Kadyrow, Kampfsport und Khabib

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In einem geschickt getarnten psychologischen Krieg [natürlich ohne Kriegserklärung; im Gegenteil – Freundschaftsbeteuerungen sind Teil der Tarnung] wird der Gegner zermürbt, bis er sich selbst »auf die Füße tritt«. In diesem Moment muss man nur ein wenig hebeln, also den Fehler des Gegners ausnutzen, um ihn zu besiegen. Angreifbar machen vor allem politische Fehler oder Inkonsequenzen, wenn daraus innere Spannungen erwachsen. Dann wie in der elementaren Physik: Auf ein heißes Glas genügt ein Spritzer kaltes Wasser, damit es zerspringt. Wenn ein Außenstehender das kalte Wasser verspritzt, ist er natürlich vollkommen unschuldig. [Er konnte ja nicht wissen…] Es gibt mehrere Kampfsportarten, die darauf beruhen, vor allem die Fehler des Gegners auszunutzen. Putin ist Träger des Hachidan (8. Dan) im Judo und sein Owtscharka Kadyrow pflegt dieselben sportlichen Ambitionen, wie der Fall von MMA-Kämpfer Murad Amriev in Belarus oder Timur Dugasajew Aktivitäten in Deutschland belegen.
Ramsan Kadyrow, der die Republik seit 2007 mit eiserner Hand und von Russlands Gnaden regiert, war im Jahr 2014 mit diversen Protesten gegen sein Regime konfrontiert, bei der selbst die sonst übliche Strategie der kollektiven Strafe nicht funktionierte.[1] Insbesondere der Fall Sulejman Edigov sowie Ruslan Kutajew zeigten dem inneren Zirkel in Zenteroi, dass die Erpressung von Urteilen durch Folter nicht mehr einwandfrei funktionierte, insbesondere wenn ausländische NGOs den Inhaftierten eine Stimme gaben. Aus diesem Grund wurde der Kommandeur der Spezialeinheit »Terek« Abuzayed Vismuradov, auch unter einem Kampfnamen «Patriot» bekannt, damit beauftrag einen Kampfsportverein für Kadyrow zu formieren. Ziel war es die ua. auch die «unpolitische Jugend» in Tschetschenien zu erreichen und kontrollieren, damit einzelne kritischen Stimmen einfacher zum schweigen gebracht werden konnten. Durch die Einbindung von loyalen Kommandeuren in den Kampfsport konnte die Basis der Kadyrowzy außerdem ausgebaut werden, sowie Kämpfer der SOBR oder deren nächsten Verwandten in den Kampfsport integriert werden, bieten dieser doch die perfekte Symbiose von Militär und MMA. Nicht umsonst erhalten ausländische Athleten wie Floyd Maywether ein Schuss und Waffentraining in Grosny.
Mit Kadyrov waren zwei Kampfsportvereine verknüpft: Auf der einen Seite Absolute Championship Berkut (ACB), gegründet von Mairbek Khasiev mit Kämpfern wie Mairbek Taisumov und Magomed Raismov. Andererseits World Fighting Championship Akhmat (WFCA) benannt wie so vieles in der Republik nach dem Vater von Ramsan Kadyrow.[2] Geleitet wird der Verein von dem Kommandeur der SOBR Abuzayd Vismuradov welcher für Russland zuständig ist, sowie Timur Dugasajew welcher für die Promotion in Europa verantwortlichen ist. Diverse Kämpfer stehen Kadyrow oder seinem Verein sehr nahe, es gilt aber zu differenzieren zwischen Kämpfern unter Vertrag bei WFCA, welche in der UFC kämpfen wie bsp. Magomed Bibulatov, Ruslan Magomedow, Said Nurmagomedov und Magomed Ankalaev, ausländische Athleten der UFC welche gerne die generösen Geschenke aus Grosny entgegennehmen wie bsp. Floyd Mayweather, Chris Weidman, Fabricio Werdum, Frank Mir, Frankie Edgar, Alexander Gustafsson, Makwan Amirkhani, Ilir Latifi und Badr Hari sowie Kämpfern, die im engen Kontakt mit Kadyrow stehen, in der UFC sind aber nicht für WFCA kämpfen wie bsp. Mairbek Taisumov und Khabib Nurmagomedov. Desweiteren Kämpfer, die in Deutschland leben, wie Ruslan Tschagajew und Selim Agaev oder Kämpfe in Deutschland hatten (Liste für EU folgt) wie Zurab Betergaraev oder Zelimkhan Umhadzhiev. Schließlich gibt es auch Kämpfer wie Abdul-Kerim Edilov, Khusein Khaliev und Magomed Bibulatov, die sich durch ihre besondere Treue zu Kadyrow oder Morddrohungen auszeichnen. ACB wurde von Kadyrow im Herbst 2018 gekauft, weil Khasiev finanzielle Probleme hatte, wie bereits auf der Seite von Khuseyn Iskhanov nach dem Kampf von ACB 60 in Wien und ACB 75 in Stuttgart im Jahr 2017 vorhergesagt. Der Kampfclub heißt nun Absolute Championship Akhmat (ACA). Die Schwergewichtsabteilung von ACA bietet die besten Mitbewerber von ACB und WFCA. Wer seinem Verein nicht beitritt, kann Ärger bekommen, wie das Schicksal des MMA-Kämpfers Murad Amriev zeigt.
