{"id":2244,"date":"2017-08-27T12:00:28","date_gmt":"2017-08-27T10:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=2244"},"modified":"2017-08-27T12:00:28","modified_gmt":"2017-08-27T10:00:28","slug":"die-gefahr-vor-neuen-tatarenstuermen-warum-russland-jetzt-die-augen-auf-zentralasien-richtet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=2244&lang=de","title":{"rendered":"Die Gefahr vor neuen &#8222;Tatarenst\u00fcrmen&#8220; \u2013 Warum Russland jetzt die Augen auf Zentralasien richtet"},"content":{"rendered":"<div class=\"article__summary \">\n<figure id=\"attachment_2245\" aria-describedby=\"caption-attachment-2245\" style=\"width: 344px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2245\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/\u043f\u0443\u0442\u0438\u043d-\u0438-\u0431\u0438\u043d\u043e\u043a\u043b\u044c-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"344\" height=\"194\" srcset=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/\u043f\u0443\u0442\u0438\u043d-\u0438-\u0431\u0438\u043d\u043e\u043a\u043b\u044c-300x169.jpg 300w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/\u043f\u0443\u0442\u0438\u043d-\u0438-\u0431\u0438\u043d\u043e\u043a\u043b\u044c-768x432.jpg 768w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/\u043f\u0443\u0442\u0438\u043d-\u0438-\u0431\u0438\u043d\u043e\u043a\u043b\u044c-480x270.jpg 480w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/\u043f\u0443\u0442\u0438\u043d-\u0438-\u0431\u0438\u043d\u043e\u043a\u043b\u044c.jpg 790w\" sizes=\"auto, (max-width: 344px) 100vw, 344px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2245\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: Reuters<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Beziehungen Russlands zur islamischen Welt sind besser als in den meisten Jahrhunderten zuvor. Dennoch bleibt ein extremistischer, politischer Islam eine stetige Gefahr entlang seiner Grenzen &#8211; und die geopolitischen Rivalen diesem weiterhin gewogen.<\/p><\/div>\n<div class=\"article__text \">\n<p><em>von Zlatko Percinic<\/em><\/p>\n<p>Noch steht Syrien in der Wahrnehmung vieler Menschen auf einem der vordersten R\u00e4nge der Konfliktkarten dieser Welt. Nordkorea steht allerdings zurzeit prim\u00e4r im Fadenkreuz von Medien und Politik, was auf eine Eskalation der Worte &#8211; und damit einem erneuten Beweis f\u00fcr deren Macht &#8211; zwischen dem US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump und der nordkoreanischen F\u00fchrung zur\u00fcckgeht. Doch zwischen Rhetorik und Realit\u00e4t klafft eine enorme L\u00fccke, die durch die Egomanie beider Pr\u00e4sidenten nur weiter vergr\u00f6\u00dfert wird.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gibt es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung f\u00fcr dieses politische Problem. Selbst wenn es einige Hitzk\u00f6pfe auf beiden Seiten gibt, die einen Krieg nur mit allergr\u00f6\u00dfter Freude bef\u00fcrworten w\u00fcrden, so \u00fcberwiegt dennoch die Einsicht in Washington, dass Nordkorea nicht Vietnam, Kambodscha, Afghanistan oder auch nur Grenada oder Panama ist. Jeder, der sich die US-Kriegsz\u00fcge der letzten Jahrzehnte anschaut, wird dabei feststellen, dass es sich bei den angegriffenen L\u00e4ndern um hoffnungslos unterlegene Milit\u00e4rm\u00e4chte gehandelt hat, die der US-Milit\u00e4rmacht mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert waren &#8211; insbesondere in punkto der \u00fcberw\u00e4ltigenden Feuerkraft der Air Force.