Zwischen Angst und Mut

рубрика: Diaspora
… Kamila Iliasova (GRG 21, Schulschiff, Wien; Tschetschenisch) kam in ihrem ersten . … Kurier.at

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mein Name ist Kamila Iliasova, ich bin 15 Jahre alt und komme aus Tschetschenien. Während einzelnen Runden von SAG’S MULTI wurde ich von so vielen Menschen gefragt: „Bist du nicht nervös?“ oder „Wie ist es da vorne zu stehen und von so vielen Menschen angeschaut zu werden?“ Ich muss ehrlich sagen, es ist ein tolles Gefühl! Ich bin ein Kind, dennoch kann ich hier auf der Bühne stehen und mir wird zugehört, ich werde ernst genommen und habe die volle Aufmerksamkeit vieler Menschen. Deshalb möchte ich heute die Chance nutzen, um über ein Thema sprechen, das mir sehr am Herzen liegt.

 

Chim khiram bu ama mairal yu

 

Salam marschal du schüg lermi Heschi,

 

Sa ze Kamila  yu sa phit scho du. Har Sag’s multieh mel hil dol Dizreh süag dukh Admisch hahtarsch dina, zu Jüryiini Admischini halha le1tsch ha oil muh hül. So yohk yia tahana khu Halkhan halha har diza sai etu bolsch. Zundel Tahana sei dagah deg shun dahait le1ar sun.

 

Vor 14 Jahren flüchtete ich mit meinen Eltern aus einem Kriegsgebiet. Der Grund dafür war, dass meine Eltern auf keinen Fall wollten, dass ihre Kinder unter solchen Umständen aufwachsen müssen. Nur damit ihren Kindern eine gute Zukunft sowie eine gute Bildung ermöglicht wird, kamen sie in ein wildfremdes Land. Mit der Zeit lernten sie auch die Sprache und so schafften sie es sich zu integrieren. Das wildfremde Land wurde ihre und auch die Heimat ihrer Kinder. Trotz der jahrelangen Integration haben ich und auch viele andere Menschen mit Vorurteilen und Benachteiligungen zu kämpfen. Die Vorurteile beginnen meist mit falschen Anschuldigungen und enden mit Worten wie: „Ausländer raus“. Ganz ehrlich, bei solchen Worten fühle ich mich nicht besonders angesprochen, denn ich fühle mich hier zuhause, wie denn auch nicht, ich kenne ja kein anderes Land und bin hier aufgewachsen. Ich weiß nicht, vielleicht bin ich ja die Einzige, die das so empfindet, aber trotz meines Migrationshintergrundes fühle ich mich in diesem Land nicht fremd und das ist etwas was Menschen mit Vorurteilen gar nicht wissen.

 

Dejt Scho halha khai Mahkhah doila Afstri hadehkhan du kho. Shun maha1ar tha Mahkhah beltsch T1omu kho khus khatschina.Sa Deni Nani thüag diashitar ugar halhar hil. Dukh han yali  Mohta e1mar duhk human teh khi1 dul delar sa da nan. Ozul dukh  han khusah yehkhan chez nis dozug dukh düz. Dukh mehtschgah zbisamz goiti „Mahascharsch ar dowl“ ol. Suna seig Mahaschar eltsch, seig ela zahit hund eltsch so za scho khetsch ber dolsch Afstri ye1an yu sun sein Mahkhal dik Afstri yois. Sun san isht hiat hir du so san Tebehkan chan.

 

Das bedeutet aber nicht, dass es in Ordnung ist, so etwas zu sagen. Oft stelle ich mir vor, wie es für meine Eltern als Flüchtlinge gewesen sein muss, wenn man sie aufgrund ihrer mangelnden Deutschkenntnisse verurteilt hat. Haben sich diese Menschen je Gedanken darüber gemacht, dass meine Eltern mit ein wenig Hoffnung aus einem Kriegsgebiet geflohen sind? Menschen mit Vorurteilen sollten sich meiner Meinung nach erst einmal in die Lage solcher Flüchtlinge versetzen, und wenn schon die Vorstellung, in ein Land zu fliehen ohne jegliche Sprachkenntnisse schwer fällt, sollten sie diese Vorurteile unterlassen. Denn keiner von ihnen kann wissen, was diesen Menschen wirklich widerfahren ist. Dann gibt es noch die Vorurteilen dass Migranten es gar nicht zu schätzen wissen, dass sie hier leben dürfen. Ich als ein Kind mit Emigrantenhintergrund kann Ihnen sagen, dass das ein völliger Blödsinn ist, denn ich schätze es hier leben zu können. Schließlich ist Österreich ein freies Land, in dem ich eine freie Meinung äußern kann sowie meine Rechte habe. Ich habe nicht nur die  Chance auf Bildung sondern es ist auch meine Pflicht, sie zu nutzen. Und ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich das schätze.

 

I san dol hum eltsch sun nis zahiat. As hinz oil yo tho hadehkansch henah mel halhila hu1sch moht botsch hadüz chunah zakhetsch. Sheig hu1a hum eltsch muh hehtan hil des sa deni nani. Zan Adami bakhu yaz sha san dol khiatsch adman zia da, zua lain halua zahu1sch sheh.

