{"id":3990,"date":"2017-11-09T00:29:33","date_gmt":"2017-11-08T22:29:33","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=3990"},"modified":"2017-11-09T00:29:33","modified_gmt":"2017-11-08T22:29:33","slug":"das-leben-nach-der-ausschaffung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=3990&lang=de","title":{"rendered":"Das Leben nach der Ausschaffung"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3991\" aria-describedby=\"caption-attachment-3991\" style=\"width: 489px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3991 size-full\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Kilchberg1.jpg\" alt=\"\" width=\"489\" height=\"653\" srcset=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Kilchberg1.jpg 489w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Kilchberg1-225x300.jpg 225w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Kilchberg1-480x641.jpg 480w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Kilchberg1-374x500.jpg 374w\" sizes=\"auto, (max-width: 489px) 100vw, 489px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3991\" class=\"wp-caption-text\">Die beiden Tschetschenen-M\u00e4dchen vor ihrer Schule in der N\u00e4he von Grosny. ZVG<\/figcaption><\/figure>\n<h2 class=\"article-headline\">\u00abDie Lehrerin lacht uns aus, weil wir nicht Russisch k\u00f6nnen\u00bb<\/h2>\n<p id=\"abstract\"><span class=\"article-lead__text\">So leben die ausgeschafften Kilchberger M\u00e4dchen in Tschetschenien.<\/span><\/p>\n<p>Im Nu steht die Verbindung per\u00a0<a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/dossiers\/skype\">Skype<\/a>. \u00abGuten Tag, Herr Reporter\u00bb, gr\u00fcssen Marha (13) und ihre Schwester Linda (11). Sie sitzen auf einem Sofa und sprechen in die Kamera eines\u00a0Mobiltelefons. \u00abWie geht es Ihnen?\u00bb<\/p>\n<p>Sie lachen, doch ihr Lachen scheint gequ\u00e4lt. Seit einem halben Jahr leben die M\u00e4dchen mit den Eltern und ihren beiden Br\u00fcdern in der N\u00e4he von Grosny, in der tschetschenien Hauptstadt. Im Privatjet sind sie im Juni aus der Schweiz ausgeschafft worden. Nachdem sie viereinhalb Jahre voll integriert in Kilchberg ZH lebten (BLICK berichtete).<\/p>\n<p>Am neuen Ort gefalle es ihnen \u00abnicht so gut wie in der Schweiz\u00bb, sagt Linda. Den\u00a0Schalk von einst hat Linda verloren. \u00abWir vermissen den Spass und die Freunde von Kilchberg.\u00bb Kalt sei es in\u00a0<a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/dossiers\/tschetschenien\">Tschetschenien<\/a>. \u00abUnd der Fluss ist sehr schmutzig.\u00bb<\/p>\n<p>Ungern nur tragen sie die Kopft\u00fccher und die langen R\u00f6cke. An der Schule ist beides Pflicht. M\u00e4dchen und Buben h\u00e4tten in Kilchberg vieles zusammen getan. \u00abHier sind wir getrennt, als ob es gef\u00e4hrlich\u00a0w\u00e4re, wenn M\u00e4dchen und Knaben zusammen sind\u00bb, sagt Linda.<\/p>\n<p>Regiert wird die autonome russische Republik Tschetschenien von Ramsan Kadyrow (40), einem Gewaltherrscher. Zunehmend islamisiert er das Land, setzt strikte religi\u00f6se Gesetze durch. Bewaffnete M\u00e4nner kontrollieren, ob Frauen und M\u00e4dchen sich z\u00fcchtig kleiden.<\/p>\n<p>Oft kommen Marha und Linda weinend nach Hause. \u00abIn Kilchberg wollten wir selbst dann zur Schule, als wir krank waren\u00bb, so Marha. \u00abJetzt sind wir froh, krank zu sein, damit wir nicht zur Schule m\u00fcssen.\u00bb<\/p>\n<p>Sie leiden wegen der Sprache. Der Unterricht ist auf Russisch, die M\u00e4dchen reden miteinander Deutsch. Nachhilfe erhalten sie nicht. Verstehen sie eine Aufgabe nicht, werden sie beschimpft. \u00abDie Lehrerin lacht uns aus\u00bb, sagt Marha. Allein, weil sie nicht Russisch k\u00f6nne. \u00ab\u2039Du schreibst wie eine Dreij\u00e4hrige\u203a, schrie sie mich an.\u00bb<\/p>\n<p>Hatten sie in Kilchberg Noten zwischen 5 und 6, schreiben sie jetzt 3er. Marhas Klasse umfasst 36\u00a0<a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/dossiers\/schueler\">Sch\u00fcler<\/a>, jene von Linda 40. Dreimal die Woche turnten die M\u00e4dchen in der Schweiz. In Tschetschenien\u00a0spielen die Knaben draussen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/dossiers\/fussball\">Fussball<\/a>, die M\u00e4dchen m\u00fcssen drinnen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/dossiers\/schach\">Schach<\/a>\u00a0\u00fcben.<\/p>\n<p>T\u00e4glich w\u00fcrden sie mit ihren Freundinnen in der Schweiz \u00fcber\u00a0<a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/dossiers\/whatsapp\">WhatsApp<\/a>\u00a0oder FaceTime reden.<\/p>\n<p>Gering sind die Chancen auf eine R\u00fcckkehr in die Schweiz. Das Asylgesuch von\u00a0<a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/dossiers\/vater\">Vater<\/a>\u00a0Timur M. (40) ist in letzter Instanz abgelehnt worden. Am Migrationsamt des\u00a0<a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/dossiers\/kanton\">Kantons<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/dossiers\/zuerich\">Z\u00fcrich<\/a>\u00a0h\u00e4ngig ist ein Gesuch der Kinder f\u00fcr eine Aufenthaltsbewilligung und Familiennachzug. Ihr Anwalt argumentiert mit dem Kindeswohl.<\/p>\n<p>Doch die Kinder geben nicht auf. \u00abKlar\u00bb, sagt Linda, \u00abwir kommen zur\u00fcck in die Schweiz \u2013 und schliessen unsere Freunde in die Arme.\u00bb<\/p>\n<p>Derzeit werde er nicht bedroht, sagt ihr Vater. Aber: \u00abHier haben die Kinder keine Zukunft.\u00bb Drei\u00a0<a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/dossiers\/jobs\">Jobs<\/a>\u00a0h\u00e4tte er in Kilchberg haben k\u00f6nnen, in Tschetschenien findet er keine Stelle.\u00a0Sein \u00e4lterer Sohn k\u00f6nne nicht zur Schule. \u00abDen Beh\u00f6rden ist das egal\u00bb, sagt er. \u00abIhnen ist egal, ob wir sterben.\u00bb<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>https:\/\/www.blick.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abDie Lehrerin lacht uns aus, weil wir nicht Russisch k\u00f6nnen\u00bb So leben die ausgeschafften Kilchberger M\u00e4dchen in Tschetschenien. 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