Unter Folter

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Aktivisten von Amnesty am Mittwoch in Berlin.FOTO: DPA

Unter Folter: die Angst um das Leben und die Nähe des Sterbens.

Du – die Todesangst – bist so plötzlich und ungebeten bei mir aufgetaucht und warst gnadenlos. Zwei Wochen lang war ich gefesselt in der Finsternis, wurde täglich stundenlang mit Stromstößen und Schlägen gefoltert und hatte furchtbare Schmerzen.
Ständig muss ich daran denken, was mit mir weiter passieren wird, was ich noch erleben muss, bis ich sterben kann. Es gibt keinen Ausweg aus dieser Hölle, nicht einmal die Hoffnung kann einen Weg zu mir finden.
Es ist furchtbar dunkel, es gibt kein Licht mehr. Die Angst und die furchtbaren Schmerzen unter der Folter wollen sich nicht von mir verabschieden. Sie bleiben bei mir. Ich schreie und erhole mich etwas, aber keiner hört zu.
Die Angst ist ansteckend und breitet sich aus und ich fürchte um meine Familie und meine Bekannten. Ich habe meinen Verstand noch nicht ganz verloren; ab und zu flüstert er mir zu ‚hab Geduld‘.
Alles das kommt von den Handlangern des Monsters, den Schergen des Machthabers, und er heißt russischer Imperialismus.
Damals habe ich dich – die Freiheit – so vermisst, aber ich wusste, dass sie für uns Tschetschenen unter barbarischer Gefangenschaft unerreichbar ist.

Ruslan Berger.