Kaukasischer Knoten

рубрика: Geschichte & Gegenwart

Das Dilemma von Diktatia: Im Land der Endurier, dass so klein ist, dass es niemand außerhalb des Kaukasus kennt, ist die Regierung nicht sonderlich beliebt. Um ehrlich zu sein, sie ist sogar ziemlich verhasst. Leider gibt es kein demokratischse Verfahren, mit dem die Bevölkerung ihren Unmut ausdrücken könnte. Deshalb ist im Untergrund eine Widerstandsbewegung entstanden, die immer wieder Anschläge verübt. Nach einem besonders furchtbaren Attentat, bei dem eine Bombe neben dem Regierungspalast explodiert ist, lässt der Präsident 30 bekannte Mitglieder der Opposition verhaften und stellt ihnen ein Ultimatum. Entweder verraten sie die Namen der Attentäter, oder sie werden alle hingerichtet. Er erwartet mindestens zwei Namen. Die inhaftierten Oppositionellen bekamen Zeit, um über das Angebot nachzudenken. Es ist alles andere als verlockend. Selbstverständlich ist keiner von ihnen an dem Attentat beteiligt gewesen. Sie wissen nicht einmal, wer es begangen haben könnte. Wenn sie aber keine Namen angeben, sollen alle 30 hingerichtet werden »um den anderen Oppositionellen eine Lehre zu sein« wie es der Polizeichef mit grimmigem Lächeln ausgedrückt hatte. Die Drohung ist durchaus ernst zu nehmen, es hat bereits genügend frühere Vorfälle gegeben, bei denen die Regierung ihre Zuverlässigkeit in dieser Hinsicht unter Beweis gestellt hatte. Schließlich macht einer der Gefangenen einen Vorschlag – man könnte losen, wer von der Gruppe zugeben soll, die Bombe gelegt zu haben. Die beiden Verlierer würden sich opfern müssen, damit die anderen freikämen.

Der Vorschlag scheint besser als das Todesurteil für alle aber ist er korrekt?

Für alle mit Ausnahme der beiden Unglücklichen schien das eine sehr sinnvolle Übereinkunft zu sein, zumindest bis zum nächsten Anschlag – denn nun wurden alle wieder zusammengetrieben. Jetzt brachte einer aus der Gruppe vor, moralisch korrekt sei allein, sich aus der Entscheidung über eine Hinrichtung ganz herauszuhalten. Sie sollten alle ihre Unschuld verkünden, dazu die Schlechtigkeit der Regierung usw. und wenn sie alle hingerichtet würden, dann wenigstens mit unbefleckten Händen und reiner Seele. Das sei besser, als erneut zuzulassen, dass zwei Unschuldige, ob nun per Losentscheid oder als »Freiwillige« sterben, damit die anderen ihre Haut retten konnten. Denn sonst würde man sich etwas beteiligen, was vollkommen falsch sei. Damit sind natürlich nicht alle in der Gruppe einverstanden. So sagt einer, man solle abstimmen, weil das die einzige faire Möglichkeit sei, ein so verstecktes Dilemma aufzulösen. Aber ist es ethisch?

Ein derartiges Dilemma ist nicht so fern, wie der Elbrus von Europa erscheinen vermag. Man denke nur an die Zeit des Nationalsozialismus, in der nach Anschlägen der Widerstandsbewegung ganze Gruppen von Verdächtigen festgenommen und auf ähnliche Weise unter Druck gesetzt wurden. So mancher sieht dieses Problem als rein mathematisches an – entweder sterben alle dreißig oder nur zwei Personen. Andere halten jedoch dagegen, dass auch auf mathematischer Ebene die Antworten nicht so einfach ist. Geht man nämlich auf das Angebot der Regierung ein, gibt man ihnen die legale Handhabe für zukünftige Ungerechtigkeiten ungeahnten Ausmaßes. Andere würden argumentieren, dass es grundsätzlich falsch ist, Menschenleben zu opfern, unabhängig von Kalkulation und Konsequenz. Iskander sagte einmal, dass der kaukasische Knoten komplizierter sei, denn wer will nicht lieber leben? Wenn wir von mathematischer Wahrscheinlichkeit sprechen, wünschen wir Exaktheit um eine konkrete Antwort für die ethischen Fragen zu erhalten und Verschließen uns dabei der Realität, denn die Annahme, dass dich eher einer deiner Gruppe verrät, sehen wir nicht als gegeben.

