{"id":2509,"date":"2017-09-03T23:11:44","date_gmt":"2017-09-03T21:11:44","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=2509"},"modified":"2017-09-03T23:11:44","modified_gmt":"2017-09-03T21:11:44","slug":"der-vergessene-voelkermord","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=2509&lang=de","title":{"rendered":"Der vergessene V\u00f6lkermord"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2510\" aria-describedby=\"caption-attachment-2510\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2510\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/\u0431\u0438\u0440\u043c\u0430-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/\u0431\u0438\u0440\u043c\u0430-300x169.jpg 300w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/\u0431\u0438\u0440\u043c\u0430-768x432.jpg 768w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/\u0431\u0438\u0440\u043c\u0430-480x270.jpg 480w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/\u0431\u0438\u0440\u043c\u0430.jpg 860w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2510\" class=\"wp-caption-text\">\u00a0EPA\/NYUNT WIN +++(c) dpa &#8211; Bildfunk+++<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die Gewaltverbrechen des burmesischen Milit\u00e4rs an den Rohingya sorgen f\u00fcr Entsetzen. Dabei ist schon seit Jahren ein versteckter Genozid an der muslimischen Minderheit im Gange, wie eine Studie zeigt.<\/strong><\/p>\n<p>Die muslimische Minderheit der Rohingya wird in Burma brutal unterdr\u00fcckt. Allein in den vergangenen Wochen sind mindestens 86 von ihnen wohl vom Milit\u00e4r erschossen worden. Soldaten sollen Frauen der Rohingya vergewaltigt und ganze D\u00f6rfer in Brand gesteckt haben. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf der burmesischen Armee am Montag vor, mit einer &#8222;\u00e4u\u00dferst harten und systematischen Gewaltkampagne&#8220; gegen die Volksgruppe vorzugehen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind die Rohingya schon seit Jahren massiv bedroht &#8211; von Hunger, Infekten und Hygienemangel.<\/p>\n<p>Das zeigt eine neue Studie der der renommierten Harvard Medical School in Boston. Grundlage der Untersuchung sind Daten unterschiedlicher Hilfsorganisationen und Beobachter der EU und den USA. Die Wissenschaftler werfen der Regierung Burmas V\u00f6lkermord oder zumindest eine ethnische S\u00e4uberung vor.<\/p>\n<div class=\"js-module-box-image box-position  asset-align-center 640_panofree\"><a class=\"image-buttons-panel display-block clearfix\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/bild-1126742-1086364.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"spPanoImageTeaserPic\" title=\"\" src=\"http:\/\/cdn1.spiegel.de\/images\/image-1086364-640_panofree-rnwj-1086364.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" \/><\/a><\/p>\n<div class=\"article-image-description\">\n<div class=\"asset-credit\">SPIEGEL ONLINE<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Der Staat verweigert den teils schon seit Generationen in dem Land lebenden Muslimen die Staatsb\u00fcrgerschaft, nationalistische Buddhisten bezeichnen sie als illegale Einwanderer aus Bangladesch. Viele sind in heruntergekommenen Camps nahe der Grenze untergebracht. Seit Oktober hat sich die Lage noch einmal zugespitzt: Bei Angriffen auf Grenzposten wurden neun Polizisten ermordet, nach Angaben der Beh\u00f6rden von Muslimen. Danach begannen Beobachtern zufolge die Gewaltverbrechen des Milit\u00e4rs.<\/p>\n<p>Besonders gravierend aber ist, dass die Rohingya in Rakhine seitdem nicht mehr mit Hilfslieferungen versorgt werden; die Regierung hat das Gebiet abgeriegelt. Dabei leiden viele Rohingya unter massiver Mangelern\u00e4hrung, wie die Mediziner der Harvard-Studie feststellten. Hinzu kommen h\u00e4ufige Durchfallerkrankungen und andere Infektionen &#8211; und durch die harte Linie der Politik wird die medizinische Versorgung jetzt zus\u00e4tzlich blockiert.