Brief an Ekkehard Maas – Deutsch-Kaukasische Gesellschaft

рубрика: Politik
Zivilisierte Zivilisten verwechseln Boulevard mit BKA möchten aber als Deutsche nicht über Kadyrows faschistische Freunde sprechen?
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Lieber Ekke, vielen Dank für ihre langjährige Dienst für die Diaspora. Weil Sie sich als einer der wenigen Deutschen für Rubati Midsajewa eingesetzt und auf die Verbindung zwischen Kadyrow und Kampfsport hingewiesen haben, bitten ich Sie im Namen meines Kampfsportvereins in Zukunft bitte folgendes in Gesprächen mit Journalisten zu kommunizieren.

Es gibt nach der Vereinigung von Absolute Championship Berkut (ACB) gegründet von Mairbek Khasiev und World Fighting Championship Akhmat (WFCA) etabliert von Ramsan Kadyrow nun nur noch Absolute Championship Akhmat (ACA). Weitere Diskussion über die Involvierung sind damit hinfällig und Journalisten können die Loyalität von Selim Agaev oder Zurab Betergaraev ansonsten auch am T-shirt mit dem Konterfei von Kadyrow ablesen. (In Bezug auf Kämpfe in Deutschland)

Bei den Reisen von Kommandeuren nach Deutschland sollte einerseits erwähnt werden, dass Magomed Daudow 30. August 2014 zusammen mit Abuzayd Vismuradow und Timur Dugasajew beim Kampf im Gerry Weber Stadion Halle/ Westfalen war. Dies aus dem Grund, weil Magomed Daudow im selben Jahr Ruslan Kutajew persönlich gefoltert hat, für dessen Veranstaltung im Gedenken an die Deportation. (Ebf. Daudow Drohung gegen kaukasischen Kampfsportler)
Andererseits, dass Abuzayd Vismuradow das Kampfsportturnier in Rotterdam (UFC Fight Night 115) bei dem er in Begleitung mit Timur Dugasjew und Adam Tahaev anzutreffen war und den anschließenden Besuch in Berlin dazu genutzt hat, Drohungen gegen andere Tschetschenen auszusprechen. Dies aus dem Grund, da dieser seine Aufenthaltsbewilligung mit Anrecht auf Asyl begründet hatte.

Da an dem Turnier am 2. September 2017 auch wieder Mitglieder der Guerilla Nation Vainykah sowie Team Wolf, insbesondere Ibagimov Magomed anwesend waren, bitte ich Sie in Zukunft Journalisten darauf hinzuweisen, dass „Herr Hitlergruss“ nicht nur sein Sicherheitsteam mit den Insignien des Sonderverband Bergmann schmückt, sondern auch in der Netflixserie 4Blocks mitspielt, welche den Grimmepreis erhalten hat. Die Verbindungen der Guerilla Nation Vainykah zu Ramsan Kadyrow sind seid spätestens 2017 bekannt, es sollte aber in den Medien darauf hingewiesen werden, dass die Gruppierung nur als Organsierte Kriminalität beim BKA gelistet ist, aufgrund der Verbindungen zu Rockern wie Kadir Padir, dessen Prozess nun fünfjährigen Prozess auf den 6. Dezember 2018 terminiert war.

Des Weiteren bitte ich Sie aufgrund der Säuberung nach Silvester nochmals auf die Aktivitäten von Beslan Dadaew und GrosnjiTV in Deutschland hinzuweisen. Dies weil er einerseits am 27.11.2017 (Veröffentlichung des Videos) Mowsar Eskarchanow öffentlich genötigt und gedemütigt hat und andererseits nachdem die Familie von Minkail Malizaew am 26. April 2018 abgeschoben wurde, diesen am 28. in Begleitung besuchte und krankenhausreif schlug. Frau Sabine Adler ist eine gute Journalistin es besteht jedoch die Bitte and Sie in Zukunft nicht nur Opfer sondern auch Täter zu benennen, um eine Wiederholung zu vermeiden.