Gespräch im Gefängnis:

– Warum sitzt du hier?

– Wegen Faulheit. Wir haben spät am Abend mit den Freunden Witze erzählt. Ich habe gedacht: ich will jetzt nicht rausgehen. Ich werde sie morgen früh beim Geheimdienst melden. Und sie sind sofort zum Geheimdienst gegangen.

Der Präsident der in einem prächtigen und protzigen Palast lebte, sah es pragmatischer: Iskander? Die Rakete oder der Schriftsteller? Egal denn der Herr lebt in einem Elfenbeinturm beim Elbrus und sollte es sachbezogener sehen. Weshalb sollte der Polizeichef so primitiv sein? Der »Tod aus natürlichen Gründen« ermöglicht die Eliminierung von Dissidenten ohne Dissens. Herzinfakt, hypertensive Krise oder plötzlicher Hirntod machen sich im politischen Portfolio besser.

Wie würden Sie diesen kaukasischen Knoten lösen?

Doch dies ist nicht das einzige Dilemma in Diktatia. Die Menschen, die dort leben, sind ein einfaches Volk, das alten Traditionen folgt und seinen eigenen Weg geht. Durch die Gaben der Natur gesegnet, waren die Bewohner das ganze Jahr über mit Früchten und Gemüse versorgt. Zusätzlich bauen die Endurier, von denen jeder ein kleines Stück Land besitzt, gerne Weintrauben an. Es gibt eigentlich nichts, worüber sie sich streiten müssten, wenn man mal von Frauen und Geld absieht – und die Endurier sahen davon ab. Im Laufe der Zeit haben die Endurier ein politisches System entwickelt. Einmal im Monat tritt ein Ältestenrat zusammen, der alle ihm vorgelegte Probleme zu entscheiden hat. Alle Entscheidungen müssen einstimmig gefällt werden, und solange die Bewohner der Bergdörfer zurückdenken können, hat diese Form der Selbstverwaltung sehr gut funktioniert. Nur einmal kommt es zu Unstimmigkeiten: dem Rat der Ältesten wird ein Vorschlag vorgelegt, wonach die gesamte Ernte des Landes gesammelt und dann je nach Bedarf an die Bewohner verteilt werden soll. Dieser Vorschlag kommt von einem Kommunisten aus der Stadt, der die Berge gerade besucht. Im Ältestenrat gibt es kaum Unterstützung für diesen Vorschlag. Warum sollte sich jemand die Mühe machen, Weintrauben anzubauen, wenn er den Wein direkt aus dem Kelch des Kollektiv trinken kann, fragte eines der Ratsmitglieder. »Das bestehende System ist das fairste, das es gibt. Jeder hat alles, was er braucht, und wer mehr haben möchte, muss eben etwas mehr arbeiten. Wir sollten es so lassen, wie es ist.«

Hat das Ratsmitglied recht?

Der Rat stimmt dem Mitglied zu und der Vorschlag wird verworfen. Kurze Zeit später gerät das kleine Land unter großen Druck. Das Klima verändert sich und ein großer Teil des Ackerlandes verdörrt. Erstmals können die Bewohner kaum noch genug ernten, um zu überleben. Eine Ausnahme bilden allerdings die zehn Prozent der Einwohner, die das Glück haben, eine eigene Quelle zu besitzen. Ihre Ernte übersteigt ihren Eigenbedarf bei Weitem, deshalb lassen sie die anderen Endurier für sich arbeiten und bezahlen sie mit Wein. Als der Kommunist dem Rat der Ältesten den Vorschlag erneut vorlegt, kommt es zu einer deutlich hitzigeren Debatte. Vielen Enduriern geht es inzwischen nämlich sehr schlecht. Die Kinder mehrere Familien sind bereits verhungert. Sie verlangen, dass die zur Verfügung stehende Nahrung an alle verteilt wird. Die Endurier, mit eigenen Quellen wollen jedoch, dass die Situation bleibt, wie sie ist, sodass sie mehr Nahrung haben, als sie brauchen und ein wenig die großen Herren spielen können. Sie behaupten, es wäre selbst dann nicht genug für alle da, wenn man die vorhandene Nahrung aufteile. Außerdem wird das Argument wiederholt, mit dem der Vorschlag schon einmal abgeschmettert wurde – niemand würde noch auf seinem eigenen Acker arbeiten, wenn die Reicheren ihre Ernte nicht behalten könnten. Der Rat der Ältesten kommt nicht zu einer einstimmigen Entscheidung, also müssen alle Endurier weiter mit den immer härteren Bedingungen fertig werden. Der Vorsitzende des Ältestenrats weist jedoch darauf hin, dass es wichtiger sei, das Prinzip aufrechtzuerhalten, nach dem niemand gegen seinen Willen etwas gezwungen werden dürfe, als dass einige Endurier leiden.

