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Religion

Sufi Sichtweisen aus und auf den Kaukasus

Die Gnade Allahs des Allmächtigen ist Grenzenlos

рубрика: Kunst & Kultur/Religion

Die Nacht wird lang wenn der Schmerz einem quält.

Aber sind wir ehrlich ich habe ihn nicht gewählt.

Er brach so überraschend in meinem Körper ein,

was soll ich sagen – ich mag dich nicht, du kannst mir gestohlen sein?

Du hast mir oft den Schlaf geraubt.

Ich müsste dich fragen: wer bist du überhaupt?

Warum fügst du mir so Schmerzen zu,

du alter Bösewicht, was glaubst denn du, wer du bist?

Mir das Leben so schwer zu machen.

Ich denke es gibt im Leben, doch viel schönere Sachen.

Ich würde von Herzen gerne meinen Garten pflegen,

ach was könnte ich mich da gut bewegen.

Ich könnte die Blumen gießen und,

und die gute Luft genießen!

Aber halt! Soll mir der Schmerz mein Leben verdrießen?

Darf ich denn nicht dankbar sein für den Schmerz?

Denn was wäre ein Leben ohne Schmerz?

Vielleicht das gleiche wie ein Mensch ohne Herz?

Niemand will Leben ohne Herz,

drum muss er auch ertragen den Schmerz.

Darum dürfen wir mit unserem Schicksal nicht hadern,

dürfen im Glauben nicht wanken,

sondern für alles was uns widerfährt nicht vergessen zu danken.

Mullah Nasreddin

рубрика: Religion

An jedem Markttag brachte der Hodscha einen Esel zum Markt und verkaufte ihn sehr billig. Der Preis, den er für seinen Esel verlangte, lag immer weit unter den Preisen seiner Konkurrenten. Eines Tages sagte ein reicher Eselhändler zu ihm: »Ich weiß nicht, wie du es dir erlauben kannst, deine Esel so billig zu verkaufen. Ich lasse meine Diener das Heu von den Bauern stehlen und befehle ihnen auch, die Esel zu halten, ohne dass ich sie dafür bezahle. Und dennoch sind deine Preise niedriger als meine.« »Nun ja, das ist sehr verständlich«, antwortete der Hodscha. »Du stiehlst Futter und Arbeitskraft – ich stehle Esel!«

Mullah Nasreddin eine historische Figur oder ein Pseudonym?

Mullah Nasreddin ist höchstwahrscheinlich eine historische Figur hinter einem Pseudonym. In Afghanistan und Iran ist er als »Molla Nassruddin« bekannt. Der Seldschuken Sultan Alauddin Jahansuz (Weltverbrenner) im 13. Jahrhundert, der die blühenden Städte der Ghaznaviden wie Ghazni und Bost niederbrannte, soll einer seiner üblen Zeitgenossen gewesen sein. In Europa ist er als halblegendärer Volksweiser, Held einer Schwanksammlung und türkischer Eulenspiegel bekannt. Die älteste handschriftliche Sammlung seiner Geschichten soll aus dem Jahre 1571 stammen. In der Türkei wird als Hodscha Nasreddin bezeichnet. Dort soll er auch begraben sein. Er soll viele Gräber in verschiedenen Orten haben, die als Wallfahrtsstätte dienen. Sein Grab soll bei Besuchern Heiterkeit auslösen. Die Vorderseite seines Grabes hat ein Mauerwerk, während die drei anderen Seiten des Platzes ohne Mauer sind. Die Ironie dabei ist, dass das Tor, welches zu seinem Grabe führt, mit einem enorm großen Schloss verriegelt ist.

Die lustigen Geschichten und Anekdoten von Mullah Nasreddin sind in ganz Afghanistan, Iran, Tadschikistan, dem Kaukasus und in der Türkei bekannt wie beliebt. Bei den Geschichten geht es um humorvolle Darstellungen der Unzulänglichkeiten von Menschen. Der Held und Adressat, häufig der Mullah selbst, nimmt eine ambivalente Haltung ein, dessen Sprüche und Übertreibungen von einer totalen Naivität bis hin zu einem cleveren Einfallsreichtum und Schlagfertigkeit reicht. Sie sind ein Gemisch von selbstironischer und sozialkritischer Interpretation jener Zeit. Seine Geschichten sind zeitlos und da sie mindestens 500 Jahren mündlich weitergegeben wurden, sind manche verloren gegangen andere Nasreddin angedichtet worden. Sie variieren von Erzähler zu Erzähler. Dennoch gehören sie zur Trivialliteratur der Völker der Region. Sie haben für die Menschen eine kathartische Funktion. Diese reinigende Funktion kann durchaus mit der Wirkung des Trauerspiels verglichen werden. Wie die klassischen Dramen die Menschen zum Weinen bringen und somit durch die Tränen sowohl den Körper und als auch die Seele reinigen (Dramentheorien von Aristoteles bis Goethe), so können auch beim Lachen Tränen fließen und Körper vibrieren lassen. Menschen reagieren ihre inneren Spannungen ab. Nicht zuletzt wird in Afghanistan das Lachen als Salz des Lebens bezeichnet. In ihre Freizeit erzählen junge und alte Menschen in Afghanistan diese Geschichten, wenn sie beisammen sind.

