{"id":3058,"date":"2017-09-29T13:37:01","date_gmt":"2017-09-29T11:37:01","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=3058"},"modified":"2017-09-29T13:37:01","modified_gmt":"2017-09-29T11:37:01","slug":"neue-theorie-oetzi-war-krieger-und-jaeger","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=3058&lang=de","title":{"rendered":"Neue Theorie: \u00d6tzi war Krieger und J\u00e4ger"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3059\" aria-describedby=\"caption-attachment-3059\" style=\"width: 728px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3059 size-full\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/ausstellung-jahre-tzi-in-bozen-e1506684957968.jpg\" alt=\"\" width=\"728\" height=\"451\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3059\" class=\"wp-caption-text\">SO SAH \u00d6TZI LAUT FORSCHERN AUS: Viele Indizien sprechen daf\u00fcr, dass er ein erfahrener J\u00e4ger und Krieger seines Stammes war, der zu einem Kampf gegen \u00fcberm\u00e4chtige Gegner gezwungen war. \u00a9 APA\/ROBERT PARIGGER<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"auszug\">Neue Daten aus der experimentellen Arch\u00e4ologie ergeben ein v\u00f6llig neues Bild von \u00d6tzi: War der Mann aus der Jungsteinzeit ein Krieger, den der \u00dcberlebenskampf in eine t\u00f6dliche Auseinandersetzung zwang?<\/p>\n<p>Manuel Lizarralde legt einen Pfeil ein und spannt den Langbogen. \u00dcber die Pfeilspitze visiert er die Mitte der Zielscheibe an, die etwa 30 Meter entfernt steht. Fast lautlos verl\u00e4sst der Pfeil den Bogen und landet pr\u00e4zise im innersten Kreis. F\u00fcr einen ge\u00fcbten Sch\u00fctzen wie Lizarralde ist ein solcher Schuss nichts Besonderes, im Gegensatz zur Ausr\u00fcstung, die er gerade in den H\u00e4nden h\u00e4lt. Denn genau so h\u00e4tten der Bogen und die Pfeile \u00d6tzis ausgesehen, wenn der Mann aus der Jungsteinzeit noch Zeit gefunden h\u00e4tte, seine Waffen fertigzustellen, bevor ihn seine Verfolger erwischten.<\/p>\n<p>Lizarralde, Anthropologe und Professor f\u00fcr Ethnobotanik am Connecticut College (USA), hat in mehr als 1600 Arbeitsstunden \u00d6tzis Bogen und Pfeile nachgebaut und gemeinsam mit seinen Studenten getestet, weil er herausfinden wollte, was sie taugen. Bisher h\u00e4tten die Forscher die Qualit\u00e4t der Waffen untersch\u00e4tzt, offensichtlich habe es ihnen an praktischem Wissen und empirischen Daten \u00fcber die Lebensweise vorgeschichtlicher J\u00e4ger und Sammler gefehlt, meint Lizarralde: &#8222;Ich forsche nicht nur bei indigenen V\u00f6lkern im Amazonasgebiet, die noch heute mit Langb\u00f6gen ihre Nahrung beschaffen, sondern bin auch Bogenbauer und jage seit meiner Jugend.\u201c \u00d6tzi war ein J\u00e4ger und Krieger, wie es sie bei den Indianern Nord- und S\u00fcdamerikas gab, ist der Anthropologe \u00fcberzeugt &#8211; und nicht ein Hirte oder ein reisender H\u00e4ndler einer Bauerngesellschaft, wie Pr\u00e4historiker bisher vermuteten.