Vom Drogendealer zum Dschihadisten – deutsche Daʿwa?

рубрика: Inguschische Ironie

Vom Kotti nach Khara’ij – für Deso Dogg bestand seine Daʿwa darin vom Drogendealer zum Dschihadisten zu mutieren, doch er ist nicht der einzige Deutsche, der für Daesh kämpft. Sie nennen sich selber al-Alami oder al-Usami und wie ihr großes Vorbild bevorzugen sie den Peshawar-Playboy-Lifestyle: Vor der Kamera für den Kampf posieren.

Doch sind die germanischen Gotteskrieger so gefährlich wie sie sich geben? Verfügen sie über so viele Kampfkontakte wie der legendäre Abu Jihad alias der moderne Musailima?

Pierre Vogel alias Abu Hamza: Konvertit, keine Kampfkontakte außerhalb des Boxrings. Hat sich der Aufklärung des Abendlandes gewidmet indem er Antworten auf Fragen gibt wie: Was können Muslime von Christiano Ronaldo lernen oder wie kann man während des Lira Absturz in der Türkei trotzdem absahen? Verschickt gerne Einladungen zum Paradies und hat sich als «Der Vater von Hamza» einen Namen auf der Straße gemacht. Berühmtberüchtigt durch seine Predigt «wollt ihr die totale Daʿwa» die ihn im Konflikt mit kaukasischen Dschihadisten brachte, weil er sich dagegen aussprach, dass Muslime in den Wald gehen. (Wald steht als Synonym für den Widerstand im Kaukasus) Vogel wird meist als zentraler Kopf der Salafisten Szene sowie Sprachrohr des IS dargestellt, dies obwohl er beispielweise die Anschläge in Paris, wenn nicht explizit verurteilt, zumindest kritisiert hat. «Ich bin der Überzeugung, dass solche Anschläge haram sind» … «Der Islam verdammt Terrorismus» (Im Vergleich zu Predigern wie Said el-Emrani, Ibrahim Abou Nagie) Das Schisma der Salafisten sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele «Geistliche» die sich vom IS distanziert haben, Wegbereiter der Radikalisierung waren. (Während die politische Öffentlichkeit in Deutschland im Sommer 2014 intensiv darüber diskutierte, wie den vom IS bedrängten Jesiden im Nordirak geholfen werden könne, rief Vogel die Jesiden dazu auf, zum Islam zu konvertieren) Nichts anderes wird geerntet, als das, was man gesät hat – 2015 rief die IS-Propagandazeitschrift Dabiq zur Tötung von Vogel auf.

Christian David Emde alias Abu Qatada: Konvertit der mehr Interviews gegeben als Kampfeinsätze gesehen hat. Gibt sich gerne als Intellektueller Islamist aus, dabei wird sein Kampfgeist nur noch vor seinem Kampfgewicht übertroffen. Aus diesem Grund sucht er immer wieder Kontakt zu deutschen Journalisten um die Versorgung mit Lebkuchen, Schoko-Bons und Milka-Schokolade sicherzustellen. Bietet als Tausch gewöhnlich Exekutionen an «Was hätten Sie gerne? Einen Kurden oder Schiiten?» Langzeitig Groupie von Pierre Vogel und der Salafisten aus Solingen (mittlerweile geschlossene Moschee Millatu Ibrahim) 2011 von der britischen Polizei aufgrund von Plänen zum Bau von Bomben festgenommen und nach Deutschland abgeschoben, dort tauchte er unter und schloss sich schließlich in Syrien dem IS an. Nach den salafistischen Ausschreitungen vor dem Rathaus am 1. Mai 2012 und dem kurz darauf erfolgten Verbot des Moscheevereins verschwanden viele der Extremisten dann eine Weile von der Bildfläche, bevor sie anschließend im Bürgerkriegsgebiet als Terroristen wiederauftauchten. Ein echter Ehrenmann, im Februar 2017 soll Emde versucht haben, seine Mutter um 20.000 Euro zugunsten des Islamischen Staates zu betrügen. Sein selbst gestecktes Ziel von 500 Millionen Toten im Namen des wahren Glaubens hat er  nicht erreicht, in erster Linie, weil er sich kaum an Kampfeinsätzen beteiligt, sondern lieber junge Leute rekrutiert, die für ihn und die Ideologie des IS sterben sollen. Aufgrund seiner Fettleibigkeit frass ihn eine Drohne Ende 2018 in Shafa/Syrien weil er nicht schnell genug.

