Deutsche in Russland und Deutsche aus Russland

рубрика: Zeitreise

Mit dem «Kolonistenbrief» von 1763 begann die Anwerbung von Siedlern, die vor allem im unteren Wolga- und Schwarzmeergebiet angesiedelt wurden. Die Kolonisten kamen mehrheitlich aus den deutschen Gebieten. Sie wurden schrittweise zu treuen Untertanen des Zarenreichs. Nichtsdestotrotz wurde die deutsche Minderheit mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges zunehmend unterdrückt.

Unter Russlanddeutschen sind hauptsächlich Nachkommen der handwerklich-bäuerlichen Einwanderer aus Zentraleuropa zu verstehen, in erster Linie aus den deutschen Kleinstaaten, die im 18. und 19. Jahrhundert zur Urbarmachung vor allem im unteren Wolga- und im Schwarzmeergebiet angesiedelt wurden. Sie kamen in ein Reich, das im Laufe der territorialen Expansion seit dem 15. Jahrhundert sein Staatsgebiet um das 52fache vergrößerte und letztendlich ein Sechstel der Landfläche der Erde umfasste. Die Kolonisierung der eroberten und zum Teil unbewohnten Territorien stellte für den russischen Staat jahrhundertelang eine andauernde Herausforderung dar.
Gemäß dem Vorbild anderer europäischer Mächte (Österreich, Preußen) entschloss sich die russische Kaiserin Katharina II., eine Politik der «Peuplierung» in Angriff zu nehmen. Unbewohnte und dünn besiedelte Gebiete sollten durch zuverlässige neue Untertanen besiedelt und bewirtschaftet werden. Die Anwerbung von ausländischen Kolonisten vollzog sich mit abwechselnder Intensität und unterschiedlichen geographischen Schwerpunkten fast ein Jahrhundert lang – ausgehend vom richtungweisenden Einladungsmanifest vom 22. Juli 1763. Mit ihrem Manifest, das in mehrere Sprachen übersetzt und in ganz Europa verbreitet wurde, sicherte sie ausländischen Siedlern zahlreiche Rechte zu und versprach vielerlei Vergünstigungen: Fahrt zum gewählten Wohnort auf Staatskosten, unentgeltliche Zuteilung von Land, freie Steuerjahre, innere Selbstverwaltung, Befreiung von Militärdienst und militärischer Einquartierung, Berufs- und Religionsfreiheit, Recht auf Rückwanderung usw. Dem Manifest wurde ein Verzeichnis (Register) der «in Russland freien und zur Besiedlung bequemen Ländereien» in mehreren Gouvernements beigelegt.
Um die erforderlichen Einwandererzahlen zu erreichen, beauftragte die russische Seite ab 1764 verstärkt private Agenten (Anwerber, Berufer), die auf eigenes Risiko operierten und für jeden angeworbenen Kolonisten einen Festbetrag erhielten. Diese erhielten das Recht, mit potentiellen Interessenten individuelle Verträge zu schließen. Alles in allem warben sie fast die Hälfte aller bis 1774 nach Russland ausgewanderten Personen (insgesamt 14.960) ein. Es zeigte sich rasch, dass das Angebot der russischen Kaiserin vor allem in den deutschen Fürstentümern und freien Reichsstädten auf fruchtbaren Boden fiel: Nicht zuletzt die staatliche Zersplitterung und die schwache Zentralmacht verhinderten eine wirksame Unterbindung der Werbeaktivitäten.
Bis 1774, dem Jahr des Anwerbestopps, folgten 30.623 Ausländer den Versprechungen der russischen Herrscherin. Die meisten Auswanderer stammten aus Westfalen (27%), Hessen (17%), Preußen und Norddeutschland (18%), Sachsen (13%), aus dem Elsass, Baden und anderen deutschen Ländern. Kleinere Gruppen kamen aus der Schweiz, Holland, Schweden und Dänemark. Von Anfang an haben die zuständigen russischen Behörden die im Einladungsmanifest versprochene freie Ortswahl unterlaufen, vor allem wurde eine Niederlassung in Städten verhindert. Man lenkte die Einwanderer größtenteils in die Gegend um Saratow; dort entstanden auf beiden Seiten der Wolga 66 evangelische und 38 katholische Mutterkolonien. Unter den 1769 hier registrierten 23.109 Siedlern gab es 12.145 Männer und 10.964 Frauen bei einer Durchschnittsgröße einer Familie von 3,59 Personen. Erst nach 1775 verzeichnete man einen Bevölkerungszuwachs, und 1788 betrug die Gesamtzahl der Wolgakolonisten schon 30.962 Personen (15.607 Männer und 15.355 Frauen, Familiengröße: 6,47), um sich 1816 mit erfassten 60.746 Kolonisten beinahe zu verdoppeln (Familiengröße: 7,28). Zudem entstanden kleinere Siedlungsgruppen und einzelne Kolonien im Umkreis von St. Petersburg, im Gouvernement Tschernigow (heute in der Ukraine), in Livland, im Gebiet Woronesch (Riebensdorf) und unweit von Zarizyn, des gegenwärtigen Wolgograd (Herrnhuter-Kolonie Sarepta).
Die Anwerbung von ausländischen Kolonisten wurde zu Beginn des 19. Jh. verstärkt. Dieses Mal war das Ziel Gebiete am Schwarzen Meer zu erschließen. Nach den Erfahrungen mit dem Siedlungswerk an der Wolga – man hat zunächst mehr auf die Anzahl, auf die Masse der Kolonisten und weniger auf ihre Eignung geachtet, deshalb hatten die dortigen Siedler große Anfangsschwierigkeiten gehabt – legte die Regierung nun strenge Auswahlkriterien an: Laut dem Erlass des Zaren Alexander I. vom 20. Februar 1804 sollte eine Einreise in erster Linie erfahrenen und vermögenden Landwirten sowie auf dem Land unentbehrlichen Handwerkern gestattet werden. Die Einwanderer kamen nun größtenteils aus Westpreußen (Mennoniten) und Württemberg, ferner aus Baden, dem Elsass und der Pfalz.
Im Gegensatz zum zusammenhängenden Ansiedlungsgebiet der Deutschen an der Wolga in einer fast menschenleeren Gegend kam es jetzt zur Bildung mehrerer Kolonistenbezirke und Einzelsiedlungen mit insgesamt 181 Mutterkolonien, die sich verstreut in der heutigen Südukraine, in Moldawien (ehem. Bessarabien) und im Transkaukasus in einer multinationalen Umgebung mit russischen, ukrainischen, tatarischen, georgischen u.a. Bauern befanden. In dieser Periode der ausländischen Kolonisation wanderten zwischen 50.000 und 55.000 Europäer, vornehmlich Deutsche, in das Russische Reich ein.
