Schutz vor Terror: Wien sucht Poller-Alternativen

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Beim Rathausplatz werden derzeit 78 Poller zum Schutz vor Anschlägen errichtet. In einer Woche kommen elf weitere bei der Kärntner Straße dazu. Auch für die „Mahü“ waren Poller geplant. Die Stadt sucht nun aber nach Alternativen.

Auf dem Rathausplatz werden derzeit die letzten Poller fest verankert. Im Ernstfall sollen sie Lastwagen stoppen. Die Sicherheitspoller waren jetzt im Frühjahr auch in der Mariahilfer Straße geplant. Die Stadt sucht nun aber nach Alternativen.

„Poller sind an und für sich ein gutes Mittel, aber sie können eben nur absperren. Und es ist schon wichtig, dass wir auch Elemente im öffentlichen Raum haben, die auch mehrfach nutzbar sind, für verschiedenste Zwecke nutzbar sind – und deswegen wollen wir da noch länger überlegen“, sagt Franz Kobermaier, der Leiter MA 19 für Architektur und Stadtgestaltung, gegenüber „Wien heute“.

Offene Räume sicherer

Auch abseits der Mariahilfer Straße sucht die Stadt derzeit nach kreativen Schutzideen für den öffentlichen Raum, etwa bei einem Fachworkshop. Dabei helfen soll der Architekt Dietmar Feichtinger, der gerade den Eiffelturm gegen Anschläge sichert.

Stadt sucht Poller-Alternativen

Dietmar Feichtinger Architectes

Sicher seien vor allem offene Räume, sagt er. „Räume, wo Menschenmengen sich relativ leicht auflösen können, wo sich Leute bewegen können. Enge, beschränkte Räume stellen ein sehr großes Problem auch für die Sicherheit dar, auch für das Sicherheitspersonal“, so Feichtinger. Auch weil sie unübersichtlich sind. Beim Eiffelturm wird – neben Pollern und einer schusssicheren Glaswand – deswegen auch der Park „entrümpelt“.

Massive Möbel als Alternative

Die Mariahilfer Straße findet Feichtinger heute – ohne enge Gehsteige – schon viel sicherer als früher. Die Fußgängerzone könne man also als ungewollte Terror-Schutzmaßnahme sehen. Eine gute Alternative zu Pollern sind laut dem Architekten oft auch massive Möbel, wie Sitzbänke.

„Was Stadtmöbel sehr gut können, ist dass sie diesen Angstfaktor mindern. Dass man eigentlich diese relativ aggressiven Elemente, diese Abwehrelemente in der Stadt, vermeidet“. Viele Poller könnten das Sicherheitsgefühl sogar verringern, so Feichtinger.

Der Architekt Dietmar Feichtinger
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Architekt Dietmar Feichtinger sichert den Eiffelturm gegen Terror-Anschläge

Poller hätten den Vorteil, dass sie relativ wenig Platz brauchen, so Feichtinger, aber sie seien kein stadtgestaltendes Element, sondern eher störend. Sinnvoll seien sie dort, wo es nur wenig Platz gebe, beispielsweise bei einem Gehsteig an einer stark befahrenen Straße. Massive Stadtmöbel bräuchten mehr Platz als Poller.

Polizei offen für Alternativen

Feichtinger empfiehlt grundsätzlich eine großräumige, übersichtliche Gestaltung der Stadt – mit Zonen, in denen es wenig Platz für parkende und fahrende Autos gebe – und dafür viel für Fußgänger und Radfahrer. „Da kann man dann großräumig viel effizienter sein und dann auch die Zugänge zu diesen Bereichen besser beobachten und schützen. Mit einer Präsenz von Sicherheitspersonal, vielleicht auch von Überwachungskameras oder Pollern, die mobil sein können“, so der Architekt.

 

Die Polizei ist jedenfalls offen für Alternativen. „Es muss nur einerseits effektiv sein, es muss andererseits aber auch das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung erfüllen. Und es muss alltagstauglich und städtebauverträglich sein“, sagt Wiens neuer Polizeivizepräsident Michael Lepuschitz gegenüber „Wien heute“.

Bis zum Herbst soll es laut Stadt dann ein Sicherheitskonzept für die Mariahilfer Straße geben. Bei der Kärtner Straße kommen ab Mitte April aber noch Poller – mehr dazu in Wien bekommt Poller als Terrorbarrikaden.

 

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