<\/p>\n<aside id=\"Content_mobile\" class=\"ad_con ad_marker\"><\/aside>\n<p>Dieses Bild ergibt sich, wenn man die neuen, empirischen Daten Lizarraldes mit all jenen Puzzlesteinen kombiniert, die Wissenschafter bisher \u00fcber \u00d6tzis letzten Lebenstage zusammentrugen. Vielleicht geh\u00f6rte er einem der letzten J\u00e4ger- und Sammlerst\u00e4mme in Europa an, die von den damals aus dem Osten kommenden, nach Land gierenden Bauern verdr\u00e4ngt und bek\u00e4mpft wurden, so wie die Indianer im 19. Jahrhundert von den Euroamerikanern. M\u00f6glicherweise wurde sein Volk so sehr in die Gebirgsregion zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, dass sie dort nicht mehr genug Ressourcen hatten, um zu \u00fcberleben. Dann h\u00e4tten sie immer wieder im Territorium der Landnehmer wildern und wohl auch Vorr\u00e4te stehlen m\u00fcssen. Vielleicht wurde \u00d6tzi bei solch einem Streifzug erwischt und schaffte es trotz seiner au\u00dfergew\u00f6hnlichen F\u00e4higkeiten als J\u00e4ger und Krieger nicht, ungestraft zu entkommen, meint der Forscher.<\/p>\n<figure class=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Bild: S\u00fcdtiroler Architekturmuseum\" src=\"https:\/\/www.profil.at\/_storage\/asset\/8312071\/storage\/vgnat:twocolumn_930:x\/file\/123582096\/pfeil-in-tzis-schulter.jpg\" alt=\"Eintrittstelle des t\u00f6dlichen Pfeiles an der linken Schulter.\" width=\"930\" height=\"698\" \/><figcaption class=\"bild-unterschrift\">\n<div class=\"bild-beschreibung\">\n<p>Eintrittstelle des t\u00f6dlichen Pfeiles an der linken Schulter.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"bild-copyright\">\u00a9 S\u00fcdtiroler Architekturmuseum<\/div>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der \u00d6tztalmann, dessen Leiche vor einem Vierteljahrhundert entdeckt wurde, hatte genau jene Kleidung und Ausr\u00fcstung bei sich, die man braucht, um einige Tage auf die Jagd zu gehen. Er trug Leggings, wie sie bis ins 19. Jahrhundert bei Indianern gebr\u00e4uchlich waren, einen Lendenschurz, lederne Oberbekleidung, mit Heu gef\u00fctterte Schuhe und einen Grasmantel, der nicht nur W\u00e4rmeschutz, sondern auch eine perfekte Tarnkleidung war, wie der Innsbrucker Pr\u00e4historiker Konrad Spindler schon fr\u00fcher erkannte. Das Outfit verr\u00e4t einen erfahrenen Outdoor-Menschen, war teils abgenutzt und verschlissen, aber durch regelm\u00e4\u00dfige Reparaturen sorgsam in Ordnung gehalten, erkl\u00e4rt Spindler in seinem Buch &#8222;Der Mann im Eis\u201c. Au\u00dferdem trug \u00d6tzi eine M\u00fctze aus dem Fell eines B\u00e4ren, des gr\u00f6\u00dften und gef\u00e4hrlichsten Tiers in der Gegend. Sie war wohl nicht nur Kleidungsst\u00fcck, sondern auch eine Troph\u00e4e, die ihn als B\u00e4renbezwinger auswies. Ihr Kinnriemen war gerissen, was m\u00f6glicherweise direkt vor seinem Tod geschah.<\/p>\n<p>Neben einer Kupferaxt hatte \u00d6tzi einen handlichen Dolch im G\u00fcrtel stecken sowie Werkzeug, um die Ausr\u00fcstung zu warten und Feuer zu machen. Au\u00dferdem besa\u00df er Medizin gegen Magen- und Gelenksprobleme. Er trug einen K\u00f6cher und f\u00fchrte einen Bogenstab sowie Pfeilsch\u00e4fte mit sich. Bei seinem Tod waren diese Waffen aber nicht einsatzbereit, offensichtlich waren seine intakten Pfeile und der Bogen verloren gegangen oder zerst\u00f6rt worden, und \u00d6tzi wollte sie ersetzen. Er hatte einen drahtigen K\u00f6rper mit keinem Gramm Fett zu viel, wie Spindler schreibt, und war wohl stets viel auf den Beinen, wovon Gelenkabnutzungen zeugen. Seine Armmuskulatur war nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig ausgepr\u00e4gt, weshalb er sicher kein Handwerker oder Bauer war. Er hatte kein St\u00fcck gewebten Stoff am K\u00f6rper, sondern ausschlie\u00dflich robuste, vielleicht schon etwas veraltete Fellkleidung. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte auch ein Hirte oder H\u00e4ndler am \u00dcbergang von der Jungstein- zur Kupferzeit so gekleidet und ausger\u00fcstet gewesen sein. Aber noch viel besser passt sein rekonstruiertes Erscheinungsbild zu der These, dass \u00d6tzi ein J\u00e4ger und Krieger seines Stammes war, so Lizarralde.<\/p>\n<h2>LANDNAHME DURCH BAUERNGESELLSCHAFTEN<\/h2>\n<p>Genau in jener Zeit, in der \u00d6tzi lebte (ab dem vierten Jahrtausend vor Christus), fand in den Alpen eine Landnahme durch Bauerngesellschaften statt, die ans\u00e4ssige J\u00e4ger und Sammler verdr\u00e4ngten. Die J\u00e4ger- und Sammlergesellschaften, die in den Einflussgebieten der fr\u00fchen Bauern lebten, wurden zun\u00e4chst in abgeschiedene, unwirtlichere Gebiete verdr\u00e4ngt und verschwanden dann wohl ganz. Von \u00d6tzi ist durch Isotopenanalysen bekannt, dass er seine Kindheit im oberen Eisacktal oder unteren Pustertal verbrachte, seine letzten zehn Lebensjahre hingegen im Vinschgau, also etwa 60 Kilometer weiter im Westen, unweit der Stelle, wo er ermordet wurde. M\u00f6glicherweise flohen seine Leute vor Siedlern dorthin und wurden am Schluss so sehr in die Gebirgsregion zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, dass sie dort nicht mehr gen\u00fcgend Vorr\u00e4te f\u00fcr einen langen Winter anlegen konnten. An \u00d6tzis N\u00e4geln fanden Forscher drei sogenannte Beau-Streifen. Diese Zonen verringerten Nagelwachstums weisen auf Zeiten mit enormem Stress durch Krankheiten oder Hungerphasen hin, und zwar vier, drei und zwei Monate vor seinem Tod im sp\u00e4ten Fr\u00fchling. Vielleicht unternahm er einen verzweifelten Versuch, im Territorium der Landnehmer oder auf der n\u00f6rdlichen Seite der Alpen, im heutigen \u00d6tztal, zu wildern und an Lebensmittel zu gelangen, und wurde dabei gestellt.<\/p>\n<figure class=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Bild: S\u00fcdtiroler Arch\u00e4ologiemuseum\" src=\"https:\/\/www.profil.at\/_storage\/asset\/8312091\/storage\/vgnat:twocolumn_930:x\/file\/123582112\/61422254.jpg\" alt=\"Verschiedene Werkzeuge und Ersatzmaterialien von der Fundstelle.\" width=\"930\" height=\"1187\" \/><figcaption class=\"bild-unterschrift\">\n<div class=\"bild-beschreibung\">\n<p>Verschiedene Werkzeuge und Ersatzmaterialien von der Fundstelle.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"bild-copyright\">\u00a9 S\u00fcdtiroler Arch\u00e4ologiemuseum<\/div>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Jedenfalls hatte er zwei Tage vor seinem Tod eine gewaltsame Auseinandersetzung, bei der er schwer verletzt wurde. Einen potenziell t\u00f6dlichen Hieb mit einem Dolch oder Beil konnte er nur in einer typischen Abwehrreaktion mit der blo\u00dfen Hand abwehren, wie M\u00fcnchner Kriminalisten erkl\u00e4rten, die den Fall vor einigen Jahren untersuchten. Dabei erlitt \u00d6tzi in der rechten Hand eine tiefe Schnittwunde zwischen Daumen und Zeigefinger, die fast bis zu den Knochen reichte und m\u00f6glicherweise die Daumensehne durchtrennte. Als erfahrener J\u00e4ger und K\u00e4mpfer entkam er, m\u00f6glicherweise musste er dazu aber einen Angreifer t\u00f6ten. Au\u00dferdem gingen bei diesem oder einem anderen Vorfall seine wichtigsten Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nde verloren oder wurden zerst\u00f6rt: der Bogen und die Pfeile, mit denen er sich Nahrung beschaffen und im Fernkampf verteidigen konnte.