Mullah Nasreddin ist aber nicht nur der Name eines Sufi-Scheichs sondern auch der des ersten Satirezeitschrift in der Umma. Mehr als 100 Jahre, bevor militante islamistische Täter in der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo Journalisten ermordeten, spielte eine andere sehr ähnliche Zeitschrift eine wichtige Rolle in der muslimischen Bevölkerung des russischen und des persischen Imperiums. Die aserbaidschanische Wochenzeitschrift Molla Nasreddin war zu ihrer Zeit revolutionär, lästerte über Kleriker und kritisierte kokett die politische Elite ebenso wie den russischen Zaren und den Schah von Persien. 1906 wurde sie gegründet und nahm kein Blatt vor den Mund bei geopolitischen Ereignissen und setzte sich aktiv für Frauenrechte sowie einer westlichen Orientierung ein. Der Chefredakteur der Zeitschrift war Jalil Mammadguluzadeh (bekannt als Mirza Jalil), ein berühmter aserbaidschanischer Schriftsteller, welcher auch als Romanautor bekannt ist. In seinem Buch »Der Tod« ist der Hauptdarsteller ein betrunkener Atheist, der als Verrückter behandelt wird, weil er die Wahrheit über seine rückständige Gesellschaft erzählt hat, wo Mädchen, die neun Jahre alt sind, gezwungen werden, 50-jährige Männer zu heiraten. Der Titel des Magazins, Molla Nasreddin, stammt von dem Namen des naiven, aber weisen Mullahs, der im ganzen Nahen Osten für seine Anekdoten berühmt wurde.

Auf dem Cover der ersten Ausgabe wird Molla Nasreddin gezeigt, wie er »die schlafenden Nationen des Ostens« aufweckt. Mehr als 20 Jahren lang präsentiert das Magazin mit dem Namen des Mullahs den Lesern die Welt anhand von Cartoons und Texten. »Die erste Ausgabe der Zeitschrift explodierte wie eine Bombe« erinnert sich der berühmte Schriftsteller Ebdurrehimbey Haqverdiyev. »Die Mullahs sagten, dass die Zeitschrift nicht in das Haus eines anständigen Muslims gehöre. Wenn doch, sagten sie, schnapp sie sich es mit einer Zange und schmeißen es in die Toilette.«

Molla Nasreddin wandte sich in erster Linie an ungebildete Aserbaidschaner, im Gegensatz zu anderen Publikationen der Zeit, die stark von der türkischen, russischen oder persischen Politik beeinflusst waren. Die Texte waren in einfacher Sprache gehalten und die Cartoons waren leicht zu verstehen, oft gegen Kleriker gerichtet, die die Autoren des Magazins als Feinde der Bildung und einer säkularen Gesellschaft ansahen.

Mirza Jalil sagte, seine Zeitschrift sei ein Produkt seiner Zeit, als die Mehrheit der Bevölkerung Analphabeten war, von den russischen und persischen Imperien regiert und von religiösen Führern geleitet wurde. Es wurde in der aserbaidschanischen Sprache (zunächst in arabischer Schrift, später in Latein, mit Beginn des Sowjetregimes), gelegentlich auch in russischer Sprache veröffentlicht. Die folgenden zwei Karikaturen sind besonders direkt in der Art und Weise, wie sie das Bildungsergebnis religiöser »asiatischer Schulen« mit den Ergebnissen säkularer europäischer Institutionen negativ vergleichen.

Frauen wurden in der Gesellschaft oder in ihren eigenen Familien als untauglich betrachtet und von ihren Männern geschlagen und unterdrückt. Die Zeitschrift widersetzte sich eindeutig der Intervention der Religion in den individuellen Freiheiten eines säkularen Staates.

Aber die Spöttelei über die Kleriker und der Einsatz für die Rechte der Frau waren mit eigenen Risiken verbunden. Mullahs in Persien veröffentlichten eine Fatwa, in der der Tod von Mirza Jalil gefordert wurde. Er wurde in der georgischen Hauptstadt Tiflis, wo die Zeitschrift erschien, angegriffen und ständig bedroht. Die Stadt war damals die Kulturhauptstadt des russischen Südkaukasus. »Hätte ich die Zeitschrift nicht in Tbilisi veröffentlicht, sondern in Baku oder Jerewan [der Hauptstadt des heutigen Armenien, wo die Aserbaidschaner damals die Mehrheit der Bevölkerung bildeten], hätten sie mein Büro zerstört und mich getötet« erklärte Jalil. Für viele seiner Leser öffnete das Magazin ein Fenster zur Weltpolitik, aber in satirischer Sprache. Die Karikatur unten zeigt den osmanischen Sultan, der für die griechische Insel Kreta kämpfte und von den »Großmächten« geduscht wurde.

