Tschetschenische Bruderschaften

рубрика: Religion

Der tschetschenische Islam ist zu einem sehr jung. Die Meinung der Wissenschaftler bezüglich des genauen Zeitraums der Islamisierung der Wainachen Stämme gehen auseinander, doch wahrscheinlich wurde der Islam in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hier zur offiziellen Religion. Zum anderen blieb er bis heute ein eigentümliches Konglomerat aus moslemischen Traditionen und den uralten Gewohnheitsrecht dem Adat, welches das Leben der Tschetschenen über die gesamte präislamische Periode hinweg bestimmte und primär um Familie, Nachbarschaft und Dorfgemeinschaften als existenzielle Pfeiler zentriert ist.

Die Tschetschenen sind mehrheitlich Sufis, zusammengeschlossen in mehreren Sufi Wirden (Bruderschaften; die wörtliche Übersetzung des arabischen Wortes bedeutet „Andachtsübung, kurzes Gebet“). Ein wird bildet in Tschetschenien eine Art Versammlung, eine Gemeinschaft der Muriden („Schüler“) eines bestimmten Scheichs (Ustād/Ostad „Lehrmeister“). Dieser gibt sein gesamtes geistliches Wissen, das er ebenfalls wieder einem Ustād verdankt, an die Muriden weiter.

In der Sufi Auslegung ist das Ich nichtig, muss sich dem vom Ustas vorgegebenen Gemeinsamen unterordnen. Sikren – rituelle Beschwörungsgebete, bei denen die Gläubigen gemeinsam im Kreis laufen – sollen das Ich von Angst und unguten Wünschen befreien. Die typische Sufi Pose – eine Hockstellung mit gekreuzten Beinen, wobei die Linke das rechte Handgelenk umfasst – zielt ebenfalls auf Körperkontrolle ab.

Tschetschenien hat seine eigenen Wirden. Ihre Stärke liegt vor allem in den engen Clan-Beziehungen innerhalb einer Wird-Bruderschaft. Zu den einflussreichsten tschetschenischen Wirden zählt der von Kunta Haddschi Kischijew. Die außerordentliche moralische Geschlossenheit der Kunta Haddschi Kischijew Bruderschaft spielte beispielsweise eine erhebliche Rolle bei den im April 2002 abgehaltenen Präsidentschaftswahlen in Inguschetien, wo tschetschenische Anhänger von Kunta Haddschi Kischijew während der Amtszeit Aslan Maschadows zwischen den Kriegen Schutz gesucht hatten vor den Gewalttätigkeiten wahhabitischer Fundamentalisten saudischen Einschlags. Anhänger von Kunta Haddschi Kischijew stellten in Inguschetien sogar einen eigenen Präsidentschaftskandidaten auf.

Der Begründer des Wird, Kunta Haddschi Kischijew , ist einer der 356 islamischen Heiligen, seine Anhänger glauben, dass er bis heute lebt, seinem Volk beisteht und den Menschen in Augenblicken höchster Not erscheint. So erzählen beispielsweise Gläubige, Kunta Haddschi Kischijew sei ihnen während der Kriege in den 90er in Gestalt eines weißbärtigen Alten erschienen und habe sie auf wudnersame Weise vor dem unausweichlichen Tod gerettet.

Ebenso mächtig ist der Tschin Misra Wird. Sein Gründungsvater Tschin Mirsa scharte nach dem kaukasischen Krieg im 19. Jahrhundert die ärmsten Bauernfamilien Osttschetscheniens um sich, predigte die Ideale bäuerlicher Arbeit und eines asketischen Alltagslebens, verdammte Wegelagerei und Diebstahl.

Der Wis Haddschi Wird entstand in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges unter den nach Kasachstan deportierten Tschetschenen. Der Begründer Wis Haddschi kümmerte sich vor allem um Frauen, die mit ihren Kindern vollkommen allein zurückblieben, wenn die Männer und Väter umkamen.

Hohes Ansehen in Tschetschenien geniesst auch der Deni Arsanow Wird. Die Angehörigen dieser in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von Deni Arsanow formierten Bruderschaften gelten als Hüter der heiligen Geheimnisse und Propheten des Volksschicksal, eine ganze Reihe der gebildeten Tschetschenen, die in der Sowjetzeit Führungspositionen innehatten, entstammten ihren Reihen. Während der Kriege in den 90er war der Deni Arsanow Wird in eine anhaltende Blutrache-Fehde mit dem Kommandeur Ruslan Gelajew verstrickt, nachdem eine von Gelajews Einheiten im Jahr 2000 in der Kreisstadt Kurtschaloi zwanzig Wird Mitglieder hinterrücks ermordete.

Gerüchten von Gläubigen zufolge soll dahinter jedoch der russische Geheimdienst stecken. Zumindest band dieser Konflikt die Aktivitäten des Wird, weshalb er sich kaum noch am politischen Leben beteiligt.

Wenn Sufis sich streiten dann höchstens, welche Bruderschaft den besten Blues beim Gedenken Gottes hat. Die »Traditionalisten« aka Wis-Haddschi-Wird [0:00-0:20] Die »Trommler« aka Tschim-Mirsa-Taumursajew-Wird; Aul Maitrup [0:20-0:40] Die »Barbaren« aka Batal-Haddschi-Belchorojew-Wird; Aul Yandyrka, Surhoi und Jekaschewo [0:40-0:54] Die »Kopfnicker« aka Bamat-Girej-Haddschi-Wird; Aul Avtura [0:54-1:16] Die »Populären« aka Omar-Haddschi-Wird, [1:16-1:36]

Latest from Religion

Mullah Nasreddin

An jedem Markttag brachte der Hodscha einen Esel zum Markt und verkaufte
идти наверх