

In ganz Russland wurden Tschetschenen aus rassistischen Gründen verfolgt

рубрика: Politik

Ich möchte mein Beileid und meine Trauer über den Mord an George Floyd aussprechen, wie aus dem Video bekannt, ist das Opfer an Polizeigewalt gestorben.

Wenn wir von Menschenrechtsverletzungen und menschlichen Tragödien sprechen, möchte ich heute hier von denjenigen gehört werden, die hierhergekommen sind, um den Schmerz von George Floyd‘s Familie und Freunden zu spüren.

In ganz Russland wurden Tschetschenen aus rassistischen Gründen verfolgt, verhaftet, wegen erfundener Anklage vor Gericht gestellt und ohne Gerichtsverfahren oder Ermittlungen in Gewahrsam gehalten.
Die russisch-politisch-militärische Führung, die russische Propaganda und die Massenmedien haben das tschetschenische Volk gedemütigt, herabgesetzt und diffamiert.

Da die Nichtanerkennung und Verachtung der Menschenrechte zu Akten der Barbarei geführt hat, die das Gewissen der Menschheit mit Empörung erfüllen, und die Schaffung einer Welt, in der die Menschen Freiheit und die Freiheit der Rede und der Glaube und Freiheit von Furcht und Not genießen, das höchste Streben des Volkes verkündet worden;

In der Erwägung, dass die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Nationen gefördert werden muss;

Betont, wie wichtig es ist, alle Grundsätze zu wahren und zu respektieren;

In Anerkennung der unermüdlichen Bemühungen der EU-Länder und anderer internationaler und regionaler Organisationen, Flüchtlingen zu helfen.

Wir bemerken die beunruhigende Zunahme der anti-tschetschenischen und Fremdenfeindlichkeit an Handlungen und Äußerungen von beiden Journalisten und Vertretern der politischen Parteien in der Europäischen Union, die, wie sie in den jüngsten Erfahrungen in Österreich gezeigt haben, nicht ohne die Intervention von Russland zustande kommen.

Wir erinnern daran, dass die Bürger der tschetschenischen Republik Ichkeria einen Völkermord durch die Russische Föderation erlitten haben, bei dem bis zu 30% ihrer Bürger ums Leben gekommen sind, 300.000 Menschen, darunter 42.000 Kinder. In diesem Zusammenhang reichte die tschetschenischen Exil Politiker am 23. Februar 2018 einen Antrag beim Internationalen Strafgerichtshof Haag ein. Tausende Fälle, wurden von dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen Russland gewonnen, aber keiner der russischen Kriminellen wurde bisher bestraft.

Man muss daran erinnern, dass heute in dem vorübergehend besetzten Tschetschenien ein Regime errichtet wurde, das mit der stalinistischen Zeit des Großen Terrors vergleichbar ist.

1. Bekräftigung unseres Bekenntnisses zu rechtlichen und demokratischen Werten.

2. Wir fordern dringend auf, nach einer Lösung für das Problem der Auslieferung Russlands zum Folter und Tod von Tschetschenen und anderen Flüchtlingen zu
suchen.

Die Tschetschenen werden in ihrer Heimat unterdrückt, gefoltert und terrorisiert. Es existiert keine Pressefreiheit und es ist kein Rechtsstaat, regiert wird mit eiserner Faust. Die in Europa lebenden Tschetschenen haben derzeit keine Möglichkeit in so einem Staat neu zu beginnen.
Aber wir wollen uns für die Aufnahme in Österreich bedanken, wir schätzen es sehr. In Österreich wird jeder Person die Möglichkeit gegeben sich in verschiedenster Art weiter zu entwickeln. Wir sind nach Österreich gekommen mit der Hoffnung, dass eine Diskriminierung dieser Art hier nicht möglich sein wird.

Roza Dunaeva – Stellvertretterin des Kulturverein ICHKERIA

Grass und Grimms Wörter stärken das Immunsystem

рубрика: Politik
Günter Grass

Seinen letzten großen Roman hat Günter Grass, Wort nach Wort, im hohen Alter von 83 Jahren präsentieren dürfen. Grimms Wörter – 2010 erschienen – ist nicht nur, wie im Untertitel bekundet, eine Liebeserklärung ans Schreiben – sondern eine letzte und wirkungsvolle Impfung gegen Fake News, Rechtsextreme und niederträchtige Nationalisten – welche uns der Literaturnobelpreisträger von 1999 hinterlassen hat. Während sich konservative Kritiker die den Einsatz von Günter Grass für einen demokratischen Sozialismus („Für Willy“) nicht verstehen wollten, sich späterhin mit ihrer Kritik am Gedicht „Was gesagt werden muss“ (Grass hatte die rechte israelische Regierung kritisiert) abarbeiteten, wurde sein letzter Roman ein würdiger Schlussstrich und bildete zudem den Abschluss seiner dritten Romantrilogie. Beim Häuten der Zwiebel, Die Box und Grimms Wörter bilden die autobiographische Trilogie und stehen am Ende des Schaffens von Grass. Am Anfang stand die „Danziger Trilogie“ mit dem Erstlingsroman „Die Blechtrommel“. Die 70er und 80er stehen für die Märchentrilogie und brachten mit „Der Butt“ ein weiteres Buch (nach der Blechtrommel) das bleiben wird, sofern Bücher bleiben werden. Immer wieder hatte – so auch in Grimms Wörter – der Jahrhundertschriftsteller die laufend noch strenger werdenden Asylgesetze kritisiert. Den „brutalen Umgang“ mit Asylsuchenden wertete Grass als „Rückfall in die Barbarei“. Wie wohl würde Grass auf den beschämenden Umgang mit Flüchtlingen an der kroatisch-bosnischen Grenze, auf den griechischen Inseln, in Lybiens Folterlagern… und auf die verlogene und steil rückwärtsgewandte Einstellung der konservativen Politikerelite zu diesen Missständen reagieren? Von den stumpfsinnigen Rechtsradikalen die von Schießbefehlen an den Grenzen fantasieren beeinflusst, bleiben viele kritische Stimmen still. Was laut werden muss, wird nicht mehr gesagt. Günter Grass fehlt. Brandt und Kreisky fehlen. Die Sozialdemokratie wird schmerzlich vermisst. Was Grass einst über seinen „Lehrer“ Döblin schrieb, kann man getrost heute über ihn selbst schreiben: „Er wird Sie beunruhigen; er wird Ihre Träume beschweren; Sie werden zu schlucken haben; er wird Ihnen nicht schmecken; unverdaulich ist er, auch unbekömmlich. Den Leser wird er ändern. Wer sich selbst genügt, sei vor Grass gewarnt.“
Grimms Wörter ist ein wortgewaltiges Schlusswerk im Schaffen des Schriftstellers, dass mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Blechtrommel noch einmal Einblick in die aufwändige Manuskriptarbeit von Grass gewährt. Schon beim Verfassen des Romans wusste er das es sein letzter bleiben würde: Grass zieht seine Lebensbilanz, was alles gelungen, was alles misslungen ist. Und er macht sich Gedanken über den Tod, über die eigene Vergänglichkeit sowie über das Sterben von Freunden. Die Zukunft sah der Schriftsteller nicht mehr so rosig, die zunehmende Korruption, das Schwinden von Grund – und Bürgerrechten auf Kosten von „Sicherheit“, der Abbau des Sozialstaates und vieles mehr waren Themen die Grass zeitlebens in Bann hielten. Was Grimms Wörter noch auszeichnet ist wiederum das Einfließen lyrischer Momente (wie schon im Butt oder der Rättin) und schließlich ist es ein moderner Bildungsroman im weitesten Sinn und jedenfalls ein sinnlicher Wortgenuss.