Die Zeitschrift setzte sich aktiv für Frauenrechte ein und spielte eine wichtige Rolle bei der Einführung des Frauenwahlrechts in Aserbaidschan 1919, einer der wenigen muslimischen Länder in dem dieses Recht etwa zeitgleich eingeführt wurde wie in Deutschland, Großbritannien und den USA. Wenn man alte Ausgaben der Zeitschrift in der Nationalbibliothek von Aserbaidschan durchgeht, wird deutlich, wie gewagt die Schriftsteller und Illustratoren von Molla Nasreddin waren. In einer Ausgabe von 1929 wurde eine Karikatur des Propheten Mohammed veröffentlicht, allerdings ohne sein Gesicht darzustellen. Zu dieser Zeit war Aserbaidschan ein Sowjetstaat und die Veröffentlichung fand in der Hauptstadt Baku statt. Dennoch war die Mehrheit der Bevölkerung immer noch konservative Muslime. Die Karikatur kennzeichnet einen Dialog zwischen Jesus und Mohammed und zeigt die Leute, die an Weihnachten trinken. Es hat sich offensichtlich lustig über Muslime gemacht, die trotz ihrer Religion Alkoholkonsum verboten haben. Aber das Magazin sollte nicht lange bestehe. In den frühen 1930er Jahren sagten die Behörden Mirza Jalil, sie sollten ihren Namen in Allahsiz (Gottlos) ändern und den Prinzipien der sowjetischen Ideologie folgen. Unfähig, die sowjetische Zensur zu akzeptieren, endete seine Beziehung mit dem Magazin.

Dank an Konul Khalilova

Die Gräber der Großeltern

рубрика: Deportation 1944/Religion

Stellen Sie sich die Menschen vor, die aus dem dreizehnjährigen Exil zurückgekehrt sind und ihre einheimischen Siedlungen nicht wiedererkennen. Alles ist überwachsen. Die Häuser sind verfallen und zerstört, selbst die Grabsteine ​​der Friedhöfe verschwunden. Wo sind sie? Wer könnte unter normalen Leuten denken, dass Platten aus den Gräbern Baumaterial sind und dass Sie in einem Haus mit Fundament dieser Platten leben könnten?

Ruslan Tulikov erinnert sich wie er nach dem Abitur mehrere Jahre in Grosny arbeitete und dann zum Direktor des Kulturhauses in Urus-Martan ernannt wurde. Es gab eine Reparatur weil die Fußböden renoviert wurden und ein Arbeiter kam zu ihm: »Das innere Fundament ist aus Grabsteinen gelegt, er ist voll von Churts!«. Ruslan konnte es nicht glauben und nahm eine Laterne und kletterte unter dem Boden eines Gebäudes, welches in den Jahren gebaut wurde, als die Tschetschenen in Kasachstan waren.

»Zum ersten Mal sah ich die langen Reihen von Grabsteinen, die aufeinandergestapelt waren. Es gab viele von ihnen. Später fand sich an den Stellen, an denen der Schweinestall stand, ein viel längeres ‚Band‘ aus Grabsteine. Selbst an Brückenpfeilern und in Straßen…«

Was hätte oder hätte ich im ersten Fall tun sollen? Ich stürzte zum Dorfrat. Es gab dort ein Treffen. Abgeordnete, Älteste, verschiedene Personen, und ich erklärte als energischer junger Mann, wie kann dies sein, dass hier eine Kirche steht und dann dies? Sofort wurde ich zum Schweigen gebracht »Was, du wusste es nicht noch nicht? … Diejenigen, die größer sind als wir, wissen es alle und können nichts tun. Also lasse einmal die Kirche im Dorf«

Wäre es im Grund nicht gerecht zu sagen: »Wenn alle Moscheen geschlossen sind, weshalb dann die Kirche nicht?« Aber niemand hat das gesagt. Warum auch? Die Behörden würden lieber alle Kirchen im Land schließen, als eine Moschee in Grosny zu eröffnen. Wäre es für uns einfacher, wenn auch den Christen das Recht verweigert würde, Kirchen zu haben und zu besuchen?