Marc Kerim B. alias Abu Zulfiqar: Fühlte sich nach der Lektüre der Autobiografie des kurzen Zeit später in Waziristan getöteten deutschen Dschihadisten Abdul Gaffar Almani alias Eric Breininger inspiriert, seiner eigener Interpretation des Islam zu folgen. «Ich lebe nur für Allah und werde von daher mein Leben mit meiner Familie dem Islam widmen!» Nach Marc Kerim besteht die Daʿwa darin sich der «Jugend der Armee Mohammed im Land von Scham» anzuschließen. In Syrien zeigte sich, dass seine Interpretation und die des IS nicht immer übereinstimmen. Während er sich selber stolz in den sozialen Medien mit seinen Kampfkontakten und Kalaschnikow brüstet, sahen ihn IS Kommandeure skeptisch. In erster Linie, weil er wie Abu Qatada alias Christian David Emde ein Kampfgewicht besitzt, dass selbst seinen Kampfgeist übersteigt. Im Dezember 2013 protzt er auf einer mittlerweile gelöschten Facebook-Seite: «Bald den groessten fight… weniger als 2 wochen soll was groesses starten, moge allah mich annehmen und mir die geweahren.» Dieser Wunsch bleibt ihm verwehrt. Nach kurzem Kampfkontakt verletzt und frustriert, ließ er sich nach Deutschland zurückbringen, aus Sorge seiner Gesundheit sei auf dem syrischen Schlachtfeld nicht genüge getan. Nachdem die Behörden sich seiner nicht Habhaft werden konnten, überwog erneut die Sehnsucht nach dem Märtyrertod. Selbstverständlich ist das Sterben als Schahīd nicht ohne Sorgen, weshalb sich die Rückkehr nach Deutschland wiederholt – diesmal klickt die Acht und er wird der Staatsanwaltschaft vorgeführt. Interessant ebenfalls die Verteidigung des Angeklagten: Der gefürchtete Gotteskrieger könne gar niemanden getötet haben, aufgrund seines Gewichts.

Mario S. alias Mario Abu Zubayr: «Früher pflegte Mario S. einen ausschweifenden Lebensstil. Er trank Alkohol, traf sich mit Mädchen und reagierte seine angestauten Aggressionen in einem Boxclub im Leverkusener Stadtteil Opladen ab. Vor seiner Zeit bei den Islamisten, inszenierte er sich als Gangsterrapper und prahlte mit Geldbündeln, Waffen und Frauen. Von ihm verfasste Verse wie „Ich bin kein guter Junge, ich mache immer alles kaputt“ oder „Ich will kein Leben mehr voller Sorgen, ich will Geld, Bitches, Kaviar […]“ verdeutlichen, dass Mario eine schwierige Pubertät hatte, in der er Regeln und Normen provokant zu verletzen versuchte.» Der Beitrag „Geld Bitches Kaviar“ auf dem Blog von Heiner Vogel beschreibt ausführlich den Wandel vom Gangstarapper zum Gotteskrieger.

