{"id":2235,"date":"2017-08-27T10:08:16","date_gmt":"2017-08-27T08:08:16","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=2235"},"modified":"2017-08-27T10:08:16","modified_gmt":"2017-08-27T08:08:16","slug":"mindestpensionist-fuehle-mich-im-stich-gelassen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=2235&lang=de","title":{"rendered":"Mindestpensionist: &#8222;F\u00fchle mich im Stich gelassen&#8220;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2236\" aria-describedby=\"caption-attachment-2236\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2236 size-medium\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Mindestpensionist-Fuehle-mich-300x170.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"170\" srcset=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Mindestpensionist-Fuehle-mich-300x170.jpg 300w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Mindestpensionist-Fuehle-mich-480x271.jpg 480w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Mindestpensionist-Fuehle-mich.jpg 630w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2236\" class=\"wp-caption-text\">Herbert L. und Helene St. sind Mindestpensionisten. Foto: Andi Schiel, krone.at-Grafik<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die H\u00e4lfte der 2,8 Millionen \u00f6sterreichischen Pensionisten lebt an der Armutsgrenze. In der &#8222;Krone&#8220; sprechen zwei Mindestrentner. Dar\u00fcber, dass sie kaum genug Geld f\u00fcr Essen haben\u00a0<span class=\"ws_nw\">&#8211;<\/span>\u00a0und dass f\u00fcr sie eine kaputte Waschmaschine eine Katastrophe bedeutet.<\/strong><\/p>\n<p><span class=\"initial_letter s_res c_fg\">S<\/span>eine\u00a0<span class=\"ws_nw\">58-<\/span><span class=\"ws_nw\">Quadratmeter-<\/span>Wohnung im zweiten Stock eines Gemeindebaus wirkt fast wie ein kleines Museum. Altes Kinderspielzeug, verblichene B\u00fccher, Bilder, Vasen, Statuen, die vor langer Zeit gefertigt wurden, stehen \u00fcberall in den Regalen oder sind feins\u00e4uberlich in Holzkisten verpackt. Erinnerungsst\u00fccke an das Fr\u00fcher, &#8222;als mein Leben noch sch\u00f6n war&#8220;, sagt Herbert L., und seine Augen f\u00fcllen sich mit Tr\u00e4nen.<\/p>\n<h3>&#8222;Mir bleiben blo\u00df knapp 200 Euro&#8220;<\/h3>\n<p>Der\u00a0<span class=\"ws_nw\">78-<\/span>J\u00e4hrige ist einer jener 1,4 Millionen Pensionisten in \u00d6sterreich, die Mindestrente beziehen und damit ein Dasein an der Armutsgrenze f\u00fchren. 917,48 Euro bekommt der Mann, der einst &#8222;im Sommer am Bau, im Winter als Schneer\u00e4umer&#8220; gearbeitet hat, monatlich vom Staat ausbezahlt: &#8222;W\u00fcrde eine liebe Nachbarin nicht oft f\u00fcr mich mitkochen, dann bliebe mir nichts anderes \u00fcbrig, als nur Nudeln und Reis zu essen. Denn abz\u00fcglich der Miete, der Kosten f\u00fcr Strom, Gas, Haushaltsversicherung und f\u00fcr die vielen Medikamente, die ich brauche, bleiben mir blo\u00df knapp 200 Euro.&#8220;<\/p>\n<p>Herbert L. leidet an Diabetes, &#8222;au\u00dferdem hatte ich schon einen argen Hinterwandinfarkt&#8220;. Trotz seines geringen Einkommens lehnte die Krankenkasse bislang s\u00e4mtliche seiner Antr\u00e4ge auf Befreiung von der Rezeptgeb\u00fchr ab. Mit der Begr\u00fcndung, dass seine Bez\u00fcge um ein paar Euro zu hoch seien: &#8222;Da f\u00fchle ich mich ziemlich im Stich gelassen.&#8220;<\/p>\n<h3>&#8222;Die Einsamkeit macht mir zu schaffen&#8220;<\/h3>\n<p>Wie verbringt er seine Tage? &#8222;Ich bin meistens daheim.&#8220; Alleine. &#8222;Die Einsamkeit macht mir zu schaffen.&#8220; Und die Trauer. &#8222;2015 starb meine Frau pl\u00f6tzlich in meinen Armen an Herzversagen.