In Urus-Martan gibt es einen Friedhof, mit einem Denkmal für die Opfern der Deportation des 23. Februar 1944 und der christliche Friedhof grenzt direkt daran an. Es wurde schon lange niemand mehr dort begraben aber in den frühen 1960er Jahren schützten Tschetschenen, die aus dem Exil zurückkehrten, beide Friedhöfe.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion begann auch allmählich der Zaun der beide Friedhöfe umgab zu zerfallen. Dennoch wurden in den frühen 2000er Jahren – in einer für sie selbst sehr schwierigen Zeit – von Einheimischen mit der Errichtung eines neuen Zauns begonnen, welcher die beiden Friedhöfe beschützte. Zwar sind die diversen Holzkreuze nicht mehr erhalten, aber eines aus Eisen steht noch. Niemand berührt und wird sich nie berühren.

Weder die Kreuze noch die Zäune geschweige denn die Grabsteine von christlichen Friedhöfen in Grosny wurde berührt. Darüber hinaus kümmert sich die Bevölkerung um diese Friedhöfe und das zu Recht. Selbst in den schwierigen Zeiten der beiden Kriegen, in denen viele die einzige Einnahmequelle fehlte und man sich mit der Sammlung und Lieferung von Metallschrott über Wasser hielt, fiel niemandem ein, dass ein Kreuz oder ein Zaun niedergerissen werden könnte.

Es gibt eine Linie, über die niemand hinausgehen darf. Die Entweihung von Gräbern ist das Schlimmste, was sich eine Person oder eine Gesellschaft leisten kann.

Nach der Vertreibung der Tschetschenen und Inguschen wurden die Grabsteine zum Straßenbau missbraucht, aber nicht, weil kein anderes Material für den Bau gab stand, sondern weil die Churts Denkmäler der wainachischen Kultur waren. Der gleiche Zweck – die Zerstörung von Spuren des Verbleibs der Bevölkerung auf diesem Land – bestand in der Umbenennung von Siedlungen unmittelbar nach der Deportation…

Obwohl sie jahrzehntelang auf demselben Fundament oder im Boden lagen und Zement oder anderes Bindematerial verwendet wurden, um sie aneinander zu befestigen, wurden die Farbe der Grabsteine nicht zerstört, sie verloren nicht ihre Frische und ihren Glanz.

Die Grabsteine existieren in, verschiedener Größe sowie Form und sind erstaunliche Denkmäler der Kultur der Menschen im Nordkaukasus. Sie können wie ein Buch «gelesen» werden. Alte Churts sind in der Regel etwas Besonderes und erzählen ihre eigene Geschichte.

Wenn zum Beispiel eine Frauenfigur in einer Nationaltracht ohne Gürtel am Rand eingeschnitzt ist, dann war sie verheiratet, hatte eine Familie und Kinder. Wenn Sie am Kleid einen Gürtel trägt, bedeutet dies, dass die verstorbene unverheiratet war. Es gibt auch ein Zeichen auf den «männlichen» Kirchen – ein Hinweisen auf das Handwerk, mit dem die Person im Leben beschäftigt war.

Meist sind die Grabsteine mit sehr hellen und unterschiedlichen Farben verziert inklusive kalligraphischer arabischer Schrift.

Kunta Haddschi Kischijew

рубрика: Religion

Vielleicht hält ein Volk, dessen Gedächtnis so oft schon ausgelöscht werden sollte, um so stärker an seinen Geschichten fest. Scheich Kunta Haddschi Kischijew ist einer dem bekanntesten Heiligen in Dagestan, Tschetschenien und Inguschetien. Gegen den Ghasawat (Heiligen Krieg) des Imam Schamil predigte er den Frieden und statt Kampf die Rettung der Seele. Seine Lehre von Barmherzigkeit, Friedfertigkeit und Feindesliebe hat Leo Tolstoi tief beeindruckt.

Er ist um 1830 in dem Bergdorf Isti-Su (Meltscha-Chi) geboren. In Ils’chan-Jurt, dem Herzen Tschetscheniens Nochtsch-Mochka, wuchs er auf und wurde nach der Hadsch nach Mekka durch ʿAbd al-Qādir al-Dschīlānī in die Qādirīya eingeführt. Nach seiner Rückkehr in den Kaukasus gründete er seine eigene Bruderschaft, die sich dadurch abgegrenzte, dass der Sikr (ذكر ‚Gedenken Gottes‘) laut praktiziert wurde. Als er 1864 von der zaristischen Geheimpolizei verhaftet wurde, zogen Tausende seiner Muriden nach Schali und forderten die Freilassung ihres Lehrers. Obwohl sie, der Lehre ihres Meisters folgend, unbewaffnet waren und weiße Fahnen schwenkten, eröffneten die russischen Truppen das Feuer. Es fielen mehr als 500 Muriden von den Salven der Kanonen und Gewehre. Offenbar war Kunta Haddschi der zaristischen Macht gefährlicher als Imam Schamil. Er starb in den zaristischen Gefängnissen Alexander II., während Schamil als Ehrengefangener des Zaren nach Mekka reisen durfte. Im Folgenden Auszüge aus der Lehre Kunta Hadschis:

1. Wollt Ihr den Allerhöchsten lieben, liebt die Gerechtigkeit. Wünscht eurem Bruder das, was ihr euch selbst wünscht. Wollt nicht reicher, höher oder stärker als andere sein, sondern teilt mit den Armen, was euch der Allerhöchste gibt. Betet, dass ihr nicht habt, was mit fremder Arbeit und fremdem Fleiß erworben wurde.

