{"id":16022,"date":"2021-02-09T12:44:24","date_gmt":"2021-02-09T11:44:24","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=16022"},"modified":"2021-02-09T12:44:24","modified_gmt":"2021-02-09T11:44:24","slug":"nach-tschetschenien-verschleppt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=16022&lang=de","title":{"rendered":"Nach Tschetschenien verschleppt"},"content":{"rendered":"<div id=\"\" class=\"odd sect sect_article news report\" role=\"region\">\n<article class=\"sectbody\">\n<p class=\"intro \">Zwei M\u00e4nner wurden aus dem russischen Nischnij Nowgorod entf\u00fchrt. Sie kritisierten immer wieder tschetschenische Traditionen.<\/p>\n<p class=\"caption\">Die Novye Isvestija berichtet \u00fcber die Entf\u00fchrung von Ismail Isajew (l.) und Salech Magamadow <span class=\"credit\">Foto: Screenshot Novye Isvestija<\/span><\/p>\n<p class=\"article first odd\">KIEW\u00a0<em>taz<\/em>\u00a0| Russlands LGBT-Community bangt um Salech Magamadow und Ismail Isajew. Die beiden M\u00e4nner, die seit mehreren Monaten im russischen Nischnij Nowgorod leben, wurden am Donnerstag von Polizisten in ihrer Wohnung verhaftet und nach Tschetschenien verschleppt. Nach Angaben der in Moskau erscheinenden\u00a0<em>Nowaja Gaseta<\/em>\u00a0waren an der Festnahme auch tschetschenische Polizisten beteiligt. \u201eIhnen droht Lebensgefahr\u201c warnt das russische LGBT-Netzwerk\u00a0<a href=\"http:\/\/lgbtnet.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">auf seinem Internetportal lgbtnet.org<\/a>.<\/p>\n<p class=\"article even\">Salech Magamadow (19) und Ismail Isajew (17) sind Administratoren des Telegram-Kanals \u201eOsal Nach 95\u201c (auf deutsch: \u201eleere Menschen\u201c). Dessen Betreiber verstehen sich als Atheisten, kritisierten immer wieder muslimische und tschetschenische Traditionen, zeigen h\u00e4ufig das christliche Kreuz und LGBT-Symbolik.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Im April 2020 waren sie zusammen mit 25 weiteren Jugendlichen festgenommen worden. In der Haft wurden sie gezwungen, Textstellen aus dem Koran, die Biographie von Achmat Kadyrow, dem Vater des amtierenden tschetschenischen Republikchef Ramsan Kadyrow, die tschetschenische und die russische Hymne auswendig zu lernen.<\/p>\n<p class=\"article even\">Der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial zufolge seien die beiden in einem Geb\u00e4ude der Streifenpolizei in Grosnij gefoltert worden. David Isteev vom russischen LGBT-Netzwerk \u00e4u\u00dfert auf dem Internetprotal svoboda.org, dass die sexuelle Orientierung der beiden ihre Situation noch weiter erschwert habe.<\/p>\n<h3><strong>Anwalt der beiden erhielt Hilferuf<\/strong><\/h3>\n<p class=\"article odd\">Das erste Mal war Isajew im August 2019 festgenommen worden.\u00a0<a href=\"https:\/\/taz.de\/Homophobie-in-Tschetschenien\/!5563388\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Grund daf\u00fcr: seine Homosexualit\u00e4t<\/a>. Eine Woche lang sei er an einem unbekannten Ort festgehalten und misshandelt worden. Dann habe ihn seine Mutter freigekauft, berichtet die\u00a0<em>Nowaja Gaseta<\/em>.<\/p>\n<p class=\"article even\">Im Juli 2020 hatte das russische LGBT-Netzwerk Salech Magamadow und Ismail Isajew nach ihrer Freilassung geholfen, von Tschetschenien nach Nischnij Nowgorod zu fliehen, wo sie sich anschlie\u00dfend gemeinsam in einer Wohnung einmieteten.