Denis Cuspert alias Deso Dogg alias Abu Talha: Vom Kotti nach Khara’ij – für Deso Dogg bestand seine Daʿwa darin vom Drogendealer zum Dschihadisten zu mutieren. Islamist mit Identitätskrise: Da er seinen muslimischen Vater nie richtig kennenlernte, schob er die Schuld auf seine christliche Mutter. Nachdem sich seine Musik nicht verkaufte und er einmal zu oft bei einem Drogen Deal abgezogen wurde, wandelt er er sich vom Gangstarapper zum Gotteskrieger und suchte sein Glück auf dem syrischen Schlachtfeld. In die Charts hat es Deso Dogg nie geschafft, dafür steht Denis Cuspert nun auf einer anderen Hitliste, der Terrorliste des US-Außenministerium (Aufgrund aktiver Beteiligung an Kampfhandlungen und Tötungen) und arbeitet nun für Al-Hayat. Sein Tod wurde wiederholt berichtet, wahrscheinlich wurde sein Wunsch den Schahīd zu sterben auf der Flucht aus Rakka nach Abu Kamal erfüllt.

Michael N. alias Abu Dawud: Konvertit der seine fünf Minuten Ruhm im Oktober 2014 nach seiner Schimpftirade auf die Bundeskanzlerin hatte «Du schmutzige Merkel!» Ebenfalls langjähriger Groupie von Pierre Vogel und den Salafisten aus Solingen. Nach dem Verbot weigerte er sich weiter unter den «kreuzzüglerischen Götzenanbetern» zu leben und setzte er sich nach Ägypten ab, dort stilisierte er den tödlichen Autounfall seiner Frau zum Anschlag und verkündete stolz «Millatu-Ibrahim» feiert erste Märtyrerinnen. «Ich schnalle mich beim Autofahren auch nicht an, wenn Allah mir den Tod auserwählt hat, will ich ihn nicht aufschieben», so der Konvertit. Aus der Antwort entstehen womöglich tiefgreifende theologische Fragen, zum Beispiel wieso ein Autogurt den Allmächtigen in seinem Plan behindern könnte. Doch darum geht es nicht. Wer gottesfürchtig den Weg der Salafiyya einschlägt, so die eigentliche Kernbotschaft der Aussage, kann sogar beim Autofahren zum Märtyrer werden. Machte sich aufgrund mangelnder Kampfkontakte einen Namen als Heilpraktiker des heiligen Krieges. Ein syrischer Anti-ISIS-Aktivist erzählte dem Bildreporter Björn Stritzel sarkastisch, dass ihnen gar nicht bewusst gewesen sei, wie viele Geister sich in Syrien befunden hätten, bevor Michael N. aus Gladbeck sich des Problems annahm. Endete 2017 als 200er (Granate gefressen)

Reda Seyam alias Dhul al Qarnain: Gebürtiger Moslem, bisher keine bestätigten Kampfeinsätze außer gegen Journalisten aber äusserts aktiv. Seyam lebte jahrelang Sozialhilfe und produzierte Propagandavideos für Anhänger des Salafismus und setzte gerichtlich durch, seinem Sohn den Vornamen Dschihad zu geben. Er gehörte zum Führungszirkel der salafistischen As-Sahaba-Moschee. Seyam, der aus seinen islamistischen Ansichten auch öffentlich keinen Hehl machte «Laut Koran ist es in Ordnung, Terrorist zu sein. Laut Koran ist es eine Pflicht, Kaffer (Ungläubige) umzubringen» wurde nach 2002 verdächtigt, einer der Hintermänner des Sprengstoffattentats von Bali gewesen zu sein. In diesem Zusammenhang wurde er in Indonesien von der CIA befragt. Das BKA überführte ihn daraufhin 2003 nach Deutschland, wohl um eine Verbringung in ein Geheimgefängnis zu verhindern. Für seine Aktivitäten im Ausland wurde Seyam in Deutschland nie zur Rechenschaft gezogen und setzte sich schließlich in den Irak ab. (Seine erste Frau lebt noch in Deutschland, jedoch im Zeugenschutzprogramm, weil er Sie regelmäßig schlug.) In Mossul soll Seyam unter dem Namen Dhul al Qarnain diverse Änderungen im Bildungssystem von Iraks zweitgrößter Stadt vorgenommen haben. Dazu gehörten die Geschlechtertrennung, die Vorschrift für alle Mädchen ab dem Grundschulalter den Gesichtsschleier Niqab zu tragen sowie die Pflicht, dass jeder Student dem IS als Kämpfer zu Verfügung stehen müsse. Der Berliner bekam aber bald Probleme mit dem Kalifen höchstpersönlich, nachdem Baghdadi ihn beschuldigt hatte sich bei den «Bayt al-mal» (Geldhäusern des IS) bedient zu haben. Trotz seiner kurzen Karriere war er somit einer der erfolgreichsten Deutschen bei Daesh. Nachdem sein Wunsch für seinen Glauben zu sterben sich im Dezember 2014 nicht erfüllte, scheint eine Streubombe anfangs Juli 2018 ihm dieses Begehren erfüllt haben.

