{"id":2585,"date":"2017-09-07T23:47:25","date_gmt":"2017-09-07T21:47:25","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=2585"},"modified":"2017-09-07T23:47:25","modified_gmt":"2017-09-07T21:47:25","slug":"fakten-gegen-fake-news","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=2585&lang=de","title":{"rendered":"Fakten gegen Fake News"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"em_cnt_artikelansicht_uz\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2586 alignleft\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/08put-264x300.jpg\" alt=\"\" width=\"264\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/08put-264x300.jpg 264w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/08put-480x546.jpg 480w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/08put-440x500.jpg 440w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/08put.jpg 628w\" sizes=\"auto, (max-width: 264px) 100vw, 264px\" \/>Von WZ-Korrespondentin Simone Brunner<\/span><\/p>\n<p>In Finnland entwickelte sich fr\u00fcher als woanders ein Bewusstsein f\u00fcr Fake News. Warum man gelassener mit russischer Propaganda umgeht.<\/p>\n<div id=\"em_cnt_artikel\" class=\"em_cnt_artikelansicht ui-tabs-panel ui-widget-content ui-corner-bottom\">\n<div id=\"em_artikelansicht_artikel\">\n<div class=\"em_artikelansicht_zusatzcontent em_right em_cnt_zoom\">\n<div class=\"em_zusatz_box_container\">\n<div class=\"em_zusatz_box\">\n<div class=\"em_zusatz_box_body\"><span class=\"em_cnt_caption em_cnt_zoom_visible em_left\">Held und Hassfigur: An Russlands Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin scheiden sich die Geister. An den regierungsnahen russischen Medien, die im Westen als Propagandasprachrohre gelten, auch.<\/span><\/p>\n<div class=\"em_clear\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"em_text\">Helsinki. Es ist eine kalte Samstagnacht im Dezember 2016. In Imatra, einer finnisch-russischen Grenzstadt, nimmt ein junger Mann ein Gewehr, steigt in sein Auto und f\u00e4hrt in die Stadt. Als drei Frauen ein Restaurant verlassen, dr\u00fcckt er ab. Sie sind auf der Stelle tot.<\/p>\n<p class=\"em_text\">Schnell verbreiten sich in den sozialen Medien Ger\u00fcchte: Ein finnischer Offizier, der gezielt drei Russinnen get\u00f6tet hat. Ein Twitter-Account namens &#8222;Imatra News&#8220; wendet sich direkt an russische Medien, wie den staatlichen Auslandssender RT (Russia Today). Doch die Meldungen sind falsch: Es hat zwar einen Mord gegeben, doch die Todesopfer sind Finninnen, eine davon ist Lokalpolitikerin. Der T\u00e4ter ist ein 23-j\u00e4hriger Mann aus Imatra. Unzurechnungsf\u00e4hig statt radikal und russophob, wird die finnische Polizei sp\u00e4ter erkl\u00e4ren.<\/p>\n<div class=\"em_artikelansicht_zusatzcontent em_left em_cnt_zoom\">\n<div class=\"em_zusatz_box_container\">\n<div class=\"em_zusatz_box\">\n<div class=\"em_zusatz_box_body\"><img decoding=\"async\" class=\"em_article_image alignleft\" title=\"\" src=\"http:\/\/www.wienerzeitung.at\/_em_daten\/_cache\/image\/1xS2TRCfeMscDUejP4i7n1S2bwJlzJjq-rkZDN2MuyBwTDHsaKsDx1Hr6bTA6aPvB3kWr9q8zbgBC390rnP2XEvg\/170901-1803-948-0900-101029-020908in.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<div class=\"em_clear\"><\/div>\n<div class=\"em_clear\">H\u00e4tte es ein &#8222;Fall Lisa&#8220; werden k\u00f6nnen, wie wenige Monate zuvor in Berlin? Jene Falschmeldung \u00fcber die Vergewaltigung eines deutsch-russischen M\u00e4dchens, \u00fcber kremlnahe Medien verbreitet, die tausende Russen in Deutschland auf die Stra\u00dfen trieb? Heute l\u00e4sst sich das schwer sagen. &#8222;Wir haben die Story gekillt&#8220;, sagt jedenfalls Markku Mantila. Noch in der Nacht h\u00e4tte ein Beamter in Helsinki die Meldungen auf Twitter richtiggestellt. Auf Finnisch, Englisch und Russisch.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"em_text\"><span class=\"zt\">Wirbel um Sorgerechtsfall<\/span><br \/>\nDass gezielt Falschmeldungen gestreut werden, um Finnen und Russen gegeneinander aufzubringen, ist nicht neu. Bereits 2010, noch lange, bevor im Westen von &#8222;Fake News&#8220; und einem &#8222;Informationskrieg&#8220; mit Russland die Rede war, machten in russischen Medien Falschmeldungen \u00fcber einen Sorgerechtsfall die Runde. Der Vorwurf: Finnische Beh\u00f6rden h\u00e4tten einer russischen Mutter zu Unrecht das Sorgerecht f\u00fcr ihren Sohn entzogen. W\u00e4hrend das Jugendamt die Familienverh\u00e4ltnisse noch pr\u00fcfte, wurden die finnischen Beh\u00f6rden in russischen Medien schon als &#8222;Russenhasser&#8220; portr\u00e4tiert. Der Fall ging sogar so weit, dass der russische Ombudsmann f\u00fcr Kinderrechte nach Finnland reiste.