{"id":16093,"date":"2021-02-18T12:08:12","date_gmt":"2021-02-18T11:08:12","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=16093"},"modified":"2021-02-18T12:08:12","modified_gmt":"2021-02-18T11:08:12","slug":"tschetschenenvon-stalin-deportiert-von-jelzin-bombardiert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=16093&lang=de","title":{"rendered":"Tschetschenen:Von Stalin deportiert &#8211; von Jelzin bombardiert"},"content":{"rendered":"<div class=\"header\">\n<h2>Russlands Krieg von 1994\/95 Dokumentation von 1995<\/h2>\n<\/div>\n<div class=\"news-text-wrap\">\n<p class=\"bodytext\"><b>Der Einmarsch von Dezember 1994<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Im Dezember 1994 marschierten die Truppen der Russischen F\u00f6deration unter dem Vorwand, die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung Ru\u00dflands zu verteidigen, in Tschetschenien ein. Russische Kampfflugzeuge und Panzer bombardierten wahllos Wohnviertel, Krankenh\u00e4user, Schulen und Kinderg\u00e4rten. Russische Scharfsch\u00fctzen schossen auf Warteschlangen an Bushaltestellen und auf Trauergaeste bei Beerdigungsfeiern.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Mindestens 73.000 Menschen waren bis Mitte 1995 durch die russischen Angriffe umgekommen, 500.000 wurden vertrieben: Tschetschenen, Inguschen, Armenier, Juden, Osseten, Dagestaner und Angeh\u00f6rige anderer Nationalit\u00e4ten ebenso wie die russische Volksgruppe, die in der Region seit Generationen ans\u00e4\u00dfig ist. Doch das nur 900.000 Personen z\u00e4hlende Volk der Tschetschenen, die zu den Ureinwohnern des Kaukasus geh\u00f6ren, wurde das Hauptopfer der Bombardements und Massenvertreibungen. An ihm begingen russische Truppen &#8211; ein halbes Jahrhundert nach Stalin &#8211; einen zweiten V\u00f6lkermord.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Deportation unter Stalin<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">In der Nacht zum 23. Februar 1944 wurden die D\u00f6rfer der Tschetschenen und Inguschen auf Befehl des sowjetischen Diktators Josef Stalin von Truppen des sowjetischen Sicherheitsdienstes NKWD umstellt. Die Einwohner wurden mit Maschinengewehren aus den Betten getrieben. Binnen 15 Minuten mu\u00dften sie ihre H\u00e4user verlassen haben, die von Soldaten anschlie\u00dfend gepl\u00fcndert wurden. Schon w\u00e4hrend des Transportes in G\u00fcterwaggons starben viele Vertriebene, vor allem Kranke, Kinder und Alte. 479.000 Tschetschenen und Inguschen sollen den kollektiven Deportationen und der Zwangsarbeit in der Verbannung in Zentralasien sowie in Sibirien zum Opfer gefallen sein. Erst 1957 wurden die deportierten V\u00f6lker rehabilitiert und durften in ihre Heimat zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>1991: Tschetschenien wird unabh\u00e4ngig<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Im November 1991 erkl\u00e4rten die Tschetschenen die Unabh\u00e4ngigkeit ihrer Republik. Genau wie die baltischen Republiken, die Ukraine, Wei\u00dfru\u00dfland u.v.a. machte Tschetschenien von seinem Selbstbestimmungsrecht Gebrauch, wie es ihm die 1991 noch g\u00fcltigen Verfassungen der UdSSR und der Russischen F\u00f6deration garantierten. Da die russische Verfassung f\u00fcr die Tschetschenen keine Bedeutung mehr hatte, beteiligten sie sich nicht an Volksabstimmungen und Wahlen in Ru\u00dfland, sondern entwickelten ihre eigene Staatlichkeit. Mit seiner Invasion brach Moskau also das V\u00f6lkerrecht.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Blut f\u00fcr \u00d6l<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Schon im Fr\u00fchjahr 1992 hatte Moskau eine Wirtschaftsblockade gegen Tschetschenien verh\u00e4ngt. Die Erd\u00f6lproduktion der Raffinerien in Grosny kam zum Erliegen. Ru\u00dfland lieferte Waffen an die Opposition gegen den 1991 gew\u00e4hlten tschetschenischen Pr\u00e4sidenten Dschochar Dudajew, so da\u00df es bereits im September 1994 zu schweren Gefechten kam. Ein wesentlicher Grund f\u00fcr die Invasion war die Erschlie\u00dfung von \u00d6lvorkommen am Kaspischen Meer durch ein Konsortium westlicher Firmen in Zusammenarbeit mit Aserbaidschan. Ru\u00dfland kann n\u00e4mlich den lukrativen Transit nur kontrollieren, wenn die Pipeline \u00fcber Tschetschenien f\u00fchren w\u00fcrde. Dazu mu\u00df Tschetschenien unter russischer Kontrolle sein. Im September 1994 schlossen die Westkonzerne und Aserbaidschan die ersten Vertr\u00e4ge &#8211; im. Dezember 1994 begann Ru\u00dfland, Tschetschenien zu befrieden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die russische Armee betrieb eine Strategie der verbrannten Erde. Raketen, Bomben, Artillerie und Minenwerfer wurden gegen unverteidigte D\u00f6rfer eingesetzt. Russische Soldaten warfen Handgranaten in Keller, in denen sie Menschen vermuteten, und verfolgten Fl\u00fcchtende mit Flammenwerfern. Ganze Regionen wurden durch das Milit\u00e4r abgeriegelt, Hilfsorganisationen in der Arbeit behindert. Der Gesellschaft f\u00fcr bedrohte V\u00f6lker liegen Berichte \u00fcber Massaker, Pl\u00fcnderungen und Vergewaltigungen durch Milit\u00e4rs und Soldaten der Sondereinheiten vor. Inzwischen (November 1996) mehren sich auch die Hinweise darauf, da\u00df Splitter- und Nagelbomben, Vakuumbomben und Chemiewaffen zum Einsatz gekommen sein d\u00fcrften.