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zu dem Siedlungswerk im unteren Wolgagebiet stellte die Emigration aus religiösen Gründen dar. Das betraf v.a. die Mennoniten aus dem Raum um Danzig und aus Westpreußen, die wegen ihrer religiös-pazifistischen Überzeugungen zunehmend wirtschaftlich bedrängt wurden und seit 1789 in mehreren Wellen nach Russland auswanderten. Eine andere Gruppe der religiösen Auswanderer bildeten die württembergischen Pietisten; letztere zogen in sog. Harmonien oder Verbindungen gen Osten, bis zum Kaukasus, um dort die «Wiederkunft Christi und die Aufrichtung seines tausendjährigen Reiches» zu erleben. Allein 1817 traten 5.508 Personen in 963 Familien aus Württemberg in mehreren Harmonien den beschwerlichen Weg nach Russland an, auf Schiffen (sog. Ulmer Schachtel) Donau abwärts, über Galatzbis nach Ismail und Odessa. Mehr als 1.000 Einwanderer, darunter zahlreiche Kleinkinder, starben unterwegs, v.a. in den Quarantänen beider letzten Städte, da etwa in Galatz die Pest herrschte. Ein Teil der Kolonisten blieb im südrussischen Raum; letztendlich gelang es 2.629 Personen oder ca. 500 Familien trotz behördlicher Widerstände in den Transkaukasus durchzukommen.
Familie Hummel im Kaukasus. Foto von 1863.
1819 beendete die Regierung offiziell die Einwerbung. Danach erfolgen nur noch vereinzelt Genehmigungen zu weiteren agrarischen Einwanderungen mit einigen – wenn auch wesentlich eingeschränkten – Privilegien, so etwa 1851 und 1859 für ca. 200 Familien preußischer Mennoniten, die Land im Gouvernement Samara an der Wolga zugewiesen bekamen. Auch nach dem Abschluss der Besiedlungs- und Urbarmachungspolitik mit ausländischen Kolonisten zogen zahlreiche agrarische Einwanderer ins Land, doch geschah es auf anderer gesetzlicher Grundlage und sie mussten sich auf eigene Kosten einrichten. Das betraf unter anderem die sog. Wolhyniendeutschen. Es handelte sich um deutsche Kolonisten aus den polnischen Gouvernements des Russischen Reiches, die dort seit dem 18. Jahrhunderts aufs Staats- oder Privatland im Rahmen des selbständigen polnischen Staates oder durch Besiedlungsmaßnahmen im Herzogtum Warschau bis 1815 und später angesiedelt wurden. Vor allem nach dem zweiten polnischen Aufstand 1863-64, angesichts der dort herrschenden innenpolitischen Spannungen, zeigten sie erhöhte Weiterwanderungsbereitschaft, vor allem in die westrussischen Gouvernements Wolhynien (als Siedlungsschwerpunkt), Podolien und Kiew. 1886 zählte man allein in Wolhynien schon 93.964 deutsche Bauern, die vorwiegend auf gepachtetem Land wirtschafteten.
Das gesamte Kolonisationsunternehmen mit ausländischen Bauern und Handwerkern verlief bis ins kleinste Detail unter Kontrolle und auf Anweisungen der russischen Regierung. Die Beamten bestimmten nicht nur die Standorte der künftigen Dörfer und ihre Gemarkungen, sondern erstellten auch Musterpläne für Siedlungen und einzelne Familienhöfe. Mit der Ablegung des Treueeides wurden die Kolonisten in den russischen Untertanenverband aufgenommen. Ihre Nachkommen fungierten somit bis zum Ende des Zarenreichs als russische Staatsbürger.
Durch einen neu geschaffenen Kolonisten-Stand wurden die Einwanderer von ihren russischen, ukrainischen oder tatarischen Nachbarn abgegrenzt und einer staatlichen Sonderverwaltung (Vormundschaftskanzlei) in St. Petersburg mit Fürsorgekontoren in Saratow und später in Odessa unterstellt. Die Einführung des Deutschen als Amts- und Schulsprache stellte ein nahezu unüberwindbares Hindernis zum Erlernen der russischen Sprache dar. Zum einen folgte es den Versprechungen im Einladungsmanifest, dass sich die Siedler ihrer Muttersprache in der Schule, beim Gottesdienst und in der Verwaltung bedienen dürfen. Zum anderen war es etwa bis Mitte des 19. Jh. eine gängige Praxis im russischen Vielvölkerreich, dass zahlreiche Ethnien ihre Muttersprache relativ frei sprechen und schreiben konnten. Und, schließlich, die sprachliche Abschottung der eingewanderten Europäer geschah von Amts wegen, um unter anderem den befürchteten Einfluss des Protestantismus und Katholizismus auf orthodoxe Bauern zu vermeiden. Ständische Schranken und konfessionelle Unterschiede spielten im Zarenreich ebenfalls eine stark trennende Rolle. Konfessionsverschiedene Ehen waren eine Ausnahme; Kinder aus Mischehen mit Russen mussten orthodox getauft und erzogen werden.
An der Wolga und im Schwarzmeerraum erwartete die Siedler aus Zentraleuropa eine fast baumlose Steppe, wo ein ausgesprochen kontinentales Klima mit extremen Temperaturschwankungen und geringen Niederschlägen herrschte. Es dauerte Jahrzehnte, bis sich die Neuankömmlinge an die ungewöhnlichen klimatischen und Bodenbedingungen in ihren Wohnorten angepasst haben und eine den gegebenen Umständen angemessene Wirtschaftsweise entstanden ist. Neben eher ungünstigen Naturbedingungen machten sich die mangelnde Eignung vieler angeworbener Kolonisten und die planerischen Inkonsequenzen der russischen Behörden bemerkbar. Die hohe Sterblichkeit während des Transports zu den Ansiedlungsgebieten und in der Anfangszeit hemmte die demographische und wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinden sehr.
In den 1780er Jahren fand die wohl wichtigste Änderung in der inneren Agrarverfassung der deutschen Siedler an der Wolga statt: aus fiskalischen Gründen wurde der Übergang von dem im Gesetz aus dem Jahr 1764 vorgeschriebenen Minoratsrecht, d.h. dem erblichen und unteilbaren Landbesitz, zur russischen Umverteilungsgemeinde, dem sogenannten «mir», eingeleitet. Demnach trat nun die Gemeinde als Besitzer des Ackerlandes und der Weidewiesen auf. Dieser Landbesitz wurde entsprechend der Zahl der männlichen «Seelen» periodisch umverteilt. Naturgemäß verringerten sich mit wachsender Bevölkerungszahl die Landanteile der einzelnen Wirte, und so entstand eine breite Schicht von Mittel- und Armbauern, Bauern, die nur geringe Überschüsse produzierten und sich durch gewerbliche Nebenbeschäftigungen wie dem Erzeugen von Sarpinka (Baumwolltextilien) einen Zusatzverdienst aufbauen mussten. Nichtsdestotrotz entwickelte sich das deutsche Ansiedlungsgebiet an der Wolga zu einer der wichtigsten getreideproduzierenden Regionen im Russischen Reich.
Die im Schwarzmeergebiet angesiedelten Bauern durften das erbliche Eigentumsrecht behalten: das einmal zugewiesene Grundstück ging ungeteilt an nur einen Erben über. Diese Agrarverfassung brachte zahlreiche Landlose hervor, die sich gezwungen sahen, neues Land zu erwerben oder zu pachten. Andererseits entstand dadurch eine starke unternehmerische Schicht von exportorientierten Weizenproduzenten und Herstellern von landwirtschaftlichen Geräten.