Sigi Stupnig, Verein Inklusionsinitiative

Afghan*innen: Kriegsflüchtlinge oder Migrant*innen?

рубрика: Politik

Die Chronologie der Besetzung, des Völkermords, des Anschlusses, der Annexion Tschetscheniens.

рубрика: Politik

In dem seit über 400 Jahren herrschenden Konflikt zwischen Tschetschenen und Russen geht es in erster Linie um die Unabhängigkeitsbestrebungen der Region im Nordkaukasus. Neben diesem Aspekt spielt auch die Religion eine nicht unbedeutende Rolle, da die Mehrheit der Tschetschenen dem Islam angehört. Russland misst Tschetschenien aufgrund seiner geopolitischen Lage seit jeher eine besondere Bedeutung zu. Heute empfinden beide Völker angesichts der vielen Opfer, die in den Russisch-Tschetschenienkriegen bereits ums Leben gekommen sind, vor allem Rachegefühle. https://www.youtube.com/watch?v=2VWyZXa0Ab4

An den zwei Flüssen Terek und Kuban, die zwischen dem russischen Tiefland und dem Nordkaukasus entlang fließen, gründen sich im 16. Jahrhundert die ersten russischen Kosakengemeinden. Es entstehen militärische Stützpunkte und Festungen. Bei ihren Versuchen bis an die warmen Meere auch weiter südlich vorzudringen, stoßen die Russen auf unerwartet heftigen Widerstand seitens des tschetschenischen Volkes, der sich mit der Ausbreitung des sunnitischen Islam in Tschetschenien im 17. und 18. Jahrhundert weiter verstärkt.

Die Russen geben ihre Kolonialisierungsbestrebungen nicht auf und befürchten vor allem, dass sie durch eine Vereinigung Dagestans mit Tschetschenien ihren geostrategisch bedeutenden Zugang zum Kaspischen Meer verlieren würden. Dagestan ist die Verbindung Russlands zum Kaspischen Meer. Die dagestanische Hauptstadt Machachkala ist der einzige russische Allwetterhafen am Kaspischen Meer.

Das Jahr 1864 gilt als ‚Jahr der Unterwerfung‘ der gesamten Region unter die zaristische Oberherrschaft. Als Folge emigriert ein Fünftel der tschetschenischen Bevölkerung.

Im Oktober wurde 1917 die „Union der kaukasischen Bergvölker im Nordkaukasus“ als unabhängiger Staat ausgerufen, der von Deutschland, dem Osmanischen Reich und den neu entstandenen Staaten Georgien und Aserbeidschan anerkannt wurde.

Im Kaukasus kommt es 1918/19 zu kurzlebigen autonomen Staatsbildungen wie dem „Imamat der Bergvölker“, der „Nordkaukasischen Föderativen Republik“ im Westen und dem „Nordkaukasischen Emirat“ im Osten. Diese Staatsbildungen werden 1920 von Russland unter dem Namen „Sowjetrepublik der Bergvölker“ (die die heutigen Republiken Tschetschenien, Inguschetien, Nordossetien, Kabardino-Balkarien und Karatschai-Tscherkessien umfasst) zusammengefasst – und der RSFSR (Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik) einverleibt. Dagestan erhält einen eigenen Republikstatus. Das Leitwort der sowjetischen Nationalitätenpolitik lautet „korenisacija“ (Einwurzelung). Repräsentanten sollen aus den Völkern stammen, russische Personen, die ein Amt wahrnehmen, müssen die regionalen Sprachen lernen und sich mit dem örtlichen Gewohnheitsrecht vertraut machen. Aus der neuen „Sowjetrepublik der Bergvölker“ werden in den folgenden Jahren einzelne autonome Gebiete und Republiken im Bestand der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) ausgegliedert. In diesem Zuge entsteht 1922 auch ein autonomes tschetschenisches Gebiet.

1927 schwingt sich STALIN zum Diktator der Sowjetunion auf und vollzieht im Jahre 1928 eine Kollektivierung der nordkaukasischen Landwirtschaft. Dies geschieht z. B. durch Zwangsumsiedlungen aus Gebirgs- in Talregionen. Außerdem werden immer wenigstens 2 Völker in 1 politischen Verwaltungseinheit zusammengefasst.

Auf die Serie tschetschenischer Aufstände gegen die Zwangsumsiedlungen reagiert die sowjetische Seite mit einer „allgemeinen Operation zur Ausmerzung antisowjetischer Elemente“ im Nordkaukasus. Ganze Regionen kämpfen mittlerweile gegen die Rote Armee und gegen die Vereinigung des Tschetschenischen und des Inguschischen Autonomen Gebiets, das 1936 umbenannt wird in die „Autonome Sozialistische Sowjetrepublik“ der Tschetschenen und Inguschen, als Teilrepublik der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) innerhalb der Sowjetunion.