Ist der Rat immer noch im Recht?

Einige Jahre später dringt Kunde von einem neuen Bewässerungssystem in das Land. Indem man die Quellen und die Felder durch Kanäle verbindet, kann das ganze Land wieder fruchtbar gemacht werden. Die armen Bauern sind davon überzeugt, dass der Rat diesem System zustimmen wird, denn schließlich hätte jeder dadurch nur Vorteile. Einige Endurier und nicht nur die Quellenbesitzer, haben sich aber inzwischen an die neuen gesellschaftlichen Verhältnisse gewöhnt und sind gegen die Bewässerung. Daraufhin verlassen die armen Bauern die Versammlung und setzen das neue Bewässerungssystem zwangsweise durch.

Ist dieses Verhalten gerechtfertigt?

Nach diesem Vorfall entschließt sich der Ältestenrat für das Prinzip der Mehrheitsentscheidung. Schon ein paar Jahre später denken die Bewohner, die sich nun Bürger nennen, kaum noch an die frühere Regelung einstimmiger Entscheidungen. Die Meinung der Mehrheit scheint durchaus für eine faire Gesetzeslage sorgen zu können. Mehrere Jahre lang funktioniert das Prinzip zur Zufriedenheit aller. Dann aber kommt es zu einer tödlichen Epidemie, die in direktem Zusammenhang mit den lebenswichtigen Wasserkanälen steht. Nachdem man die Bergbäche begradigt hatte für die Kanäle, haben sie sich als ausgezeichnetes Brutgebiet für Mücken erwiesen. Der Derwisch von Diktatia, ein der Medizin kundiger, weiser Mann, prophezeite, dass zwei Drittel der Bevölkerung an der Krankheit sterben werden, wenn man nicht sofort Gegenmaßnahmen ergreift. Der Rest ist gegen die Krankheit von Natur aus immun. Der Derwisch schlägt vor, dass jeder Einwohner die Blätter der Bärenkralle kauen soll, weil diese angeblich schütze. Dieser Vorschlag wird beim Rat eingebracht und steht kurz davor, einstimmig angenommen zu werden, als jemand das Wort ergreift und den Derwisch fragt, ob es denn wahr sei, dass nicht jeder die Bärenkralle vertrage und sogar an ihrem Genuss sterben könne?

»Nun ja, schon.« antwortet der Derwisch. »Ich erwarte, dass etwa ein Zwanzigstel der Bevölkerung an der prophylaktischen Behandlung sterben wird – aber das sind viel weniger als die zwei Drittel, die durch die Mücken dahingerafft würden!« Der Derwisch fügt mit ernster Stimme hinzu »Im Übrigen, ist es essenziell wichtig, dass jeder einzelne Bürger immunisiert wird, denn sobald jemand infiziert ist, wird die Krankheit hoch ansteckend, der Virus verändert sich und spricht danach auf die medizinischen Gegenmaßnahmen nicht mehr an.«

Sollten gemäß dem Vorschlag des Derwisches alle Bürger gezwungen werden, die Bärenkralle zu kauen?

