Das Schicksal der Krimtataren ist seit dem Sieg von Jamala beim Eurovision Song Contest auf der ganzen Welt bekannt, weit weniger beachtet wurde, dass 1944 auch Tschetschenen, Inguschen, Karatschaier, Balkaren, Mescheten und Kalmücken deportiert worden sind und dies obwohl Daria Kulesh zwei wundervolle Lieder über Aardax, den berühmt berüchtigten «Panther» Laisat Baisarowa und das Schicksal ihrer Großmutter Diba Posheva-Akhrieva komponiert hat.

Obwohl die literarischen Kontakte zwischen Europa und dem Kaukasus bis in die Zeit der Kreuzzüge und Minnesänger zurückreichen, hat der Kaukasus in den Augen der Europäer immer noch etwas Exotisches an sich. Wie beachtenswert und alt die bilateralen deutsch-kaukasischen Kontakte in der Literatur auch sein mögen so sind es doch die russischen Schriftsteller, die dem Thema Kaukasus Eingang in die Weltliteratur verschafft haben. Mehr noch als Italien die europäischen Dichter anzog, faszinierte der Kaukasus die russischen Poeten: Alexander Puschkin, Lew Tolstoi oder Maxim Gorki wurden von der Kultur und Natur des Kaukasus inspiriert, ihre Werke waren aber nicht frei vom kolonialen Klischee des «kriminellen Kaukasiers» oder «wilden Wainachen».

Niemand anders aber hat die Kultur des Kaukasus und den Reiz eines multinationalen kulturellen Lebens besser beschrieben als der abchasische Schriftsteller Fasil Iskander. Zur Vielzahl der vorhandenen Ethnien erfindet er noch ein fiktive (die Endurier) hinzu, um auf das Leid der durch Stalin deportierten Völker des Kaukasus aufmerksamen zu machen. Über diese Deportation und eines dieser Völker die Nochtschi, von den Russen auch «Tschetschenen» genannt, handelt dieser Text.

Zwischen November 1943 und Dezember 1944, als von der deutschen Wehrmacht schon keine Gefahr mehr ausging, ließen Stalin die Krimtataren, die Kalmücken und die Kaukasusvölker der Tschetschenen, Inguschen, Karatschaier, Balkaren und Mescheten nach Mittelasien deportieren. Zehntausende Lastwagen und Güterwaggons, 100.000 NKWD-Soldaten und drei Armeen der Landstreitkräfte wurden dafür, trotz des »Großen Vaterländischen Krieges«, in den Kaukasus geschickt.

Eine Untersuchungskommission des NKWD hatte im Oktober 1943 die Region bereist und war zum Schluss gekommen, dass Tschetschenen und Inguschen religiöse Fanatiker und Banditen und eine ständige Bedrohung für die sowjetische Ordnung seien. Als Begründung für die Deportation wurde ihnen eine Kollaboration mit dem faschistischem Feind unterstellt. Dies obwohl viele im 255. tschetschnisch-inguischen Kavallerie-Regiment der Roten Armee dienten und einige, wie Mawlid Aleroevich Visaitov, in der Schlacht von Stalingrad kämpften sowie mit dem Orden der Sowjetunion ausgezeichnet wurden. (Zur gleichen Zeit wurden in den Verleihungsdokumenten anderen Nationalitäten niedergeschrieben: Khavadzhi Magomed-Mirzaev wurde als Tartare, Irbayhan Beybulatov als Kumyke, Khansultan Dachiyev als Ossete, Khanpascha Nuradilow als Aserbaidschaner und Abukhaji Idrisows Nationalität gar nicht angegeben)

Um die örtliche Bevölkerung zu beruhigen, wurde offiziell angekündigt, dass in den Bergregionen der Republik groß angelegte Übungen zur Vorbereitung des Vormarsches der Roten Armee in den Karpaten stattfinden würden. Die Truppen befanden sich in Lagern in der Nähe von Dörfern und die lokale Bevölkerung behandelte die Soldaten herzlich. Die am 31. Januar 1944 getroffene Entscheidung über die Deportation wurde im Februar 1944 umgesetzt. Am 21. Februar erteilte Beria dem NKWD die Anordnung, die tschetschenisch-inguschische Bevölkerung abzuschieben. Die Deportation und der Transfer von Zügen zu Zielen begann am 23. Februar 1944 um 2:00 Uhr Ortszeit und endete am 9. März desselben Jahres. Die Operation begann mit dem Codewort «Panther», das im Radio übertragen wurde.