2. Eure Waffen – sollen eure Wangen sein, nicht Gewehr und Dolch. Gegenüber diesen Waffen sind die Tyrannen machtlos, denn kein Tyrann ist stärker als der Schöpfer. Sterben im Kampf mit einem Feind, der um vieles stärker ist, gleicht Selbstmord. Und Selbstmord ist die allergrößte aller irdischen Sünden…

3. Böses wird besiegt mit Güte und Liebe; Geiz mit Freigebigkeit; Lüge mit Aufrichtigkeit; Unglaube mit Glaube; Seid barmherzig und bescheiden und immer bereit, euch selbst zu opfern…

4. Krieg ist Verwilderung. Haltet euch fern von allem, was mit Krieg zu tun hat, es sei denn, der Feind ist gekommen, um euch Glauben und Ehre zu rauben. Eure Kraft – ist Verstand, Geduld, Gerechtigkeit.

5. Tragt keine Waffen bei euch. Haltet euch fern von ihnen. Waffen erinnern euch an Gewalt und entfernen euch vom Tariqat. Waffengewalt ist nicht zu vergleichen mit der Kraft der menschlichen Seele, die treu auf dem Wege des Tariqats wandelt. Jede Art von Waffen ist Zeichen des Unglaubens daran, dass der Allerhöchste zu Hilfe kommt, wenn es nötig ist. Außerdem ist es Iblisa, der eure Hand zieht zu Kinschal (Dolch) oder Gewehr. Ihr werdet das Opfer des Iblis.

6. Seid nicht boshaft. Tragt nicht Böses im Herzen zwischen den Gebetszeiten. Verzeiht dem Beleidiger, und er wird sich schämen. Wird er das nicht, sieht der Höchste eure Geduld und reinigt euch von Sünden. Jede unverdiente Kränkung, jeder böse Leumund oder eine andere Ungerechtigkeit macht euch, wenn ihr sie geduldig ertragt, größer vor dem Namen des Höchsten.

7. Unsere Sitten und Bräuche entstanden in Jahrtausenden. Deswegen stehen sie dem Islam nah. Wir sollen sie heilig halten und niemals und unter keinen Umständen auf-geben. Die Ehrung der Frau wie eine Heilige, die Ehrung der Alten, die Achtung der Familie, die besondere Beachtung eines Gastes, die gegenseitige Hilfe und gemeinsame Arbeit, das Einssein in Leid und Freud, die Fähigkeit zu Barmherzigkeit und Nachgiebigkeit – das alles eint uns und bewahrt unsere Ehre. Mit denen, die das angreifen, müssen wir kämpfen bis zum letzten Kugel.

8. Streitet nicht mit der Macht, seid nicht bemüht, sie durch euch zu ersetzen. Alle Macht ist von Gott. Allah weiß besser, welche Macht er wo und mit welchem Ziel errichtet…

9. Das irdische Leben ist wie salziges Wasser, mit jedem Schluck vergrößert sich dein Durst. Findet Ruhe im Tariqat. Eine besonnene Seele, die zum Höchsten strebt – das ist ewige Freude und Glück.

10. Macht eure Herzen rein, damit der Prophet und die Lehrer frei eintreten können und durch sie – der Allerhöchste. Gelehrtheit und Bildung bedeuten nichts, wenn die Herzen nicht rein sind, wenn die Herzen nicht glühen in der Liebe zum allerhöchsten Schöpfer.

11. Tragt die Turbane nicht des Ruhmes wegen und damit man sie sieht, sondern als Zeichen der Liebe zu Allah, dem Höchsten. Habt keine Eile beim Wickeln des Turbans. Umwickelt zuerst euer Herz. Ein Heiliger schämt sich seiner Heiligkeit. Niedrig Denkende hüllen sich in schöne Kleider, lassen sich lange Bärte wachsen, bemühen sich, anders zu scheinen, als sie sind. Sie sind Heuchler und werden im Koran die schlimmsten Sünder genannt.