Noch bevor über den Vorschlag, modern nach Mehrheitsentscheidung, abgestimmt werden kann, meldet sich ein weiterer Endurier zu Wort: »Warum soll ich mein Leben riskieren und eines dieser albernen Blätter kauen? Ich war bereits erkrankt und habe mich wieder erholt. Lieber stecke ich mich noch einmal an, als dass ich mich dem Risiko der Bärenkralle aussetzte – schließlich weiß ich, dass ich wieder gesundwerden kann. Niemand kann mich zu der prophylaktischen Behandlung zwingen!« Die anderen Endurier sind jedoch mit dem Rat einer Meinung, dass das Risiko für Mitbürger wie den vorherigen Sprecher zwar vorhanden, aber klein sei und dass im Übrigen ein wirksamer Schutz für das Land nur durch die konsequente Behandlung aller Bürger gegeben sein könne. Das Immunisierungsprogramm wird mit großer Mehrheit angenommen.

Da die Endurier nicht wissen, ob sie der Epidemie zum Opfer fallen könnten, scheint die Zwangsbehandlung mit Bärenkralleblättern eine akzeptable Idee zu sein. Aber ist die Durchführung wirklich fair und demokratisch oder unfair und despotisch?

In dieser Diskussion spielen mehrere ethische Grundsätze eine Rolle. Aus einem Sinn für Gerechtigkeit heraus könnte man etwa beklagen, dass manche Menschen mehr haben als sie brauchen, während andere Mangel leiden. An den bestehenden Verhältnissen ändert dieses Unbehagen allein jedoch nichts. Aber inguschische Ironie beiseite, der Vorsitzende hat vielleicht recht, wenn er sagt, dass zum Wohl der Allgemeinheit sowohl reichen als auch armen Bürgern Anreize geschaffen werden müssen. Die Überlegungen der Kritiker, die Erträge anders zu verteilen, ist möglicherweise etwas kurzsichtig und illusorisch. Das »Recht« der Armen, nicht zu hungern, steht dem »Recht« der Mehrheit auf Freiheit diametral gegenüber. Die Endurier haben es hier mit einem typischen Problem zu tun – das System funktioniert ausgezeichnet, solange es keine Schwierigkeiten gibt, wird aber ungerecht und geradezu despotisch, sobald Probleme auftreten. Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, ob sich Regierte regieren lassen.

Die Vorstellung, dass das Volk in einer solchen Pflicht steht, findet sich zum Beispiel in dem imaginären »Gesellschaftsvertrag« des Philosophen Thomas Hobbes. Hobbes merke an, dass die Natur keine Gesetzte kennt und keine Unterscheidung zwischen Gut und Böse trifft. Allerdings ist das Leben in der Natur »ekelhaft, tierisch und kurz«. Deshalb hielt es Hobbes, der während des englischen Bürgerkriegs lebte, für besser, dass Einzelne im Notfall auf sein Recht, selbst zu bestimmen, was für ihn das Beste sei, verzichtet und – falls nötig – auch unter einem Diktator lebt, als dass die staatliche Autorität untergraben wird. Er ging davon aus, dass ein Diktator weniger Schaden anrichten könne als eine anarchische Gesellschaft. Dem hielt ein Jahrhundert später John Locke – der allgemein als geistiger Vater der amerikanischen Verfassung angesehen wird – entgegen, dass ein solcher Gesellschaftsvertrag für die Menschen schlimmer sei als jener »Naturzustand« vor dem sie eigentlich geschützt werden sollten, da sie damit der Willkür der Obrigkeit ausgesetzt wären. Wer, so fragt Locke, würde denn einen vertrag unterschreiben, der ihn vor »Iltissen und Füchsen« schützt, wenn er sich dafür »den Löwen ausliefern« muss? Der wirtschaftliche Erfolg liberaler Demokratien mit ihrem »unnatürlichen« Grundsatz, dass alle Menschen gleich sind, hat zur weitgehenden Anerkennung der Vorstellung geführt, dass jeder Mensch unveräußerliche politische Rechte besitzt.

Teilen die Endurier diese eurozentrische Sicht?

Was ist wenn alle die gleichen Rechte haben, nur manche mehr?