Können Sie bitte in Zukunft eine Kooperation mit Experten wie Christian Osthold reduzieren (Artikel RC 21.01.2019) Dies aus dem Grund, weil er die am 25. September 2017 veröffentlichen föderalen Kriminalitätsbericht zitiert, in der Tschetschenien im nationalen Vergleich die insgesamt niedrigste Verbrechensrate aufweist. (Artikel Focus 17.03.2018) und ich persönlich den Bericht von Swetlana Gannuschkina für glaubwürdiger halte. Sein Fokus auf „Tschetschenen-Clans“ ist insofern interessant, weil das BKA den Begriff „Clan“ selbst nicht benutzt. Es hat allerdings eine Rangfolge der Gruppierungen aus dem Bereich Organisierte Kriminalität (OK) aufgestellt und obwohl es zum Vorjahr eine Veränderung in der Statistik gab, kann seine Analyse nicht gestützt werden. Insgesamt ist dieser Experte in der Diaspora bekannt, dafür Verbdingung von Kriminellen zu Ramsan Kadyrow selten zu benennen. Der Umstand, dass er die Bilder der Guerilla Nation Vainykah selektiert hat, damit die Verbindung zu Kadyrow nicht erkenntlich war, ist ein weiteres Indiz.

Im deutschen Strafgesetzbuch wird zwischen § 129 (Bildung krimineller Vereinigungen) und Terrorismus § 129a (Bildung terroristischer Vereinigungen) unterschieden. Dieses Gesetz gilt nicht nur für Beamten des BKA, sondern auch für zivilisierte Zivilisten.

Die bundesweite Gemeinsame Arbeitsgruppe Justiz/Polizei (GAG) hat im Mai 1990 die folgende Definition für OK entwickelt: »Organisierte Kriminalität ist die von Gewinn- oder Machtstreben bestimmte, planmäßige Begehung von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind, wenn mehr als zwei Beteiligte auf längere oder unbestimmte Dauer arbeitsteilig a) unter Verwendung gewerblicher oder geschäftsähnlicher Strukturen, b) unter Anwendung von Gewalt oder anderer zur Einschüchterung geeigneter Mittel oder nc) unter Einflussnahme auf Politik, Medien, öffentliche Verwaltung, Justiz oder Wirtschaft zusammenwirken.«

Auch in Österreich steht OK steht für Gruppierungen (kriminelle Vereinigungen gemäß § 278 StGB und kriminelle Organisationen gemäß § 278a StGB), welche mit einem hohen Organisationsgrad kriminelle Ziele systematisch und dauerhaft verfolgen, um an Macht und vorrangig an großes Vermögen zu gelangen.

Aufgrund dessen können einzelne Straftäter nicht als OK bezeichnet werden, wie es der Name des Begriffes »Organsierte Kriminalität« bereits verrät. Es wird auch beim organisiertem Zusammenschluss differenziert. Nicht jeder hat die Qualifikation respektive die Bestimmung und eine Eignung dafür. Bildung, Mitgliedschaft, Unterstützung sowie Werbung sind immanent.

Zu den Verhaftungen in Österreich darf angemerkt werden, dass die seid 2018 in der Regierung vertretene FPÖ bereits bei Ramsan Kadyrow auf Besuch war und im Allgemeinen aktuell Verfahren schwierig sind aufgrund der Sicherheitseinstufung des BVT durch andere EU Mitglied Staaten. Die Wahrnehmung zwischen Medien und Dienststellen kann differenzieren wie die Verhaftungen im Zuge der Operation »Palace« zeigten.
Herr Klug (LKA) »Das Thema wird in der Bevölkerung hochstilisiert. Die Schere zwischen dem, wie es wahrgenommen wird, und dem, was tatsächlich passiert, geht weit auseinander.« Herr Holzer (Soko Gambit) »Tschetschenen stehen innerhalb der mafiösen Strukturen nur in der zweiten und dritten Reihe: Sie gelten als ausführende Organe, also Geldeintreiber. Nicht als Auftraggeber.«

