{"id":2770,"date":"2017-09-17T03:05:26","date_gmt":"2017-09-17T01:05:26","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=2770"},"modified":"2017-09-17T03:05:26","modified_gmt":"2017-09-17T01:05:26","slug":"verherrlichendes-museum-stalins-enkel-im-kaukasus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=2770&lang=de","title":{"rendered":"Verherrlichendes Museum: Stalins Enkel im Kaukasus"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2774\" aria-describedby=\"caption-attachment-2774\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2774 size-medium\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/stalin-denkmal-gori-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/stalin-denkmal-gori-300x169.jpg 300w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/stalin-denkmal-gori-480x270.jpg 480w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/stalin-denkmal-gori.jpg 580w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2774\" class=\"wp-caption-text\">Das Stalin-Museum in Gori, dem Geburtsort des Sowjetherrschers in Georgien | \u00a9Friedrich Zimmermann<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Das georgische Kulturministerium betreibt bis heute in Stalins Heimatstadt Gori ein verherrlichendes Museum zur Huldigung des Diktators. Ein Lokalaugenschein\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich Georgien als die reformorientierte Musterdemokratie im Kaukasus pr\u00e4sentiert und lieber heute als morgen der EU beitreten w\u00fcrde, leistet sich dessen Kulturministerium in Stalins Heimatstadt Gori ein Museum mit bizarrem Personenkult um den Tyrannen, dessen Politik mehreren Millionen Menschen das Leben kostete.<\/p>\n<p>Die Ausstellung des 1957 eingeweihten Museums wurde nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vorerst geschlossen, einige Jahre sp\u00e4ter aber unver\u00e4ndert wiederer\u00f6ffnet. Ergebnis langj\u00e4hriger Diskussion um eine Reform der Ausstellung ist lediglich ein K\u00e4mmerchen im Untergescho\u00df der Ausstellung, in der ein Schreibtisch mit einigen Zetteln ausgestellt ist, der ganz allgemein die Repression unter Stalin symbolisieren soll. Weder auf Russisch oder Georgisch wird hier thematisiert, wie viele Menschen den stalinistischen S\u00e4uberungen zum Opfer fielen, erschossen oder in die Gulags geschickt wurden. Weder die genozidalen Deportationen der Inguschen, Tschetschenen oder Krimtataren, noch die Opfer der durch Stalins Wirtschaftspolitik schlicht verhungerten Sowjetb\u00fcrger werden thematisiert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2771\" aria-describedby=\"caption-attachment-2771\" style=\"width: 494px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2771 size-full\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/\u0441\u0442\u0430\u043b\u0438\u043d.jpg\" alt=\"\" width=\"494\" height=\"330\" srcset=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/\u0441\u0442\u0430\u043b\u0438\u043d.jpg 494w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/\u0441\u0442\u0430\u043b\u0438\u043d-300x200.jpg 300w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/\u0441\u0442\u0430\u043b\u0438\u043d-480x321.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 494px) 100vw, 494px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2771\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Thomas Schmidinger Pro forma wird im Untergescho\u00df in einem kleinen K\u00e4mmerchen auch auf die Opfer Stalins hingewiesen. &#8211; derstandard.at\/2000061608552\/Verherrlichendes-Museum-Stalins-Enkel-im-Kaukasus<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein Gitter im Hinterzimmer soll wohl eine Zelle symbolisieren. An der Wand h\u00e4ngen allerdings keine Bilder aus den Gulags, sondern von den K\u00e4mpfen zwischen Russland und Georgien im Jahr 2008, als die K\u00e4mpfe um S\u00fcdossetien auch in der Region Gori ausgetragen wurden. Georgier werden hier als Opfer pr\u00e4sentiert, nicht als T\u00e4ter.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2772\" aria-describedby=\"caption-attachment-2772\" style=\"width: 494px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2772 size-full\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/\u0441\u0442\u0430\u043b\u0438\u043d1.jpg\" alt=\"\" width=\"494\" height=\"330\" srcset=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/\u0441\u0442\u0430\u043b\u0438\u043d1.jpg 494w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/\u0441\u0442\u0430\u043b\u0438\u043d1-300x200.jpg 300w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/\u0441\u0442\u0430\u043b\u0438\u043d1-480x321.