&#8220; Vor einem Jahr der n\u00e4chste Schicksalsschlag. Sein Sohn, er war erst 35, &#8222;mein einziges Kind&#8220;, hatte eine Grippe nicht auskuriert\u00a0<span class=\"ws_nw\">&#8211;<\/span>\u00a0und erlitt in der Folge ein multiples Organversagen. &#8222;Die Begr\u00e4bnisse finanzierte ich zum Teil von meinem wenigen Ersparten, bis heute stottere ich Raten beim Bestatter ab.&#8220;<\/p>\n<p>Herr L., gibt es \u00fcberhaupt noch irgendwelche Freuden f\u00fcr Sie? &#8222;Ja, wenn ich manchmal die Kraft habe, mich in einen Bus zu setzen, raus aus der Stadt zu fahren und in einem Wald spazieren zu gehen.&#8220; Wovon tr\u00e4umen Sie? &#8222;Davon, noch einmal das Meer sehen zu d\u00fcrfen.&#8220;<\/p>\n<h3>&#8222;Die W\u00fcnsche werden bescheiden&#8220;<\/h3>\n<p>&#8222;Die W\u00fcnsche werden bescheiden, mit wenig Geld&#8220;, wei\u00df Helene St., 63, aus eigener Erfahrung. 844 Euro stehen ihr monatlich zur Verf\u00fcgung, in der Rente. &#8222;Obwohl ich von Jugend an geschuftet habe.&#8220; Zun\u00e4chst als Kindergartenhelferin, sp\u00e4ter als Funksprecherin, Taxlerin und Teilzeitkraft in einem Callcenter. &#8222;Ich bin zwischendurch auch zuhause gewesen. Nachdem mein Bub auf die Welt kam\u00a0<span class=\"ws_nw\">&#8211;<\/span>\u00a0und sp\u00e4ter, in meiner zweiten Ehe, k\u00fcmmerte ich mich um die Kinder meines Mannes. Der allerdings irgendwann eine j\u00fcngere Frau fand und sich von mir scheiden lie\u00df.&#8220;<\/p>\n<p>Weshalb sie, &#8222;dann ganz auf mich gestellt, mit meiner fr\u00fchzeitigen Pensionierung wegen eines offenen Beins&#8220; in ein finanzielles Desaster schlitterte. &#8222;Ich bin froh, dass ich einen kleinen Garten habe. Da baue ich Obst und Gem\u00fcse an, was ich davon nicht gleich verbrauche, koche und friere ich ein. So komme ich das ganze Jahr halbwegs \u00fcber die Runden.&#8220;<\/p>\n<p>Und sonst? &#8222;Gibt es nicht viel zu berichten\u00a0<span class=\"ws_nw\">&#8211;<\/span>\u00a0denn die M\u00f6glichkeiten, ein Leben au\u00dferhalb meiner eigenen vier W\u00e4nde zu f\u00fchren, sind beschr\u00e4nkt.&#8220;<\/p>\n<h3>Kaffeehausbesuch w\u00e4re &#8222;ein Luxus&#8220;<\/h3>\n<p>&#8222;Zum Gl\u00fcck bin ich nicht eitel und verw\u00f6hnt, das ist jetzt ein gro\u00dfer Vorteil&#8220;, sagt Helene St. und lacht sogar ein bisschen. Kleidung kauft sie ausschlie\u00dflich in\u00a0<span class=\"ws_nw\">Secondhand-<\/span>L\u00e4den. Friseurbesuche &#8222;kann ich mir nicht leisten, ich schneide meine Haare mittlerweile selbst&#8220;. Ein Kaffeehausbesuch w\u00e4re &#8222;ein Luxus, auf den ich gerne verzichte. Weil ich versuchen muss, jede Woche einige Euroscheine wegzulegen, f\u00fcr Notf\u00e4lle.&#8220;<\/p>\n<p>Sollte ihr geliebter Hund, &#8222;meine &#8218;Flocke'&#8220;, eine Tierarztbehandlung brauchen, &#8222;oder eines meiner Ger\u00e4te den Geist aufgeben&#8220;. Eine kaputte Waschmaschine bedeutet f\u00fcr die\u00a0<span class=\"ws_nw\">63-<\/span>J\u00e4hrige n\u00e4mlich &#8222;eine echte Katastrophe&#8220;.<\/p>\n<p class=\"ta_r\"><em>Martina Prewein, Kronen Zeitung<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die H\u00e4lfte der 2,8 Millionen \u00f6sterreichischen Pensionisten lebt an der Armutsgrenze. In der &#8222;Krone&#8220; sprechen zwei Mindestrentner. Dar\u00fcber, dass sie kaum genug Geld f\u00fcr Essen haben\u00a0&#8211;\u00a0und dass f\u00fcr sie eine kaputte Waschmaschine eine Katastrophe bedeutet. Seine\u00a058-Quadratmeter-Wohnung im zweiten Stock eines Gemeindebaus wirkt fast wie ein kleines Museum. 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