STALIN gelingt es zunächst, mit seinem „Generalschlag gegen antisowjetische Elemente“ den Zusammenhalt der Clan- und Stammesgemeinschaften zu brechen: durch Aufspaltung einzelner Gebiete sowie Durchmischung einzelner Volksgruppen. Daraufhin nimmt der bewaffnete Widerstand zu und entwickelt sich zu einer regelrechten Guerillabewegung.

Die „Autonome Sozialistische Sowjetrepublik“ wird am 23. Februar 1944 aufgelöst und STALIN lässt das tschetschenische Volk wegen einer angeblichen heimlichen Zusammenarbeit mit HITLER-Deutschland nach Sibirien und Zentralasien deportieren. Bei dieser Gewaltaktion stirbt etwa ein Drittel der Deportierten.

 

Die Deportation war der tschetschenische Holocaust.

Nach STALINs Tod am 5. März 1953 kehren viele Deportierte illegal zurück in ihre Heimat und demonstrieren damit ihren ausgeprägten Widerstandswillen bzw. ihre Identität mit Tschetschenien.

Am 24. November 1956 beschließt das sowjetische Zentralkomitee (ZK) in Moskau unter dem neuen Ersten Sekretär Nikita CHRUSCHTSCHOV die offizielle Wiederherstellung der nationalen Territorien im Kaukasus. Die Rehabilitation des tschetschenischen Volkes wird im Januar 1957 ausgeführt und die Tschetschenische-Inguschische „Autonome Sozialistische Sowjetrepublik“ – um diverse Gebiete minimiert – wird wiederhergestellt. Bei der Volkszählung 1959 stellt sich heraus, dass die Zahl der Einwohner um über 20 Prozent abgenommen hat.

 

 

 

Die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) der Sowjetunion (UdSSR).

https://de.wikipedia.org/wiki/Russische_Sozialistische_F%C3%B6derative_Sowjetrepublik

Am 23. – 25. November 1990 fand in der Stadt Grosny der erste tschetschenische Nationalkongress statt, auf den der Weg zur staatlichen Souveränität der tschetschenischen Republik (Nokhchi Cho) angekündigt wurde.

Der in Tschetschenien geborene Dschochar DUDAJEW, ehemals General bei der sowjetischen Luftflotte, inzwischen aber entlassen, wurde der zum Leiter des Nationalen Kongresses des tschetschenischen Volkes (OKCHN) gewählt.     https://www.youtube.com/watch?v=7pM3P4CgNww

https://de.wikipedia.org/wiki/Tschetscheno-Inguschetien

Karte des Kaukasusgebietes zwischen 1957 und 1991

Am 27. November 1990 erklärte Oberste Rat der Tschetschenisch – Inguschischen Autonome Sozialistische Sowjetrepublik ChIASSR unter Doku Zavgajev seinen verfassungsrechtlichen Austritt aus der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik RSFSR durch die Deklaration über die staatliche Souveränität der „Tschetschenischen – Inguschischen Republik“ ChIR innerhalb der Sowjetunion.   „entsprechend der sowjetischen Verfassung“

https://www.youtube.com/watch?v=N68IFQgPqKg     https://www.youtube.com/watch?v=uUqq1xF0iS0

Die Tschetschenisch-Inguschische Republik nahm nur am Unionsreferendum Teil und das RSFSR-Referendum abgewiesen mit der Begründung, dass die Tschetschenisch-Inguschische Republik schon aus dem RSFSR ausgetreten war und das Referendum eine innere Angelegenheit des RSFSR sei.

Die Karte nach dem Austritt der Tschetschenische Republik Ichkeria aus der Russische Föderation im Dezember 1990

Am 1. und 2. September 1991 fand die zweite Sitzung des Volkskongresses (OKCHN) statt, auf dem der Oberste Rat der Tschetschnisch-Inguschischen Republik unter Doku Zavgaev den Rücktritt erklärte.       Die gesamte Macht in der Tschetschenisch-Inguschischen Republik wurde vorübergehend vom Volkskongress (OKCHN) unter der Leitung von Dschochar DUDAJEW übernommen, während die Wahl des Präsidenten und des Parlaments der Tschetschenisch-Iguschischen Republik vorbereitet werden sollte. Der Volkskongress (OKCHN) war für die Organisation und die Durchführung der Wahlen zuständig.

Am 6. September 1991 übernahm der Volkskongress (OKCHN) die Kontrolle über die wichtigsten politischen und administrativen Zentren in Grosny und im übrigen Tschetschenien.

Die Tätigkeit des Obersten Rates der ChIR wurde aufgelöst, die ihre Legitimität verloren hatte.  Der Vorsitzende des Obersten Rates, Doku Zavgaev, floh in die RSFSR.

Der 6. September wurde zum Tag der Wiederherstellung der staatlichen Unabhängigkeit des tschetschenischen Volkes erklärt.

Am 27. Oktober 1991 fanden unter Aufsicht von Vertretern aus 27 Staaten und Organisationen der Welt die Wahlen zum Präsidenten und zum Parlament der Tschetschenischen Republik statt.

Dschochar DUDAJEW wurde zum ersten tschetschenischen Präsident gewählt.

Am 1. November wurde die staatliche Souveränität der Tschetschenischen Republik verkündet.

Am 9. November 1991 fand in der Stadt Grosny die Amtseinführung des ersten Präsidenten der tschetschenischen Republik Dschochar DUDAJEW statt. https://www.youtube.com/watch?v=nvzUDY2CrDw

Am 27. November 1991 erließ der Präsident der Tschetschenischen Republik, Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Tschetschenischen Republik, Dschochar DUDAJEW, ein Dekret über die Nationalisierung von Waffen und Ausrüstung von Militäreinheiten der Streitkräfte der UdSSR als das Erbe der UdSSR, die auf dem Gebiet der Republik stationiert waren.

Am 26. Dezember 1991 wurde die Sowjetunion offiziell aufgelöst.

Am 12. März 1992 gab Tschetschenien sich die Verfassung als unabhängiger demokratischer Staat.

Am 26. Mai 1992 unterzeichnete die Tschetschenische Republik mit der RSFSR ein Regierungsabkommen über den vollständigen Abzug russischer (ehemaliger sowjetischer) Truppen aus dem Gebiet der Tschetschenischen Republik.