Nach ein paar Wochen sind einige Bürger durch das Kauen der Blätter zu Tode gekommen, darunter auch der, der sich während der Versammlung zu Wort gemeldet hatte. Die Mehrheit der Endurier ist jedoch jetzt immun. Die Immunisierung scheint also prinzipiell gerechtfertigt zu sein, und doch dürfte so mancher einen nagenden Zweifel verspüren…

Wie bei vielen ethischen Problemen hängen auch hier die unterschiedlichen Argumente auf komplexe Weise zusammen. Der Zeitgenössische Philosoph John Rawls hat darauf hingewiesen, dass man nur dann gerechte und vernünftige Entscheidung treffen kann, wenn keine persönlichen Interessen von der Entscheidung berührt werden. Die Frage der Bewässerung kann also am besten von einem Außenstehenden getroffen werden (das Grundprinzip des Utilitarismus) der das Wohl der Allgemeinheit gegen die Freiheit des Einzelnen aufwiegen kann. Das größte Problem besteht darin, dass einige Leute glauben, mit einer Wiederansteckung ein geringeres Risiko einzugehen als mit dem Kauen der Blätter. Rein rechnerisch ist die Gefahr, nach dem Verzehr der Blätter zu sterben, viel kleiner, als durch die Krankheit dahingerafft werden (1:20 beziehungsweise 2:3). Von einem objektiven Standpunkt aus ist das Programm also notwendig. Wüssten wir jedoch von vorneherein, wer die Krankheit überlebt, wäre es unethisch, diese Person einem tödlichen Risiko auszusetzten, das ihn keinerlei Nutzen bringt. Für die Nochtschi ist die einzige Lösung einzusehen, dass selbst die, die gegen die Krankheit immun sind, ein so hohes Risiko auf sich nehmen müssen, um der Mehrheit zu helfen – zu denen ja auch ihre Freunde und Verwandte gehören.

Einer der Endurier erwidert: etwas an dieser Ethik verstehe ich immer noch nicht. Gibt es denn Unterscheide zwischen moralischen Geboten und staatlichen Gesetzten? Wenn ja, weshalb? Wie sind Menschen wirklich? Eigennützig und gierig oder großzügig und nett? Sind einige Menschen »besser« in Moral als andere oder ist jeder Mensch gleichermaßen zum Guten fähig? Gibt es gute Methoden, Kinder moralisch zu erziehen? Hat überhaupt jemand das Recht, anderen zu sagen, was Gut- oder Schlechtsein heißt? Gibt es Typen von Handlungen (z.B. Kindesfolter) die immer schlecht sind? Wenn ja, welche? Wie lautet wohle eine gute Antwort auf die Frage: »Warum soll ich ein guter Mensch sein?« Ist Ethik eine Sonderform des Wissens? Wenn ja, welcher Art und wie können wir es uns aneignen? Heißt Moral, bestimmte Regel zu gehorchen oder bedeutet es, Folgen von Handlungen genau abzuwägen? Wenn jemand sagt »Ich weiß, dass Mord Schlecht ist.« ist das Wissen oder lediglich sehr starker Glaube? Ist die Ethik einzigartig und dadurch universell oder haben Europäer und Endurier eine andere Moral? Wenn jede Antwort nur eine neue Frage ergibt, wer beantwortet denn alle Fragen am Ende? Weshalb wissen wir, dass wir glücklicher wären, wenn wir die Antwort hätten? Ein anderer Endurier antwortet: Als Waise weiß ich wenig, aber wie können wir die Antworten auf die großen Fragen erwarten, wenn wir kaum die kleinen beantworten können?

Zwei Brüder, dazwischen ein Berg. Die Brüder laufen, laufen, begegnen sich nicht. Was ist das?

Vier Brüder. Einer läuft dem anderen hinterher, sie laufen, aber können sich nicht einholen. Was ist das?

Auf einem Klotz sind zwei Pilze, was ist das?

Ich hebe es hoch, es weint. Ich lege es hin, es ist wieder still, was ist das?

Auf der Spitze eines Berges ist eine Schlüssel Joghurt, was ist das?

In einem Weingefäß ist zweierlei Wein, was ist das?

Wir haben eine Braut, sie räumt das Haus auf und bleibt in der Ecke stehen, was ist das?

In einer Bäckerei sind zweierlei Brot: eins ist warm, eins ist kalt, was ist das?

In einer Grube ist eine Schlüssel Reis, was ist das?

Ich habe ein Haus, es hat weder Tür, Dach noch Boden. Rundherum ist nur eine Wand, drinnen jedoch ist es voller Menschen, was ist das?

Ich habe ein Handtuch, ich falte und falte, kann es aber nicht zusammenfalten. Was ist das?

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