Ein Jahr vor der offizielen Gründung von WFCA gegründet wurde, eröffnete Timur Dugasajew Kampfsportvereine in Deutschland. Zuerst in seiner Wahlheimat Kiel, in der er unter Fritz Sdunek trainierte, anschließend auch in Hamburg und Berlin. Als am 23. Februar desselben Jahres in diversen Hauptstädten Europas Demonstrationen anlässlich der Inhaftierung von Ruslan Kutayev und der Deportation durch Stalin 1944, sowie die Zerstörung jeglicher Erinnerung daran in Grosny inklusive der Ermordung Natalja Estemirowa, veranstaltet wurden, drohte Dugasajew digital den Teilnehmer dieser Proteste. Noch im selben Jahr organisierte er die Reise von Magomed Daudow und Abuzayd Vismuradov zum Kampf des bosnischen Boxers Marco Marco Huck, der Kampf am 30. August 2014 im Gerry-Weber-Stadion in Halle (Westf.) gegen den Italiener Mirko Larghetti war für die Kommandeure von Kadyrow eine netter Zeitvertreib im Vergleich zu ihrer blutigen Arbeit in der Heimat. Immerhin was Magomed Daudow persönlich an der Folter von Ruslan Kutajew beteiligt. Nach unbestätigten Daten ist dies aber nicht die erste Reise des »Patriot« in die Bundesrepublik, nach einem schweren Autounfall den er im Sommer 2012 erlitt, erholte er sich in Deutschland.
Mithilfe der finanziellen Unterstützung durch die Kadyrow Stiftung kann es sich Dugasajew leisten in Deutschland, aktiv Werbung für das Oberhaupt der tschetschenischen Republik zu machen und dies nicht nur durch seine bevorzugte Handelsware – Kadyrow T-shirts. Während Ramsan Kadyrow persönlich verantwortlich ist, dass viele Tschetschenen ihre Heimatverlassen müssen und als Flüchtlinge leben, gibt er sich in Deutschland gerne als generöser Gastgeber. Ein Jahr nach der Gründung von WFCA organisierte Timur Dugasajew im Namen von Kadyrow ein Essen für Flüchtlinge in Kiel, worüber in den russischen Medien ausführlich berichtet wurde. Mit dabei beim Treffen in Kiel war auch Mario Lemke, dieser hatte bereits in der Vergangenheit in Kooperation mit Dugasajew den Kampf von Ruslan Tschagajew/Fres Oquendo organisierte, welcher aus sportlicher Sicht etwas zweifelhaft war. Wenige Monate zuvor wurde er für seine Verdienste im Juli 2015 mit dem Kadyrow-Orden ausgezeichnet.
2016 organisierte er eine Demonstration am Rathaus Markt in Hamburg mit dem Motto »Freundschaft statt Sanktionen« zur Stärkung der russisch-deutschen Freundschaft, dabei wurde Dugasajew lautstark von Adam Tahaev und diversen anderen unterstützt in ihrer Loyalitätsbekundung gegenüber Kadyrow. Im Januar 2016 als der »Fall Lisa« Schlagzeilen machen, wurde vom Instagramm Account der Vertretung Kadyrows in Deutschland eine Aufforderung zur »Rettung der Ehre des Mädchen« gepostet.  Nach der Veröffentlichung des Artikels über die Aktivitäten der Kadyrow Stiftung in Europa im Kaukasischen Knoten wurde dieser Post wieder gelöscht. Daraufhin modifizierte Dugasajew seine Methodik, im Auge der Öffentlichkeit beginnt er einerseits seine Position zu nutzen um Personen zu diskreditieren die Kadyrow gegenüber kritisch eingestellt sind und andererseits Netzwerke zu bilden um sich als stärker zu präsentieren (Russlanddeutsches Lager/Kleinkriminelle in Berlin/Nachtwölfe etc).