Am 7. Juli 1992 verließ der letzte russische Soldat das Gebiet der Tschetschenischen Republik. So wurde die Tschetschenische Republik das erste Land der ehemaligen Sowjetunion, aus dem alle russischen (sowjetischen) Besatzungstruppen abgezogen wurden.

Anfang November 1992 kam es aufgrund des Einmarsches russischer Truppen in das Gebiet Inguschetiens (im Zusammenhang mit dem Ingusch-Osseten-Konflikt) und ihres Vormarsches zur Staatsgrenze der Tschetschenischen Republik zu einer starken Verschärfung der russisch-tschetschenischen Beziehungen. Daraufhin verhängt Russland eine Wirtschafts- und Finanzblockade über Tschetschenien.

Vom 31. Oktober bis 4. November 1992 nützte Russland den Inguschisch-Ossetischen Konflikt für einen Übergriff auf Inguschetien. So wollte Russland die tschetschenische Seite provozieren, um sie zum

Eintritt in diesen Konflikt zu bewegen. Die Inguschen haben sich am 10. Dezember 1992 entschieden, in Russland zu bleiben und einen großen Krieg gegen Tschetschenien zu vermeiden. Präsident Dudajew erklärte den Konflikt zur inneren Angelegenheit Russlands. Dann begann die verwaltungsmäßige Trennung von Inguschetien von Tschetschenien.

 

Am 5. Oktober 1993 setzte der russische Präsident Boris Jelzin Panzer gegen das (eigene) russische Parlament in Moskau ein; mehrere hundert Demonstranten (darunter auch Abgeordnete) wurden umgebracht.

Am 12. Dezember 1993 gab sich die Russische Föderation eine Verfassung, in die heimlich die Tschetschenische Republik eingefügt wurde, um dies in der Zukunft als Vorwand zu nützen, den unabhängigen Staat anzugreifen.

Im Januar 1994 wurde die Tschetschenische Republik (ChR) durch Dekret des Präsidenten der Tschetschenischen Republik Dschochar DUDAJEW in Tschetschenische Republik Ichkeria (ChRI) umbenannt.

Am 23. Februar 1994 wurde durch Dekret des Präsidenten der ChRI, Dschochar DUDAJEW, der Tag der Wiederbelebung der tschetschenischen Nation als Gedenktag der Deportation festgelegt (zuvor wurde dieses Datum als Tag der Trauer bezeichnet).   https://www.youtube.com/watch?v=8k7jVvbOb78&t=34s

Moskau unterstützt die prorussischen Separatisten in Tschetschenien gegen Dschohhar DUDAJEW bei ihren Bemühungen, ihn zu destabilisieren. Handel und Luftverkehr werden blockiert.

Ende November scheitert eine Offensive der sogenannten russischen Söldner (Sondereinheiten der Russischen Föderation)  und der prorussischen Separatisten, was Russland zum Anlass für eine militärische Intervention nimmt.

Am 26. November 1994 besiegten die Regierungstruppen der ChRI in Grosny eine große Gruppe illegaler bewaffneter Gruppen der prorussischen Separatisten unter Umar Avturkhanov und sogenannte russischen Söldner (Sondereinheiten der Russischen Föderation), die die tschetschenische Hauptstadt Grosny angegriffen hatten.

Bis zu 40 Panzer und Kampffahrzeuge wurden zerstört. Eine große Anzahl russischer Söldner (Sondereinheiten der Russischen Föderation) und Mitglieder prorussischer Avturkhanov-Banden wurden gefangen genommen.

Am 6. Dezember 1994 fand im Dorf Ordzhonikidzevskaya ein Treffen zwischen dem russischen Verteidigungsminister Pavel Grachev und dem Innenminister Viktor Yerin mit dem Präsidenten der ChRI Dschochar DUDAJEW statt.     https://www.youtube.com/watch?v=IvXmPvANkzg

Am 9. Dezember 1994 begannen in Wladikawkas die Verhandlungen zwischen den Arbeitsgruppen der Regierung der Russischen Föderation (Wjatscheslaw Michailow) und der Regierung der ChRI (Usman Imayev).

Beginn des ersten Russisch-Tschetschenien Krieges 1994-1996

https://www.youtube.com/watch?v=e2jLenBE0cs&t=66s

Am 11. Dezember 1994 verübte Russland eine militärische Aggression gegen den unabhängigen tschetschenischen Staat. Der Eintritt russischer Besatzungstruppen in das Gebiet des ChRI begann aus drei Richtungen: Mozdok, Vladikavkaz und Kizlyar.

Die Hauptstadt Grosny wurde einen ganzen Monat lang massiv und flächendeckend bombardiert.           In der Nacht vom 31. Dezember 1994 zum 6. März 1995 fand ein russischer Neujahrsangriff auf Grosny statt, bei dem die russische Armee die größten Verluste im gesamten ersten Krieg bekam. Mehr als 250 russische Panzern, Kampffahrzeuge wurden fast vollständig zerstört und bis 2500 russische Besetzern vernichtet, bis 1000 gefangen genommen. Dreißigtausend Zivilisten kamen ums Leben.

 

 

Am 3. März 1995 erklärte Präsident Dschochar DUDAJEW im Shali-Stadtmoschee im Zusammenhang mit dem Kriegsrecht des Landes den Verteidigungskrieg gegen die russische Aggression.

Am 6. März 1995 kündigte der Stabschef der tschetschenischen Streitkräfte (ChRI) Aslan MASCHADOW an, dass man einen Guerillakrieg gegen die russischen Truppen im ganzen Land beginnen werde.

Am 14.- 19. Juni 1995 eroberte das Bataillon der ChRI-Streitkräfte unter dem Kommando Shamil Basayev die Stadt Budennovsk im Gebiet Stawropol der Russischen Föderation. Die russischen Behörden waren gezwungen, den Vorschlag der Führung des tschetschenischen Staates anzunehmen und den Prozess der friedlichen Verhandlungen des russisch-tschetschenischen Krieges einzuleiten.

Am 9.- 18. Januar 1996 überfielen tschetschenische Kämpfer unter dem General Salman Raduyev die dagestanische Stadt Kizlyar und griffen den Militärflugplatz der russischen Besatzungsarmee an.

Am 6.- 8. März 1996 wurde in Grosny eine große Militäroperation „Vergeltung“ durchgeführt, die unter dem Präsidenten des ChRI, des Oberbefehlshabers der ChRI-Streitkräfte, Dschochar DUDAJEW, geplant wurde.