Zadoltsch Nahan  hiat tebehkhan hiltsch khusah khein do dikan oh ham zabo el. Thein mel do dikan thai khuseh yolsh yol Bakhuansch, thei diaschar etu hilarn Tho choh  dahki dia

 

Natürlich ist es mir bewusst, dass es Menschen gibt, die Österreich auch schaden, die meist das alles hier nicht zu schätzen wissen. Und wenn diese Menschen dann ein Verbrechen begehen und nebenbei auch zweisprachig sind, wird nicht nur über sie, sondern über ihre ganze

Volksgruppe geurteilt. Wegen eines dummen Menschen, der dieselbe Sprache spricht wie ich, muss ich mit Vorurteilen klarkommen? Obwohl ich aus einer sehr integrierten Familie komme in die Schule gehe und mich so wie jedes andere Kind benehme, muss ich mir anhören, dass meine Volksgruppe Österreich schadet, dass sie keinerlei Interesse an Bildung hat und man sie am besten abschieben sollte?

 

Nis zalilsch damisch dukh dui ha1 sun khuseh. Zangar hua hum deltsch din khom bechkhi do. Zamua hua hum diner el sei diasha düsch nis dalelsh yol as so zarz nis ya yes el zahet sun.

 

Vor zwei Wochen saß ich in der Bim und vor mir zwei ältere österreichische Damen. Wir unterhielten uns ganz freundlich und nach einer Zeit kamen auch 3 türkische Kinder in die Bim, die etwas jünger waren als ich. Sie trödelten herum und lachten, sowie  es Kinder nun einmal machen. Eine der älteren Damen seufzte und meinte: „Diese Ausländer“.  Ich muss ehrlich sagen, ich hatte angst  an dieser Aussage etwas auszusetzen, denn ich wusste nicht, wie die Dame drauf reagieren würde. Schließlich nahm ich meinen Mut zusammen und sagte der Dame: „Das sind Menschen und keine Ausländer“.

Die Dame fing an sich zu beschweren und meinte, dass diese Menschen gar keine Bildung wollen, dass sie nicht einmal die deutsche Sprache beherrschen. Da antwortete ich mit dem besten Deutsch, das ich spreche: „Ich als ein tschetschenisches Flüchtlingskind komme mit der deutschen Sprache eigentlich ganz gut zurecht“.  Die Diskussion endete damit, dass die Dame realisierte, dass ich auch eine Ausländerin bin. Sie entschuldigte sich bei mir und sagte, ich sei eine Ausnahme.

 

Shi khir halh U-bahn choh Schkoolir zayohsch, yohku shin sudchunz khamel desh yar so. Ubahn chu khiatsch khomer kho ber haldelar. Shei büalsch khamel desh bar üsch. Zan Sudchua süag ha1 yirsan “ Isht bu har te Behknasch“ elar so afstrik yu möhtsch. „Halh üsh te behkan hilari zahosch üsch admisch hilari hasch“ elar as. I tank lia yulyelar nan mohta zaha1 diascha zale1 el. Sein moht dik ha1ari ter as zung elar „So te de1an dol nochtschi chur ber dolscheh har Moht bizam ha1 sun“

Thoischini Habar muh chehk delar “ Ho san besh khesg bu behk mabilah“ elar zua süg.

 

Ich hoffe, in Zukunft wird meinen Kindern so eine Situation erspart bleiben, und ich hoffe, dass niemand ihr Benehmen mit ihrer Zweisprachigkeit verbinden wird. Was ich mit meiner Rede sagen möchte ist, das kein Mensch Angst haben sollte sich gegen falsche Vorurteile zu wehren, und oft verstehe ich es selber nicht, was Zweisprachige Kinder so fremd macht oder was sie denn so sehr unterscheidet. Ist es die Religion oder die Kultur? Liegt es an dem Ruf des Landes, in dem ich geboren wurde? Urteilen Menschen nach dem Benehmen zweisprachiger Menschen? Bin ich den wirklich so anders, ich meine, ich wurde auch schon als ein österreichisches Mädchen gesehen. Das alles wird mir und vielen ein Rätsel bleiben, dennoch

möchte ich Ihnen sagen, dass es in diesem Österreich auch sehr viele andere Ausnahmen gibt. Bildet euch keine Meinung, indem ihr alle Menschen in einem Topf schmeißt.

Nur mit Solidarität funktioniert Integration, was bedeutet, dass wir alle zusammenhalten müssen.

 

As choh satüs tekhüsch yol tehini i san dol hum te zanis dalit. Zaz henah so sha zakhet tho te dehkan dol Admisch isht khiatsch taip hund het el. Kha hilksch hulksch banen ili kha lilar  baneh du i . I sun san duh admischan zahu1sch düsar du ama suna schüg al le1 massana admisch diknash honash hül . Masu admisch zater daz. Way za bart hiltsche be wei khusah alur daz

 

Del res hil shun süag laduharn!

Dankeschön für ihre Aufmerksamkeit!

Redewettbewerb ‚Sag’s Multi!‘ Kamila Iliasova