{"id":1569,"date":"2017-08-09T15:26:58","date_gmt":"2017-08-09T13:26:58","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=1569"},"modified":"2017-08-09T15:26:58","modified_gmt":"2017-08-09T13:26:58","slug":"tschetschenien-der-verdraengte-voelkermord","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=1569&lang=de","title":{"rendered":"TSCHETSCHENIEN: DER VERDR\u00c4NGTE V\u00d6LKERMORD"},"content":{"rendered":"<p><i><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1570 alignleft\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/post-26-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/post-26-300x200.jpg 300w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/post-26-480x320.jpg 480w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/post-26.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Olivier Dupuis, Abgeordneter der Radikalen im Europaparlament war gestern in Bozen, um f\u00fcr eine Unterst\u00fctzung des Friedensplanes f\u00fcr Tschetschenien zu werben. Landtagsvizepr\u00e4sident Hermann Thaler hat zugesagt, einen Vertreter der tschetschenischen Regierung als Zeichen der Solidarit\u00e4t nach S\u00fcdtirol einzuladen. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber den Friedensplan, die Zust\u00e4nde in Tschetschenien und die Irrt\u00fcmer der europ\u00e4ischen Politik.<\/i><\/p>\n<p><b>&#8222;WAS IN TSCHETSCHENIEN PASSIERT, IST V\u00d6LKERMORD!&#8220;<\/p>\n<p>Tageszeitung: Herr Dupuis, worin besteht die Initiative der Radikalen Partei f\u00fcr Tschetschenien<\/b><\/p>\n<p>Olivier Dupuis: Wir arbeiten derzeit intensiv an einem Appell zur Unterst\u00fctzung des Planes des Au\u00dfenministers der tschetschenischen Republik von Itschkeria, Ilya Akhmadov, zur Beendigung des Konfliktes in Tschetschenien. Der Plan sieht eine begrenzte provisorische Verwaltung des Landes durch die Vereinten Nationen unter der Voraussetzung der Entwaffnung der tschetschenischen Streitkr\u00e4fte und des R\u00fcckzugs der russischen Truppen vor. Nach dieser \u00dcbergangszeit, die noch genau definiert werden sollte, k\u00f6nnten Wahlen und eventuell ein Referendum stattfinden, bei dem abgestimmt wird, ob das Land weiterhin bei Russland bleiben soll, etwa im Rahmen einer Autonomie nach einem S\u00fcdtiroler Modell, oder ob es in die Unabh\u00e4ngigkeit entlassen werden will.<\/p>\n<p><b>Ein guter Vorschlag auf dem Papier, aber unter den derzeitigen Vorzeichen mit wenig konkreten Chancen.\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Die Situation ist extrem schwierig, da international momentan alles nur auf den Kampf gegen den Terrorismus konzentriert ist. Putin ist Teil dieser Allianz gegen den Terrorismus. Dennoch w\u00e4chst allm\u00e4hlich ein Bewusstsein davon, auch in Italien, dass das, was in Tschetschenien passiert, viel schlimmer ist als das, was in Bosnien passiert ist. \u00dcber Bosnien gab es viele Informationen, \u00fcber Tschetschenien kaum. Nur wenige Journalisten berichten aus dem Land und die Nachrichten erfahren nur wenig Verbreitung. Dabei n\u00e4hern wir uns in Tschetschenien einem V\u00f6lkermord. Der Krieg hat bislang an die 200.000 Tote gefordert bei einer Bev\u00f6lkerung von einer Million. Das hei\u00dft, 20 Prozent der Tschetschenen wurden bereits ausgel\u00f6scht und wenn man die Verletzten und Verst\u00fcmmelten mitrechnet, erh\u00f6ht sich die Zahl nochmals um ein Vielfaches. 30 bis 40 Prozent der Bev\u00f6lkerung sind entweder im Land oder in den Nachbarregionen auf der Flucht. Die Hauptstadt Grozny hatte einmal 400.000 Einwohner, Jetzt sind drei Viertel der Stadt zerst\u00f6rt und die Menschen leben irgendwo in einem Fl\u00fcchtlingslager.<\/p>\n<p><b>Trotz dieser Trag\u00f6die vor den Toren Europas h\u00e4lt sich der Westen heraus.\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Die europ\u00e4ischen Regierungen halten sich heraus, weil viele starke wirtschaftliche Verflechtungen mit Russland haben, vor allem im Energiesektor. Tschetschenien wird auf dem Altar Wirtschaftlicher Interessen geopfert. Dar\u00fcber hinaus gibt es nat\u00fcrlich :politische Interessen an der Stabilit\u00e4t der russischen Federation, f\u00fcr die Putin steht.<\/p>\n<p><b>Man erf\u00e4hrt sehr wenig \u00fcber die Lage in Tschetschenien. Wie ist das Leben abgesehen von den milit\u00e4rischen Operationen?