Die Deportation begann damit auch an einem Festtag. Der 23. Februar war seit 1919 traditionell der Tag, um die Rote Armee zu feiern. Im Jahr 1944 luden die NKWD-Offiziere Tschetschenen und Inguschen ein, an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Als die Tschetschenen und Inguschen am Vorabend ankamen, trafen sie jedoch bewaffnete Soldaten an und man sagte ihnen, dass sie das Land verlassen müssten. Oft hatten Familien nur eine halbe Stunde Zeit, um ihre Sachen abzuholen, bevor sie aus ihrer Heimat vertrieben wurden.

Am 23. Februar 1944 um 2 Uhr morgens wurden alle Ortschaften umzingelt, Spähtrupps und Hinterhalte aufgestellt, Radiosender sowie Telefone abgeschaltet. Um 5 Uhr morgens wurden alle Männer zu Versammlungen vorgeladen, wo ihnen die Verordnung des Staatlichen Verteidigungskomitees vom 31. Januar 1944 über die Deportation mitgeteilt wurde. Die Männer wurden daraufhin entwaffnet. Wenige Minuten danach hämmerten die Offiziere des NKWD an die Türe der tschetschenischen und inguschischen Häuser. Alle verdächtigen Personen wurden auf der Stelle festgenommen, im Falle des Widerstandes oder eines Fluchtversuchs wurde ohne Zurufe oder Warnschüsse sofort scharf geschossen.

Selbst die Familien der «Helden der Sowjetunion» Irbayhan Beybulatov, Khavadzhi Magomed-Mirzaev, Abukhaji Idrisows, Khanpascha Nuradilow, wurden mit allen anderen zusammen deportiert, auch die Frau und drei Kinder des heroisch verstorbenen Matash Mazaev, sowie die Verwandten des «ersten Kommunisten» Tschetscheniens Aslanbek Sheripov. Nach Kriegsende wurde schlussendlich Khansultan Dachiyev welcher noch am 15 Januar 1944 als «Held der Sowjetunion» ausgezeichnet wurde, ebenfalls nach Dschalalabat verbannt.

Es gab eine Reihe von Fällen, in denen Tschetschenen, die aus Verdienstgründen von der Deportation verschont wurden, jedoch freiwillig in die Verbannung gingen. Dies geschah zum Beispiel im Fall von Machmud Esambajew, der später Volkskünstler der UdSSR und «Held der sozialistischen Arbeit» wurde, und Muslim Gairbekov, einem prominenten öffentlichen und politischen Führer.

Die Namen der jeweiligen Territorien wurden umbenannt und die Grenzen neu gezogen, während die einzelnen Ethnien in Zügen ins ferne Zentralasien, nach Kasachstan und Kirgistan, gebracht wurden. 1272 «Sonderumsiedler» starben während des Transportes in Viehwaggons, 50 Personen wurden «offiziell» auf der Flucht oder wegen Widerstandes erschossen.

Teile der tschetscheno-inguischen Republik wurde den Nachbarvölkern, den Osseten, Dagestanern sowie Georgier zugeschlagen und der Rest bildete die Oblast Grosny. Die ethnisch gesäuberten Territorien wurden mit Menschen aus den Nachbargebieten, aber auch aus dem inneren Russlands und der Ukraine besiedelt. Der sowjetische Staat veranlasste die Änderung von Straßen und Ortsnamen, er ließ Denkmäler und Archive zerstören, Bücher aus Bibliotheken wegschaffen und Einträge zu diesen Völkern aus der Großen Sowjetischen Enzyklopädie löschen. Die Gräber von Tschetschenen und Inguschen wurden systematisch zerstört und die Steine für den Bau von Häuser benutzt.

Alle Denkmäler zu Ehren von Bürgerkriegshelden wurden vernichtet. In Grosny beseitigten die Behörden das 1923 eingeweihte Monument zu Ehren des »ersten Kommunisten« Tschetscheniens Aslanbek Seripovs. Jede Erinnerung an diese Völker sollte getilgt, ihr Beitrag im Bürgerkrieg und beim Aufbau des Sozialismus negiert werden. Dagegen wurde nun das Denkmal an den zaristischen General Alexei Jermolow in Grosny wieder aufgestellt, das in der frühen Sowjetzeit entfernt worden war.

