Salach Meschijew

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Mufti eines Massenmörders

 Der Mufti von Grosnji Salach Meschijew konnte 2018 Audienzen und Privatbesuche in Deutschland tätigen und kommt nun am Tag der Deportation zu Besuch nach Belgien.

Der Mufti von Grosnji Salach Meschijew konnte 2018 Audienzen und Privatbesuche in Deutschland tätigen, ua in Berlin sowie München und soll am Tag der Deportation druch Stalin (23.02.2019) nach Belgien auf Besuch bei Ramsan Sataev kommen. Zugleich zeichnet sich dieser Mufti durch die bedingungslose Unterstützung des Regimes des syrischen Präsidenten Bashir Assad aus. Die Entsendung von Tschetschenen, um in der Militärpolizei in Syrien zu dienen, ist verknüpft mit Anweisungen, die ihnen von Salach Meschijew gegeben werden.

Bereits unter seinen Vorgänger Magomed Hiytanaev und Sultan Mirsajew wurde Tschetschenien öffentliches und privates Leben immer stärker islamisiert. Die Aufgabenteilung mit Ramsan Kadyrow wurde folgendermaßen beschrieben: »Während Ramsan Kadyrow als Präsident fungiert für den Aufbau der Infrastruktur und Ruhe auf den Straßen sorgt, ist Mufti Mirsajew für die „geistig-moralische Wiedergeburt der Tschetschenischen Republik« zuständig.« 
Wie ambivalent die Aufgabenteilung sein kann, sieht man auch daran, dass diverse Religiöse Führer aus Tschetschenien Absolvent der Fakultät für Bauingenieurwesen des Grosnji Petroleum Institut sind.

Im Allgemeinen scheint es mit der theologischen Sattelfestigkeit von Ramsan Kadyrow nicht besonders gut bestellt zu sein. Wie rudimentär seine Kenntnisse des kanonischen sunnitischen Islam sein dürften, den er mit Elementen des traditionellen Islam der Sufi-Bruderschaften zu verschränken versucht und der Materie der christlichen Lehre kombiniert, dokumentieren immer wieder grotesk bis erratisch anmutende Aktionen Kadyrows. Neben seinem Faible für Vater Frost und der Nutzung von Weihwasser, scheint er eine besondere Vorliebe für die Benennung aller wichtigen islamischen Institutionen und Moscheen nach bestimmten Persönlichkeiten, insbesondere der seines Vaters, entwickelt zu haben, was gegen ein zentrales Gebot des konventionellen sunnitischen Islam verstößt. Überdies droht seine pervertierte Vereinnahmung des traditionellen Islam zur Islamisierung der tschetschenischen Gesellschaft entlang orthodoxer sunnitischer Positionen dessen grundsätzlich moderaten Kern zusehends auszuhöhlen und damit als Bollwerk gegenüber dem Salafismus zu zerstören.

Darüber kann auch kaum die Ahl al-Sunna wa’l-Jama’ah (Internationale Sunnitenkonferenz in Grosnji 2016) trotz Teilnahme von anerkannten Sufi Gelehrten wie al-Habib Omar bin Mohammed bin Salim bin Hafiz oder der Sohn von Mohamed Saïd Ramadân al Boutî nicht hinwegtäuschen. 
Schließlich war die August-Konferenz islamischer Gelehrter in Grosnji an den 65. Geburtstag von Kadyrovs verstorbenem Achmat Abdulchamidowitsch Kadyrowgebunden. Ihr erklärtes Ziel war es, den angeblichen Missbrauch islamischer Ideen zur Verbreitung von »Extremismus« zu diskutieren und die Kriterien festzulegen, um zu bestimmen, wer als wahrer Anhänger der Sunna (die Lehren des Propheten Muhammad) gilt.

Auch die Teilnahme von Ahmad Mohammad al-Tayyeb, welcher 2010 zum Scheich der Azhar ernannt wurde und als solcher auch gleichzeitig Imam der al-Azhar-Moschee ist, sollte nicht verwundern. Schließlich unterstütze dieser während der Staatskrise in Ägypten 2013/2014 von Beginn an den Militärratschef Abd al-Fattah as-Sisi. al-Tayyeb gilt als »Sprachrohr des Regimes«, der der Politik al Sisis »ein islamisches Mäntelchen um[hängt]« und im Gegenzug dafür mit einer politischen Aufwertung der al-Azhar durch einen verstärkten Zugriff auf die Moscheen im Land belohnt wurde.

Ebenfalls die Teilnahme des Großmufti von Syrien Ahmad Badr ad-Din Hassun welcher sich im Konflikt in Syrien sich auf die Seite von Baschar al-Assad stellte und im März 2013 er ein religiöses Dekret erließ, in dem er »alle Mütter und Väter im Heimatland« dazu aufrief, ihre Kinder in die Streitkräfte Syriens einzurücken, um eine Verschwörung ausländischer Feinde, darunter »verräterische Araber, Zionisten und Westler« zu zerschlagen.

Über was sich Ramsan Kadyrow persönlich mit Scheich ʿAlī Dschumʿa Chatib der Sultan-Hasan-Moschee in Kairo unterhalten hat, ist nicht bekannt. Nach Angaben der Zeitung New Yorker ist der Scheich einer der stärksten Befürworter für Gleichheit von Frauen in der Umma, in Tschetschenien hingegen ist die massive Ungleichbehandlung, ja Unterdrückung der Frauen Teil der russischen Regierungspolitik. Auch wenn Ramsan Kadyrow behauptet, eine muslimisch geprägte Republik zu führen, die sich nach den Regeln des traditionellen tschetschenischen Adat richte und an der russischen Verfassung orientiere, ist es doch seine eigene zutiefst chauvinistische und frauenfeindliche Politik, die den Alltag der Frauen in Tschetschenien bestimmt. Diese massive Einmischung Kadyrows in Familienangelegenheiten der Zivilbevölkerung widerspricht auch den Traditionen in Tschetschenien selbst. Diese Eheschließung ist ein weiterer Schritt – nach der Einführung einer Kleiderordnung für Frauen 2010/2011 (Kopftuch, lange Röcke), dem Verbot, Bärte, bzw. lange Bärte zu tragen für Männer etc. – hin zu einer massiven Kontrolle auch des Privatbereichs.

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