{"id":1191,"date":"2017-07-25T14:18:03","date_gmt":"2017-07-25T12:18:03","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=1191"},"modified":"2017-07-25T14:55:42","modified_gmt":"2017-07-25T12:55:42","slug":"anna-politkowskaja-anna-politkovskaya","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=1191&lang=de","title":{"rendered":"Anna POLITKOWSKAJA (Anna POLITKOVSKAYA)"},"content":{"rendered":"<div id=\"c3622\" class=\"csc-default\">\n<div class=\"csc-header csc-header-n2\">\n<h4><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1195 alignleft\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/anna-politkovskaja-300x203.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"203\" \/>Eine couragierte Journalistin<\/h4>\n<\/div>\n<div class=\"ce-text\">\u00a0Anna MASEPA wird am 30.08.1958 in New York geboren. Ihre Eltern sind ukrainische Diplomaten im Dienst der UdSSR bei den Vereinten Nationen. 48 Jahre sp\u00e4ter wird sie in Moskau durch f\u00fcnf Sch\u00fcsse einer Makarov-Pistole ermordet.<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"c3625\" class=\"csc-default\">\n<div class=\"ce-text-image clearfix imagewidth-half in-text-right\">\n<div class=\"text\">\n<p class=\"bodytext\">Die auf amerikanischem Boden geborene Anna verschl\u00e4gt es nach Russland. Als 20j\u00e4hrige heiratet sie Alexander POLIT- KOVSKIJ, den sie kurz vor ihrem Studium der Journalistik an der Lomonossov-Universit\u00e4t in Moskau auf einer Party kennen lernt. Er ist 25. Sie bekommen zwei Kinder. Alexander arbeitet an seiner journalistischen Karriere, Anna \u00fcbernimmt die Rolle der Hausfrau. Schnell ist sie unausgef\u00fcllt, wird eifers\u00fcchtig auf seine Arbeit. Sie will auch arbeiten, schreiben. Schreiben, wor\u00fcber sie denkt. Keine Kompromisse. Nicht f\u00fcr Geld. Nicht f\u00fcr irgendwessens Interessen. 1980 schlie\u00dft sie ihr Studium ab.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Zun\u00e4chst arbeitet Anna f\u00fcr diverse russische Zeitungen und Zeitschriften wie z. B. dem\u00a0<i>Lufttransport<\/i>\u00a0oder der\u00a0<i>Iswestija<\/i>. Ihr Eintritt in das Leben einer professionellen Journalistin gestaltet sich jedoch schwer. Die Arbeit wird ihren Anspr\u00fcchen nicht gerecht, ihre Aufgaben sind substanzlos. Bei der\u00a0<i>Iswestija<\/i>verantwortet sie den Briefverkehr.<\/p>\n<p>Ihre Ehe ist ein ewiges Auf und Ab. Alexander und Anna leben in bescheidenen Verh\u00e4ltnissen. Mit Pfandflaschen helfen sie sich die Zeit bis zur n\u00e4chsten Vorschusszahlung zu \u00fcberbr\u00fccken. F\u00fcr Kultur reicht das Geld nicht aus, aber Verzicht \u00fcben die beiden keinen: Das Theater gegen\u00fcber der gemeinsamen Wohnung besucht das Paar regelm\u00e4\u00dfig. \u201eWir gingen nach dem ersten Akt, als wir ohne Mantel \u00fcber die Stra\u00dfe gelaufen kamen, ins Theater hinein, als k\u00e4men wir vom Rauchen wieder. Dadurch kannten wir das gesamte Repertoire der St\u00fccke, jeweils ab dem zweiten oder dritten Akt\u201c (Alexander POLITKOVSKIJ).<\/p>\n<p class=\"bodytext\">1994 dann Annas Wechsel zur Wochenzeitung\u00a0<i>Obschtschaja Gazeta<\/i>. Damals eines der Vorzeigebl\u00e4tter demokratischer Berichterstattung Russlands. Sie wird Kommentatorin, stellvertretende Chefredakteurin und besetzt die leitende Position der Abteilung \u201eAu\u00dferordentliche Vorf\u00e4lle\u201c. Annas Vorliebe f\u00fcr Investigation und Reportage f\u00fchrt sie weiter zur oppositionellen Zeitung\u00a0<i>Novaja Gazeta<\/i>.