2017 nutzte Abuzayd Vismuradow, der neben seiner Arbeit als Kommandeur der SORB auch Präsident von WFCA ist, das MMA-Turnier in Rotterdam (UFC 115 mit Mairbek Taisumov) bei dem auch Timur Dugasajew und Adam Tahaev anwesend waren, sowie den anschließenden Ausflug nach Berlin, um Drohungen gegen in Europa lebende Tschetschenen auszusprechen.
Die Kadyrow Stiftung
Zwar leistet die Stiftung einen Beitrag zur Entwicklung der Infrastruktur in Tschetschenien, aber in einem viel größeren Ausmaß ist es eine Art persönlicher Schatz von Kadyrow, denn er genießt, wie er will. Aus dessen Quellen kann er sich und seine Umgebung unterhalten, indem er nicht nur russische Stars, sondern auch ausländische aus Übersee nach Tschetschenien einlädt und sich gegenüber den Gästen in Grosny generös gibt – von der Uhr für nur 100.000 Euro für den Herrn Kreisvorsteher bis zu zwei Millionen Euro, für denjenigen Boxer den das Blut nicht beeindruckt. Seine berühmte Stiftung, die als Rückgrat für seine sportlichen Ambitionen dient, nutzt das Krysha-Modell als effektives Parallelsystem zu den traditionellen staatlichen Standards in Russland und gleichermaßen in Europa. Mit einer solchen Force de Frappe lässt sich politisch alles Mögliche vollbringen, zumal es die innovative Kombination von Kriminalität und Kapitalismus ist – ein Leveraging, dass auf der Möglichkeit der Gewaltanwendung beruht, aber in den Dienst eines leistungsfähigen Wirtschaftsapparats gestellt wird. Gefestigt wird das System durch ein internes Sanktionierungs- und Bestrafungssystem, das rigoros ausgeübt wird, auch mit brutaler Gewalt bis hin zu Tötungsdelikten. Dies ermöglicht Kadyrows Kommandeuren wie Abduzayd Vismuradov eine Plattform innerhalb der EU – in Kombination mit Kämpfern wie Abdul-Kerim Edilov oder Magomed Bibulatov und Konsorten wie Timur Dugasajew, indem sie zum gemeinsamen Sparring kommen. Die diversen Kampfsportschulen und Sparrings bieten das ideale Umfeld für rechtsfreie Räume und Angriffe auf andere, wie der Fall von Mowsar Eskarchanows (2017) und Minkail Malizaew (2018) in Deutschland zeigen. Der in beiden Fällen mit der Tat verbundene Beslan Dadaew, Korrespondent von Kadyrows persönlicher Propagandaplattform Grosny TV, ist oft in Begleitung von Kampfsportlern anzutreffen.
Ekkehard Maaß, Leiter der Deutsch-Kaukasischen Gesellschaft, hat schon vielen Tschetschenen in der Diaspora geholfen. Auch er verweist auf die Verbindung zwischen Kadyrow und Kampfsport und Asan Chadschijew bestätigt die Aktivitäten von Kadyrows Leuten in Deutschland: „Die Kadyrow-Leute hier beunruhigen uns. Sie kennen unsere Adressen. Aber noch schlimmer, die unserer Verwandten in Tschetschenien. Ich habe meine Neffen gewarnt, dass man sie verhaften werde. Aber dass man ihnen gleich die Schädel einschlägt… In Tschetschenen herrscht absolute Gesetzlosigkeit.“ Maaß beschreibt, wie Kadyrow die Kampfsportszene für sich nutzt: „Organisiert werden die Kämpfe von dem offiziellen Vertreter Kadyrows in Deutschland, Timur Dugasajew. Dessen Leibwächter wohnen hier in Berlin und bekamen den Flüchtlingsstatus. Wenn hier ein Boxkampf ist, dann reisen ohne Probleme Kadyrows Parlamentsvorsitzender der Chef seiner Leibgarde und seine Politiker an, um dem Boxkampf beizuwohnen. Niemand hindert sie daran.“
Namen und Netzwerke von Links nach Rechts ohne Ramsan Kadyrow.
Organisatoren und Promoter: Abuzayd Vismuradow, Timur Dugasajew, Mairbek Khasiev.
Kämpfer mit Todesdrohungen: Magomed Bibulatov Abdul-Kerim Edilov  Khusein Khaliev.
Khabib Nurmagomedov, Beslan Ushukov (Bruder bei SOBR) Magomed Raismov, Abdurahman Dudaev.