Die Niederlage im Krimkrieg (1853-1856) verdeutlichte den gravierenden gesellschafts-politischen Rückstand des autokratischen Russland und gab den entscheidenden Anstoß zu tiefgreifenden Reformen. Dabei handelte es sich in erster Linie um die Lösung der Bauernfrage und hier vor allem um das System der Leibeigenschaft, die eine wirtschaftliche und insgesamt gesellschaftliche Weiterentwicklung des Staates behinderte. Die Verkündung des kaiserlichen Manifests über die Befreiung der Bauern von der Leibeigenschaft am 19. Februar 1861 führte in der Folgezeit zu einer Reihe von Maßnahmen, angefangen mit der Einführung der ländlichen Selbstverwaltung (Landschaftseinrichtungen, russ. semstwo) im Jahr 1864, der anschließenden Universitäts-, Presse-, Zensur- und Rechtsreform bis zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im Jahr 1874 – alles wichtige Schritte auf dem Weg zur Formierung eines modernen Staatswesens.
Nach und nach kamen alle Gruppen der Landbevölkerung mit besonderem Status unter die allgemeine Verwaltung, so 1871 auch die einstigen Kolonisten. Seither bildete die deutsche Landbevölkerung, nun offiziell als «Siedler-Eigentümer bzw. Ansiedler-Landbesitzer (ehemalige Kolonisten)» bezeichnet, einen integralen Teil des russischen Bauernstandes. Der Schriftverkehr mit den Behörden musste fortan zwar auf Russisch erfolgen, aber das Gemeinde- und Alltagsleben war davon kaum betroffen. Historisch gewachsene Kolonistenbezirke oder Landkreise – auf Russisch nun wolost genannt – mit mehreren Siedlungen blieben erhalten und besaßen nach wie vor einen hohen Grad an lokaler Selbstverwaltung. Der Unterricht in der Dorf- oder Kirchenschule verlief – trotz einiger Änderungen – weiterhin auf Deutsch und konfessionelle Schranken wirkten auch künftig trennend. All diese Umstände erklären die im Wesentlichen erhalten gebliebenen sprachlichen und kulturellen Merkmale der Ansiedler bis zum Ende der Monarchie.
Das Alltagsleben der Kolonisten war von einer tiefen Frömmigkeit und religiösen Überzeugung geprägt. Die Pastoren und Padres genossen großes Vertrauen und Autorität im Siedlermilieu. Viele Einwanderer gingen aus religiösen Gründen nach Russland, was später nicht selten zu Gemeindespaltungen, zur Bildung von Stunden- und Brüderkreisen (auch unter den russischen und ukrainischen Bauern) und schließlich zur Ausbreitung des Baptismus und Adventismus führte. Das Schulwesen der deutschen Siedler war von Anfang an stark konfessionell geprägt; die Dorfschule bereitete die Jugendlichen in erster Linie auf die Konfirmation beziehungsweise Firmung vor. Bei allen Unzulänglichkeiten konnten diese kirchlichen Schulen den meisten Kindern das Lesen beibringen; von den Knaben wurden zusätzlich Schreibfähigkeiten und Kenntnisse im Rechnen erwartet. Erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstanden in den größeren Kolonien private und staatliche Knaben- und Mädchengymnasien, Real- und Kommerzschulen und andere Typen von Mittelschulen. Auf diese Zeit, vorzugsweise seit dem Übergang zur konstitutioneller Monarchie im Jahr 1905 («Oktobermanifest»), gehen die Anfänge der schöngeistigen Literatur und der historischen Heimatkunde zurück. Zugleich erlebte das nationale deutschsprachige Presse- und Verlagswesen seine erste Blüte.
Die Abschaffung ihrer Sonderstellung hat die deutschen Siedler aus der erzwungenen Isolation befreit und damit eine ungeahnte wirtschaftliche und soziokulturelle Dynamik ausgelöst – man vergleiche nur die Bevölkerungszahl oder die Größe des Landbesitzes zu Zeiten der staatlichen Sonderverwaltung mit solchen aus dem Jahr 1914. Ihr gesamter Landbesitz wuchs von etwa 2,1 Millionen ha im Jahr 1864 auf ca. 8 Millionen ha. Fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte im damaligen Schwarzmeergebiet wurden von Betrieben in ehemaligen deutschen Kolonien oder solchen mit russlanddeutschen Inhabern hergestellt. In den Händen deutscher Siedler an der Wolga lagen wichtige Industriezweige wie die Mühlen- oder Textilindustrie. In der russischen Wein- und Cognacproduktion spielten die schwäbischen Kolonien im Transkaukasus eine beispielgebende Rolle.
Gerade diese rasanten Entwicklungen, vor allem im Schwarzmeergebiet, sowie eine schnelle Verbreitung des protestantischen Glaubens (Stundismus) unter der russischen und ukrainischen Landbevölkerung, gekoppelt mit der Angst vor militärischer und wirtschaftlicher Potenz des ebenfalls 1871 gegründeten Deutschen Reiches, führte an der Jahrhundertschwelle zu erbitterten Pressekampagnen gegen russische Staatsbürger deutscher Herkunft, zu hastigen Russifizierungsmaßnahmen und verschiedenen einschränkenden Bestimmungen.
Von den kurz vor dem Ersten Weltkrieg geschätzten 2,4 Mio. Deutschen im Russischen Reich zählten ungefähr zwei Drittel zu den Nachkommen der einstigen «ausländischen Kolonisten»; davon lebten etwa 550.000 an der Unteren Wolga und 530.000 im Schwarzmeergebiet, vornehmlich in den einstigen Kolonistenbezirken, ferner in Wolhynien, im Nordkaukasus und verstreut in einzelnen Siedlungen im ganzen Reich. Weitere 550.000 Deutsche wurden in polnischen Provinzen (damals im Russischen Reich), im Baltikum (Deutschbalten) und in den Städten (St. Petersburg, Moskau) gezählt.
Der Landmangel und das nach der Überwindung der Anpassungsschwierigkeiten zunehmende Bevölkerungswachstum führten zu fortwährenden Auszügen aus den Mutter- oder Altkolonien und zur Gründung von zahlreichen sog. Tochterkolonien, vorerst in den benachbarten Gebieten und seit 1882 verstärkt im Ural, in Sibirien und Zentralasien. Die mit der Einführung des Militärdienstes entstandene Auswanderungstendenz dauerte mit unterschiedlicher Intensität bis zum Ersten Weltkrieg und einige Jahre darüber hinaus an. Zielorte waren in all den Jahren bezeichnenderweise nicht das Herkunftsland Deutschland, sondern die USA, Kanada und lateinamerikanische Staaten (v.a. Argentinien und Brasilien). Dort konnten die vorwiegend bäuerlichen Ausreisewilligen billiges Land erwerben und darauf hoffen, ihre traditionelle Wirtschafts- und Lebensweise zu behalten und weiterzupflegen.
Russlanddeutsche Soldaten und Sanitäter an der Kaukasus-Front 1916.