Rückschlüsse auf Nationalitäten sind prinzipiell irreführend, weil die OK Dienststellen ihre eigenen Verfolgungsschwerpunkte setzten. Als unverfängliches Beispiel: die hohe Anzahl litauischer Staatsangehöriger ist auf seit 2012 laufendes Verfahren i.Z.m. Schockanrufen zurückzuführen; allein in diesem Verfahren wurden 816 litauische Tatverdächtige festgestellt aber auch hier dominiert die Gruppe der Blue collar crime über white collar crime – nur 67 gemeldeten Verfahren i.Z.m. dem Wirtschaftsleben. Es ist deshalb fraglich ob die Fixierung auf einzelne ethnische Gruppen im Bereich der Blue collar crime aus Rechtsstaatlicher Sicht effektiv ist.

Die Wahrnehmung des tschetschenischen Täters beginnt ua. mit einer Hypothese, die uns sagt, nach welchen Objekten wir Ausschau halten. Diese Hypothese steht aber nicht für sich allein, sondern ist in ein allgemeines Erwartungssystem eingebaut. (Kaukasus/Terrorismus/Islam) Die Stärke einer Hypothese hängt nun davon ab, wie häufig sie bereits bestärkt worden ist, welche alternativen Hypothesen überhaupt zur Verfügung stehen und welche motivationale, kognitive und soziale Unterstützung sie erhält. Je stärker eine Hypothese ist, desto schneller wird diese aktiviert und desto weniger Informationen braucht es für deren erneute Bestätigung, aber umso mehr widersprechende Informationen sind nötig, um sie zu widerlegen. (Primacy-, Recency-, Halo-Effekt) Diese Fehler können harmlos sein, weil sie es uns ermöglichen, reibungslos im Alltag zu funktionieren. Gerade im polizeilichen Alltag ist das Routine-Handeln aufgrund vieler kollektiv geteilter Hypothesen überhaupt erst möglich. Komplexität wird notwendigerweise und erfahrungsgestützt reduziert. Problematisch wird diese selektive und im Alltag zunächst hilfreiche Wahrnehmungsverzerrung aber dann, wenn daraus ein Vorurteil wird, das dem Gegenüber kaum eine Chance lässt, die Wahrnehmung zu korrigieren. Verfestigte negative Einstellungen gegenüber Personen bzw. Personengruppen, die mit aggressiven Gefühlen verbunden sind, können im Wechselspiel mit dem Bürger eine Gewaltspirale in Gang setzen, die katastrophale Folgen hat – sowohl für den betroffenen Bürger als auch das Ansehen der Polizei, die als Vertreter staatlicher Gewalt in ihrem Auftreten besonders sensibel wahrgenommen wird. Die Problematik derartiger Vorurteile und deren Zustandekommen – nicht nur in der Presse, sondern auch der Polizei – sollten daher auch Debatte der Diskussion sein.

Abschließende Anmerkung: Als Waise weis ich wenig, würde mich aber freuen, wenn weniger die Kriminalistik als die Kunst im Vordergrund stehen würde in Bezug auf den Kaukasus. Schließlich hat der Verlag für Polizeiwissenschaft wirklich eine breite Auswahl an Werken für die Experten, welche auch außerhalb des Boulevards aktiv sein möchten. Allen steht auch eine Bewerbung beim Bundeskriminalamt offen, sollte ihr Interesse an Kriminalität das der Kunst übersteigen. Aber weshalb muss ich mich mit ihnen über so etwas profanes unterhalten?

https://www.freitag.de/autoren/koban/deutsch-kaukasische-gesellschaft?fbclid=IwAR15tuVO3jwLeFMV7wsm-EBPZCjGO8YvJPxVaWXUYSXwPxUdSKSPPkkazQI