<\/p>\n<p>Im Stillen jedoch, v\u00f6llig unbeachtet von Medien und Politikern, offenbart sich ein neuer geografischer Krisen- und m\u00f6glicher Kriegsschauplatz: Zentralasien.<\/p>\n<p>In Syrien, aber auch im breiteren Mittleren Osten, haben die von Condoleezza Rice gefeierten &#8222;<a href=\"http:\/\/www.washingtonpost.com\/wp-dyn\/content\/article\/2006\/07\/21\/AR2006072100889.html\">Geburtswehen<\/a>&#8220; im Vorfeld und um den so genannten Arabischen Fr\u00fchling nicht das ertr\u00e4umte Kind auf die Welt gebracht. Zwar hat die ehemalige US-Au\u00dfenministerin Recht behalten: Es ist in der Tat ein &#8222;neuer Mittleren Osten&#8220; seit ihren Worten von 2006 entstanden, nur eben nicht so, wie er\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/international\/39149-wie-usa-und-ihre-alliierten\/\">erhofft<\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/inland\/44352-deutschland-mitverantwortlich-fur-blutvergiessen-in\/\">geplant<\/a>war. Man wollte eine nach westlichem Vorbild installierte Demokratie in dieser wichtigen Region haben, mit Israel als Hegemonialmacht, der sich die &#8222;demokratisierten&#8220; Despoten Arabiens unterordnen w\u00fcrden und eine Situation, in der die so genannte Achse des Widerstandes zwischen Libanon und Iran zerschlagen w\u00e4re. Die US-Invasion des Iraks im M\u00e4rz 2003 war nur der erste Schritt in diese Richtung.<\/p>\n<p><strong>Der 30. September 2015 als Zeitenwende im Verh\u00e4ltnis zum Westen<\/strong><\/p>\n<p>Selbst als das erste Beiprodukt der amerikanischen Invasion und anschlie\u00dfenden Besatzung des Iraks, der selbsternannte Islamische Staat, auf der Weltb\u00fchne auftauchte und dessen Implikationen von Anfang an klar waren, zogen es die USA mitsamt der europ\u00e4ischen Verb\u00fcndeten vor, die Augen vor dessen bestialischen Morden zu schlie\u00dfen. Immerhin lie\u00dfen sich so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Eine sehr gut bewaffnete wahhabitische Streitmacht w\u00fcrde das Projekt des Regimewechsels in Damaskus betreiben und es gleichzeitig mit den schiitischen Milizen aufnehmen, die aus dem Irak, Afghanistan und Libanon in die W\u00fcsten Syriens und des Iraks str\u00f6mten. Das entsetzliche Blutvergie\u00dfen f\u00fchrte schlie\u00dflich zum Eingreifen des Irans und der Hisbollah, die sich den wahhabitischen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/politik\/ausland\/article106934037\/Takfiri-die-Grausamsten-unter-Iraks-Rebellen.html\"><em>takfiri<\/em><\/a>\u00a0und damit auch ihren arabischen, aber auch westlichen Unterst\u00fctzen in den Weg stellten. Vollends \u00fcber den Haufen geworfen wurden die US-europ\u00e4ischen Pl\u00e4ne mit dem v\u00f6llig \u00fcberraschenden\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/41408-ruckblick-erster-jahrestag-russland-syrien\/\">Blitzeintritt der russischen Streitkr\u00e4fte<\/a>\u00a0in Syrien im September 2015.