<\/p>\n<ul>\n<li>Die Kindersterblichkeit ist unter Rohingya in Rakhine f\u00fcnfmal h\u00f6her als im Rest Burmas. Der Studie zufolge sterben 224 von 1000 Rohingya-Kinder im Alter von unter f\u00fcnf Jahren &#8211; also fast jedes vierte. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen stellte f\u00fcr kein Land der Welt eine h\u00f6here Rate fest.<\/li>\n<li>Ein Grund daf\u00fcr: Jedes vierte Kind der Rohingya in Rakhine leidet unter akuter Mangelern\u00e4hrung. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht f\u00fcr die gesamte Minderheit eine Gefahr und fordert Lebensmittelhilfen.<\/li>\n<li>Noch h\u00f6her ist der Anteil der Kinder unter f\u00fcnf Jahren, die an Durchfallerkrankungen leiden &#8211; der Studie zufolge sind es knapp 40 Prozent. Innerhalb der nichtmuslimischen Bev\u00f6lkerung im Rakhine-Staat sind nicht einmal zehn Prozent der Kinder davon betroffen.<\/li>\n<li>Da die Rohingya nicht frei im Land reisen d\u00fcrfen, haben Frauen oftmals keinen Zugang zu medizinischer Versorgung w\u00e4hrend ihrer Schwangerschaft. Bei 380 von 100.000 Geburten stirbt die Mutter, im Rest Burmas enden 316 von 100.000 Geburten f\u00fcr die Frauen t\u00f6dlich.<\/li>\n<li>Die Rohingya sind strengen Vorschriften zur Familienplanung unterworfen. Sie d\u00fcrfen nur zwei Kinder bekommen &#8211; haben aber nicht ausreichend Zugang zu Verh\u00fctungsmitteln. Das f\u00fchrt dazu, dass jede siebte Frau der Rohingya in Burma bereits eine Abtreibung vornehmen lassen musste, ein Viertel von ihnen schon mehrfach. Oft werden die Eingriffe unter unhygienischen Umst\u00e4nden und durch Laien ausgef\u00fchrt.<\/li>\n<\/ul>\n<div id=\"mitte_3\" class=\"adition\" data-position=\"mitte_3\">\u00a0Hilfsorganisationen sprechen angesichts des Vorgehens des Milit\u00e4rs und der Regierung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Nun erh\u00f6hen auch die Nachbarstaaten des s\u00fcdostasiatischen Landes den Druck. Am Montag traf sich Friedensnobelpreistr\u00e4gerin Aung San Suu Kyi , die mit ihrer Partei Nationale Liga f\u00fcr Demokratie (NLD) die Regierung des Landes anf\u00fchrt, mit dem Verband S\u00fcdostasiatischer Nationen (ASEAN) in Rangun.<\/div>\n<p>Das Treffen soll wieder Bewegung in den Konflikt gebracht haben, der vorher vonseiten der burmesischen Regierung\u00a0<a class=\"text-link-int lp-text-link-int\" title=\"totgeschwiegen wurde\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/burma-aung-san-suu-kyi-schweigt-im-rohingya-konflikt-a-1123014.html\">totgeschwiegen wurde<\/a>. Der indonesische Au\u00dfenminister Retno Marsudi sagte nach dem Treffen in Rangun, Suu Kyi habe zugesagt, Hilfsorganisationen wieder in die Rohingya-Gebiete in Rakhine vor zu lassen. Ein konkretes Datum sei daf\u00fcr aber nicht genannt worden.<\/p>\n<p>Von\u00a0<a class=\"autor-link js-author-link\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/burma-der-vergessene-voelkermord-an-den-rohingya-a-1126742.html#\" rel=\"author\" data-authorid=\"15974\">Vanessa Steinmetz<\/a><\/p>\n<p>http:\/\/www.spiegel.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gewaltverbrechen des burmesischen Milit\u00e4rs an den Rohingya sorgen f\u00fcr Entsetzen. Dabei ist schon seit Jahren ein versteckter Genozid an der muslimischen Minderheit im Gange, wie eine Studie zeigt. Die muslimische Minderheit der Rohingya wird in Burma brutal unterdr\u00fcckt. Allein in den vergangenen Wochen sind mindestens 86 von ihnen wohl vom Milit\u00e4r erschossen worden. 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