Die Weiterwanderung bis hin zur Emigration stellte in der Geschichte der russlanddeutschen Minderheit stets ein bewährtes Mittel dar, den als unzumutbar und bedrückend empfundenen sozioökonomischen oder politischen Bedingungen des Heimatortes bzw. -landes zu entkommen. Ein zusätzlicher, bei weitem nicht unbedeutender Nebeneffekt bestand darin, dass der Wegzug der ländlichen Überbevölkerung das gerade im ausgehenden Zarenreich aufkeimende soziale Konfliktpotenzial zu entschärfen vermochte. Auch aus diesem Grund nahmen deutsche Siedler in den turbulenten Jahren der ersten russischen Revolution 1905-1907 an den überall im Land aufflammenden Agrarunruhen kaum Anteil.
Für die Aktivitäten in den ländlichen Verwaltungsorganen, eingeführt im Zuge der «Großen Reformen» der 1860er Jahre, waren die Erfahrungen der deutschen Siedler, die sie jahrzehntelag bei der Ausübung der Verantwortlichkeiten auf der Dorf- und (Amts)Bezirksebene gesammelt hatten, von herausragender Bedeutung. Nicht von ungefähr waren sie vor allem in den bäuerlichen Selbstverwaltungsorganisationen der Kreis-Semstwo stets überproportional vertreten. Dasselbe galt auch für die gemischtnationalen Amtsbezirke. Dies bot die Voraussetzung für verschiedene Amtsausübungen in Gouvernementsbehörden sowie als Abgeordnete bis hin zur Reichsduma (Parlament). Typisch war in diesem Sinne die Tätigkeit von Peter L(o)uck, der 1866 bis 1891 ohne Unterbrechung der Vorsitzende des Kamyschiner Semstwo-Kreis-Amtes im Gouvernement Saratow war. Als weiteres Beispiel kann Andreas Widmer aus Bessarabien angeführt werden, der mehr als drei Jahrzehnte in der Landschaft Akkerman wirkte und als Duma-Abgeordneter die Interessen seiner Landsleute im russländischen Parlament vertrat.
Insgesamt zeichneten sich die Deutschen in Russland durch ausgeprägte Zarentreue, Reichspatriotismus und Loyalität zu der vorherrschenden sozialen und politischen Ordnung aus. Von der Führungsschicht des Staates wurden sie bis Ende des 19. Jh. als systemstabilisierend betrachtet. Beziehungen zu der Heimat der «Urväter» waren in dieser Zeit kaum vorhanden, und waren dann weniger politischer als vielmehr kultureller Natur. Vor allem die deutsche Muttersprache und die als deutsche Tugenden empfundenen Eigenschaften wie Fleiß, Sparsamkeit, Nüchternheit, Rechtschaffenheit, Ordnungsliebe und dergleichen galt es zu bewahren und weiter zu pflegen.
Unter den im Vergleich zur alten Heimat Deutschland völlig anderen politischen, sozialen, geographischen und klimatischen Bedingungen begann sich allmählich ein neues gruppenbezogenes Selbstverständnis herauszubilden. Das kennzeichnete vor allem die in einem kompakten Siedlungsgebiet lebenden Wolgadeutschen mit ihrem starken Zusammengehörigkeitsgefühl. Allerdings hatte sich im Zarenreich noch keine übergreifende nationale Identität herausgebildet; man nannte sich nach den jeweiligen geographischen Siedlungsgebieten etwa als deutsche Wolgakolonisten bzw. Wolgadeutsche, Schwarzmeerdeutsche (oder südrussische Kolonisten), auch Bessarabien- und Krimdeutsche, südrussische Mennoniten, Kaukasus- oder auch Wolhyniendeutsche. Nicht minder wichtig war die konfessionelle Zugehörigkeit; oft verstand man sich in erster Linie als Katholik, Lutheraner, Baptist oder Mennonit und nur dann eben als ein Deutscher.
Ungeachtet der sich besonders seit dem Ende des 19. Jahrhunderts häufenden diskriminierenden Maßnahmen im wirtschaftlichen und sprachlich-kulturellen Bereich sowie einer wachsenden deutschfeindlichen Stimmungsmache führte das entstandene nationale Selbstverständnis und -bewusstsein der ehemaligen Kolonisten mit ihrer traditionell verwurzelten Hochachtung der Gesetzestreue und Pflichterfüllung zu einer eindeutigen Parteinahme zugunsten des Russischen Reiches im Ersten Weltkrieg: Zehntausende Schwarzmeer- und Wolgadeutsche kämpften als russische Soldaten an der Front gegen Deutschland und seine Verbündeten. Im Verlauf des Krieges mussten sie ungerechtfertigte Beschuldigungen über ihre angebliche Unzuverlässigkeit, ihren mangelnden Patriotismus oder sogar heimliche Sympathien mit dem Feind erdulden und wurden zusätzlich durch die gesetzlichen Schritte zur Liquidierung ihres Landbesitzes maßlos enttäuscht. Das führte zur enthusiastischen Begrüßung der bürgerlichen Februarrevolution 1917, die anstelle der Monarchie die demokratische Republik ausrief und alle nationalen und konfessionellen Beschränkungen aufhob.
Die Nationalitätenpolitik der sowjetischen Führung war eine Ansammlung von Maßnahmen, die eine möglichst umfassende Nutzung der Ressourcen bei gleichzeitiger Umerziehung der Bevölkerung entsprechend den aktuellen Beschlüssen der obersten Parteigremien anstrebten. Sie ist als Politik bezüglich einer ethnischen Gruppe zu verstehen, bestand aus politischen, administrativen, juristischen, ökonomischen, kulturellen u.a. Programmen und Maßnahmen. Sie wurde auf die Kurzformel «Der Form nach national, dem Inhalt nach sozialistisch» gebracht, wobei es auf den Inhalt ankam.
So wurden die für die Rote Armee während des russischen Bürgerkrieges (1917-1922) zum großen Teil zwangsmobilisierten Wolgadeutschen nach Beendigung der Kampfhandlungen in Einheiten der «Deutschen Arbeitsbrigade» (1.668 Mann) im Bestand der «2. Revolutionären Arbeitsarmee» zum Eisenbahn- und Straßenbau eingesetzt. Diese Arbeitsbrigade bestand aus 3 Regimentern. Für jedes davon wurden 1000 Fuhrwerke mobilisiert. Die Mannschaften und die Fuhrwerke fehlten folglich bei der Landbestellung, was wiederum zu einer Verringerung der Aussaat und einem erheblichen Ernteausfall führte. Im März-April 1921 kam es landesweit zu Bauernaufständen, auch im Autonomen Gebiet der Wolgadeutschen. Die Rote Armee hat diese unter Einsatz von Artillerie und Maschinengewehren niedergeschlagen. Allein beim Sturm der Kolonie Mariental kamen ca. 550 Bauern ums Leben. Im Kanton Marxstadt wurden 286 Aufständische hingerichtet.
Die Regierung zog zwangsweise Lebensmittel ein, darunter auch Saatgetreide. Durch den Bürgerkrieg und die Politik des «Kriegskommunismus» war die Landwirtschaft ruiniert. Es brach eine Hungersnot aus, der ca. 150.000 Wolgadeutsche zum Opfer fielen, etwa 26,5% der wolgadeutschen Bevölkerung. Im Juli 1922 bekamen, nach offiziellen Angaben der Verwaltung des Gebiets, 91% der Bevölkerung Lebensmittelhilfe von der «Verwaltung des Amerikanischen Hilfswerks» (A.R.A.) und dem Internationalen Kinderhilfsfonds. In der Region Altaj hungerten im Sommer 1921 41% der Bevölkerung. Zur Hungersnot kam es auch im Südural, in der Südukraine und im Nordkaukasus. Hier kam Hilfe von der A.R.A. und der Mennonitischen Hungerhilfe.