Am 21. April 1996 kam der gewählte Präsident der Tschetschenischen Republik Ichkeria Dschochar DUDAJEW bei einem Terroranschlag eines russischen Sonderdienstes ums Leben.

Jelzin geriet immer mehr unter Druck und wollte das Problem DUDAJEW lösen. Er bot ihm an, per Telefon über eine Lösung zu sprechen. Dazu ließ Jelzin Dudajew über Mittelsmänner ein Satellitentelefon überbringen und vereinbarte für den 21. April um 16 Uhr ein Telefonat.

Kurz vor dem geplanten Telefongespräch wurde das Funk- bzw. Ortungssignal als Leitsignal für einen russischen Marschflugkörper, der punktgenau sein Ziel trifft, genützt.

Dschochar DUDAJEW und 40 Mitstreiter waren auf der Stelle tot.

 

Am 27. Mai 1996 unterzeichneten der russische Präsident Boris Jelzin und der Vize-Präsident des ChRI, Zelimkhan YNDARBIEW, in Moskau das sogenannte Abkommen über Waffenstillstand, das von Russland nicht gehalten wurde.

Am 6. August 1996 begann die große militärpolitische Operation, die Stadt Grosny und den Rest des Landes von russischen Besatzern zu befreien. Tschetschenische Kämpfer unter der Leitung vom Stabschef der tschetschenischen Streitkräfte (ChRI) General Aslan MASCHADOW nahmen überraschend die Hauptstadt Grosny wieder ein. Mehrere Tausend russische Besetzer gerieten in tschetschenische Gefangenschaft.

Russland ist gezwungen, in das Friedensabkommen von Chasawjurt (Dagestan) einzuwilligen. Die russische Armee zieht sich gedemütigt aus Tschetschenien zurück.

Bis dahin kostete der Krieg innerhalb zweier Jahre etwa 100 000 Tschetschenen (fast 10% der Bevölkerung) das Leben. 200 000 Tschetschenen waren in die benachbarten Regionen Dagestan und Inguschetien geflohen. Die Hauptstadt Grosny war zerstört und verlassen. Die Wirtschaft des Landes war ruiniert.

 

Am 31. August 1996 wurde in Anwesenheit von OSZE-Beobachtern das sogenannte „Chasawjurt-Abkommen“ über Waffenstillstand in Grosny und dem Rest des ChRI unterzeichnet. Die Beziehung zwischen der Russischen Föderation und dem ChRI sollte innerhalb von fünf Jahren (bis zum 31. Dezember 2001) festgelegt werden. Auf russischer Seite wurde das Dokument vom Sekretär des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, Alexander Lebed, auf tschetschenischer Seite von Aslan MASCHADOW, Stabschef der Streitkräfte des ChRI, unterzeichnet.  https://www.youtube.com/watch?v=4Ob1CCnIHog&t=186s

 

Am 27. Jänner 1997 fanden unter Aufsicht von Vertretern der OSZE aus mehr als 60 Staaten die Wahlen zum Präsidenten und zum Parlament der ChRI statt.

Aslan MASCHADOW wurde zum zweiten Präsidenten der ChRI gewählt.

Am 12. Februar 1997 fand in der Stadt Grosny die Amtseinführung des zweiten Präsidenten der Tschetschenischen Republik Ichkeria Aslan MASCHADOW statt. https://www.youtube.com/watch?v=zlPpq3p5bTg

Am 12. Mai 1997 unterzeichneten der russische Präsident Boris Jelzin und der Präsident der ChRI Aslan MASCHADOW in Moskau den Friedensvertrag und die Grundsätze der Beziehungen zwischen der Russischen Föderation und der Tschetschenischen Republik Ichkeria, in denen gesetzlich festgelegt wurde, dass die Beziehungen zwischen den Lädern  „auf der Grundlage und den Grundsätzen des Völkerrechts“ aufzubauen sind. Der Vertrag wurde de facto und de jure von der Russischen Föderation zur staatlichen Souveränität des ChRI anerkannt.

https://www.youtube.com/watch?v=imfzZaOp6KQ

Vom 25. Juli 1998 bis August 1999  war Wladimir PUTIN Direktor des Inlandsgeheimdienstes FSB, ab 26. März 1999 außerdem Sekretär des Sicherheitsrates der Russischen Föderation.

Damit begannen die Provokationen gegen die Tschetschenische Republik Ichkeria und die Verschärfung der politischen Beziehungen zwischen den Ländern. Im russischen Budget des Jahres 1998 war der zweite Krieg schon vorgesehen.

In der Nacht vom 4. zum 5. Juli 1999 drangen russische Truppen aus der dagestanischen Stadt Kizlyar unter Verstoß gegen den Friedensvertrag in das Gebiet der ChRI ein und rückten 10 km landeinwärts vor. Dies war tatsächlich der Beginn des zweiten russisch-tschetschenischen Kriegs.

Im Juli 1999 Russische Terroristengruppen begehen eine Reihe blutiger Überfälle auf die Regionen Naursky und Shelkovsky der ChRI. Russische Terroristengruppen greifen an. Mehrere Menschen wurden getötet. Schafherden werden in das Stawropol-Territorium und nach Dagestan entführt. Im Verlauf der Angriffe drohen die Russen mit militärischer Intervention gegen der ChRI.

Am 7. August 1999 blockierten und belagerten russische Truppen die Dörfer Kararmakhi und Chabanmakhi in Dagestan, sie sind an der Grenze von ChRI. Ihnen wurde totale Zerstörung angedroht. Als Reaktion auf den Ruf der umzingelten Einwohner von Kararmachi und Chabarmakhi marschierten bis 400 freiwillige Kämpfer (darunter auch die freiwillige dagestanische Widerstandskämpfer, die am ersten Krieg gegen Russland teilgenommen hatten) aus Tschetschenien ein, um Druck auf die russische Besatzungstruppe auszuüben und den belagerten Dörfern bei der Befreiung zu helfen.

Der Übergriff wurde vom tschetschenischen Präsidenten Aslan MASCHADOW sofort verurteilt.