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 494px) 100vw, 494px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2772\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Thomas Schmidinger Geschenke an Stalin aus aller Welt. &#8211; derstandard.at\/2000061608552\/Verherrlichendes-Museum-Stalins-Enkel-im-Kaukasus<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die eigentliche Ausstellung in mehreren S\u00e4len im Obergescho\u00df stellt Stalin weiterhin v\u00f6llig ungetr\u00fcbt als gr\u00f6\u00dften Sohn der Stadt dar. Sein ebenfalls georgischer oberster Schl\u00e4chter, Lawrenti Beria, der in der schlimmsten Zeit des Terrors von 1938 bis 1953 Chef des NKWD war, kommt in der Ausstellung nicht vor. Der Held der Ausstellung ist Stalin und Stalin allein: Bilder seiner Jugend, seiner Lehrer oder seiner Schule, der junge Stalin, Stalin mit Lenin und dann Stalin in Uniform, wie ihn die sowjetische Propaganda in den Jahren seiner Alleinherrschaft von 1927 bis 1953 darstellte.<\/p>\n<p>In dieser Pose ist der 1878 unter dem georgischen Namen\u00a0Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili geborene Partei- und Regierungschef in verschiedensten Ausf\u00fchrungen als Wandteppich, \u00d6lmalerei oder Fotografie zu bewundern, ehe er als siegreicher Feldherr des &#8222;Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieges&#8220;, in Szene gesetzt wird. Hier fehlt selbstverst\u00e4ndlich jeder Hinweis auf den Hitler-Stalin-Pakt von 1939 und die \u00dcberraschung Stalins, dass ihn Hitler dann 1941 doch noch angriff.<\/p>\n<p><strong>Br\u00fcchige Propaganda<\/strong><\/p>\n<p>Am ehesten l\u00e4sst sich so etwas wie Ambivalenz in dieser Propagandaschau vielleicht noch in jener Ecke finden, in der es um Stalins Sohn Jakow geht, der im Juli 1941 in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet und den sich Stalin im J\u00e4nner 1943 weigerte gegen Generalfeldmarschall Paulus auszutauschen. Ein Foto zeigt den Sohn Stalins im Elektrozaun des Konzentrationslagers Sachsenhausen, wo er entweder durch einen Stromschlag oder eine Kugel des KZ-Wachpersonals am 14. April 1943 zu Tode kam.<\/p>\n<p>Es gibt Debatten darum, ob es sich um einen durch Haftpsychose bedingten Selbstmord handelte.\u00a0Zu dieser Theorie tr\u00e4gt nicht nur der Versto\u00df durch den Vater bei, sondern auch Stalins eigene Aussagen, dass es sich bei Hilters russische Gefangene nur um &#8222;Verr\u00e4ter&#8220; handle, die man ohnehin &#8222;erledigen&#8220; werde, sobald der Krieg vorbei sei. Dies wird im Museum nat\u00fcrlicherweise ausgeklammert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2773\" aria-describedby=\"caption-attachment-2773\" style=\"width: 494px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2773 size-full\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/\u0441\u0442\u0430\u043b\u0438\u043d2.jpg\" alt=\"\" width=\"494\" height=\"330\" srcset=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/\u0441\u0442\u0430\u043b\u0438\u043d2.jpg 494w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/\u0441\u0442\u0430\u043b\u0438\u043d2-300x200.jpg 300w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/\u0441\u0442\u0430\u043b\u0438\u043d2-480x321.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 494px) 100vw, 494px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2773\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Thomas Schmidinger Stalins Sohn Jakow Iossifowitsch Dschugaschwili, der im KZ Sachsenhausen ums Leben kam. &#8211; derstandard.at\/2000061608552\/Verherrlichendes-Museum-Stalins-Enkel-im-Kaukasus<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein sakraler Raum mit einer Totenmaske Stalins und Bildern von dessen Begr\u00e4bnis und eine Ansammlung diverser Staatsgeschenke von Keramikvasen mit Stalins Bildnis bis zu einem kleinen Panzer in Gold, runden die Schau ab.<\/p>\n<p><strong>Stalin-T-Shirt oder Schnapsflasche zum Mitnehmen<\/strong><\/p>\n<p>Wer bei so viel brachialer Propaganda immer noch an der Ernsthaftigkeit des Stalin-Museums zweifelt, sollte einen\u00a0Blick in den Museumsshop werfen. Hier werden T-Shirts, Teetassen oder Schnapsflaschen mit Stalin-Konterfei feilgeboten. B\u00fccher oder \u00e4hnliches, die die wahren Ausma\u00dfe der Stalin-Diktatur beschreiben sind hier Fehlanzeige.<\/p>\n<p>Auf Nachfragen distanziert sich die deutschsprachige Mitarbeiterin des Museums halbherzig von der Ausstellung. Sie habe eben keinen anderen Job in Gori gefunden und w\u00e4re auch nicht so begeistert von Stalin. Die Thematisierung seiner Verbrechen w\u00e4re etwas d\u00fcrftig, gesteht sie. Das w\u00e4re auch schwierig, denn es k\u00e4men ja nicht prim\u00e4r die Stalin-Kritiker hierher, sondern vor allem die Stalin-Fans. Dennoch meint sie,\u00a0habe Stalin diese autonomen Republiken Abchasien und S\u00fcd-Ossetien geschaffen und damit eigentlich erst das heutige Problem f\u00fcr Georgien verursacht. Halten jene, die den &#8222;gro\u00dfen Sohn&#8220; der Stadt also kritisch sehen, ihm also vor allem vor, dem georgischen Nationalismus geschadet zu haben?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(<strong>Thomas Schmidinger<\/strong>, 22.8.2017)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>derstandard.at\/2000061608552\/Verherrlichendes-Museum-Stalins-Enkel-im-Kaukasus<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das georgische Kulturministerium betreibt bis heute in Stalins Heimatstadt Gori ein verherrlichendes Museum zur Huldigung des Diktators. 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