Es folgte eine Umverteilung der landwirtschaftlichen Nutzflächen, in deren Ergebnis deutsche und vor allem mennonitische Siedlungen einen großen Teil ihrer Flächen verloren. Die verbliebenen Felder reichten für eine rationale (über den Eigenbedarf zum Überleben hinaus) Wirtschaftsführung vielfach nicht mehr aus. Zudem wurde Menschen anderer Volkszugehörigkeit Land in deutschen und mennonitischen Siedlungen zugeteilt. Die Vereinigte Staatliche Politische Verwaltung (OGPU) hatte zwecks der Sowjetisierung des Dorfes vorgeschlagen: «unverzüglich mit der Ausweisung ins Ausland der unerwünschten Elemente aus den Reihen der Mennoniten zu beginnen». Dem 1922 registrierten «Verband der Bürger holländischer Herkunft» gelang es nicht nur nennenswerte Hilfe zu bekommen, sondern auch die Auswanderung von ca. 21 800 Mennoniten aus der UdSSR in den Jahren 1923-1929 zu organisieren. Die sogenannte Neue Ökonomische Politik (NEP), die kurzzeitig eine Liberalisierung der Wirtschaft bedeutete, war nur eine kurze Auszeit von der Enteignungspolitik der Bolschewiki. Bereits ab 1928 wurde die Enteignung der Bauern und die Kollektivierung der Landwirtschaft energisch fortgesetzt. So wurde auf dem I. Kongress der Kolchose-Mitglieder der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (ASSR) der Wolgadeutschen im Dezember 1929 beschlossen, das gesamte Eigentum der Bauern, einschließlich Kleinvieh, Geflügel und Hausrat zu kollektivieren. Dagegen haben sich Bauern in mehr als 30 Siedlungen der Kantone Frank und Kamenka aufgelehnt. Der Widerstand wurde von bewaffneten Truppen der Geheimpolizei «Vereinigte staatliche Verwaltung» (OGPU) niedergeschlagen.
Die Kollektivierung der Landwirtschaft hat binnen kurzer Zeit in allen deutschen Siedlungsgebieten eine Auswanderungsbewegung aufkommen lassen. Landwirtschaftliche Betriebe wurden unter Wert verkauft oder auch einfach aufgegeben. Das Land konnten allerdings nur 5.750 Personen verlassen. Mehrere Tausend Auswanderungswillige wurden aus der Umgebung von Moskau, wo sie auf die Auswanderungsgenehmigung warteten, zwangsweise in ihre Siedlungsgebiete oder gleich nach Sibirien abtransportiert.
Am 30. Januar 1930 beschloss das Zentralkomitee der Kommunistischen Allunions-Partei (Bolschewiki) – kurz ZK der WKP(B), wie sich die Kommunistische Partei in der Sowjetunion von 1925-1952 nannte, die durchgehende Kollektivierung und die Liquidierung der wohlhabenden Bauern («Kulaken») als Klasse. Zum 1. Februar 1930 wurden in der ASSR der Wolgadeutschen bereits 476 Personen verhaftet. Zur Durchsetzung der Enteignung und Kollektivierung der Landwirtschaft trafen in der Wolgarepublik 318 Industriearbeiter ein. Laut Plan sollten «aktive Konterrevolutionäre» (570 Bauernwirtschaften) verhaftet, 1.600 Familien aus dem Gau Untere Wolga ausgewiesen, 280 Familien aus der Wolgarepublik ausgesiedelt und 4.900 Familien in «Kulakensiedlungen» der OGPU in Kasachstan und Sibirien eingewiesen werden. Im Verlauf der Kampagne wurden 1930-31 insgesamt 24.202 Personen, d.h. 3,7 % der Bevölkerung aus der Wolgarepublik verbannt. Die durchgehende Kollektivierung der Landwirtschaft kostete in der Wolgarepublik über 55.000 Menschen das Leben, mehr als 100.000 sind vor dem Hunger in andere Landesteile geflohen. Noch schlimmer waren die Ukraine und der Nordkaukasus betroffen, deren Bevölkerung am Verlassen ihrer Siedlungsgebiete durch Straßensperren der OGPU und des Militärs gehindert wurde. Die von der Sowjetregierung wissentlich herbeigeführte Hungersnot kostete mehrere Millionen Menschen das Leben und wird in der Ukraine als «Holodomor» (1932/33), als Genozid, bezeichnet. Hilfe kam aus dem Ausland. Aus ideologischen Gründen wurde die Hungerhilfe aus Deutschland als «Hitler-Hilfe» apostrophiert und deren Entgegennahme ab 1934 als konterrevolutionäre Handlung mit dem Tod bestraft. Die Trennung des Staates von der Kirche und der Kirche von der Schule sollte die Heranbildung eines neuen, sozialistischen Menschen möglich machen. Die Geistlichen wurden mit hohen Steuern belegt, ihnen wurden die Bürgerrechte aberkannt und jegliche pastorale und erzieherische Betätigung verboten.
Der größte Teil der Lehrer und der Bildungsschicht hat ihre Wohnorte während des Bürgerkriegs verlassen, wurde des Amtes enthoben oder starb den Hungertod (1921-22, 1923-24, 1932-33). Allein in der ASSR der Wolgadeutschen fehlten 1924 ca. 2000 Lehrer. Das machte sich beim Bildungsstand unmittelbar bemerkbar. Waren vor dem Ersten Weltkrieg 80 % der wolgadeutschen Kinder des Lesens und Schreibens kundig, so fiel deren Anteil 1920 auf 41,8 %, 1928 auf 38,6 %. Der Aufbau eines sozialistischen Schulwesens und die Heranbildung systemkonformer Lehrer trugen nur langsam Früchte. Im Herbst 1940 konnten erst ca. 72 % der Schüler genügende Lernleistungen vorweisen.
Der Versuch, die deutsche Bevölkerung durch eine deutschsprachige Verwaltung (deutsche nationale Rayons und Dorfräte) zu «Sowjetmenschen» zu erziehen, wurde für die Ukraine bereits 1935 von der WKP(B) als gescheitert beurteilt. Danach folge die Verhaftung zahlreicher Partei- und Verwaltungsfunktionäre. Lehrer, Journalisten, Schriftsteller wurden verhaftet und als «Volksfeinde» hingerichtet oder zu langjähriger Lagerhaft verurteilt. Nach Abschluss der «Großen Säuberung» (1937-1938)wurden alle deutschen Schulen außerhalb der Wolgarepublik in «Sowjetschulen gewöhnlichen Typs» umgewandelt. Im Oktober 1938 wurden die deutschen nationalen Rayons im Gebiet Orenburg und in der Region Altaj aufgelöst und am 19. Februar 1939 beschloss das ZK der WKP(B) alle, nicht nur die deutschen, nationalen Dorfräte und Rayons außerhalb der Wolgarepublik «als künstlich geschaffene» in «gewöhnliche» umzuwandeln, in denen nur noch russisch als Amtssprache galt.