<\/p>\n<p>Dieser 30. September 2015 signalisierte eine Zeitenwende in der Beziehung zwischen West und Ost. Seit dem Ende des Kalten Krieges war man es in den westlichen Hauptst\u00e4dten gewohnt, eigene Interessen ohne R\u00fccksicht auf die Bedenken der ehemaligen Supermacht Russland durchzusetzen. Fast ein Vierteljahrhundert lang konnten die USA nahezu ungest\u00f6rt ihre Vision einer idealen Weltordnung, einer\u00a0<em>Pax Americana<\/em>, umsetzen, mit an Untergebenheit grenzender Unterst\u00fctzung vonseiten europ\u00e4ischer Hauptst\u00e4dte. Der illegale NATO-Krieg gegen Serbien, die NATO-Osterweiterung, der Kosovokrieg und die anschlie\u00dfende Anerkennung dieses nicht \u00fcberlebensf\u00e4higen Gebietes als souver\u00e4ner Staat, Irak, Pakistan, Jemen, Libyen, Syrien, Georgien und schlie\u00dflich auch noch die Ukraine: \u00dcberall musste der Kreml in Moskau in den sauren Apfel bei\u00dfen und seinen westlichen &#8222;Partnern&#8220; das Feld \u00fcberlassen. Mit dem 30. September 2015 hat Moskau hingegen ein Zeichen gesetzt, das &#8222;bis hierher und nicht weiter&#8220; zu sagen schien.<\/p>\n<p>Seitdem hat sich viel ver\u00e4ndert in Syrien und im Irak. Trotz mehrerer Versuche der USA, auch mit eigenen Truppen in Syrien die strategische Wende aufzuhalten; trotz\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/41058-zufalle-und-propaganda-terroranschlag-auf\/\">fingierter Angriffe<\/a>\u00a0der US-Verb\u00fcndeten auf sensible Ziele, die umgehend Russland und der syrischen Regierung\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/48847-gespenstische-inszenierung-angeblicher-giftgasangriff-in\/\">in die Schuhe geschoben<\/a>\u00a0wurden; trotz unw\u00fcrdiger, massiver\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/der-nahe-osten\/40434-zerschlagung-von-syrien-ist-vorerst\/\">Medienpropaganda<\/a>\u00a0bei der R\u00fcckeroberung von Ost-Aleppo und gleichzeitigem Stillschweigen &#8211; mit einigen wenigen Ausnahmen \u2013 w\u00e4hrend der v\u00f6lligen Zerst\u00f6rung der irakischen Stadt\u00a0<a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/international\/archive\/2017\/07\/mosul-iraq-abadi-isis-corruption\/533067\/\">Mossul<\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/ZlatkoPercinic\/status\/897336503617167360\">Rakkas<\/a>\u00a0in Syrien durch die US-angef\u00fchrte Koalition; trotz alledem haben sich die Milliarden an US-Dollar, die in das Projekt\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/49360-syrien-angela-merkel-beteiligt-sich\/\">Regimewechsel in Syrien<\/a>\u00a0geflossen sind, nicht rentiert.\u00a0<a href=\"https:\/\/medium.com\/@caityjohnstone\/why-are-syrian-refugees-running-back-to-this-evil-dictator-who-likes-to-kill-them-d9ebdb1581c9\">Hunderttausende Menschen<\/a>\u00a0kehren in die befreiten Gebiete zur\u00fcck, hunderte Dschihadisten legen entweder ihre Waffen nieder oder ziehen sich in die Provinz Idlib zur\u00fcck, wo sie f\u00fcr die T\u00fcrkei zu einem immer gr\u00f6\u00dferen Problem und zu einer Belastung werden.<\/p>\n<p>Die libanesische Hisbollah ist trotz gro\u00dfer Verluste m\u00e4chtig wie nie zuvor, so dass sich Israel gezwungen f\u00fchlt, in\u00a0<a href=\"http:\/\/www.haaretz.com\/middle-east-news\/1.807246\">immer k\u00fcrzeren Abst\u00e4nden<\/a>\u00a0Luftangriffe auf die schiitische &#8222;Partei Gottes&#8220; zu fliegen und dabei in Kauf nimmt, Drohnen und Kampfjets zu verlieren. Wer mit Israels Einstellung zum Verlust von Soldaten im Einsatz vertraut ist, wei\u00df, wie schwierig die Lage der Regierung von Benjamin Netanyahu nach dem Verlust der Pufferzone sein muss, die eine Pr\u00e4senz wahhabitischer Terroristen auf den Golan-H\u00f6hen geschaffen hatte.