Am 9. August 1999 wurde Wladimir PUTIN, ehemaliger hochrangiger Geheimdienstmann, neuer russischer Ministerpräsident. Er erklärte, dass es sich bei dem Übergriff in Dagestan um einen tschetschenischen Angriff gegen Russland gehandelt habe.

Am 23. August 1999 verließen nach dem Ende der Aufgabe die Freiwillige aus Tschetschenien das Gebiet von Dagestan. Die Einwohner von diesen belagerten Dörfern sind befreit und nach Tschetschenien geflüchtet.

Am 25. August 1999 begann Russland mit aktiven Luftangriffen auf die Bergregionen der ChRI und mit Bombardierung der Hauptstadt Grosny.

Am 4. September 1999 explodierte ein Haus in Buinaksk.

Am 8. September 1999 explodierte das Hauses in Moskau auf der Straße. Guryanova.

Am 13. September 1999 explodierte das Haus in Moskau an der Kashirskoye Schosse.

Am 16. September 1999 explodierte das Haus in Wolgodonsk.

Am 18. September 1999. Russland kündigte eine militärische Blockade des ChRI-Territoriums an (Schaffung der sogenannten „Sanitärzone“ um die Republik). Verstärkte Einheiten der russischen Armee blockierten die russisch-tschetschenische Grenze von Dagestan, dem Stawropol-Territorium, Nordossetien und Inguschetien.

Am 22. September 1999 wurde von der russischen Polizei die russische FSB-Terroristengruppe beim Versuch, ein Wohnhaus in Rjasan in die Luft zu jagen, erwischt und am 25. September verhaftet. Danach gab es keine weiteren Explosionen.

Am 30. September 1999 Russland startete die sogenannte „Bodenoperation“ gegen ChRI. Die Panzereinheiten der russischen Armee aus dem Gebiet Stawropol und Dagestan betraten das Gebiet der Bezirke Naursky und Shelkovsk

Am 5. Oktober 1999 unterzeichnete der Präsident des ChRI Aslan MASCHADOW das Dekret „Über die Einführung des Kriegsrechts in der tschetschenischen Republik Ichkeria.“

Beginn des zweiten Russisch-Kriegs 1999-2009

Dieser Krieg war viel grausamer als der Erste und forderte fast 200 000 Opfer. Die Republik wurde total zerstört. Säuberungsaktionen, Massaker, Entführungen, Folter und Morde waren an der Tagesordnung.   In diesen zwei Kriegen wurden annähernd 300 000 Menschen (darunter 42 000 Kinder) umgebracht, das waren 30 Prozent des tschetschenischen Volks. Weitere 30 Prozent flüchteten ins Ausland, und der Rest lebt unter dem russischen Schrecken.

Das Foto von Grosny nach der Einnahme der russischen Truppen 2000 Jahr. Ende 2002

 

Die russischen Behörden und die OSZE konnten keine Einigung hinsichtlich der Verlängerung des am 31. Dezember ablaufenden Mandats der OSZE-Unterstützungsgruppe in Tschetschenien erzielen, die daraufhin ihre Tätigkeit einstellen muss. Das Mandat der Gruppe beinhaltete unter anderem die Förderung demokratischer Institutionen, des Schutzes der Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit sowie Bemühungen um eine friedliche Lösung des Konflikts.

Außenminister Igor IWANOW gab am Silvesternachmittag bekannt, Russland werde das auslaufende Tschetschenien-Mandat der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) nicht verlängern. Bisher hatten OSZE-Mitarbeiter in Tschetschenien humanitäre und wirtschaftliche Projekte betreut, vor allem aber Menschenrechtsverletzungen untersucht.

 

Der Anschluss, die Annexion des Tschetscheniens an Russland

Am 23. März 2003 führte Russland das sogenannte Referendum im besetzten Teil Tschetscheniens durch aber in Bergregionen war der Krieg noch aktiv und dennoch gingen die Kämpfe weiter.

Im besetzen Teil war die übriggebliebene Zivilbevölkerung in der Belagerung gezwungen, für eine Verfassung zu stimmen, nach der ihr Land Teil (Bundesland) der Russischen Föderation ist. Wer anderes wählt, wählt den Krieg sagte Vladimir Putin.

Die sogenannte Wahl des russischen Hauptmanns (des Bundeslandes) in besetzen, angeschlossenen Tschetschenien.

Am 5. Oktober 2003 wurde in besetzten und angeschlossenen Tschetschenien ein russischer Hauptmann (Gauleiter) eingesetzt.

Nur ein einziger Kandidat hatte überhaupt eine realistische Chance, Achmad Kadyrow, der Wunschkandidat des Kremls.  Schließlich wollte Russlands Präsident Wladimir Putin eine Lösung des Konfliktes für die internationale Gemeinschaft darstellen.

Am 13. Februar 2004 wurde Zeilmann YANDARBIEW, Ex-Vize-Präsident der Tschetschenischen Republik, in der katarischen Hauptstadt Doha durch einen Terroranschlag eines russischen Sonderdienstes getötet.

Am 9. Mai 2004 bei einer Militärparade in der Hauptstadt Grosny, anlässlich des Feiertags zum sowjetischen Sieg über das nationalsozialistische Deutschland, wurde der russische Hauptmann (Gauleiter) Achmad Kadyrow durch einen Bombenanschlag getötet.

Russlands Präsident Wladimir PUTIN drohte dem tschetschenischen Widerstand die Vergeltung an.

  1. März 2005 

Am 8. März 2005 kam im Dorf Tolstoi-Jurt infolge eines ungleichen Kampfes mit russischen Spezialeinheiten der gewählte Präsident der tschetschenischen Republik Ichkeria Aslan MASCHADOW ums Leben.

Am 17. Juni 2006 kam in der Stadt Argun der Vize- Präsident der tschetschenischen Republik Ichkeria Abdul Halim SADULAJEW in einem ungleichen Kampf mit russischen Truppen auch ums Leben.

Doku Umarow war nächster Nachfolger des Vizes-Präsidenten der Tschetschenischen Republik Itschkerien, bis er sich am 31. Oktober 2007 zum Emir des Kaukasus-Emirats erklärte.

Die Ausrufung des Emirats wurde von mehreren führenden Angehörigen der tschetschenischen Regierung (unter ihnen auch Achmed SAKAJEW) abgelehnt und verurteilt. Umarow wurde abgesetzt.