Mit Inkrafttreten des Gesetzes über die allgemeine Wehrpflicht am 1. September 1939 wurden die deutschen Rekruten entsprechend ihrem Geburtsort in Zuverlässigkeits-Kategorien eingeteilt. Der ersten Kategorie wurden die Wolgadeutschen, der 2. Kategorie die in grenznahen Regionen (Ukraine, Weißrussland, Gebiet Leningrad) und der 3. in anderen Regionen Geborene zugerechnet. Die Wolgadeutschen wurden als Zuverlässige zum Wehrdienst auf allgemeiner Grundlage einberufen und konnten in allen Waffengattungen, auch in Grenznähe eingesetzt werden. Rekruten der Kategorie 2 wurden, wie auch Letten, Esten, Litauer, Bulgaren, Griechen, Türken und Rumänen aus den grenznahen Regionen, zum Wehrdienst nicht eingezogen, sondern nur erfasst, alle anderen deutschen Rekruten wurden für die inneren Wehrbezirke eingezogen.
Das Misstrauen gegen die deutsche Zivilbevölkerung war seit dem Ende des 19. Jahrhunderts manifest und führte nicht nur während des Ersten Weltkrieges zu Deportationen. Im Zuge der Kollektivierung wurden mehrere Tausend Deutsche aus der Ukraine in den sogenannten «Kulakensiedlungen» der OGPU in der Nordregion (Archangelsk) und Zentralkasachstans (Karlag) verbannt. 1935-1936 wurden 15.000 polnische und deutsche Familien aus Wolhynien nach Kasachstan «umgesiedelt», ihnen mussten 1936 weitere polnische und deutsche Familien aus einem 7,5 km breiten Grenzstreifen folgen. 1939 wurden dann Menschen aus grenznahen Landkreisen der West- und Südukraine deportiert, Familienangehörigen der 1937-38 während des «Großen Terrors» Repressierten verschiedener Volkszugehörigkeit. Im Juni 1940 wurden- alle Deutschen aus der Stadt und dem Gebiet Murmansk zwangsweise an einen anderen Ort gebracht.
Nach Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges kam das Misstrauen der sowjetischen Führung gegen die gesamte deutsche Bevölkerung, auch der Wolgadeutschen, in vollem Umfang zum Tragen. Ende Juli 1941 wurden die deutschstämmigen Soldaten und Unteroffiziere von der Front abgezogen und in Baubataillone, ab Herbst in Arbeitskolonnen der KGB-Vorgängerorganisation «Volkskommissariat für innere Angelegenheiten» (NKWD) überstellt. Mitte August befahl das Oberkommando der Roten Armee die Deportation aller Deutschen von der Halbinsel Krim. Am 26. August ordnete der Militärrat der Leningrader Front die «unbedingte Evakuierung der deutschen und finnischen Bevölkerung aus den stadtnahen Rayons der Stadt Leningrad» und der Militärrat der Südfront der Deutschen aus den Gebiet Dnepropetrovsk an. Das ZK der WKP(B) und der Volkskommissarenrat der UdSSR fassten den Beschluss «Über die Umsiedlung der Deutschen aus der Republik der Wolgadeutschen, den Gebieten Saratow und Stalingrad». Im Erlass des Obersten Sowjets der UdSSR vom 28. August 1941 wurde behauptet: «Laut genauen Angaben, die die Militärbehörden erhalten haben, befinden sich unter der in den Wolgarayons wohnenden deutschen Bevölkerung Tausende und Abertausende Diversanten und Spione, die nach dem aus Deutschland gegebenen Signal Explosionen in den von den Wolgadeutschen besiedelten Rayons hervorrufen sollen.» Im Laufe des Herbstes fand die Deportation aller Deutschen (per 25. Dezember 1941: 894.626 Personen) aus dem europäischen Teil der UdSSR, aus Georgien, Armenien und Aserbaidschan statt. 18.600 Männer aus der Ostukraine wurden sofort in Lager des Gulag im Ural überstellt. Das Misstrauen reichte so weit, dass auch im Ural, in Kasachstan und Usbekistan Deutsche aus den Hauptstädten und Gebietszentren in entlegenere Gegenden umgesiedelt wurden.
Unter zum Teil chaotischen Bedingungen wurden die ca. 900.000 deportierten Deutschen in Regionen mit hohem Arbeitskräftebedarf eingewiesen. Am 10. Januar 1942 wurde die Mobilisierung von 120.000 deutschen Männern im Alter von 17 bis 50 Jahren für die Arbeitskolonnen für die Dauer des Krieges angeordnet. Im Beschluss des Staatlichen Verteidigungskomitees vom 14. Februar 1942 war die Rede schon von allen Männern dieses Alters. Im Oktober 1942 wurde das Alter der zusätzlich zu mobilisierenden Deutschen erweitert auf von 15 bis 55 Jahren und gleichzeitig die Mobilisierung von Frauen im Alter zwischen 16 und 45 Jahren, die nicht schwanger waren und keine Kinder unter 3 Jahren hatten, befohlen.
Das vorrangige Ziel des Staates war es nun, die Deportierten und Arbeitsmobilisierten dauerhaft an ihre Einsatzorte zu binden. Diesem Ziel diente die Bindung der Arbeitskräfte an ihre Betriebe auch nach der Auflösung der Arbeitskolonnen des Gulag, die Einführung des Regimes der Sondersiedlungen des NKWD (Februar 1944) und der Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 24. November 1948. Dieser Erlass bezeichnete die Deutschen und anderen deportierten Völkern zugewiesenen Wohnorte für ewige Zeiten ohne Rückkehrrecht in die früheren Siedlungsgebiete. Das unerlaubte Entfernen wurde mit 20 Jahren Zwangsarbeit bedroht.
Eine Lockerung des Regimes der Sondersiedlung begann 1954 (für Minderjährige, Ordensträger, Kommunisten, Fachleute ausgewählter Berufe u.a.). Die Aufhebung des Regimes der Sondersiedlung wurde vom Obersten Sowjet der UdSSR am 13. Dezember 1956 beschlossen. Zugleich wurde aber ein Verbot auf die Rückkehr in die Siedlungsgebiete der Vorkriegszeit verhängt. Jeder deportierte, für die Arbeitskolonnen mobilisierte oder repatriierte Deutscher musste vor seiner Entlassung aus der Sondersiedlung eine entsprechende Erklärung unterschreiben. Das Rückkehrverbot wurde für die Ukraine durch Regierungsbeschlüsse 1956 und 1958 bekräftigt.
Vor dem Rückzug der deutschen Truppen aus der besetzten Ukraine wurden ca. 350.000 «Volksdeutsche» «heim ins Reich» geholt. Nach Kriegsende «repatriierten» sowjetische Behörden über 210.000 von ihnen von polnischem, tschechischen und deutschem Gebiet und verbrachten sie in Sondersiedlungen des NKWD. Da diese Personen 1944 die deutsche Staatsangehörigkeit bekamen, galten sie als besonders gefährlich und standen bis zur Vollendung des 70. Lebensjahrs unter operativer Überwachung der Sicherheitsbehörden.