<\/p>\n<p>Was sich wie eine empfindliche Niederlage f\u00fcr die Pl\u00e4ne im Mittleren Osten der USA sowie deren Unterst\u00fctzer in Europa und auf der Arabischen Halbinsel anf\u00fchlt, ist jedoch lediglich der Beginn einer Verlagerung der destruktiven Kr\u00e4fte in eine andere Region.<\/p>\n<p><strong>Zentralasien, der neue globale Konfliktherd?<\/strong><\/p>\n<p>Wie ein G\u00fcrtel zieht sich die Destabilisierung von L\u00e4ndern entlang der riesigen russischen Grenze und dabei spielt es keine Rolle, welche Kr\u00e4fte daf\u00fcr benutzt werden. Ob es &#8222;demokratische&#8220; Vereinigungen, neonazistische Gruppierungen oder wahhabitische Islamisten sind: Solange es dem Endziel dient, der US-Kontrolle durch Zersplitterung der Macht konkurrierender Zentralgewalten, ist jedes Mittel und jeder Partner recht.<\/p>\n<p>Schamlos wird\u00a0<a href=\"https:\/\/worldview.stratfor.com\/article\/us-saudi-arabia-holding-chechen-card\">berichtet<\/a>, dass die USA und Saudi-Arabien &#8211; aber auch die T\u00fcrkei &#8211; die &#8222;tschetschenische Karte&#8220; in den H\u00e4nden halten, um &#8222;Russland besch\u00e4ftigt zu halten&#8220;. Dazu hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote><p>Es wird einige Zeit brauchen, bevor sich die Vereinigten Staaten selbst aus dem Mittleren Osten befreien k\u00f6nnen, um die Russen in Eurasien effektiv konfrontieren zu k\u00f6nnen, aber es gibt andere Optionen in der geheimen Welt, die US-Geheimdienste anwenden k\u00f6nnen, um die Russen besch\u00e4ftigt zu halten. Solch eine Strategie w\u00fcrde wahrscheinlich drei Hauptzutaten beinhalten: Tschetschenen, Tataren und Saudis.<\/p><\/blockquote>\n<p>Freim\u00fctig wird zugegeben, dass die USA, Saudi-Arabien, T\u00fcrkei und Georgien die Tschetschenienkriege &#8222;angefacht&#8220; haben, indem sie dieselben wahhabitischen Extremisten unterst\u00fctzt haben, die sie auch zuvor in Afghanistan in den 1980er Jahren und dann in Bosnien protegiert hatten und die jetzt in Syrien und im Irak bek\u00e4mpft werden. Wie gerne diese &#8222;tschetschenische Karte&#8220; gezogen wird, zeigte zuletzt der langj\u00e4hrige saudische Botschafter in den USA, Prinz Bandar bin Sultan &#8211; aufgrund seiner engen Beziehungen zu den Bushs auch als Bandar Bush bekannt -, als er den russischen Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin zu\u00a0<a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/finance\/newsbysector\/energy\/oilandgas\/10266957\/Saudis-offer-Russia-secret-oil-deal-if-it-drops-Syria.html\">erpressen<\/a>\u00a0versuchte. Unter der Flagge des selbsternannten Islamischen Staates (IS) geh\u00f6rten Tschetschenen zu den brutalsten K\u00e4mpfern, die neben weiteren Extremisten aus Dutzenden L\u00e4ndern den Irak und Syrien mit einer Spur der Verw\u00fcstung und des Mordes durchzogen haben. Das alles ist nat\u00fcrlich auch den Russen\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/NinaByzantina\/status\/874484714446475264\">bestens bekannt<\/a>.