{"id":1362,"date":"2017-07-31T22:28:27","date_gmt":"2017-07-31T20:28:27","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=1362"},"modified":"2017-07-31T22:29:11","modified_gmt":"2017-07-31T20:29:11","slug":"mossul-ein-bundesheer-experte-kritisiert-den-einsatz-von-weissem-phosphor","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=1362&lang=de","title":{"rendered":"Mossul: Ein Bundesheer-Experte kritisiert den Einsatz von wei\u00dfem Phosphor"},"content":{"rendered":"<p class=\"auszug\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1363 alignleft\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/\u041c\u043e\u0441\u0443\u043b-300x126.jpg\" alt=\"\" width=\"426\" height=\"179\" \/>Die Belagerer von Mossul lie\u00dfen wei\u00dfen Phosphor auf ganze Stadtteile niederregnen. Laut \u00f6sterreichischem Bundesheer wurde damit wohl humanit\u00e4res V\u00f6lkerrecht verletzt.<\/strong><\/p>\n<section class=\"author-date\">Ein lauter Knall rund 100 Meter \u00fcber dem Boden, helle Flammen, wei\u00dfer Rauch. Ein brennender Partikelregen f\u00e4llt auf H\u00e4user und Stra\u00dfen unterhalb der Explosion hinab.<\/section>\n<section>So sieht das aus, wenn eine US-Granate vom Typ M825A1 WP detoniert. Das WP steht f\u00fcr &#8222;White Phosphorus\u201c, die US-Armee hat ihr den Spitznamen &#8222;Willy Pete\u201c gegeben. Durch dichten Rauch soll sie eine Nebelwand erzeugen, hinter der sich die eigenen Truppen an den Gegner anschleichen k\u00f6nnen. Auch Ziele im Dunkeln k\u00f6nnen damit markiert werden.<span class=\"articleIssueInfoTitle\">Dieser Artikel stammt aus profil 30\/2017.<\/span>Das aktuelle Heft k\u00f6nnen Sie im Handel oder als E-Paper erwerben.<\/p>\n<p>Wei\u00dfer Phosphor brennt hell, sobald kleinere St\u00fccke mit Sauerstoff in Ber\u00fchrung kommen. Dabei erzeugt er undurchdringbaren wei\u00dfen Rauch. Ein Feuer aus wei\u00dfem Phosphor ist hei\u00df und schwer zu l\u00f6schen; gelangt die Substanz an die Luft, entz\u00fcndet sie sich erneut. Dazu ist sie hochgiftig. Rund 50 Milligramm k\u00f6nnen f\u00fcr einen Menschen t\u00f6dlich sein, weshalb wei\u00dfer Phosphor meist nicht einmal mehr als Rattengift eingesetzt wird. Wenn wei\u00dfer Phosphor in einem bewaffneten Konflikt falsch oder zweckentfremdet eingesetzt wird, verst\u00f6\u00dft das gegen das humanit\u00e4re V\u00f6lkerrecht und k\u00f6nnte sogar als Kriegsverbrechen gewertet werden.<\/p>\n<p>&#8222;Die Aufnahmen aus Mossul &#8211; sowie aus Rakka &#8211; lassen eindeutig wahrnehmen, dass Nebelgranaten vom Typ M825A1 WP verschossen wurden, und deuten darauf hin, dass sie auf illegitime Art und Weise eingesetzt wurden\u201c, sch\u00e4tzt Markus Reisner gegen\u00fcber profil die Situation ein. Der Oberstleutnant wei\u00df, wovon er spricht: Als fr\u00fcheres Mitglied der Eliteeinheit Jagdkommando des \u00f6sterreichischen Bundesheeres diente er in mehreren internationalen Auslandseins\u00e4tzen und lehrt nun Taktik an der Landesverteidigungsakademie in Wien. Diese neue Entwicklung in der Kriegsf\u00fchrung besorgt ihn.<\/p>\n<h4>Kriegsverbrecher Willy Pete?