Silvio Koblitz alias Abu Azzam: Konvertit, gilt als stets gut gelaunter Gotteskrieger sowie Star der dschihadistischen Szene und findet angeblich Gehör bei 5000 bis 10.000 Salafisten in Deutschland mit seinen 500 Facebook Freunden. Für Aufsehen sorgte der «Schwäbische Salafist» im August 2014 mit einem Aufruf zu Attentaten in Deutschland inklusive Drohungen gegen seine alten Nachbarn. Nach seiner Migration in den Islamischen Staat zeigte sich der germanische Gotteskrieger desillusioniert über die «Cowboys, Actionhelden und Rambos» … «dass wir gezielt auf nicht am Kampf beteiligte Gruppen oder deren Häuser abzielen, während wir die Kämpfer und deren Stützpunkte außer Acht lassen, widerspricht meinem Verständnis von islamgerechter Kriegsführung.» Soll nach seiner Kritik am Krieg des Dschihad von IS-Kommandeuren getötet worden sein.

Mohamed Mahmoud alias Abu Usama al-Gharib: Gebürtiger Muslim, der als Gründer von Millatu Ibrahim gilt und sich gerne als Manger des IS ausgibt aber mehr Möchtegern ist. Gab eine Sportverletzung als Zeichen seines Kampfes aus zeigte sich gegenüber österreichischen Staatsbeamten zartbesaitet und monierte sich über die massiven Menschenrechtsverletzungen in der Alpenrepublik. (Video min. 2:52) Nachdem er seine Wahlheimat Wien verließ und sich nach kurzem Exil in Solingen nach Syrien aufmachte, wurde er an der türkischen Grenze inhaftiert. Vermutlich aufgrund einer Absprache zwischen Erdogan und Baghdadi geling es ihm im August 2014 zu seinen deutschen Dschihadisten Brüder bei Daesh zu gelangen. Weil der oberste Machtzirkel des IS Mohamed Mahmoud nicht wirklich mag, muss er sich mit Werbearbeit zufriedengeben. Dies gibt ihm immerhin genügend Zeit Journalisten in Deutschland und Österreich digital zu drohen sowie über sie zu schimpfen. Kaum Kampfkontakte dafür Meister im meucheln von unbewaffneten Gefangenen und der medialen Inszenierung davon. Sein selbst gestecktes Ziel, die Eroberung Roms zwecks Umgestaltung des Piazza San Pietro in einen Platz für Exekutionen, ist ihm bisher (wie so vieles in seinem Leben) nicht gelungen. Im November 2018 soll er bei einem Luftangriff auf eine Haftanstalt des Islamisches Staats ums Leben gekommen sein. Die Inhaftierung soll erfolgt sein, weil Mahmoud „aus der Reihe tanzte“ und Aufruhr stiftete. Sie stand vermutlich im Zusammenhang mit Richtungskämpfen im Islamischen Staat.

Sven Lau alias Abu Adam: Konvertit und einer der wenigen mit militärischer Grundausbildung vor seiner Berufung. Langzeitig Groupie von Pierre Vogel, spielt gerne Scharia-Polizei und wird von den Medien gerne als lautstarker Hassprediger bezeichnet. Dabei gibt er sich gerne ganz gelassen, was ihn nicht weniger gefährlich macht, wie seine Unterstützung von Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar (JAMWA) belegt. Für diese ist er 2017 rechtskräftig zu fünfeinhalb Jahren verurteil worden.