12. Liebt die Tiere, die neben euch und um euch sind. Umsorgt sie ausreichend und rechtzeitig. Kühe, Schafe, Pferde, Hunde und Katzen haben keine Sprache, um ihre Bedürfnisse mitzuteilen. Wir selbst müssen sie verstehen.

13. Die Beziehung zu den Tieren soll aufmerksamer sein als zu den Menschen. Haben sie sich in den Gemüsegarten verirrt, sollen sie nicht geschlagen oder verflucht werden. Man soll sie sanft heraustreiben, so als hätte sich aus Versehen ein Mensch hinein verirrt. Tiere quälen oder sich an ihnen auslassen ist eine schwere Sünde. Es ist sündhaft, unschuldige Vögel zu töten oder Insekten. Alles Lebendige, was dem Menschen keinen Schaden tut, muss beschützt werden von den Muriden.

14. Auch alle Gewächse sind lebendig und haben eine Seele. Das Beil soll eingepackt sein, gehst du in den Wald, und fällen sollst du nur den dafür bestimmten Busch oder Baum. Man muss sich achtsam verhalten gegenüber jedem Baum, jedem Busch, jedem Grashalm. Man soll sie lieben und sich zu ihnen verhalten wie zu guten Freunden. Es ist eine große Sünde, einen Frucht tragenden Baum zu fällen, einen Baum am Fluss oder an einem Weg, der dem Wanderer Schatten spendet. Die Muriden sollen überall Bäume pflanzen und sich um sie kümmern, bis sie von selbst wachsen.

15. Das Wasser – ist das Heiligste, was der Allerhöchste schuf. In einer Quelle oder einem Fluss darf keine Wäsche oder Schmutziges gewaschen werden, darf nicht gebadet werden, um sich zu reinigen. Dafür soll Wasser entnommen werden, um sich ein Stück weiter von der Quelle oder dem Fluss zu waschen. Es darf kein Müll in das Wasser geworfen werden; ohne dringende Notwendigkeit darf ein Flussbett nicht verlegt werden, weil dabei alles Lebende darin umkommt.

Wenn Sufis sich streiten dann höchstens, welche Bruderschaft den besten Blues beim Gedenken Gottes hat. Die »Traditionalisten« aka Wis-Haddschi-Wird [0:00-0:20] Die »Trommler« aka Tschim-Mirsa-Taumursajew-Wird; Aul Maitrup [0:20-0:40] Die »Barbaren« aka Batal-Haddschi-Belchorojew-Wird; Aul Yandyrka, Surhoi und Jekaschewo [0:40-0:54] Die »Kopfnicker« aka Bamat-Girej-Haddschi-Wird; Aul Avtura [0:54-1:16] Die »Populären« aka Omar-Haddschi-Wird, [1:16-1:36]

Es gibt noch viele weitere Bruderschaften, auf der Reise durch Dagestan, Tschetschenien und Inguschetien hat Chris Roche diverse Bilder gemacht unter anderem auch von den Weisshüten, einem weiteren Wird.

Der Wahnsinn der Geschlechtertrennung

рубрика: Religion

In Tschetschenien ist die massive Ungleichbehandlung, ja Unterdrückung der Frauen Teil der Regierungspolitik. Auch wenn Ramsan Kadyrow behauptet, eine muslimisch geprägte Republik zu führen, die sich nach den Regel des traditionellen tschetschenischen Adat richte und an der russischen Verfassung orientiere, ist es doch seine eigene zutiefst chauvinistische und frauenfeindliche Politik, die den Alltag der Frauen in Tschetschenien bestimmt.

Die in der russischen Verfassung garantierte Gleichheit von Mann und Frau ist in Tschetschenien ausgehebelt. Die Unterdrückung der Frau ist elementarer Bestandteil der Regierungspolitik von Ramsan Kadyrow geworden. Für Diskriminierung und Unterdrückung von Frauen herrscht völlige Straflosigkeit – selbst wenn sie Opfer von Verbrechen werden.

Diese massive Einmischung Kadyrows in Familienangelegenheiten der Zivilbevölkerung widerspricht auch den Traditionen in Tschetschenien selbst. Erzwungene Eheschließungen sind ein weiterer Schritt – nach der Einführung einer Kleiderordnung für Frauen 2010/2011 (Kopftuch, lange Röcke), dem Verbot, Bärte, bzw. lange Bärte zu tragen für Männer etc. – hin zu einer massiven Kontrolle auch des Privatbereichs.

Tschetschenische Mädchen nach der Schule vor der Achmad Kadyrow Moschee – das »Herz Tschetscheniens« ist angeblich die größte Mosche Europas, obwohl die »Die Große Moschee in Machatschkala« in der Nachbarsrepublik Dagestan 6.000 Gläubigen mehr Platz bietet. Anfang 2012 würde durch die Regierung ein neues Gesetz eingeführt, das alle Mädchen, ungeachtet ihrer Religion, dazu auffordert, ein Kopftuch zu tragen, bevor sie öffentliche Schulen und Regierungsgebäude betreten.