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Folter in Filtrationslagern<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">An 20 Orten im Kriegsgebiet richteten die russische Armee und die Sondereinheiten des russischen Innenministeriums seit Dezember 1994 sogenannte Filtrationslager ein: Zeitweise bis zu 4.000 Zivilisten wurden als angebliche Kombattanten unter menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen in stillgelegten Eisenbahnwaggons &#8211; wie im nordossetischen Lager Mosdok &#8211; , aber auch in Fabriken und anderen R\u00e4umlichkeiten gefangengehalten und gefoltert.Freigekommene H\u00e4ftlinge berichteten \u00fcber folgende Foltermethoden:<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>stundenlanges Schlagen bis zur Bewu\u00dftlosigkeit mit Gummipeitschen und Schlagst\u00f6cken<\/li>\n<li>Schl\u00e4ge mit Schlagst\u00f6cken ins Gesicht<\/li>\n<li>Ausdr\u00fccken brennender Zigaretten auf der Haut<\/li>\n<li>Elektroschocks<\/li>\n<li>Brechen der Rippen<\/li>\n<li>Hetzen von scharfen Hunden auf die Gefangenen<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"bodytext\">\n<p class=\"bodytext\"><b>Westliche Kredite erm\u00f6glichten Ru\u00dflands Invasion<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die westlichen Regierungen tadelten Boris Jelzin nur milde, die deutsche Bundesregierung erkl\u00e4rte dieses Kriegsverbrechen zur inneren Angelegenheit. Die russische Invasion in Tschetschenien kostete 1995 nach Sch\u00e4tzungen der renommierten Schweizer Tageszeitung Neue Z\u00fcrcher Zeitung NZZ t\u00e4glich drei bis f\u00fcnf Millionen US-Dollar. Trotzdem gew\u00e4hrte der Internationale W\u00e4hrungsfond (IWF) Russland im April 1995 einen Kredit in H\u00f6he von 6,8 Milliarden US-Dollar: den zweitgr\u00f6\u00dften Kredit in seiner Geschichte. IWF-Direktor Michel Camdessus hatte Boris Jelzin lediglich aufgefordert, den Krieg in Tschetschenien zu einem Konflikt niedriger Intensit\u00e4t herabzuschrauben, um das Vertrauen im Investitionsbereich wiederherzustellen. Vergeblich appellierte die Gesellschaft f\u00fcr bedrohte V\u00f6lker an die deutsche Bundesregierung, alle Zahlungen und Kredite einzufrieren, solange Moskaus Truppen in Tschetschenien V\u00f6lkermord begehen. Die deutsche Bundesregierung weigerte sich, gegen Ru\u00dfland Sanktionen zu verhae\u00e4ngen: die demokratischen Reformen d\u00fcrften nicht gef\u00e4hrdet werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Anfang 1997 fanden in Tschetschenien Wahlen statt. Formal endg\u00fcltig abgesichert ist die Souver\u00e4nitaet des Landes jedoch nicht. \u00dcber den Status Tschetscheniens soll endg\u00fcltig erst in einigen Jahren entschieden werden. Im Februar nahm die GfbV-Osteuropareferentin Felicitas Rohder die Gelegenheit wahr und besuchte Tschetschenien und Inguschetien. Ein Bericht ihrer Reise erschien in pogrom 194.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Zum Weiterlesen empfohlen<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>Human Rights Watch\/Helsinki: Russia. Partisan War in Chechnya on the Eve of the WWII Commemoration, New York\/Washington 1995, Vol. 7, No. 8<\/li>\n<li>Robert Conquest: Stalins V\u00f6lkermord, Wien 1974<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"bodytext\">\n<p class=\"bodytext\"><b>Bei uns k\u00f6nnen Sie bestellen:<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>Tschetschenien kann sich wiederholten. Pulverfa\u00df Kaukasus; pogrom Nr. 192, Dez.1996-Jan. 1997; DM 9.00<\/li>\n<li>Arbeitsdokumentation Tschetschenien, 1994\/1995<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"bodytext\">\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>Pogrom Nr. 183, Juni-Juli 1995, mit Schwerpunkt Tschetschenien<\/li>\n<li>&nbsp;<\/li>\n<li>pogrom 194, Mai\/Juni 1997, mit einem Reisebericht der GfbV-Delegation, die im Februar 1997 Inguschetien und Teschetschenien besuchte;<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"bodytext\">\n<p class=\"bodytext\">Alle GfbV-Dokumentationen sind zu bestellen \u00fcber :\u00a0<a>Versand@gfbv.de<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.gfbv.de\/de\/news\/tschetschenenvon-stalin-deportiert-von-jelzin-bombardiert-217\/\">https:\/\/www.gfbv.de\/de\/news\/tschetschenenvon-stalin-deportiert-von-jelzin-bombardiert-217\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Russlands Krieg von 1994\/95 Dokumentation von 1995 Der Einmarsch von Dezember 1994 Im Dezember 1994 marschierten die Truppen der Russischen F\u00f6deration unter dem Vorwand, die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung Ru\u00dflands zu verteidigen, in Tschetschenien ein. 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