<\/p>\n<p>Sie recherchiert und berichtet \u00fcber Themen, vor denen die Mehrzahl der Journalisten in Russland bis heute zur\u00fcckschreckt. Fokus ihrer Berichterstattung sind Korruption, menschenunw\u00fcrdige Politik, Gewaltherrschaft sowie Unterdr\u00fcckung der Meinungsfreiheit. 1999 erh\u00e4lt sie von ihrem Chefredakteur Dmitri MURATOV das Angebot, den Job als Sonderkorrespondentin im zweiten Tschetschenienkrieg zu \u00fcbernehmen. Sie nimmt an.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Anna POLITKOVSKAJAS besonderes Interesse gilt den milit\u00e4rischen Interventionen gegen die Zivilbev\u00f6lkerung. Ihre Artikel und Reportagen stehen im Widerspruch zur Darstellung des Kremls, der den Krieg im Nord-Kaukasus offiziell bereits als beendet erkl\u00e4rt hat. Sie schreibt \u00fcber Verbrechen der russischen Armee und der mit ihnen verb\u00fcndeten paramilit\u00e4rischen tschetschenischen Gruppen als auch \u00fcber brutale \u00dcbergriffe tschetschenischer Rebellen auf russische Soldaten. Vor allem verweist sie auf die Willk\u00fcr und den Sadismus innerhalb des Krieges, um auf die humanit\u00e4re Katastrophe im Krisengebiet aufmerksam zu machen.<\/p>\n<h3><b>\u201eEin Krieg l\u00e4sst sich sehr leicht beginnen, unvergleichlich schwerer ist es, danach all der Ungeheuer Herr zu werden, die er hervorgebracht hat\u201c (A. P.).<\/b><\/h3>\n<p class=\"bodytext\">Anna POLITKOVSKAJA bezieht ihre Kenntnisse stets aus erster Hand. Sie kn\u00fcpft Kontakte zu tschetschenischen Untergrundk\u00e4mpfern, Zivilisten, Fl\u00fcchtlingen sowie zu russischen Soldaten. Folter, Mord, Vergewaltigung, Korruption, Diebstahl, Erpressung und Menschenhandel scheinen f\u00fcr alle Beteiligten in Tschetschenien zum grausamen Alltag in Tschetschenien zu geh\u00f6ren. Auf \u00fcber 50 Reisen durch die Region spricht sie mit Opfern \u00fcber ihre Schicksale, erforscht sie die Hintergr\u00fcnde von Entf\u00fchrungen und den so genannten \u201eS\u00e4uberungsaktionen\u201c, sieht sie verst\u00fcmmelte Leichen \u2013 auch verst\u00fcmmelte Lebende \u2013 und bringt diese Erfahrungen wieder mit nach Moskau, um sie \u00fcber die\u00a0<i>Novaja Gazeta<\/i>\u00a0der \u00d6ffentlichkeit mitzuteilen. Dabei bel\u00e4sst sie es nicht nur bei der Berichterstattung, sondern setzt sich dar\u00fcber hinaus auch aktiv in Gerichtsverfahren f\u00fcr die Familien sowohl der tschetschenischen Zivilbev\u00f6lkerung wie auch der ermordeter russischer Soldaten ein.<\/p>\n<p>Alexander POLITKOVSKIJ beginnt sich zu dieser Zeit f\u00fcr den Alkohol zu interessieren. Mit seiner Arbeit l\u00e4uft es nicht mehr gut. Nach der Ermordung eines Journalistenkollegen erreicht er seinen psychischen Tiefpunkt. Die Beziehung zu Anna zerbricht nach 21 Jahren Ehe unter der Schwere seiner pers\u00f6nlichen Probleme.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Im Februar 2001 bekommt Anna POLITKOVSKAJA am eigenen Leib zu sp\u00fcren, wor\u00fcber die Menschen in Tschetschenien ihr so oft berichtet haben. Sie wird im tschetschenischen Vedeno von russischen Soldaten verhaftet und stundenlang verh\u00f6rt. F\u00fcr drei Tage h\u00e4lt man sie in einem Bunker fest, droht ihr Vergewaltigung und die Misshandlung ihrer Kinder an, beschimpft sie und wirft ihr vor, zum Netzwerk des tschetschenischen Rebellenf\u00fchrers BASSAJEV zu geh\u00f6ren. BASSAJEV gilt als einer der brutalsten Protagonisten im Tschetschenien-Konflikt. Der Oberstleutnant l\u00e4sst sie frei mit den Worten: \u201aW\u00e4re es nach mir gegangen, h\u00e4tte ich dich erschossen\u2019.