Im März 2007 wurde der Putin-treue Ramsan Kadyrow, Sohn von Achmad Kadyrow, als russischer Hauptmann (Gauleiter) des besetzten, angeschlossenen Tschetscheniens eingesetzt.

Achmed SAKAJEW ist weiterhin der Ministerpräsident der tschetschenischen Exilregierung.

 

Ruslan Berger

Das Doppelleben unter dem Schrecken.

рубрика: Politik

Nach den zwei grausamen Kriegen und der russischen Besetzung ist das klein Land Tschetschenien für das Volk ein russischer Folterkeller geworden, in dem nur das Schrecken und die extreme Gewalt des Monsters herrscht. Es fordert mehr Opfer und die absolute Loyalität gegenüber Russland.

Andersdenkende werden als Widerstandskämpfer oder Gegner Russlands verdächtigt und hart verfolgt oder beseitigt. Entführungen, Folter und Morde sind an der Tagesordnung.

Der Krieg geht weiter, aber er ist unsichtbar geworden. Das ist eine Illusion des Friedens.  Zurzeit gibt es keine Bombenangriffe, nicht so viele Schießereien, aber die Gefahr und die Angst sind größer als in der aktiven Kriegszeit. Damals wussten wir, wer unsere Feinde waren, und haben versucht, uns vor ihnen zu verstecken.

In diesem Schreckenskäfig gibt es ein offizielles Leben, in dem man in der offenen Gesellschaft eine Rolle spielt und die russische Welt lobt, sodass nach außen hin alles schön wirkt, andererseits steckt unter der Oberfläche unvorstellbarer Hass, das Sehnen nach Freiheit und die Hoffnung auf ein Ende der Besatzung. Wenn dieser Untergrund aufgespürt wird, wird Druck ausgeübt, andere Menschen zu verraten.

Um sein eigenes Leben zu retten, wird man gezwungen, viele andere Leben zu nehmen.

Dann beginnt der persönliche Kampf ums Überleben – entweder ich sterbe oder ich lebe mit der lebenslangen Mitverantwortung für das Verbrechen weiter.

Das ist der Frieden, den das Monster (Russischer Imperialismus) bietet. Wer die Freiheit wählt, erntet gnadenlosen Krieg, sagt Wladimir Putin.

 

Ruslan Berger.

 

 

Tschetschenien: Kundgebung gegen die Ermordung von Mamikhan Umarov durch den russischen Geheimdienst

рубрика: Politik

Bericht (mit Fotos und Videos) von einer Kundgebung in Wien am 7. Juli 2020, Revolutionär-Kommunistische Organisation BEFREIUNG (Österreichische Sektion der RCIT), www.rkob.net

Knapp 100 Migrantinnen und Migranten aus Tschetschenien versammelten sich heute in Wien vor der russischen Botschaft, um gegen die Ermordung des tschetschenischen Freiheitskämpfers Mamikhan Umarov am 4. Juli zu protestieren. Es unterliegt keinem Zweifel, dass dieser Mord von Kadyrow in Auftrag gegeben wurde, dem blutige Diktator von Tschetschenien und eine loyaler Diener von Präsident Putin.

Aufgrund der internationalen Bedeutung dieses Auftragsmordes, war eine große Anzahl von Journalisten von in- und ausländischen Medien anwesend.

Die Kundgebung wurde von Iskhanov Huseyn, dem Sprecher der tschetschenischen Gemeinde, geleitet. Ebenso sprachen eine Reihe von Vertreterinnen und Vertreter der tschetschenischen Gemeinde. Unser Genosse Michael Pröbsting, Internationaler Sekretär der RCIT, sprach zwei Mal – in deutscher und englischer Sprache. Er verurteilte scharf den Mord an Bruder Umarov und betonte die bedingungslose Unterstützung der RCIT für den Freiheitskampf des tschetschenischen Volkes

Medienberichte finden sich z.B. hier: https://www.derstandard.at/story/2000118559342/tschetschene-in-gerasdorf-getoetet-beschuldigte-schweigen-weiter

https://ruptly.tv/en/videos/20200707-053-Austria–Dozens-protest-outside-Russian-embassy-in-Vienna-over-murder-of-Chechen-asylum-seeker

https://www.vienna.at/demonstration-vor-russischer-botschaft-in-wien-nach-bluttat-in-gerasdorf/6670287

https://www.oe24.at/oesterreich/chronik/wien/Putin-Terrorist-Tschetschenen-demonstrierten-vor-Russen-Botschaft-in-Wien/436721842

https://www.kleinezeitung.at/oesterreich/5836598/In-Wien_Proteste-vor-der-russischen-Botschaft-nach-Mord-an

https://kurier.at/chronik/wien/demo-nach-mord-an-tschetschenen-wer-ist-der-naechste/400964609

Eine wichtige Stellungnahme der RCIT zu Tschetschenien kann hier gelesen werden: https://www.thecommunists.net/home/deutsch/solidarit%C3%A4t-mit-dem-freiheitskampf-des-tschetschenischen-volkes/

 

 

 

AfghanInnen: Kriegsflüchtlinge oder MigrantInnen?

рубрика: Politik

„Das Schweigen der Freunde übertönt den Lärm der Feinde.“ (Günter Grass)

AfghanInnen: Kriegsflüchtlinge oder MigrantInnen?