<\/h4>\n<p>Bereits im Jahr 2005 wurde bekannt, dass die US-Armee Phosphorgranaten auf die irakische Stadt Falludscha niederregnen lie\u00df. &#8222;Das diente praktisch dazu, die irakischen Aufst\u00e4ndischen in Angst und Schrecken zu versetzen, f\u00fchrte aber auch zu ausgedehnten, schwer l\u00f6schbaren Br\u00e4nden auf dem Boden\u201c, so Reisner. Wenn Nebelgranaten solcherart zweckentfremdet w\u00fcrden, seien die Grunds\u00e4tze des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechtes nicht mehr einzuhalten. Die brennenden, hochgiftigen Partikel k\u00f6nnten nicht nur K\u00e4mpfer treffen, sondern auch Zivilisten. Die Verheerung auf dem Boden sei unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hoch.<\/p>\n<p>Trotzdem sei es &#8222;in den letzten Jahren in der Einsatzf\u00fchrung von Streitkr\u00e4ften zum Standard geworden\u201c, wei\u00dfen Phosphor \u00fcber urbanen Gebieten niederregnen zu lassen, sagt Reisner. Als Beispiele nennt er den Libanon (2006), den Gaza-Streifen (2008 und 2009) und die syrischen Provinzen Idlib und Aleppo (2015 und 2016). Nicht nur die US-Armee z\u00fcndete die Granaten mit hohem Bodenabstand, auch Israel, Russland und Irak gingen so vor. Bei der Belagerung von Mossul schwieg die US-Armee zuerst auf die Frage, ob sie auch Nebelgranaten \u00fcber dem Stadtgebiet detonieren lie\u00df. Ein Sprecher gab vor einem Monat zu, dass &#8222;Willy Pete\u201c eingesetzt wurde, aber nur, um eine sch\u00fctzende Nebelwand aufzubauen, die Zivilisten die Flucht erm\u00f6glichen sollte.<\/p>\n<p>Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch oder Amnesty International beklagen schon l\u00e4nger, dass wei\u00dfer Phosphor direkt \u00fcber Menschen abgeschossen werde und nicht nur, um Nebel zu erzeugen. Klar ist aber auch: Nach westlichen Standards operierende Armeen sehen sich im Kampf gegen Gruppen wie den &#8222;Islamischen Staat\u201c (IS) mit einem Dilemma konfrontiert: Sie sind angehalten, das V\u00f6lkerrecht einzuhalten, w\u00e4hrend das die Dschihadisten kaum k\u00fcmmert. So werden Zivilisten gezielt vom IS als Schutzschilde festgehalten, um Luftschl\u00e4ge gegen Stellungen zu verhindern. \u00dcber ihre Online-Propaganda-Nachrichtenagentur Amaq prangert die Terrormiliz dann an, dass ihre Feinde unschuldige Iraker mit wei\u00dfem Phosphor verbrannt und vergiftet h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Das alles k\u00f6nne aber nicht als Ausrede gelten, um selbst an und \u00fcber die Grenze des Erlaubten zu gehen, sagt Reisner. Aus den Granatensortimenten des \u00f6sterreichischen Bundesheer schieden die Nebelgranaten jedenfalls bereits in den 1980er-Jahren aus.<\/p>\n<\/section>\n<p>Von\u00a0<a title=\"Zur Autorenseite von Christoph Zotter\" href=\"https:\/\/www.profil.at\/autoren\/christoph-zotter\" rel=\"author\">Christoph Zotter<\/a><\/p>\n<p>https:\/\/www.profil.at\/shortlist\/ausland\/mossul-bundesheer-experte-weisses-phosphor-8246486<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Belagerer von Mossul lie\u00dfen wei\u00dfen Phosphor auf ganze Stadtteile niederregnen. Laut \u00f6sterreichischem Bundesheer wurde damit wohl humanit\u00e4res V\u00f6lkerrecht verletzt. Ein lauter Knall rund 100 Meter \u00fcber dem Boden, helle Flammen, wei\u00dfer Rauch. Ein brennender Partikelregen f\u00e4llt auf H\u00e4user und Stra\u00dfen unterhalb der Explosion hinab. 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