Die Deportation zielte nicht nur darauf ab «Ordnung im Kaukasus» zu schaffen, denn im Verständnis der sowjetischen Machthaber sollte die Entwurzelung ganzer Völker auch deren als rückständig erachtete Traditionen und Lebensweisen vernichten. Im Exil sollte aus den sogenannten Sondersiedlern Sowjetmenschen geschaffen werden und dafür sollten die sozialen Bindungen unter den Menschen zerschlagen werden. Die örtlichen Sicherheitsorgane errichteten eine Kontrollherrschaft, die auf Repression und Einschüchterung beruhte. Die Menschen sollten zur Anpassung gezwungen werde. Nur wenn sie ihrer Arbeit in den staatlichen Landwirtschafts- und Industriebetrieben nachkamen, erhielten sie auch ausreichende Nahrungsrationen zugesprochen. Das Leben im Exil bedeutete unsägliches Leid, Hunger und Krankheiten rafften Tausende dahin.

Von der halben Million Nordkaukasiern, die 1943/44 nach Kasachstan deportiert wurden, verstarben bis 1946 1/5 und von den nach Kirgisistan ausgeschafften Sondersiedlern über ein Viertel aller Menschen. Erst ab 1950 stabilisierte sich die Situation und die Statistik verzeichnet wieder mehr Geburten als Todesfälle. Die Menschen halfen sich nach Möglichkeit untereinander, was die Not linderte. Auch zu den ansässigen kasachischen und krigisischen Bevölkerungsteilen entwickelten die Deportierten aus dem Nordkaukasus ein gutes Verhältnis.

In den Jahren 1940-1950 kam es zu massiven Zusammenstößen zwischen Deportierten und kriminellen Elementen, die mit Zustimmung der Behörden operierten. Die Kriminellen versuchten, die Tschetschenen und die Inguschen den Befehlen der «Diebe im Gesetz» zu unterwerfen. Die Gorzy (Bewohner der Berge) jedoch lehnten solche Versuche strikt ab und übernahmen oft gleichzeitig den Schutz von Russen, Muslimen und «politischen» welche nach Paragraf 52 verurteilt worden waren. Im Konflikt zwischen Urki und Seki konnten letztere auf die Unterstützung der Nordkaukasier zählen, unter anderem auch wegen der Gesetze der Gorzy. In den stalinistischen Lagern und Gefängnissen fungierten die Wainachen oft als Verteidiger der Benachteiligten. Aufgrund ihrer Traditionen wurde auch der sexuelle Missbrauch zwischen Männern wie er zwischen den Dieben im Gesetz oft praktiziert wurde, streng gesühnt. Auch der Schuldspruch nach Paragraf 58 führte zu Verbindungen zu anderen Nationen der Sowjetunion, welche ebenfalls als «Vaterlandsverräter» verurteil worden waren.

Der Tod Stalins 1953 führte zu einer Lockerung des Kontrollregimes. Die Repressionen gingen zurück, aber am Status der Exilierten änderte sich zunächst jedoch nichts. Erst mehr als drei Jahre nach dem Tod des Diktators, am 16. Juli 1956, wurde per Dekret die Einschränkungen aufgehoben, die der besondere Status den Exilierten auferlegte. Das Recht, in die Heimat zurückzukehren, wurde ihnen jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht gewährt. Als danach dennoch Tausende auf eigene Faust in die Heimat zurückströmten, beschloss das ZK der KP am 24. November 1956, den Völkern die Rückkehr zu erlauben und die nationalen Territorien wiederherzustellen. Tausende von Awaren, Draginern und Laken, die nach der Vertreibung der Tschetschenen in die entleerten Gegenden umgesiedelt worden waren, mussten nun wieder in ihre ursprünglichen Siedlungsgebiete in Dagestan zurückkehren. Es kam aber auch deshalb zu Konflikten, weil die Grenzen der wieder errichteten tschetscheno-inguschische autonomen sozialistischen Sowjetrepublik nicht in jedem Fall mit denjenigen der ursprünglichen bestehenden Territorien zusammenfielen. Insbesondere die Inguschen beharrten auf die Rückgabe ihres gesamten Gebietes von den Osseten. Es war diese ungelöste Grenzfrage, die auch danach wiederholt zu Spannungen unter den Völkern führen sollten, um schließlich in den frühen 1990ern in gewaltsame Konflikte auszuarten. (Im Nordkaukasus entlud sich der erste blutige Konflikt dieser Art 1992 zwischen Inguschen und Osseten um den Prigorodnyi Rajon, in dessen Folge fast alle Inguschen aus dem Gebiet vertrieben wurde.)