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Aus dieser Wohnung erreichte Alexander Nemow, Anwalt von Magamadow und Isajew, am Donnerstag Nachmittag ein Hilferuf. Viel konnte er nicht verstehen am Telefon, doch die Schreie im Hintergrund und der sofortige Abbruch der Verbindung veranlassten Nemow, sich unverz\u00fcglich auf den Weg zur Wohnung zu machen. Diese fand er verw\u00fcstet vor, seine beiden Mandanten waren verschwunden.<\/p>\n<p class=\"article even\">Wenig sp\u00e4ter erfuhr er von einem Polizisten, dass die beiden in die tschetschenische Stadt Gudermes gebracht worden seien. Sofort machte sich Nemow auf den Weg nach Gudermes. Erst am Samstag Nachmittag konnte er mit den Festgenommenen sprechen. \u201eNun warten wir auf das Verh\u00f6r\u201c so Nemow am Samstag zur taz.<\/p>\n<h3>Verhaftung passt zu den Angriffen auf Kri\u00adti\u00adke\u00adr*in\u00adnen<\/h3>\n<p class=\"article odd\">Tschetscheniens Pr\u00e4sident Ramsan Kadyrow duldet keine Kritiker. \u201eWenn wir sie nicht stoppen, t\u00f6ten, festsetzen, einsch\u00fcchtern, kommen wir nicht weiter\u201c zitiert der russische Service der BBC den Diktator am 4. November 2019. Und so habe man das auch in 2020 umgesetzt, erkl\u00e4rt Menschenrechtler Oleg Orlow.<\/p>\n<p class=\"article even\">In dieses Bild, so Orlow, f\u00fcge sich der Angriff auf die Anw\u00e4ltin Marina Dubrowina und die\u00a0<a href=\"https:\/\/taz.de\/Opposition-in-Russland\/!5678164\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Journalistin Elena Milaschina<\/a>\u00a0in Grosnij im vergangenen Februar, der Mordversuch auf den in Schweden lebenden tschetschenischen Blogger Tumso Abdurachmanow, der\u00a0<a href=\"https:\/\/taz.de\/Kriminalitaet-in-Oesterreich\/!5694096\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mord an dem tschetschenischen Blogger Mamichan Umarow<\/a>\u00a0im Juli in Wien und der Mordversuch an dem in Finnland lebenden Blogger Musa Lomajew.<\/p>\n<p class=\"article last odd\">Nach ihrer Inhaftierung im April, so Memorial, hatten die tschetschenischen Beh\u00f6rden von Magamadow und Isajew eine Zusammenarbeit erwartet. Um dieser zu entgehen, hatten sie sich nach Nischnij Nowgorod begeben. Nun sind sie wieder in ihrer Heimat, gegen ihren Willen. Oleg Orlow f\u00fcrchtet \u201esehr harte Folgen\u201c f\u00fcr die beiden.<\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<div class=\"sect_text tziBottom\">\n<h3>Journalismus ist wichtiger denn je<\/h3>\n<p class=\"article first odd\">Wir berichten seit 1978 \u00fcber die Zerst\u00f6rung unseres Planeten \u2013 weil wir daran glauben, dass eine bessere Welt m\u00f6glich ist. Klima- und Umweltberichterstattung haben in der taz schon immer einen gro\u00dfen Raum eingenommen, aber zurzeit gehen wir noch einmal in die Offensive. Die taz berichtet noch intensiver \u00fcber die drohende Klimakatastrophe \u2013 auf allen Kan\u00e4len. Um dies leisten zu k\u00f6nnen, sind wir auf die Unterst\u00fctzung unserer Leser*innen angewiesen. Denn guter Journalismus ist aufw\u00e4ndig und nicht kostenlos zu haben.<\/p>\n<p class=\"article even\">Unsere Idee: Die Arbeit der Redaktion ist \u2013 anders als bei vielen anderen Medien \u2013 frei zug\u00e4nglich. Unsere Artikel sollen so viel wie m\u00f6glich gelesen, geliked und geteilt werden. Nur so k\u00f6nnen sie die \u00f6kologisch notwendigen Ver\u00e4nderungen unserer Gesellschaft vorantreiben. Im Gegenzug wird die taz von unseren Leser*innen unterst\u00fctzt. Freiwillig und solidarisch. Mit Ihrer Beteiligung kann die taz auch in Zukunft das sein, was sie ist: eine kritische \u00d6ffentlichkeit und eine engagierte Stimme f\u00fcr mehr Klimaschutz. 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