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Trotz dieser Erfahrung versucht sie stets Neutralit\u00e4t zwischen dem russischen Milit\u00e4r und den tschetschenischen Widerstandsk\u00e4mpfern zu gewahren, spart es aber nicht aus, die T\u00e4ter beim Namen zu nennen. Insbesondere \u00e4u\u00dfert sie Kritik an der von Moskau unterst\u00fctzten F\u00fchrung in Tschetschenien. Konkret am damaligen tschetschenischen Premier und heutigen Pr\u00e4sidenten Ramzan KADYROV, der ihrer Meinung nach das ganze Land terrorisiere. Dem russischen Pr\u00e4sidenten Vladimir PUTIN wirft sie in diesem Zusammenhang vor, jenes nicht nur zu dulden, sondern bewusst zu steuern. Nachdem PUTIN KADYROV seine eigene M\u00f6rdermiliz, die so genannte \u201eKadyrovqi\u201c, gew\u00e4hrt, verbietet der Chefredakteur der\u00a0<i>Novaja Gazeta<\/i>\u00a0Anna POLITKOVSKAJA weiterhin in die tschetschenische Hauptstadt Grosny zu fliegen.<\/p>\n<h3><b>\u201eWenn ich nicht mehr schreibe, haben meine Feinde ihr Ziel erreicht\u201c (A. P.).<\/b><\/h3>\n<p class=\"bodytext\">Anna POLITKOVSKAJA wei\u00df um die Gefahr. Dessen ungeachtet nimmt die Regierungs- kritikerin kein Blatt vor den Mund. Morddrohungen und Verhaftungen zum Trotz kritisiert sie PUTIN f\u00fcr seine rassistische Staatsf\u00fchrung, f\u00fcr die Kriege in Tschetschenien, f\u00fcr Folter und Drangsal in der russischen Armee und die konsequente Hetzjagd auf kremluntreue Journalisten. Ihrer Ansicht nach ist die \u201eWahrheit [\u2026] durch die Propaganda [\u2026] und durch eine um den Verstand gebrachte Medienlandschaft [ersetzt worden]. Das alles zu Gunsten einer Macht, die davon ausgeht, dass sie Russland sei und aus diesem Grund am besten wisse, was Russland brauche\u201c (Anna POLITKOVSKAJA). Ihre Kritik an der Kreml-Politik verschafft Anna POLITKOVSKAJA Feinde in hohen Regierungs\u00e4mtern.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Insbesondere in Kreisen westlicher Menschenrechtsorganisationen wird ihr Name durch ihre Publikationen zum Tschtschenienkrieg ein Begriff. Anna POLITKOVSKAJAS lebensgef\u00e4hrliches Engagement und ihre pers\u00f6nliche Courage werden \u2013 als reiche der Mut nicht f\u00fcr mehr \u2013 mit diversen journalistischen Auszeichnungen versehen. Die daraus resultierende Popularit\u00e4t erscheint ihr f\u00e4lschlicherweise als ein Schutzschild. Gleichwohl \u00fcbt sie Kritik an der westlichen Welt. Sie wirft ihr vor, sich nicht f\u00fcr Russland und seine Menschen, sondern nur f\u00fcr das Gas und das \u00d6l zu interessieren. Immer wieder beklagt sie Deutschlands enge Freundschaft zu PUTIN.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b><i>&#8222;Auf meiner Suche nach Unterst\u00fctzung ziehen sie an meinen Augen vor\u00fcber, die Hauptst\u00e4dte der Welt. Im Fr\u00fchjahr war ich in Amsterdam, Paris, Genf, Manila, Bonn, Hamburg &#8230; \u00dcberall die Bitte, &#8218;eine Rede zu halten \u00fcber die Situation in Tschetschenien&#8216; &#8211; und das Resultat gleich Null. Nur h\u00f6flicher &#8218;westlicher&#8216; Beifall als Reaktion auf die Mahnung: &#8218;Vergessen Sie nicht, dass in Tschetschenien weiterhin jeden Tag Menschen umkommen. Auch heute\u2019\u201c (A. P.).<\/i><\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Anna POLITKOVSKAJA verfolgt die \u201eMission\u201c, die Wahrheit \u00fcber die Verh\u00e4ltnisse in Tschetschenien und die Zust\u00e4nde in Russland ans Licht zu bringen. Ihr Pflichtbewusstsein f\u00fcr ihre Arbeit und die Annahme der Rolle als Stimme f\u00fcr die Menschen, die unter dem Krieg in Tschetschenien leiden, sind st\u00e4rker als ihre Angst. \u201eSie ist ein sehr harter Mensch und genauso anspruchsvoll ist sie gegen\u00fcber ihrer Umwelt. Diese H\u00e4rte fiel einem sehr schwer auszuhalten. Aber wir haben uns gegenseitig stets normal und mit Respekt behandelt\u201c (Alexander POLITKOVSKIJ). Ihr Arbeitspensum \u00fcberbietet dass eines Top-Managers. Sie nimmt sich vor, was kaum zu schaffen ist.