<\/p>\n<p>Und genau aus diesem, vielleicht dem wichtigsten Grund \u00fcberhaupt, hat der Kreml entschieden, eigene Truppen nach Syrien zu entsenden. Putin hatte selbst miterlebt, was es bedeutet, wenn Islamisten zu Waffen und Terror greifen \u2013 im Theater in Moskau, in der Schule in Beslan, im Zweiten Tschetschenienkrieg. H\u00e4tten sie es geschafft, ein Land wie Syrien unter ihre Kontrolle zu bringen, w\u00e4re der Weg in den Kaukasus nicht mehr weit gewesen. Die T\u00fcrkei, die lange Zeit sogar mit dem IS kooperiert hatte und viele andere Dschihadisten nach wie vor unterst\u00fctzt, hat in der Vergangenheit ebenso wie Georgien beide Augen zugemacht, als sich solche K\u00e4mpfer auf den Weg zu einem weiteren heiligen Krieg gegen Russland aufmachten: n\u00e4mlich jenen\u00a0<a href=\"http:\/\/www.neopresse.com\/politik\/ukraines-spiel-mit-dem-feuer\/\">in die Ukraine<\/a>.<\/p>\n<p>Was also w\u00e4re erst passiert, wenn der IS oder irgendeine andere wahhabitische Formation den Pr\u00e4sidentenpalast in Damaskus \u00fcbernommen h\u00e4tte? Wenn bereits w\u00e4hrend der Zerschlagung des IS in Syrien und Irak in Afghanistan eine\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/der-nahe-osten\/46818-afghanistan-spannungen-zwischen-russland-usa\/\">neue Zufluchtsst\u00e4tte<\/a>\u00a0f\u00fcr sie entsteht, in Verbindung mit der von Saudi-Arabien geebneten ideologischen Basis? Und erinnern wir uns: Das alles geschieht unter dem wachsamen Auge der USA. Im Nachbarland Tadschikistan brauen sich ebenfalls dunkle Wolken zusammen. Obwohl das Land historisch betrachtet zum persischen Einfluss- und Kulturbereich geh\u00f6rte, man auch die persische Sprache spricht, ist die Bev\u00f6lkerung dennoch sunnitisch und somit f\u00fcr die Ideologie des Wahhabismus nicht ganz unempf\u00e4nglich.<\/p>\n<p><strong>Hizb ut-Tahrir und IS bleiben dem Kalifat verpflichtet<\/strong><\/p>\n<p>Das gilt insbesondere dann, wenn es einer Organisation wie dem IS gelingt, mit sehr viel Geld das sozio\u00f6konomische Leid der Menschen anzusprechen und Dienstleistungen zu erbringen, f\u00fcr die der Staat nicht aufkommen kann oder will. Und wie schon in vielen anderen L\u00e4ndern sind es gerade die von den USA ausgebildeten Milit\u00e4rs, die die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr eine Regierung darstellen, wenn sie nach der Ausbildung ihr wahres Gesicht zeigen. Nicht anders ist es mit\u00a0<a href=\"http:\/\/globalriskinsights.com\/2017\/03\/under-the-radar-tajikistan-on-track-to-be-the-next-afghanistan\/\">Gulmurod Halimov<\/a>, der Kommandeur einer der besten tadschikischen Spezialeinheiten war, bevor er seine Karriere beim IS fortsetzte.<\/p>\n<p>Ob es nun der IS, die in Zentralasien gut vernetzte und verbreitete\u00a0<a href=\"http:\/\/www.hizb-ut-tahrir.org\/index.php\/DE\/def\">Hizb ut-Tahrir<\/a>, die Islamische Bewegung Usbekistans (IMU) oder sonst irgendeine Gruppierung ist: Sie alle eint der Gedanke an die Wiederrichtung des islamischen Kalifats, nur die Mittel zur Erreichung dieses Zieles sind unterschiedlich.<\/p>\n<p>Die Situation ist nicht ganz un\u00e4hnlich der Situation, die Timur Lenk &#8211; auch als Tamerlan oder Timur der Lahme bekannt &#8211; vor fast 650 Jahren in der gleichen Region vorfand. Untereinander in Konkurrenz und Streit stehende muslimische L\u00e4nder waren politisch durch innere Machtk\u00e4mpfe und ebendiese \u00e4u\u00dferen Streitereien geschw\u00e4cht, w\u00e4hrend das Erbe der Goldenen Horde des Dschingis Khan bereits wieder einer anderen Epoche anzugeh\u00f6ren schien. Timur der Lahme einigte die verschiedenen Khanate, indem er sie alle unterwarf