Eine Gruppe von tschetschenischen Männern steht am anderen Ende des Raumes auf einer Party in Grosny den Frauen gegenüber. Die geschlechtsspezifische Segregation wird in Tschetschenien durch Erlass von Ramsan Kadyrow strikt durchgesetzt.

Eine Gruppe tschetschenischer Frauen steht am anderen Ende des Raumes, das Ergebnis der strengen Durchsetzung der Geschlechtertrennung durch von Ramsan Kadyrow.

Ein Pärchen muss für ein Date sich in der Öffentlichkeit treffen und im Abstand voneinander sitzen. Jeder körperliche Kontakt ist vor der Ehe verboten.

Das leere Schlafzimmer, das Elina Aleroyeva, 25, einst mit ihrem Mann geteilt hatte. Am 9. Mai 2011 wurde er an seinem Arbeitsplatz von Sicherheitskräften entführt und beschuldigt, ein Militanter zu sein. Das Verschwindenlassen von missliebigen Personen war ein Merkmal, der beiden tschetschenischen Kriegen und findet trotz Ende der Kämpfe im Land weiterhin statt.

Seda Makhagieva (15) umhüllt ihren Kopf mit einem pastellfarbenen Tuch. Sie kämpfte darum, den Hijab zu tragen – ein scharfer Bruch mit den Traditionen ihrer Familie.

Tschetschenische Mädchen machen sich auf den Weg zur Moschee. Bilder ©

„Achtung Frauen!“ Ich kann mich erinnern, wie dieser Satz vor ungefähr 13 Jahren auf einem Schild einer Leipziger Moschee zu lesen war. So lustig dieser Satz auch klingen mag, so spiegelt er in der Wirklichkeit ein ernstes Problem wider, unter welchem viele Muslime heute leiden. Die Isolation der Frau in einem Raum in der Moschee und zwar in einer Gesellschaft, wo die Männer und Frauen im Alltag miteinander interagieren, ist eine Haltung, die schizophrene Züge aufweist. Oft sind diese sogenannten Gebetsräume für Frauen kleinere Räume, schlecht ausgestattet und total von dem Hauptgebetsraum isoliert. Die abgesonderten Frauen kriegen was der Imam erzählt nur durch Lautsprecher mit, die oft nicht der Hi-End Technologie entsprechen, so dass man manchmal das Gefühl bekommt, der Imam würde aus einer Weltallmission predigen!

Schlimmer ist aber, wenn ich eine Generation von jungen Männern und Frauen sehe, die diese Isolation als ein Zeichen der Frömmigkeit verstehen und meinen, dass diese künstliche Trennung zu den Selbstverständlichkeiten „des Islams“ gehöre. Oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass junge Männer mich allen ernstes fragen, ob im Unterricht in der Moschee die Frauen und Männer in einem gemeinsamen Raum sitzen würden. Und ich habe nicht selten mitgekriegt, dass einige Männer und Frauen nicht (mehr) zum Unterricht kommen wollten, weil eben Männer und Frauen in einem Raum saßen, was nach ihrer Meinung eine Art Sünde wäre.

Das schizophrene an dieser Geschichte ist, dass es in der Schule, auf der Arbeit, an der Uni, in der Ausbildung, in einem Wartezimmer, im Zug oder Bus keine Trennung gibt und man kommt damit klar und es finden auch keine Orgien auf der Straße oder auf der Arbeit statt nur weil Mann und Frau in einem Raum arbeiten. Wenn man sich in einem Bus oder in anderen öffentlichen Räumen „beherrschen“ kann, dann warum dann nicht in der Moschee?

Die Absonderung der Frauen, ich würde es Verdammung der Frauen in separate Räume nennen, ist an sich eine sehr moderne Entwicklung. Schaut man sich die alten Moscheen an, dann stellt man überraschenderweise fest, dass es keine Räume für Frauen gab. Es gab auch keine Wände, die einen Bereich der Frauen von einem der Männer trennte. Die Frauen haben normalerweise entweder hinten oder an den Seiten gebetet und während der Unterrichte im gleichen Raum gesessen. So eine Art Frauenclub innerhalb der Moschee gab es nicht. Das beste Beispiel sind hier z.B. die Moscheen von Mekka und Jerusalem.