In den langen Jahren der Amtszeit von Leonid Breschnew stellte sich erstmals eine gewisse Normalität im Alltag der Menschen ein, dies darb aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Tschetschenen und Inguschen in der späten Sowjetzeit gegenüber der russischen Bevölkerung diskriminiert blieben. Nach wie vor waren es Russen, welche die Mehrheit der höheren Ämter in Regierungs- und Parteiapparat besetzten und die führenden Positionen in der Wirtschaft und den Industriebetrieben einnahmen. Erst 1989 wurde mit Doku Zavgaev erstmals ein Tschetschene auf den Posten des Ersten Parteisekretärs der Republik berufen.

Gerade in Städten wie Grosny hatten viele Tschetschenen das Gefühl, Menschen zweiter Klasse zu sein. Dabei wurde ihr Unmut insbesondere dadurch verstärkt, dass während der gesamten späten Sowjetzeit über die Ungerechtigkeit, die den Tschetschenen und Inguschen sowie anderen Nordkaukasusvölkern durch die staatliche angeordnete Deportation wiederfahren war, nicht offen gesprochen werden durfte. Nicht nur wurde dieses Ereignis mit keiner einzigen Gedenktafel erinnert, auch existierten in der späten Sowjetzeit nicht ein Denkmal, das tschetschenische oder inguschischen Helden der Revolution und des Bürgerkriegs gewidmet war. Dagegen blieb die Statue General Alexei Jermolow in Grosny auch nach der Rückkehr der Nordkaukasier aus dem Exil unangetastet.

Sowjethistoriker, die sich mit der Geschichte Tschetschno-Inguschetiens befassten, verschwiegen die Tragödie der Deportation weitgehend. Nur in einer kurzen Phase in den frühen 1960er war es Historikern gestattet, mindestens die Tatsache der Deportation und die Auflösung der tschetscheno-inguschischen Republik zu erwähnen. Über die tatsächlichen Hintergründe der Vertreibung und die große Not der Menschen ist jedoch auch in den Texten dieser Historiker nichts zu lesen, so schob etwa der Historiker Vladimir Filkin, einer der wenigen, der die Deportation in seiner Publikation von 1960 erwähnte, die Schuld pauschal Berija zu, dem »Feind der Partei und des Volks«, der in der Atmosphäre der Kriegssituation und eines übertriebenen Persönlichkeitskultes um die Figur von Stalin die Republik der Tschetschenen und Inguschen auflöste und die Völker deportieren ließ.

Bereits in der späten Sowjetzeit war es die Erinnerung an die Geschichte, an der sich der Unmut der Tschetschenen entzünden sollte. Als Anfang der 1980er in Grosny unter der Ägide des russisch stämmigen Ersten Parteisekretärs der Republik M. Suslov, Feierlichkeiten stattfanden, um des 200-jährigen »friedlichen Anschlusses« Tschetscheniens an Russland zu gedenken, reagierte eine Gruppe Intellektueller um den tschetschenischen Historiker und späteren Archivvorsteher der Republik Tschetschenien, Magomed Muzaev, mit einer Protestnote. Darin verurteilte die Gruppe die Auslegung der Geschichte, wie sie seit den frühen 1970ern in den Geschichtsbüchern propagiert wurde, als Geschichtsfälschung. Dafür wurden Muzaev und andere Teilnehmer der Aktion von der örtlichen Geheimpolizei verfolgt, mit einem Rede und Publikationsverbot belegt und ihrer Ämter enthoben.