Die Flüchtlingslager auf Lesbos lösten Diskussionen über den moralischen Verfall Europas und die Aufnahmeverpflichtung von Menschen aus Kriegsgebieten erneut und – trotz Coronavirus – in heftiger Form aus. Viele Argumente sind nachvollziehbar, manche nicht. Wenn etwa darüber gesprochen wird das ein beträchtlicher Teil der Menschen die an der türkisch/griechischen Grenze Einlass nach Europa begehrten eh nur AfghanInnen gewesen wären, welche keinen Anspruch auf Schutz im Sinne der Genfer Konvention hätten, wird da – so meine ich – ein falscher Diskurs eingeschlagen. Nach dem Global Peace Index ist Afghanistan weiterhin das unsicherste Land der Welt. Im Jahr 1979 hatte die damalige Sowjetunion durch ihre Invasion die Misere in Afghanistan zwar nicht ausgelöst aber doch ungemein verstärkt. Seit dieser Zeit befindet sich das Land am Hindukusch im ständigen Krisenmodus. Insbesondere seit 9/11, als die Urheber der Anschläge in Afghanistan ausgemacht wurden, konnten amerikanische Bomber den Krieg gegen den internationalen Terrorismus mit einer weiteren Zerstörung eines zerstörten Landes beginnen. Die Folge waren Tote zuhauf, immer wieder und in steigender Zahl waren es auch afghanische Zivilisten, welche weder den in diesem Land nunmehr wütenden Fundamentalisten noch den internationalen Terroristen zuzuordnen waren. Um der grauenhaften Unterdrückung der Frauen zu entkommen um insbesondere auch ihren Töchtern eine angemessene Zukunft zu ermöglichen, haben viele Familien die Flucht nach Europa angetreten wo ihnen das Gesellschaftssystem vorbildlich erscheint. Wenn wir jetzt AfghanInnen als unerwünschte MigrantInnen ansehen blenden wir eine Kriegskatastrophe von mehr als vier Jahrzenten und die Tatsache das Afghanistan längst ein „Gescheiterter Staat“ ist aus. Zudem, die wenigsten AfghanInnen finden Freude daran sich von den fanatischen Gotteskriegern der Taliban drangsalieren zu lassen. Die abartige Grausamkeit der islamistischen Taliban ist allgemein bekannt. So wurde – um nur einen besonders widerlichen Fall anzusprechen – vor einigen Jahren ein achtjähriger Bub von den Taliban erhängt (um dessen Vater, einen Polizeikommandanten unter Druck zu setzen). Genau vor diesen gottlosen Gotteskriegern fliehen afghanische Familien um ein Leben abseits fundamentalistischer Ideologien führen zu können. Den Kindern aus Afghanistan will der Schrecken nicht enden, jede Nacht hören Sie die Bomben in Kabul und anderen Städten explodieren. Dort in der Realität, hier in wiederkehrenden Alpträumen. Im Besonderen ist die Volksgruppe der schiitischen Hazara in Afghanistan fortlaufender Diskriminierung ausgesetzt. Dies auch weil sich die Hazara schon äußerlich von anderen AfghanInnen dadurch unterscheiden dass sie Nachkommen der
Mongolen sind.

Meine persönlichen Erfahrungen mit afghanischen Menschen sind in der Regel positiv und erfreulich. Die Bemühungen sich der österreichischen Gesellschaft anzupassen und das Wertesystem zu verstehen sind jedenfalls vorbildlich. Gemeinsam mit afghanischen Menschen spiele ich in einem Fußballteam, ein Sportprojekt mit afghanischen Frauen musste aufgrund der Covid 19 Situation vorerst verschoben werden. Im Zuge der Corona Krise gab es mancherorts viel Solidarität und Verständnis in der österreichischen Bevölkerung. Vielleicht schaffen wir es diese Einstellungen auch auf Flüchtlingsfamilien anzuwenden?

Sigi Stupnig, Psychologe

Das Unglück der Tschetschenen

рубрика: Politik
Siegfrid Stupnik

Der Zerfall der Sowjetunion schwemmte in Tschetschenien 1991 den ultranationalistischen ehemaligen Generalmajor der Luftstreitkräfte des Riesenreiches UdSSR, Dschochar Dudajew, in der nordkaukasischen Republik bis zum Posten des Präsidenten. Trotz vieler kritischer Gegenstimmen (Ruslan Chasbulatow, aber auch Schriftsteller wie Musa Achmadow, Musa Beksultanow) gelang es Dudajew seine Anhänger von der Notwendigkeit der Unabhängigkeit zu überzeugen. Dazu bediente er sich einer – wie bei Rechtspopulisten üblich – gefakten Geschichtsschreibung und einer Opferinszenierung. Die intensive tschetschenische Propaganda ist vielen Nordkaukasiern auch heute noch verinnerlicht. In Moskau beobachtete man die einseitig ausgerufene Unabhängigkeit der Tschetschenen wenn überhaupt dann nur beiläufig. Zu groß waren die internen Schwierigkeiten und Probleme mit denen sich der Präsident Russlands, Boris Jelzin, abzugeben hatte. Bis schließlich im Kreml die glorreiche Idee geboren wurde das alte Feindbild Kaukasier wieder aufzuwärmen und mit einem kleinen siegreichen Krieg im Süden Russlands die Popularität Jelzins wieder in die Höhe schwingen zu lassen. Am 11. Dezember 1994 erfolgte der Angriff einer (unvorbereiteten) russischen Armee, der es aber dennoch gelang die durchaus moderne Nordkaukasusrepublik in die Steinzeit zurück zu bomben. In den folgenden Jahren war die Zivilbevölkerung Tschetscheniens unvorstellbaren Leiden ausgesetzt. Das Vorgehen der russländischen Armee und der späterhin islamisierten Unabhängigkeitskämpfer forderte Opfer in steigender Zahl. Die Kriegsverbrechen der russischen Armee werden noch heute am Internationalen Gerichtshof in Straßburg verhandelt. Nachdem Russland 1996 aus Tschetschenien abgezogen war, tobten sich dort die fundamentalistischen Warlords des Krieges aus und boten alsbald Wladimir Putin Anlass erneut in Tschetschenien einzugreifen. Wieder wurde die tschetschenische Zivilbevölkerung zwischen völlig brutalisierten russischen Söldnern und islamistischen Gotteskriegern aufgerieben.

Nun, ein Vierteljahrhundert später, herrscht in Tschetschenien mit Ramsan Kadyrow ein Kind dieser furchtbaren Kriege, die so mancher als Völkermord zu bezeichnen geneigt war. Kadyrow verfolgt eine pro russische Agenda und ist der Garant für Frieden im Nordkaukasus. Auf der anderen Seite wird er für zahlreiche und schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht. Der österreichische Verfassungsschutz meint in ihm den Auftraggeber für den Mord an einem Regimekritiker in Wien gefunden zu haben. Tatsächlich herrscht in Tschetschenien ein permanentes Klima der Angst vor Kadyrow und seinen Leuten. Eine Opposition zu ihm gibt es nicht, Kritik wird schon in Ansätzen unterbunden. Die Unabhängigkeitsbestrebungen der Dudajew Bewegung haben dem Volk letztlich ein hohes Maß an Unfreiheit gezeitigt.

Sigi Stupnig, Psychologe

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