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens nach diesem Kampf war \u00d6tzi auf der Flucht. Trotz chronischer Gelenksprobleme, seiner schlechten Verfassung und der schweren Handverletzung stieg er in den letzten 24 Stunden vor seinem Tod zuerst von \u00fcber 2500 Meter H\u00f6he ins Tal ab, um dann wieder in die Gipfelregionen zur\u00fcckzukehren. Dies belegen Pollen von Pflanzen aus unterschiedlichen H\u00f6henlagen in seinem Verdauungssystem. Eine davon, die Hopfenbuche, kommt nur im S\u00fcden der Alpen vor, was beweist, dass er wohl im Schnals- oder Etschtal war. Vielleicht besorgte er sich dort aus einem Versteck Nahrungsmittel und beschaffte sich einen vorz\u00fcglichen Eibenstab f\u00fcr den Bogen und Schneeballst\u00e4be f\u00fcr die Pfeile.<\/p>\n<h2>&#8222;DEFINITIV GE\u00dcBTER BOGENBAUER&#8220;<\/h2>\n<p>F\u00fcr den Bogenstab f\u00e4llte er wohl eine saftfrische Eibe, denn ausgeh\u00e4rtetes Holz l\u00e4sst sich mit vorzeitlichem Ger\u00e4t nicht bearbeiten, so Experte Spindler. &#8222;Mit rund 50 Jahresringen auf einer Strecke von nur dreieinhalb Zentimetern innerhalb des urspr\u00fcnglichen Stammquerschnitts h\u00e4tte der Mann im Eis damals wie heute ein qualitativ kaum besser geeignetes Eibenholz f\u00fcr die Herstellung seines neuen Bogens w\u00e4hlen k\u00f6nnen\u201c, schrieb er in einer Publikation des S\u00fcdtiroler Arch\u00e4ologiemuseums. Allerdings: Mit der verletzten Hand h\u00e4tte \u00d6tzi wohl gro\u00dfe Probleme gehabt, das Holz zu schneiden und zu bearbeiten. Er war wahrscheinlich Rechtsh\u00e4nder, denn er hatte auf der linken Hand Einschn\u00fcrungen, die wohl von den Befestigungsschn\u00fcren eines Lederschutzes gegen die schnalzende Bogensehne stammten. Au\u00dferdem taugt frisches Holz nicht f\u00fcr einen Bogen, es muss kontrolliert trocknen und h\u00e4rten. Vielleicht holte er also einen schon fr\u00fcher gefundenen und bearbeiteten Bogenstab. Dieser war meisterlich gew\u00e4hlt und bearbeitet, meint Lizarralde. Die L\u00e4nge von 182 Zentimetern ergebe einen perfekten Winkel der Sehne mit dem Pfeil f\u00fcr eine gute Beschleunigung &#8211; und garantiere Treffsicherheit. &#8222;Er war definitiv ein ge\u00fcbter Bogenbauer und h\u00e4tte aus diesem St\u00fcck Holz einen perfekten Bogen hergestellt\u201c, so Lizarralde: &#8222;Als ich mit den Replikaten von \u00d6tzis Bogen und Pfeilen schoss, bemerkte ich, dass dadurch die Spitze beim ausgezogenen Bogen genau auf ein 25 bis 35 Meter entferntes Ziel zeigt.\u201c Er konnte dadurch perfekt anvisieren.<\/p>\n<figure class=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Bild: S\u00fcdtiroler Arch\u00e4ologiemuseum\" src=\"https:\/\/www.profil.at\/_storage\/asset\/8312074\/storage\/vgnat:twocolumn_930:x\/file\/123582104\/61422241.jpg\" alt=\"\u00d6tzis G\u00fcrteltasche mit &quot;Feuerzeug\u201c und Knochenahle.\" width=\"930\" height=\"1187\" \/><figcaption class=\"bild-unterschrift\">\n<div class=\"bild-beschreibung\">\n<p>\u00d6tzis G\u00fcrteltasche mit &#8222;Feuerzeug\u201c und Knochenahle.