und machte die tadschikische Stadt Samarkand &#8211; Stalin schlug diese sp\u00e4ter in seiner Grenzziehung in der Region den Usbeken zu &#8211; zu seinem Herrschaftssitz. Hier schlug er sich selbst zum Sultan und holte fortan zu seinem m\u00f6rderischen Unterdr\u00fcckungsfeldzug nach Westen aus. Der Islam war dabei das einigende Band. Die Einf\u00fchrung des Islam in Zentralasien geschah zwar bereits viel fr\u00fcher, aber erst durch Timur Lenk wurde die Religion in diesem Teil der Welt instrumentalisiert und als Basis der Macht benutzt.<\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt, ist sich Russland dieser Bedrohung mehr als bewusst und versucht, durch proaktive Ma\u00dfnahmen, wie eben den milit\u00e4rischen Einsatz in Syrien, die Gefahr des extremistischen Islam einzud\u00e4mmen, die von wahhabitischen Dschihadisten ausgeht. Bereits im Herbst des Jahres 2015\u00a0<a href=\"http:\/\/eng.globalaffairs.ru\/valday\/Central-Asia-Secular-Statehood-Challenged-by-Radical-Islam-17960\">sch\u00e4tzte Waleri Gerassimow<\/a>, der Stabschef der russischen Streitkr\u00e4fte, dass sich 2000 bis 3000 IS-K\u00e4mpfer in Afghanistan befinden. Zusammen mit autochthonen afghanischen Extremisten steigt die Zahl auf 50.000 Mann, eine mehr als formidable und gef\u00e4hrliche islamistische Streitkraft. F\u00fcr ein Land wie Russland, wo sich das &#8222;<a href=\"https:\/\/erlangenwladimir.wordpress.com\/tag\/tatarenjoch\/\">Tatarenjoch<\/a>&#8220; in die kollektive Psyche eingebrannt hat, ist die Gefahr des islamischen Extremismus nicht nur eine abstrakte Theorie. Russland hat unter der Herrschaft der Turk-Mongolen und deren zweihundertj\u00e4hriger Geschichte ironischerweise die eigene Kultur und Tradition vor den Angriffen der Polen und Livl\u00e4nder besch\u00fctzt, wobei die\u00a0<a href=\"http:\/\/universal_lexikon.deacademic.com\/274469\/Mongolensturm_und_Goldene_Horde%3A_Blutige_Morgenr%C3%B6te_%C3%BCber_Russland\">Krimkriege<\/a>\u00a0stets auch einen Krieg gegen die Tataren und T\u00fcrken bedeuteten und Imam Schamil im 19. Jahrhundert einen jahrelangen, blutigen Dschihad gegen die russischen Expansionsbestrebungen in den Kaukasus f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Ein guter Anfang, und man k\u00f6nnte vielleicht auch sagen, ein erster ernster Versuch der sunnitischen Welt, Verantwortung im innerislamischen Kampf zu \u00fcbernehmen, war es, als im August 2016 auf einer\u00a0<a href=\"http:\/\/www.reasonedcomments.org\/2016\/09\/the-first-international-conference.html\">Gro\u00dfen Islamkonferenz<\/a>\u00a0in Grosny\/Tschetschenien ein Abschlusskommuniqu\u00e9 entstand, in dem die Sunna, die Gemeinschaft der Sunniten, neu definiert wurde. Dabei haben die dortigen Gelehrten den saudischen Wahhabismus ausgeklammert und diesem als &#8222;Verf\u00e4lschung&#8220; des Islam deklariert. Dieses Ergebnis k\u00f6nnte als Meilenstein der islamisch-sunnitischen Welt gelten, da es den Grundstein f\u00fcr eine Aufarbeitung der eigenen j\u00fcngeren Geschichte legte, die die Wahhabiten im Namen des Islams massiv verzerrt hatten.<\/p>\n<p><strong>Erdogan als Wiederkehr des Tamerlan?