{"id":4466,"date":"2017-12-15T09:56:11","date_gmt":"2017-12-15T07:56:11","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=4466"},"modified":"2017-12-15T09:57:29","modified_gmt":"2017-12-15T07:57:29","slug":"projekt-integrationsinitiative-familie-ausgezeichnet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=4466&lang=de","title":{"rendered":"Projekt \u201cIntegrationsinitiative Familie\u201d ausgezeichnet"},"content":{"rendered":"<div class=\"container\">\n<div class=\"row\">\n<div class=\"col-xs-12 col-sm-10 col-md-8 col-sm-offset-1 col-md-offset-2\">\n<figure id=\"attachment_4468\" aria-describedby=\"caption-attachment-4468\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4468 size-full\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/sigi-e1513324626668.jpeg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"388\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4468\" class=\"wp-caption-text\">Fotocredits: Wolfgang Burgstaller<\/figcaption><\/figure>\n<h4>Der Sieglinde-Trannacher-Preis 2017 w\u00fcrdigt die Arbeit des Vereins Aspis<\/h4>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"entry_nav_content enc_right\">\u00a0In der Volksk\u00fcche Klagenfurt wurde am Montag, 11. Dezember 2017 der zweite Sieglinde-Trannacher-W\u00fcrdigungspreis vergeben.<\/div>\n<div class=\"container\">\n<div class=\"row\">\n<div class=\"col-xs-12 col-sm-10 col-md-8 col-sm-offset-1 col-md-offset-2 detailcontent\">\n<div class=\"co_anreisser\">\n<p>Die dreik\u00f6pfige Jury, bestehend aus Volkshilfe-Pr\u00e4sidentin Barbara Gross, Univ.-Prof. Dr. Peter Gstettner und Mag. Stefan Mauthner (Leiter Abteilung Soziales) w\u00e4hlte aus neun Einreichungen das Projekt \u201cIntegrationsinitiative Familie\u201d des Vereins Aspis.&#8220;Es gibt nichts Gutes, au\u00dfer man tut es.&#8220; mit diesen Worten beschrieb Sieglinde Trannacher selbst ihr Engagement und den Einsatz f\u00fcr jene, die an den Rand einer Gesellschaft gedr\u00e4ngt werden. F\u00fcr Menschen mit Armutserfahrungen, Menschen mit Behinderung und jene, die mit Ausgrenzungen aus verschiedenen Gr\u00fcnden konfrontiert sind, gegen das Vergessen und Verdr\u00e4ngen galt das Wirken von Sieglinde Trannacher.<\/p>\n<p>Siegfried Stupnig, der den Sieglinde-Trannacher-Preis gemeinsam mit seiner Kollegin Natalia Russinova entgegen nahm, erinnert sich: &#8222;Sieglinde war nicht nur eine Frau der starken Worte, sondern auch der Taten. Wenn es darum ging, Missst\u00e4nde aufzuzeigen, ging sie voran und wir alle folgten ihr.&#8220;<\/p>\n<p>Das Projekt &#8222;Integrationsinitiative Familie&#8220; des Vereins Aspis setzt bei Familien an, die aufgrund ihrer Religion, ihrer Biografie Ausgrenzungen erleben und erlebt haben, traumatisiert und gekr\u00e4nkt sind. Die Bildung von &#8222;Parallelgesellschaften&#8220; sowie das Abgleiten in radikale Str\u00f6mungen ist auch Folge der mangelhaften Integrationspolitik. Es fehlt an Anlaufstellen, wo Menschen sich hinwenden k\u00f6nnen und an Bezugspersonen, die negative Entwicklungen abfedern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#8222;Integrationsinitiative Familie&#8220; setzt genau dort an und arbeitet gegen gesellschaftliche R\u00fcckzugstendenzen und gegen soziale Isolation. &#8222;Wir ermutigen die Menschen am kulturellen und gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und arbeiten an den individuellen St\u00e4rken der begleiteten Personen. Durch tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung aber auch durch kulturspezifische psychologische Beratungsgespr\u00e4che wird das Selbstvertrauen der betreuten Menschen gest\u00e4rkt. Im Zentrum unserer Arbeit steht auch die Vermittlung der &#8222;Werte&#8220; unserer Gesellschaft mit besonderer Beachtung der Gleichberechtigugn von Frauen sowie der gewaltfreien Erziehung der Kinder.&#8220; hei\u00dft es im Einreichungstext.