Unternehmen „Schamil“

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Unternehmen „Schamil“ war der Deckname eines von der Abwehr-Abteilung II geplanten sowie geführten und vom Bau-Lehr-Regiment z. b. V. 800 „Brandenburg“ ausgeführten Geheimunternehmens, das zwischen dem 25. August und dem 10. Dezember 1942 als Teil der deutschen Sommeroffensive in Richtung der kaukasischen Ölfelder im Rahmen des Unternehmens „Edelweiß“ stattfand. Benannt war das Unternehmen nach dem Imam Schamil, der im 19. Jahrhundert den Widerstand gegen die russische Eroberung des Kaukasusorganisiert und dessen muslimische Bergvölker den Russen vernichtende Niederlagen beigebracht hatten.

Zielsetzung

Im Zuge des deutschen Vordringens im Kaukasus plante das Amt Ausland/Abwehr die Unterstützung der unzufriedenen Kaukasus-Stämme gegen die sowjetische Herrschaft. Es galt, sich die Unzufriedenheit der Nordkaukasier zunutze zu machen und sie zum bewaffneten Aufstand gegen die Rote Armee zu bewegen. Das Sonderunternehmen unter Führung von Oberleutnant der Reserve Erhard Lange sollte entsprechende Kräfte im nordkaukasischen Raum bündeln und gegen die Rote Armee einsetzen.

Den Kern der Truppe bildeten hochgebirgserfahrene Südtiroler und russischsprechende Deutschbalten, ergänzt u. a. von Tschetscheno-Inguschen und Dagestanern, die sich freiwillig gemeldet hatten, um ihre Heimat vom bolschewistischen Joch zu befreien. Ende Juli 1941 versammelte Lange die Spezialisten zur einjährigen Ausbildung, hauptsächlich im Hochgebirge.

Nach Fallschirmlandung sollte mit dem Unternehmen „Schamil“ der Brandenburger in Tschetschenien das Kommando, bestehend aus 10 deutschen Brandenburgern und 15 Nordkaukasiern des Sonderverbandes Bergmann, Kampfeinsätze zur Sicherung des deutschen Rückzuges aus dem Kaukasus anleiten.

Ablauf

 Von Stalino aus wurde das Sonderkommando in der Nacht zum 26. August 1942 in Richtung Einsatzraum verbracht. Aufgrund der großen Absetzhöhe von mehr als 2.000 Metern landeten die Kommandoangehörigen weit voneinander entfernt und brauchten Tage, bis sie mit Hilfe der einheimischen Bevölkerung die vorgegebene Sammelpunkte erreichten. 85 % aller Lasten und Waffen gingen beim stürmischen Absprung verloren.

Abgesetzt in Duba-Jurt, einem in der Argun-Schlucht, südlich von Grosny gelegenen tschetschenischen Ort, marschierten die Elitekrieger Richtung Nordwesten auf die vorrückenden deutschen regulären Truppen der Wehrmacht zu und versuchten dabei, weit hinter der Frontlinie im Rücken des Feindes die zumeist muslimischen Kaukasus-Stämme, wie etwa die tschetschenischen Gruppen um Hassan Israilow, zu offenen Angriffen gegen die sowjetische Zentralmacht aufzuwiegeln. Diese Gruppen sollten dann gegen die Rote Armee eingesetzt werden, strategisch wichtige Punkte besetzen und sowjetische Truppen binden.

Bereits kurze Zeit nach dem Absetzen wurde die Gruppe in erste Gefechte mit sowjetischen Kräften verwickelt, verlor auch sogleich die ersten Männer und zog sich vor Jagdkommandos der sowjetischen Miliz und des NKWD bis zum 12. September nach Süden in Richtung der Ortschaft Barsoi zurück, wo sich tschetschenische Widerstandskämpfer befanden. Hier wurden sie versteckt und bewirtet, während die Sowjets mit Suchtrupps die Gegend durchkämmten.

Nach einem Abstecher zur Ortschaft Oschnoi tief im Kaukasus trat die Gruppe am 25. September den Rückmarsch zu den deutschen Linien an, wobei sie dreimal sowjetischen Einkesselungsversuchen entkommen konnte und selbst Sabotage und „Requirierung“ betrieb sowie sowjetische Spähtrupps aufrieb. Funkverbindung mit der deutschen Truppenführung bestand nicht, bis auf ein Gerät ging beim Absprung alles verloren. Oberleutnant Lange entschied deshalb, die vordesten Wehrmachteinheiten persönlich aufzusuchen, auch weil man sich von den Divisionen Ausrüstung versprach.

Kämpfend und mit einer beeindruckenden Marschleistung von 550 Kilometern durch unwägbares, menschenfeindliches Gelände erreichten die Soldaten am 10. Dezember 1942 bei Werchniy-Kurp, westlich von Malgobeck, deutsche Truppenverbände. Hier erstattete Lange Bericht und hoffte auf schnelle Hilfe und Waffenlieferungen für die bereitstehenden und abwartenden Widerstandskämpfer. Da die Wehrmacht vor Ort vom OKW nicht über das Geheimunternehmen informiert worden war und sie somit nicht den Wert des Unternehmenszieles einschätzen konnte, warteten sie auf weitere Befehle aus Berlin. In dieser Zeit konnten sich Lange und seine überlebenden Männer erholen und Berichte über die immerhin wertvollen Aufklärungserkenntnisse im feindlichen Hinterland verfassen. Bevor eine Entscheidung getroffen werden konnte, galt die zeitweise sehr erfolgreiche Offensive der Wehrmacht im Kaukasus durch die Einkreisung der 6. Armee bei Stalingradund die daraus entstandene Gefahr für die südlich des Flusses Don stehenden Truppen als gescheitert – am 31. Dezember 1942 begann der Rückzug, und somit wurde auch das Unternehmen „Schamil“ als beendet erklärt. Nichtsdestoweniger wurden Lange und seine Männer für ihre unfaßbare Leistung hoch ausgezeichnet.

Ergebnis

Das deutsche Kommando hatte Kontakt zu insgesamt zwei tschetschenischen Widerstandsgruppen, deren Mitglieder laut dem verfaßten Erfahrungsbericht des Einheitsführers ohne weitere Schwierigkeiten mit den deutschen Soldaten kämpfen wollten. Die Stämme waren für den Kampf gegen die Rote Armee hochmotiviert, willig und als Experten der Guerillataktik bereit und fähig.

Das Hauptziel des Unternehmens scheiterte nicht am Willen der tschetschenischen Widerständler, die sich zum Kampf bereit erklärten, sondern an der mangelhaften Organisation des notwendigen Waffennachschubs durch die zuständigen Dienststellen der Wehrmacht, die über den geheimen Einsatz nicht informiert waren. Aufgrund des Mangels an Waffen und des Rückzuges der Wehrmacht kam die Schaffung der geplanten „zweiten Front“ im Kaukasus nicht zustande. Die im Hinterland gewonnenen Erkenntnisse sollten sich jedoch als äußerst wertvoll erweisen, insbesondere für die spätere Bandenbekämpfung durch StreifkorpsSS-Jagdverbände und weitere.

Die Bergstämme kämpften trotz allem mutig weiter, mußten aber für ihre Unterstützung der Deutschen durch die Sowjet-Bolschewisten schwere Repressalien erleiden: Mord, Folter, Unterdrückung und Deportation.

Erst 1944 unternahm die Abwehr einen neuen Versuch, in Kalmückien einen lokalen Aufstand zu unterstützen. Führungsstelle war das Lehr-Regiment „Kurfürst“ mit Unterstützung des Kampfgeschwaders 200.

 

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