\u00a0<\/b><\/p>\n<p>In Tschetschenien spiegelt sich der Zustand Russlands insgesamt wieder, vor allem die Korruption. Es gibt einen von Moskau aus gesteuerten Handel mit. Petroleum und` Menschen von Seiten der russischen Streitkr\u00e4fte. Wenn ein Tschetschene von den Russen entf\u00fchrt wird, muss die Faltlilie 1.000, 1.880 Dollar bezahlen, um ihn lebend wieder zu sehen. Selbst wenn er zu Tode gefoltert wurde, muss die Familie zahlen, um wenigstens die Leiche zu bekommen. Dieser Handel hat ungeheure Ausma\u00dfe angenommen. Dazu kommen Raubz\u00fcge und alle Grausamkeiten, die man sich nur vorstellen kann. Und es ist nicht so, dass diese unglaubliche Gewalt\u00e4tigkeit auf Tschetschenien beschr\u00e4nkt bleibt. Die Soldaten tragen diese Gewalt in die gesamte russische Gesellschaft hinein, was sich beispielsweise darin zeigt, dass die Gewalt in den Familien enorm ansteigt.<\/p>\n<p><b>Die Selbstmordanschl\u00e4ge bieten Moskau aber immer wieder bequeme Rechtfertigungen fier den Kampf gegen Uten tschetschenischen Terrorismus.\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Diese Anschl\u00e4ge sind Ausdruck der totalen Verzweiflung. Man kann sie nicht mit den Selbstmordanschl\u00e4gen in Pal\u00e4stina vergleichen. In Pal\u00e4stina sprengen sich 18-J\u00e4hrige in die Luft, die vorher in Trainingscamps ausgebildet und fanatisiert wurden. In Tschetschenien sind die Selbstmordattent\u00e4ter 40-oder 50-j\u00e4hrige Frauen, die alle ihre Angeh\u00f6rigen verloren haben. Das ist ein Ausdruck der pers\u00f6nlichen Verzweiflung und der Verzweiflung dar\u00fcber, von Europa und Amerika seit dem 11. September alleingelassen zu werden.<\/p>\n<p><b>Warum wird dieses Problem nur in Frankreich so stark empfunden?\u00a0<\/b><\/p>\n<p>In Frankreich gibt es mit Sicherheit die st\u00e4rkste Sensibilit\u00e4t f\u00fcr Tschetschenien. Wahrscheinlich deshalb, weil es dort eine einflussreiche Gruppe gibt, die sich immer schon mit Russland auseinandergesetzt hat. Man denke nur an Andre Glucksmann. Aber auch in Deutschland und Italien w\u00e4chst das Bewusstsein daf\u00fcr. Das Problem sind die gegenw\u00e4rtigen Regierungen. Berlusconi ist ein Freund Putins, Chirac, Blair und Schr\u00f6der setzen im wesentlichen die Politik Kohls fort, die sich nur auf die Stabilit\u00e4t der russischen F\u00f6deration konzentriert. Aber es ist evident, dass diese Stabilit\u00e4t nur \u00fcber eine wirkliche Demokratisierung: Russlands erreicht werden kann. Ein Staat, der einen V\u00f6lkermord nicht nur toleriert sondern letztlich organisiert, macht das Gegenteil davon. Die gegenw\u00e4rtige Position der europ\u00e4ischen Regierungen ist auf dem Holzweg, wenn sie glaubt, dass Russland auf diesem Weg Stabilit\u00e4t erlangen kann. Das ist nur m\u00f6glich, wenn das Problem Tschetschenien gel\u00f6st wird.<\/p>\n<p><b>Wie kann eine kleine Region wie S\u00fcdtirol da agieren?\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Ob klein oder gro\u00df, spielt keine Rolle. Wenn das Land S\u00fcdtirol einen Vertreter der legitimen tschetschenischen Regierung einl\u00e4dt, dann kommt das einem Tabubruch gleich. Das bedeutet, dass man sich nicht einfach auf; die offizielle Version von Moskau verl\u00e4sst. Das ist unheimlich wichtig, Weil es ein Zeichen der Hoffnung f\u00fcr die Tschetschenen ist.<\/p>\n<p><a class=\"author\" href=\"http:\/\/www.radicalparty.org\/de\/search\/apachesolr_search\/Heinrich%20Schwazer?filters=language:de&amp;solrsort=created%20desc\">Heinrich Schwazer<\/a><\/p>\n<p><span class=\"source\">Die Neue S\u00fcdtiroler Tageszeitung<\/span><\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"epEh07BWmo\"><p><a href=\"https:\/\/www.partitoradicale.it\/ova_framework_hf_el\/footer\/\">Footer<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8220;Footer&#8221; &#8212; PARTITO RADICALE Nonviolento Transpartito Transnazionale\" src=\"https:\/\/www.partitoradicale.it\/ova_framework_hf_el\/footer\/embed\/#?secret=bCKdH63bqe#?secret=epEh07BWmo\" data-secret=\"epEh07BWmo\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Olivier Dupuis, Abgeordneter der Radikalen im Europaparlament war gestern in Bozen, um f\u00fcr eine Unterst\u00fctzung des Friedensplanes f\u00fcr Tschetschenien zu werben. 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