<\/p>\n<h3><b>\u201eIch bin \u00fcberzeugt von dem, was ich tue. Damit bin ich im Einklang mit mir selbst\u201c (A. P.).<\/b><\/h3>\n<p class=\"bodytext\">Ihre urspr\u00fcnglichen Ambitionen, Souver\u00e4nit\u00e4t und Kompromisslosigkeit, bewahrt sie sich. Ihr Prinzip: alles ver\u00f6ffentlichen, ohne die Folgen f\u00fcr sich zu bedenken. So verl\u00e4sst sie beispielsweise Moskau 2001 als Reaktion auf Morddrohungen, nachdem sie einen Artikel ver\u00f6ffentlicht hat, in dem sie das russische Milit\u00e4r in Tschetschenien belastet. Die ihr angeblich sehr \u00e4hnlich sehende Nachbarin wird einen Tag nach ihrer Abreise ermordet aufgefunden. Anna POLIT- KOVSKAJA lebt f\u00fcr einige Monate in Wien, kehrt jedoch bald nach Moskau zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">2002 besetzen maskierte und bewaffnete Personen \u2013 den Medien zufolge tschetschenische Rebellen \u2013 das Dubrovka-Theater in Moskau und bringen knapp 800 G\u00e4ste in ihre Gewalt. Anna POLITKOVSKAJA bietet sich zur Vermittlung als Geisel an. Sie wird als Unterh\u00e4ndlerin f\u00fcr die Verhandlungen akzeptiert und versorgt die Festgehaltenen mit Wasser. Den Sturm der russischen Spezialeinheiten und damit den Tod von \u00fcber 100 Menschen kann sie jedoch nicht verhindern. Unmittelbar danach \u00e4u\u00dfert sie Kritik an der Vorgehensweise der Polizeieinheiten. Anna POLITKOVSKAJA recherchiert das Vorgehen der russischen Beh\u00f6rden w\u00e4hrend des Sturms auf das Theater auch dann noch, als viele die Hoffnung auf Kl\u00e4rung bereits aufgegeben haben.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">2004 besetzen in Beslan maskierte und bewaffnete Personen \u2013 den Medien zufolge tschetschenische Rebellen \u2013 eine Schule. Bei der Befreiungsaktion durch russische Spezialeinheiten sterben einige Hundert Menschen, darunter viele Kinder. Kritische Journalisten vermuten hinter der Schulbesetzung eine geplante Aktion des russischen Geheimdienstes FSB \u2013 die Nachfolgeorganisation des KGB \u2013 zur Stabilisierung des Feindbildes \u201etschetschenische Terroristen\u201c und damit zur Rechtfertigung der Milit\u00e4reins\u00e4tze im Nord-Kaukasus.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Als auch Anna POLITKOVSKAJA sich nach Beslan aufmacht, wird ihr eine Tasse Tee auf dem Flug \u2013 sie nimmt in der Regel nur selbst mitgebrachte Nahrung zu sich \u2013 zur verh\u00e4ngnisvollen Ausnahme. Erstmalig wird Anna POLITKOVSKAJA Opfer eines Giftanschlags. Sie verliert das Bewusstsein und wird somit an der Einreise gehindert. Die T\u00e4ter bleiben unbekannt.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Im Mai 2005 wird Anna POLITKOVSKAJAS parkendes Auto von unbekannten M\u00e4nnern demoliert. Im Oktober versuchen Unbekannte mit einem Mercedes Jeep ihren Wagen von der Stra\u00dfe abzudr\u00e4ngen. An diesem Tag f\u00e4hrt jedoch ihre Tochter das Fahrzeug. Es stellt sich quer, die M\u00e4nner zerschlagen die Scheiben. Die T\u00e4ter bleiben unbekannt.