Die Situation änderte sich erst in den späten 1980ern mit den sowjetischen Parteisekretär Michail Gorbatschow eingeleiteten Liberalisierungsmaßnahmen. Im Rahmen der neuen Offenheit (Glasnost) stellte die Abrechnung mit der stalinistischen Vergangenheit ein zentrales Anliegen der Reformen Gorbatschows dar. Am 14. November 1989 erklärte der Oberste Rat der UdSSR die gewaltsame Vertreibung von Völkern, darunter namentlich der »Balkaren, Inguschen, Kalmyken, Karatschajer, Krimtartaren, Deutschen, meschetinischen Türken und Tschetschenen« als illegalen und kriminellen Akt des barbarischen stalinistischen Regimes. Der Oberste Rat der RSFSR unter ihrem Vorsitzenden Boris Jelzin folgte den Unionsbeschlüssen und erklärte in Artikel 2 des Gesetzesbeschlusses vom 26. April 1991 die Vertreibung unter Stalin sogar explizit als »Politik der Verleumdung und des Genozids«.

Zeitungsartikel berichteten bereits in den späten 1980ern von den Verbrechen Stalins und Anfangs der 1990ern erschienen erste Beiträge in Fachzeitschriften, die sich auf Geheimdienstakten aus den sowjetischen Archiven stützen. Dabei war der Historiker Nikolaj Bugaj, der die Geschichte der Deportation der Tschetschenen und Inguschen als Erster auf Grundlage sowjetischer Archivdokumente untersuchte und die Resultate 1990 publizierte. In den betroffenen Republiken des Nordkaukasus fand die Politik der Offenheit kräftigen Widerhall. In Tschetschenien wurde die Deportation nun zu einem vieldiskutierten Thema, das in Erzählungen, aber auch musikalisch und in Gedichten verarbeitet wurde. Das wohl bekannteste stammt von dem tschetschenischen Dichter Apti Bisultanow und ist dem Chaibach Massaker gewidmet.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde, während der kurzen Periode der Regierung des Präsidenten Dschohar Dudajew über die tschetschenische Republik Itschkerien, der Gedenktag der Deportation nicht nur als Trauertag, sondern auch als Tag der Einigung und Wiederbelebung erinnert. In den frühen 1990er Jahren wurde im Zentrum von Grosnij ein Denkmal errichtet, welches von dem angesehenen Künstler Darchi Khasakhanov entworfen wurde, dass den Opfern stalinistischer Repressionen gewidmet war. Dieses Denkmal bestand ausschließlich aus alten Grabsteinen, die in sowjetischen Zeiten missbraucht wurden, um Häuser, Brücken oder Straßen zu bauen. Es stellt die Hand eines Mannes dar, der einen Kindschal hält und ihn Richtung Himmel streckt, mit der tschetschenischen Inschrift, Dölxur Dac, Duxur Dac, Dic a Diyr Dac (Wir werden nicht weinen! Wir werden nicht brechen! Wir werden nicht vergessen!!) Nach dem ersten Tschetschenienkrieg von 1994 bis 1996 wurde bei der Wiederherstellung des Komplexes die letzte Phrase durch »Wir werden nicht weichen« ersetzt.

Doch die beiden Kriege, die Russland zwischen 1994 und 1996 und erneut nach 1999 gegen Tschetschenien führte, forderte nicht nur Zehntausende von Menschenleben und trieben Hunderttausende in die Flucht, sondern gingen in Tschetschenien auch mit der Vernichtung einer eigenständigen nationalen Identität und Kultur einher. Insbesondere im ersten Tschetschenienkrieg zerstörte die Armee gezielt Archive, Bibliotheken, Museen und Denkmäler. Besonders verheerend war die Zerstörung des tschetschenischen Nationalarchivs: 80 Prozent der darin aufbewahrten Dokumente, darunter die Aufzeichnungen der Deportierten, wurden infolge eines Angriffes der Luftwaffe Russlands Opfer der Flammen. Aus Sicht der Betroffenen war das rücksichtslose Vorgehen Russlands denn auch einzig vergleichbar mit dem Terror der Stalinzeit.

Dank an die Künstler Rustem Eminov, Ayshet Daurbekova, Bagaudin Sagov, H. A. Imagoschew, Vaharsolt Balatkhanov, Vadim Kadzhajew sowie Seda Gubacheva für die Verwendung ihrer Werke und Jeronim Perović dessen Buch »Der Nordkaukasus unter russischer Herrschaft. Geschichte einer Vielvölkerregion zwischen Rebellion und Anpassung« eines der wenigen wissenschaftliche Werke zu diesem Thema ist und als Grundlage für diesen Text diente, sowie natürlich Daria Kulesh für ihre zwei wunderbaren Lieder, damit das Andenken an Aardax nicht gänzlich vergessen geht