<\/p>\n<p class=\"em_text\">Das hat die Finnen wachsam gemacht: Als 2014 infolge der Annexion der Krim und des Krieges in der Ostukraine eine russische Propagandawelle \u00fcber Europa schwappte, rief Markku Mantila, damals Sprecher des finnischen Premiers, einen Krisenstab ins Leben. 23 &#8222;Informationsattacken&#8220; gegen Finnland haben Mantilas Kollegen seither gez\u00e4hlt, bei denen sie sicher sind, dass sie von Russland aus gesteuert wurden.<\/p>\n<p class=\"em_text\">Doch nicht immer ist der Fall so eindeutig, wie in Imatra. Max Arhippainen sitzt in der Mensa des Verteidigungsministeriums, nebenan schl\u00fcrfen die Soldaten ihre Mittagssuppe. Das Ministerium erz\u00e4hlt selbst ein St\u00fcck finnischer Geschichte: Das dreist\u00f6ckige, gelb gestrichene Palais mit der feinen Stuckatur k\u00f6nnte genauso gut im knapp 390 Kilometer entfernten Sankt Petersburg stehen. Das Geb\u00e4ude wurde zu Zarenzeiten erbaut, als Finnland noch als Gro\u00dff\u00fcrstentum Teil des Russischen Reiches war. Zu Sowjetzeiten eng mit Moskau verbunden, ist Finnland heute jedoch Mitglied der EU und Eurozone. Obwohl kein Nato-Mitglied, weht im Innenhof die Nato-Fahne, als Zeichen der engen Kooperation mit dem westlichen B\u00fcndnis.<\/p>\n<p class=\"em_text\">Arhippainen ist Sprecher des Verteidigungsministers und selbst Gr\u00fcndungsmitglied des Krisenstabs. Ein Kernteam von 20 Beamten aus allen Ministerien, der Polizei, der Armee und der Pr\u00e4sidialverwaltung kommt regelm\u00e4\u00dfig zusammen, um den russischen &#8222;Informationseinfluss&#8220; &#8211; den Ausdruck &#8222;Informationskrieg&#8220; lehnt Arhippainen als zu martialisch ab &#8211; zu besprechen. Rund 100 Beamte wurden au\u00dferdem seit 2016 von Harvard-Experten im Umgang mit Fake News ausgebildet. Die Grundregeln z\u00e4hlt er an seinen Fingern ab: Bewusstsein f\u00fcr das Ph\u00e4nomen zu schaffen, sowohl in Amtsstuben als auch in der Gesellschaft. Und Falschmeldungen so schnell wie m\u00f6glich aus der Welt schaffen.<\/p>\n<p class=\"em_text\"><span class=\"zt\">Jeder Fall ein Fall f\u00fcr sich<\/span><br \/>\nDoch der Kampf gegen &#8222;Fake News&#8220; ist oft auch ein Ritt auf einem schmalen Grat. Was, wenn es nicht einfach um Fakten, sondern um Debatten geht, die kontrovers gef\u00fchrt werden m\u00fcssen? &#8222;Unsere Aufgabe ist es nicht, die Meinungspolizei zu spielen&#8220;, sagt Arhippainen. &#8222;Sondern zu unterscheiden: Was ist eine legitime politische Position und wo werden Informationen gezielt eingesetzt, um finnische Interessen zu sch\u00e4digen?&#8220; Er bringt als Beispiel ein Zitat des fr\u00fcheren Luftwaffenchefs: &#8222;Es ist schwieriger, die H\u00e4lfte unserer Kampfflieger abzuschie\u00dfen, als die \u00f6ffentliche Meinung so zu manipulieren, dass sie erst gar nicht angeschafft werden.&#8220;<\/p>\n<p class=\"em_text\">Die Gewissheit, dass eine &#8222;Informationsattacke&#8220; direkt aus dem Kreml kommt, gibt es freilich nie. Wo h\u00f6rt dann die Propaganda auf, wo beginnt die Paranoia? Kochrezepte gibt es keine; Jeder Fall m\u00fcsste einzeln analysiert, abgewogen, eingeordnet und auch \u00f6ffentlich diskutiert werden, sagt Arhippainen. Was f\u00e4llt auf? Wo gibt es Muster, ein System?<\/p>\n<p class=\"em_text\">Dass die finnische Regierung nicht einfach nur nach Phantomen jagt, zeigt der Fall Jessikka Aro. Als die Journalistin des Staatsfunks Yle im September 2014 begann, \u00fcber eine Trollfabrik in St. Petersburg zu recherchieren, geriet sie selbst ins Visier der Propaganda. Sie erhielt Todesdrohungen, wurde als &#8222;Medienhure&#8220;, &#8222;Drogendealerin&#8220; oder &#8222;geisteskrank&#8220; geschm\u00e4ht. In einer Facebook-Gruppe wurde dazu aufgerufen, sie mit Uran zu vergiften. Sie erhielt eine SMS im Namen ihres Vaters, der jedoch schon 20 Jahre zuvor gestorben war: Er sei nicht tot, sondern &#8222;beobachte sie&#8220;, hie\u00df es da. &#8222;Die Trolle haben mein Leben in eine H\u00f6lle verwandelt&#8220;, sagt die 36-J\u00e4hrige heute.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von WZ-Korrespondentin Simone Brunner<\/p>\n<p>http:\/\/www.wienerzeitung.at<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von WZ-Korrespondentin Simone Brunner In Finnland entwickelte sich fr\u00fcher als woanders ein Bewusstsein f\u00fcr Fake News. Warum man gelassener mit russischer Propaganda umgeht. Held und Hassfigur: An Russlands Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin scheiden sich die Geister. An den regierungsnahen russischen Medien, die im Westen als Propagandasprachrohre gelten, auch. Helsinki. 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