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Ein Jahr sp\u00e4ter, am 07. Oktober 2006, dem Geburtsdatum von Pr\u00e4sident PUTIN, wird Anna POLITKOVSKAJA im Aufzug ihres Wohnhauses mit vier Pistolensch\u00fcssen ermordet. Der f\u00fcnfte, so genannte Kontrollschuss, wird gezielt auf den Kopf abgefeuert. Die Kamera am Haus filmt einen jungen Mann. Die Polizei nimmt die Fahndung auf. Ger\u00fcchten zufolge sind mehrere Personen an dem Mord beteiligt gewesen. Die T\u00e4ter bleiben unbekannt. Raubmord wird ausgeschlossen. Politischer Mord? M\u00f6glich. Der stellvertretende Moskauer Staatsanwalt Vjatschislav ROSSINSKI mutma\u00dft, dass Anna POLITKOVSKAJAS journalistisches Engagement ihr Leben verantworte. Auch f\u00fcr den Oppositionsabgeordneten Vladimir RYSCHKOV ist die Tat politisch motiviert.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Nach Pr\u00e4sident PUTIN nimmt die Reputation Russlands deutlich mehr Schaden durch den Mord an der Journalistin als durch deren Artikel. Der vom Kreml ins Amt des tschetschenischen Pr\u00e4sidenten gehobene Ramzan KADYROV beschuldigt den milliardenschweren Unternehmer und PUTIN-Gegner Boris BERESOVSKI \u2013 der im Exil in Gro\u00dfbritannien lebt \u2013 f\u00fcr den Mord an Anna POLITKOVSKAJA verantwortlich zu sein. F\u00fcr die Redaktion der\u00a0<i>Novaja Gazeta<\/i>\u00a0sind die Anschuldigungen unhaltbar und dienen ihrer Ansicht nach dazu, die Ermittlungen in eine falsche Richtung zu lenken. So leiten die Verantwortlichen der Zeitung eigene Ermittlungen ein und setzen ein Kopfgeld von 25 Millionen Rubel (740.000 Euro) f\u00fcr der Aufkl\u00e4rung dienliche Hinweise aus.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Der Gro\u00dfteil der russischen Bev\u00f6lkerung steht dem Ereignis gelassen gegen\u00fcber. Der Fall beinhalte keinen Symbolcharakter und sei nur einer von vielen vergleichbaren in Russland, meldet eine Petersburger Senatorin. Die Aufmerksamkeit der westlichen Medien f\u00fcr den Tod Anna POLITKOVSKAJAS spiegelt darum nicht zwangsl\u00e4ufig die Resonanz auf den Mord in ihrer Heimat Russland wieder.<br \/>\nIn der westlichen Welt eignet sich der Vorfall des Mordes an einer couragierten und f\u00fcr den Kreml unbequemen, sich f\u00fcr die Menschenrechte einsetzenden Reporterin als Symbol f\u00fcr einen Anschlag auf die Pressefreiheit und insbesondere den investigativen Journalismus.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Auch wenn der Name Anna POLITKOVSKAJA in Folge von verschiedenen Ehrungen im Westen bekannter ist als der von vielen ihrer ermordeten (und noch aktiven) Mitstreiter im Kampf um Gerechtigkeit, verhilft erst der Mord an der Person POLITKOVSKAJA dieser zu Ehre und Ansehen auch innerhalb der Massenmedien. So schnell die mediale Popularit\u00e4t POLITKOVSKAJAS auftaucht, so schnell verschwindet sie wieder von der Agenda westlicher Medien.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Am 09. Juni 2014, knapp acht Jahre nach den Mord an der kritischen Journalistin gibt es nun endg\u00fcltige Urteile gegen die f\u00fcnf Angeklagten. Lom-Ali GAITUKAYEV, der den Ablauf der Tat geplant haben soll und sein Neffe, der Todessch\u00fctze Rustam MAKHMUDOV, m\u00fcssen lebenslang ins Straflager. Zudem verurteilte das Gericht in Moskau drei Komplizen\u00a0zu 12 bis 20 Jahren Lagerhaft.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Diesen Artikel k\u00f6nnen Sie direkt aufrufen oder verlinken unter\u00a0<a title=\"Opens internal link in current window\" href=\"http:\/\/www.anstageslicht.de\/Anna\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.ansTageslicht.de\/Anna<\/a><\/p>\n<p class=\"bodytext\">(<i>NKL, VIL, MAH, THK, AP)<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine couragierte Journalistin \u00a0Anna MASEPA wird am 30.08.1958 in New York geboren. 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