Das bei der Deportation konfiszierte Eigentum aller Deportierten wurde nicht erstattet und blieb endgültig verloren. Die gegen die Wolgadeutschen 1941 erhobenen Anschuldigungen der Kollaboration mit dem Feind wurden bei der Teilrehabilitierung durch das Dekret des Obersten Sowjets der UdSSR vom 29. August 1964 als pauschal und unbegründet fallen gelassen. Sie sollten aber, wie alle anderen Deutschen, weiterhin in den Verbannungsorten bleiben. Diesem Ziel dienten mehrere Kampagnen der KPdSU zur Sesshaftmachung in den Gebieten der Zwangsansiedlung, insbesondere auch nach der formellen Aufhebung des Rückkehrverbots 1972. In den Jahren 1989-1990 wurde immerhin unter Einbeziehung der Gesellschaft «Wiedergeburt» versucht, Deutsche für die Rückkehr an die Wolga und in fünf Gebiete der Ukraine zu gewinnen, da die demographische Entwicklung zu einer fortschreitenden Überalterung und einem akuten Arbeitskräftemangel in ehemals deutschen Siedlungen geführt hatte. Sowohl die ukrainische, als auch die russische Regierung haben diese Bemühungen der regionalen Verwaltungen zum Scheitern gebracht.
Auf den Gebieten Bildung und Kultur fiel die deutsche Bevölkerung im Vergleich mit den anderen Völkern der UdSSR auf einen der hinteren Plätze zurück. In Kasachstan lebte 1989 ca. die Hälfte aller Deutschen. 4,83 % der deutschen Bevölkerung Kasachstans hatte eine abgeschlossene Hochschulbildung, 8,4 % besaßen nicht einmal einen Grundschulabschluss. Für die russische Bevölkerung sahen diese Werte wie folgt aus: 10,9 % bzw. 5,1 %. In der kasachischen Bevölkerung – 10,3 % bzw. 6 %. Von zahlreichen Studiengängen (Jura, zivile Luftfahrt, Journalistik, internationale Beziehungen, Medizin u.a.) waren die Deutschen landesweit ausgeschlossen. Für die übrigen wurde die Anzahl deutscher Studenten durch ein Quotensystem niedrig gehalten. Deutsch hatte seine Rolle als Sprache der Wissenschaft und der täglichen Kommunikation weitgehend verloren. Ein Rückzugsort waren Glaubensgemeinschaften, die in ihrer Tätigkeit bis in die Mitte der 1980er Jahre unter behördlichem Druck standen. Laienkunst-Kollektive wurden in kompakten Siedlungsgebieten als Instrument der ideologischen Erziehung zugelassen. Das Repertoire musste vorab abgestimmt werden.
Die Unzufriedenheit in Teilen der Bevölkerung, vor allem der «Repatriierten», die Verwandte in Deutschland hatten, ließ schon während des Bestands des Regimes der Sondersiedlung eine Auswanderungsbewegung aufkommen. 1955 waren beim Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes ca. 130.000 Ausreisewillige registriert. Zu Beginn der 1970er Jahre kam es zur Bildung eines Netzwerkes von Ausreisewilligen, die ihren Wohnsitz in den baltischen Republiken, in Sibirien, Kasachstan, Kirgisien und Usbekistan hatten. Dieses Netzwerk hat Sitzstreiks in Moskau und Tallinn, Unterschriftensammlungen u.a. öffentlichkeitswirksame Aktionen durchgeführt. Das ZK der KPdSU reagierte darauf 1974 mit dem Beschluss «Über Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeit unter den Bürgern der UdSSR deutscher Nationalität» und 1984 mit dem Beschluss «Über Gegenmaßnahmen zu den Propagandakampagnen im Westen rund um die Frage der Lage der Bürger deutscher Nationalität». Die Propaganda und teilweise auch repressiven Maßnahmen der KPdSU und der staatlichen Organe konnten nach der Unterzeichnung der Schlussakte der KSZE und der schrittweisen Öffnung der UdSSR keine entscheidende Wirkung mehr erzielen.
Die 1986 eingeleitete Politik der Glasnost‘ und Perestroika machte das landesweite Anwachsen einer Bewegung für die vollständige Rehabilitierung der Deutschen und die Wiederherstellung der Autonomen Republik an der Wolga möglich. Fehlendes Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Systems und die 1987 erfolgte Änderung des Gesetzes der UdSSR über die Ein- und Ausreise waren entscheidend für die massenweise Ausreise der «Russlanddeutschen» nach Deutschland. Nach der Auflösung der UdSSR (8. Dezember 1991) und dem Zusammenbruch der zentral gelenkten Planwirtschaft spielten Versorgungsengpässe, ausbleibende Lohnzahlungen, bewaffnete Konflikte im Nord- und Südkaukasus sowie in Mittelasien, eine zunehmende Islamisierung und die Verdrängung der «nicht titularen» Bevölkerung aus den nach Souveränität und Homogenisierung strebenden Nachfolgestaaten der UdSSR eine zunehmende Rolle bei der Entscheidung nach möglichst umgehender Auswanderung nach Deutschland. Wer dies nicht konnte, suchte für sich eine neue Bleibe in Russland oder der Ukraine.[1]
Andreas Prediger † ein Wolga-deutscher Künstler
»Ich träumte immer in Bildern«
Geboren 1926, gehörte er zur älteren Generation der Russlanddeutschen. Andreas musste selbst den schweren Leidensweg gehen, auf den die bolschewistische Verfolgung die Deutschen in der Sowjetunion schickte. Hungersnot und Drangsalierung bereits in den 20er und 30er Jahren, dann aber vor allem Deportation, Zwangsarbeit und der »Sondersiedler«- Status zwischen 1941 und 1955, brachten Tod und Elend für Hunderttausende seiner Landsleute, dazu Trennung derFamilien und Verlust der angestammten Heimat. Als Andreas sechs Jahre alt war, vertrieb der Hunger seine Eltern, die sechs Geschwister und ihn aus seinem Geburtsort Marienfeld  in der damaligen Wolgadeutschen Republik  (in dieser Region hatten schon von 1764 an Deutsche gesiedelt, die die Zarin Katharina II. eingeladen hatte). Sie kamen zunächst nach Minsk/Weißrussland, wo der Vater jedoch weder Arbeit noch eine Wohnung finden konnte, und so zog die Familie weiter nach Maikop im Nordkaukasus.  Hier herrschte ebenfalls große Hungersnot, und seine Eltern und die Kinder litten schwer unter den Entbehrungen, an denen zwei Schwestern und ein Bruder zugrunde gingen. Dann nahmen sie Verwandte in Sestafoni/Georgien auf, wo der Vater starb.  Andreas besuchte dort für ein Jahr eine deutsche Schule und danach eine russische. Nachdem seine Mutter 1936 erneut geheiratet hatte, zog die Familie nach Tbilisi, wo Andreas die 6. Klasse der Mittelschule beendete. 1941 verlegte man sie zunächst an die Wolga, deportierte sie jedoch bald danach – gemäß dem berüchtigten Erlass des Obersten Sowjet vom 28.08.1941 – nach Ost-Kasachstan, wo in einem Bergwerk Zwangsarbeit zur Förderung von Wolfram zu leisten war.  Hier starb sein Bruder Josef an Tuberkulose. Andreas musste ab seinem 14. Lebensjahr wie ein Erwachsener arbeiten und konnte dennoch 1942 die 7. Klasse abschließen. Ende 1942 in die Trudarmee nach Westsibirien »mobilisiert« und von seiner Familie getrennt, lebte er bis 1946 unter schlimmsten Verhältnissen in einem Arbeitslager und war bis 1954 als Hauer zwangsweise unter härtesten Bedingungen und großen Gefahren unter Tage in einer Kohlengrube in Prokopjewsk eingesetzt; trotz all dieser extremen Belastungen schaffte er in einer Abendschule 1949 den Schulabschluss der 10. Klasse. 1946 heiratete er Pauline Gräfenstein; sie gebar ihm sieben Kinder.