<\/strong><\/p>\n<p>Noch ist das alles Zukunftsmusik, von der insbesondere Saudi-Arabien nat\u00fcrlich nichts h\u00f6ren m\u00f6chte. Solange gilt es also, die Auswirkungen des durch den Wahhabismus inspirierten Extremismus einzud\u00e4mmen. In Zentralasien, wo es Millionen unzufriedener und in bitterer Armut lebender Menschen gibt, gilt es insbesondere, das Aufkommen eines neuen Timur Lenk zu verhindern. In Usbekistan wurde dieser bereits 2001 zum Staatshelden erkl\u00e4rt und die Karl-Marx-Statue in Taschkent durch eine von Tamerlan ersetzt. Anl\u00e4sslich der Einweihungszeremonie\u00a0<a href=\"http:\/\/news.bbc.co.uk\/1\/hi\/world\/monitoring\/media_reports\/948757.stm\">erkl\u00e4rte<\/a>\u00a0Staatspr\u00e4sident Islam Karimow:<\/p>\n<blockquote><p>Ihr seid die Nachfahren eines Gro\u00dfen Volkes, ihr habt in euren H\u00e4nden die Macht Tamerlans!<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass dieser mittelalterliche Herrscher und Massenm\u00f6rder &#8211; sowie F\u00f6rderer der K\u00fcnste und Wissenschaft &#8211; gar kein Usbeke war, spielte dabei eine eher untergeordnete Rolle.<\/p>\n<p>Ob und wer \u00fcberhaupt in die Rolle eines modernen Tamerlans schl\u00fcpfen k\u00f6nnte, kann nat\u00fcrlich niemand voraussagen. Allerdings wird der t\u00fcrkische Staatschef Erdogan mit Argusaugen die Entwicklung in Zentralasien beobachten, da er sich selbst und die T\u00fcrkei als nat\u00fcrlichen Anf\u00fchrer aller Turkv\u00f6lker sieht. Abdurrahman Dilipak, ein einflussreicher Ideologe der Regierungspartei AKP mit Zugang zu Pr\u00e4sident Erdogan,\u00a0<a href=\"http:\/\/t24.com.tr\/haber\/dilipak-erdogan-once-baskan-sonra-da-halife-olacak-dediginde-cumhurbaskanligi-yalanlamadi,393376\">sagte<\/a>, dass der Potentat von Ankara &#8222;zuerst Pr\u00e4sident, dann Kalif&#8220; werden w\u00fcrde. Die von Atat\u00fcrk aufgel\u00f6ste Institution des Kalifats werde sukzessive durch Verfassungs\u00e4nderungen wieder zur\u00fcck ins Leben geholt. Und wie ein Kalif, oder auch t\u00fcrkischer Sultan, betrachtet er die geopolitische Landkarte der Region. Von\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/ZlatkoPercinic\/status\/789822060306526208\">Mossul\u00a0<\/a>im Irak bis Bosnien ist alles innerhalb der t\u00fcrkischen &#8222;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/ZlatkoPercinic\/status\/787939658491695104\">physischen und emotionalen Grenzen<\/a>&#8222;, wenn es nach dem neuen Selbstverst\u00e4ndnis in Ankara geht. Sogar vor revisionistischen Anspr\u00fcchen auf die griechischen Inseln schrecken die neuen t\u00fcrkischen Eliten nicht zur\u00fcck, wie es Ankaras B\u00fcrgermeister\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/ZlatkoPercinic\/status\/791556939973062656\">Melih G\u00f6k\u00e7ek j\u00fcngst offenbarte<\/a>. Die Gefahr neuer Tatarenst\u00fcrme ist durchaus ernst zu nehmen.<\/p>\n<p><em>RT Deutsch bem\u00fcht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeitr\u00e4ge und Meinungsartikel m\u00fcssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>https:\/\/deutsch.rt.com<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Beziehungen Russlands zur islamischen Welt sind besser als in den meisten Jahrhunderten zuvor. Dennoch bleibt ein extremistischer, politischer Islam eine stetige Gefahr entlang seiner Grenzen &#8211; und die geopolitischen Rivalen diesem weiterhin gewogen. von Zlatko Percinic Noch steht Syrien in der Wahrnehmung vieler Menschen auf einem der vordersten R\u00e4nge der Konfliktkarten dieser Welt. 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