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"bild-copyright\">\u00a9 S\u00fcdtiroler Arch\u00e4ologiemuseum<\/div>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nach seinem Ausflug ins Tal zog sich \u00d6tzi rasch in die abgelegenen H\u00f6hen zur\u00fcck. Er rastete so weit weg vom Schuss wie m\u00f6glich, n\u00e4mlich an der Grenze zweier Territorien. So wie heute die Wasserscheide die Grenze zwischen \u00d6sterreich und Italien markiert, war sie auch schon in der Steinzeit mit einiger Sicherheit eine Reviergrenze, sagt Lizarralde. Alle Experten sind sich einig darin, dass sich \u00d6tzi hier vorerst sicher f\u00fchlte. Er stellte seine Ausr\u00fcstung wohlgeordnet ab und a\u00df Brot sowie ein St\u00fcck Speck, wie sein Mageninhalt 5000 Jahre sp\u00e4ter beweisen sollte. Entweder hatten ihn aber Sp\u00e4her des Volkes aus dem Norden entdeckt oder Verfolger aus dem S\u00fcden unbemerkt eingeholt. Nachdem \u00d6tzi zuvor im Nahkampf nicht zu besiegen war, versuchten sie es nun aus der sicheren Distanz. Es ist gut m\u00f6glich, dass ein aufkommender Schneesturm die Bewegungen und Ger\u00e4usche der anschleichenden Angreifer verh\u00fcllte, meint Lizarralde. Tosen und Schneetreiben h\u00e4tte ihnen bestimmt sehr geholfen, auf Schussdistanz an den erfahrenen und wachsamen Krieger heranzukommen. Sie schossen ihn aus h\u00f6chstens 40 Metern in den R\u00fccken. M\u00f6glicherweise b\u00fcckte er sich gerade, um zu trinken, denn der Pfeil verfehlte Herz und Lunge und landete in der linken Schulter.<\/p>\n<p>Doch die Spitze traf genau jene Arterie, die den Arm mit Blut versorgt, und \u00d6tzi war durch den raschen Blutverlust schnell benommen und brach nach kurzer Zeit zusammen. &#8222;Eine solche Wunde ist t\u00f6dlich, wenn man sie nicht innerhalb von Minuten operiert\u201c, erkl\u00e4rte Albert Zink, der Leiter des Instituts f\u00fcr Mumien und den Iceman der Europ\u00e4ischen Akademie in Bozen, wo \u00d6tzi seine zweite ewige Ruhe fand, j\u00fcngst bei einem Vortrag in Wien. \u00d6tzi hatte aber auch eine Sch\u00e4del-Hirn-Verletzung, die genau wie die Pfeilwunde f\u00fcr sich alleine letal ist. Entweder st\u00fcrzte er auf den Hinterkopf oder ein Angreifer verpasste ihm dorthin einen Schlag etwa mit der stumpfen Seite einer Axt. Daf\u00fcr spricht, dass der Kinnriemen an \u00d6tzis dicker B\u00e4renfellm\u00fctze riss. Sie wurde ihm vermutlich heruntergezogen, damit sie den Hieb nicht d\u00e4mpfte, meint Lizarralde. Der Sch\u00fctze zog dann wohl den Pfeilschaft aus dem K\u00f6rper des Sterbenden, was die Blutung beschleunigte, obwohl die Spitze im Schulterblatt stecken blieb.<\/p>\n<p>\u00d6tzis M\u00f6rder hielten sich wohl nicht mehr lange an dem Ort auf und lie\u00dfen sogar sein Kupferbeil liegen, obwohl es sicher von einigem Wert war. Vielleicht veranlasste sie der Schneesturm zu einem schnellen Abstieg, oder sie waren einfach erleichtert, die Sache erledigt zu haben. Schnee bedeckte jedenfalls den Leichnam recht rasch, so dass keine Fleischfresser oder Insekten ihm Schaden zuf\u00fcgen konnten. So \u00fcberdauerte der Leichnam 5000 Jahre. Erst im September des Jahres 1991 aperte die Mumie des Steinzeitj\u00e4gers aus und wurde von deutschen Bergwanderern entdeckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>https:\/\/www.profil.at<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Daten aus der experimentellen Arch\u00e4ologie ergeben ein v\u00f6llig neues Bild von \u00d6tzi: War der Mann aus der Jungsteinzeit ein Krieger, den der \u00dcberlebenskampf in eine t\u00f6dliche Auseinandersetzung zwang? Manuel Lizarralde legt einen Pfeil ein und spannt den Langbogen. \u00dcber die Pfeilspitze visiert er die Mitte der Zielscheibe an, die etwa 30 Meter entfernt steht. 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