Salamu Abdurahmanov,  Magomed Ankalaev, Said Nurmagomedov, Ruslan Magomedov.
Ausländische Athleten: Floyd Mayweather, Frank Mir, Fabricio Werdum, Mike Tyson.
Mairbek Taisumov gab nicht nur Deradikalisierungskurse für Kriegskinder in Wien, sondern wurde auch für die lange Nacht des interkulturellen Dialogs ausgewählt, Österreich zeigt damit deutlich welche Art von Asylanten gesellschaftlich akzeptiert ist und welche wiederum nicht.
Ramsan Kadyrow, der die Republik seit 2007 mit eiserner Hand und von Russlands Gnaden regiert, hat 2017 sowie 2018 in Grosny erneut Kämpfe seiner Söhne austragen lassen. Im Gegensatz zu den im Jahr 2016 abgehalten Schlagabtausch, welcher auf breite Verurteilung stieß, lösten die aktuellen Kämpfe keine besondere Reaktion außerhalb Russlands aus. Dies obwohl der Gegner aus einer tieferen Gewichtsklasse war, wie man von bloßem Auge erkennen konnte und für seine Niederlage durch die Stiftung «entschädigt» wurde.
Magomed Daudow und Abuzayd Vismuradow auf Besuch bei Timur Dugasajew in Deutschland (2014) Abuzayd Vismuradow nach UFC 115 mit Timur Dugasajew sowie Abdul-Kerim Edilov in Rotterdam inkl. anschließendem Kurzbesuch in Berlin (2017).
 
Kämpfe in Deutschland: Neben Selim Agaev vom CentralFightClub Hamburg  (David Marcina Trainer) verteidigte Ruslan Tschagajew 2015 seinen WBA-Titel im Schwergewicht in Magdeburg, Zurab Betergaraev besiegte  Jafar Hakimi 2017 in Bremen. (Vollständige Liste folgt)
Roman Logisch Präsident von «WKF GERMANY» darf 2018 Ringrichter für Ramsan Kadyrow spielen.
Timur Dugasajew bei der sportlichen Promotion in Deutschland.
Timur Dugasajew bei der politischen Promotion in Deutschland.
Timur Dugasajew als Aushilfskraft für Ramsan Kadyrow und seine Gäste in Grosny.
Auch wenn Kadyrow kafkaesk sein kann, man sollte dem kaukasischen Owtscharka nicht mehr Aufmerksamkeit widmen als seinem Meister Putin. Momentan melden die Medien wieder Ramsan sei ein Chosjain, ein Barin und alle anderen müssen den Willen dieses kaukasischen Kriminellen entsprechen, selbst Wladimir Wladimirowitsch würde aus Angst vor dem orientalischen Despoten die Nationalgarde reaktivieren. Aber mag Kadyrow auch ein Diktator sein so ist er doch nicht samostojatelny. Wie sein verstorbener Vater ist Ramsan ein Vasall, und seine Macht beruht auf der persönlichen Protektion Putins, der besten Kryscha in einem Land, dessen Strukturen vollständig von Kryscha-Beziehungen bestimmt werden. Deshalb ist eine Kritik an Kadyrow ohne eine Kritik an Putin politischer Opportunismus par excellence, denn Tschetschenien ist kein Staat im Staat. Selbst das System »Kadyrow« ist 1:1 von den Fledermäusen des GRU kopiert: Die eigenen Männer deklariert als offizielle Beamte des Innenministeriums mit »offenem« Einsatzbefehl in alle Gebiete der Föderation entsenden. Die Justiz? I wsjo Пиши всё, что хочешь. Мне по барабану!

[1] Die kollektive Strafe ist das Markenzeichen der Repression des tschetschenischen Volkes durch Kadyrow. Die Verwandte von denjenigen, die den Behörden missfallen, werden bedroht, geschlagen, als Geisel gehalten, aus der Republik vertrieben oder ihre Häuser werden niedergebrannt. Solche Methoden wurden zuerst auf mutmaßliche Rebellen angewendet, aber haben sich auf Regimekritiker, religiöse Dissidenten, sogar alkoholisierte Autofahrer ausgeweitet.
[2] Neben seinem Faible für Weihnachtsmänner und der Nutzung von Weihwasser, scheint er eine besondere Vorliebe für die Benennung aller wichtigen islamischen Institutionen und Moscheen nach bestimmten Persönlichkeiten, insbesondere der seines Vaters, entwickelt zu haben, was gegen ein zentrales Gebot des konventionellen sunnitischen Islam verstößt.