Ich bin mir fast sicher, dass viele Muslime heute, wenn sie erfahren würden, wie die Muslime und Musliminnen in der Zeit des Propheten ﷺ miteinander umgingen, geschockt wären. Das wäre für manche zu viel und es würde mich nicht wundern, wenn sie den damaligen Umgang miteinander als nicht fromm genug abstempeln würden. Wir lesen z.B. in Sahih al-Bukhari, dass Abdallah b. Umar – der Prophetengefährte – folgendes überlieferte: „Die Männer und Frauen haben in der Zeit des Gesandten Gottesﷺ zusammen die rituelle Waschung (Wudu’) vollzogen.“ In einer Version dieser Überlieferung fügte ein Überlieferer hinzu „aus dem gleichen Gefäß“ und in einer anderen Version steht: „In der Zeit des Gesandten Gottes ﷺ vollzogen wir die rituelle Waschung mit den Frauen aus dem gleichen Gefäß und wir tauchten (beide) unsere Hände darin ein.“ Klar entsprechen diese Überlieferungen nicht den verkehrten Vorstellungen, die viele heute von der prophetischen Zeit haben. Man darf jedoch nie vergessen, dass die Handlung, die der Prophet ﷺ selbst bestätigte der Maßstab ist und nicht die Bräuche und Traditionen, die diesen Handlungen widersprechen.

In Sunan an-Nasa’i lesen wir, dass Asmaa, die Tochter Abu Bakrs, einmal in der Moschee saß und sie den Propheten ﷺ akustisch nicht richtig gehört hat; so fragte sie einen Mann, der neben ihr saß. Ja, man lese und staune: Neben ihr saß!

Es ist allgemein bekannt, dass es in der Zeit des Propheten ﷺ keine Trennung zwischen Männern und Frauen gab. Ja, die Frauen saßen hinten und die Männer vorne, aber auch diese Regel war nicht bindend.

Heutzutage hören wir ein Scheinargument, welches besagt, dass damals die Prophetengefährten nicht wie wir waren. Heute sind die Menschen „verdorben“ geworden und es ist deswegen besser, wenn die Geschlechter getrennt werden. Dieses Argument zeigt die Unkenntnis über die Zeiten früher. Es zeigt, wie romantisch das Bild von der Vergangenheit gezeichnet wird. Denn in der Zeit des Propheten ﷺ waren nicht alle Menschen Engel und sündenfrei. Ja es gab genauso wie heute Männer, die Frauen voyeuristisch angeguckt haben und das sogar in der Prophetenmoschee und während des Gebetes, wie wir es in einer Überlieferung, die u.a. in Sunan at-Tirmidhi steht, nachlesen können. In der gleichen Überlieferung steht, dass eine sehr schöne Frau in den ersten Reihen hinter dem Propheten ﷺ gebetet hat. Und weder hat der Prophet ﷺ seine Moschee mit einer Wand getrennt noch hat er die Frauen in einen Extraraum „verdammt“, wie es heute der Fall ist.

Wir lesen auch in den Biographien von hunderten weiblichen Gelehrten, dass sie in der Moschee ihre Sitzungen veranstaltet haben. In den meisten Fällen waren die Zuhörer Männer. Es gab auch den Brauch, dass man diese weiblichen Gelehrten zuhause besuchte und bei ihnen Unterricht nahm.
Dass Männer und Frauen in einem Raum zusammensitzen und voneinander lernen können, heißt nicht, dass die Etikette des Umgangs zwischen den Geschlechtern außer Acht gelassen wird. Aber weder das exzessive Verklemmtsein noch der Libertarismus entsprechen der Sunna.

Es ist einfach nicht in Ordnung, dass die Frauen die Unterrichte und Predigten des Imams in einem anderen Raum hören. So nimmt man ihnen die Möglichkeit weg, Fragen zu stellen und sich an der Diskussion zu beteiligen, eine Möglichkeit, die z.B. die Gefährtinnen und die Frauen in der Vergangenheit hatten. Des weiteren sitzen in den Frauenräumen in den Moscheen Mütter mit ihren Babies und Kindern, die die Konzentration stören können. Es entspricht der Sunna nicht, Frauen, die Interesse haben, die Worte des Imams direkt zu hören, in einen Raum zu schicken, wo sie nur die Hälfte des Gesagten mitkriegen. Aber das Problem liegt auch manchmal bei diesen Imamen und in den Köpfen vieler Männern…und Frauen.

Ali Ghandour

Dr. Nimet Şeker: „Die Verletzlichkeit der muslimischen Frau und die symbolische Geschlechterordnung“

рубрика: Religion/Video

Welche Wirkmacht hat Religion auf die Frage von Geschlecht? Warum haben wir auch in säkularisierten Gesellschaften nach wie vor Probleme mit der Gleichstellung der Geschlechter? Inwiefern wirkt hier noch die biblische Schöpfungsgeschichte nach, wonach Eva als ein niedrigeres Wesen als Adam erschaffen wurde? Und: Inwiefern sind auch Frauen nicht nur „Opfer“ von patriarchaler Macht und Gewalt, sondern auch „Täterinnen“?

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