Von 1954 bis 1989 verdiente er seinen Lebensunterhalt als Lehrer und Kunsterzieher an einer Mittelschule, danach als Dekorateur. Sein seit der Kindheit verfolgtes Ziel, Maler zu werden, erreichte er erst richtig mit 35 Jahren, als er endlich einen Fernkurs am Pädagogischen Institut von Krasnojarsk (Sibirien) für »Malen und Zeichnen« belegen durfte, den er 1966 erfolgreich abschloss.  Mehrere Anträge an den Obersten Sowjet der UdSSR waren zuvor wegen seiner deutschen Volkszugehörigkeit abgewiesen worden. In seiner Freizeit malte er; ab 1967 stellte er seine Bilder wiederholt in Prokopjewsk, nach 1985 auch in anderen Städten der ehemaligen UdSSR aus. 1992 geschah dies zum ersten Mal auch in Deutschland (Düsseldorf, Berlin, München), nachdem eine große Ausstellung russlanddeutscher Künstler in Moskau 1991 ihm auch übernationale Beachtung eingebracht hatte. 1993 übersiedelte er mit Teilen seiner Familie nach Bayern und lebte seitdem in Bad Reichenhall. Hier malte er weiter und präsentierte und erläuterte seine Werke in mehr als 70 Ausstellungen an verschiedenen Orten sowie in vielen Publikationen; auch in den USA und in Südamerika konnte er diese punktuell bekanntmachen. Die bitteren Erlebnisse seiner ersten 28 Lebensjahre lasteten schwer auf der Seele von Andreas. Sie waren ein starker Antrieb für sein Schaffen und sind der Schlüssel für das Verständnis eines Teils seiner Werke. Damit sind vor allem jene Bilder gemeint, die die Besonderheit seiner Kunst ausmachen. »Ich male die Geschichte meines Volkes« sagte er, nach dem Grundanliegen dieser Darstellungen gefragt. Sie handeln vor allem auch von der Verfolgung und den Leiden der Russlanddeutschen. Diese Bilder rühren an, denn sie vermitteln eine tiefe Verletztheit der Seele, das traurige Fragen nach dem Warum und deutliche Klage.  All dies ist kompositorisch oft plakativ und als Collage ins Bild gesetzt. Der Betrachter sieht sich dann sinnbildlichen Andeutungen und direkten Aussagen zu Personen, Szenen und historischen Bezügen gegenüber; diese zwingen ihn, sich mit dem komplex Dargestellten zu  befassen. Das genau lag in der Absicht des Künstlers: er wollte die Menschen aufrütteln, mit dem Schicksal der Russlanddeutschen konfrontieren und so gegen das Vergessen wirken. Seinen Landsleuten wollte er Mut zur Identität mit der eigenen Geschichte machen. Insgesamt ging es ihm darum, Hemmschwellen und Vorurteile ihnen gegenüber abzubauen. Andreas Prediger malte außer zur Geschichte seines Volkes viele andere Bilder mit gleicher Leidenschaft und Sorgfalt. Seine religiösen Kompositionen zeugen von seinem tiefen Glauben. Die Portraits, Landschaften (Sibirien und Deutschland) und Stillleben geben Eindrücke aus seinem Lebenskreis zu verschiedenen Zeiten wieder. Auch über seine Malerei hinaus setzte sich Andreas Prediger für die Rehabilitierung und Belange der Wolgadeutschen ein. In Russland gehörte er der Gruppe »Wiedergeburt« und dem »Internationalen Verband der Deutschen Kultur« an; hier in  Deutschland war er Mitglied im »Arbeitskreis Bildende Kunst« der Russlanddeutschen Landsmannschaft, in der »Laufener Palette« sowie der »Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege«. Sein Schaffen wurde offiziell gewürdigt, auch wiederholt in den Medien.  Höhepunkte waren die Verleihung der »Ehrengabe des Russlanddeutschen Kulturpreises des Landes Baden-Württemberg« für sein Lebenswerk (Dezember 2000) sowie die zwei großen Personal-Ausstellungen (jeweils 250 Arbeiten) in seiner neuen Heimatstadt Bad Reichenhall (Januar 2001 bzw. 2006). Am 24. Juli 2017 verstarb Andreas Prediger in Bad Reichenhall. Sein Grab befindet sich dort auf dem Friedhof St. Zeno.[2]
Kohlezeichnungen auf Packpapierfahnen hängen am 1.12.2003 in der Martinskirche von Lahr-Dinglingen (Ortenaukreis). Die Arbeiten des russlanddeutschen Künstlers Nikolaus Rode waren Teil einer Ausstellungsreihe von zehn russlanddeutschen Künstlern in zehn Kirchen in und um Lahr unter dem Motto «Nach Hause kommen».
Obwohl Russlanddeutsche mit 2,4 Millionen die größte Gruppe unter den 6,5 Millionen deutschen Wählern mit Migrationshintergrund darstellen, wurden sie von der soziologischen Forschung lange Zeit vernachlässigt. Dennoch wird ihnen immer wieder eine verstärkte Affinität zu rechtskonservativen Parteien und Positionen unterstellt. Nikolai Klimeniouk mit einer Analyse.[3]

[1] Autor Text Teil I: «Von der Anwerbung unter Katharina II. bis 1917» Dr. Viktor Krieger wurde 1959 im Gebiet Dschambul, Kasachstan, geboren. Er studierte in Nowosibirsk und promovierte über deutsche Siedler in Kasachstan zur Zarenzeit an der Akademie der Wissenschaften in Alma- Ata. 1991 siedelte er nach Deutschland über. 1992-93 war er im Generallandesarchiv Karlsruhe beschäftigt. Zurzeit freiberuflicher Historiker und Lehrbeauftragter des Historischen Seminars an der Universität Heidelberg. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen im Kontext der multikulturellen und -konfessionellen Vielvölkerstaaten Russland und die Sowjetunion, insbesondere in Zentralasien seit Ende des 19. Jh. bis heute.
Autor Text Teil II: «Nationalitätenpolitik gegenüber der deutschen Minderheit in der Sowjetunion von 1917 bis zur Perestrojka» Dr. Dr. h.c. Alfred Eisfeld ist 1951 (Siedlung Uwa, ASSR Udmurtien) geboren. Seine Ausbildung absolvierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort promovierte er zum Dr. phil., Historiker der Länder Ost- und Sudosteuropas. Er ist Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission für die Deutschen in Russland und der GUS. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Geschichte Russlands und der UdSSR, Nationalitätenpolitik der UdSSR, Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen, Zivilbevölkerung in der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkrieges, deutschsowjetische/ russische Beziehungen.
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