<\/p>\n<\/div>\n<p>Das\u00a0<strong>K\u00e4rntner Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung<\/strong>\u00a0schreibt gemeinsam mit der\u00a0<strong>Volkshilfe K\u00e4rnten<\/strong>\u00a0sowie dem\u00a0<strong>SP\u00d6 Klagenfurt Gemeinderatsklub<\/strong>\u00a0den Sieglinde-Trannacher-W\u00fcrdigungspreis aus, um ein Klagenfurter Projekt im Sozialbereich auszuzeichnen.<\/p>\n<p>Wir bedanken uns recht herzlich bei allen Sponsoren:<\/p>\n<p><strong>M &amp; R Bauholding<\/strong><\/p>\n<p><strong>Landeshauptstadt Klagenfurt am W\u00f6rthersee<\/strong><\/p>\n<p><strong>Technische Akademie K\u00e4rnten &#8222;Portal in die Zukunft&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><strong>ilab Crossmedia<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die musikalische Umrahmung danken wir Michael Erian!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong><em>Laudation von Univ.-Prof. Dr. Peter Gstettner<\/em><\/strong><\/h3>\n<p>Jurybegr\u00fcndung f\u00fcr das Siegerprojekt: Integrationsinitiative Familie<\/p>\n<p>eingereicht von Siegfried Stupnik \/ASPIS\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Peter Gstettner, 11.12.2017<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Vizeb\u00fcrgermeister, liebe Familienangeh\u00f6rige von Sieglinde Trannacher, liebe Kolleginnen und Kollegen, Freundinnen und Freunde von Sieglinde und Unterst\u00fctzerinnen und Unterst\u00fctzer des \u201eK\u00e4rntner Netzwerkes gegen Armut und Ausgrenzung\u201c!<\/p>\n<p>Im Namen und im Auftrag der Jury[1] darf ich Sie \u00fcber die Begr\u00fcndung f\u00fcr die Auswahl des Siegerprojektes informieren. Zuvor m\u00f6chte ich mich beim \u201eK\u00e4rntner Netzwerk gegen Armut und Ausgrenzung\u201c, vertreten durch Monika Skazedonig und Heinz Pichler, f\u00fcr die Ausschreibung und die Abwicklung des Verfahrens, einschlie\u00dflich der Organisation des heutigen Festaktes, ganz herzlich bedanken.<\/p>\n<p>Durch die kompetente Unterst\u00fctzung konnte sich die Jury in relativ kurzer Zeit einen \u00dcberblick \u00fcber die 9 eingereichten Projekte verschaffen. Bei einigen Projekten, die in die engere Auswahl kamen und bei denen sich der Kriterienkatalog als unzureichend erwies, fragten wir uns: Welchem Projekt h\u00e4tte wohl Sieglinde Trannacher den Vorzug gegeben? In welchem Projekt h\u00e4tte sie wohl gerne mitgearbeitet?<\/p>\n<p>In diesen Momenten wurde die Jurysitzung auch zu einer Erinnerung an Sieglinde Trannacher. Und zu einer Reflexion auf Sieglindes Weg, den Menschen, die als Fremde und Hilfesuchende zu uns kommen, eine Orientierung zu geben und ihnen eine Stimme zu verleihen &#8211; und das alles mit dem Ziel, ihnen zu ihren fundamentalen Menschenrechten zu verhelfen.<\/p>\n<p>Es wird ja immer schwieriger f\u00fcr die Projekte, diesen Weg nachzuvollziehen, da die an den Rand der Gesellschaft gedr\u00e4ngten Menschen kaum mehr staatliche Unterst\u00fctzung bekommen, ohne schon vorher gewisse Bedingungen zu erf\u00fcllen. Die Schraube f\u00fcr die \u201eIntegration\u201c wird seitens der herrschenden Politik gewaltig angezogen. Die Instrumente f\u00fcr die Gew\u00e4hrung von staatlich gef\u00f6rderten Integrationshilfen werden zunehmend gesch\u00e4rft. Z. B. will man die \u201eIntegrationswilligkeit\u201c bei den\u00a0 Hilfe- und Schutzsuchenden vorab erheben und sicherstellen. Dadurch erhofft man sich, die als \u201eintegrationsunwillig\u201c eingesch\u00e4tzten Menschen vorzeitig von m\u00f6glichen F\u00f6rderleistungen fernhalten zu k\u00f6nnen. Ich vermute, die \u201eMinderleister ohne Migrationshintergrund\u201c werden etwas sp\u00e4ter an der Reihe sein, und diesen dann die sog. Erwerbsunf\u00e4higen folgen, und diesen die armen und ausgesteuerten alten Menschen, diesen die k\u00f6rperlich und geistig beeintr\u00e4chtigten Menschen usw. &#8211; Und im Handumdrehen haben wir den Sozialstaat soweit abgeschafft, dass das alte System wieder funktioniert und immer gr\u00f6\u00dfere Gruppen von Menschen ausgesondert und als \u201e\u00fcberz\u00e4hlig\u201c an den Rand der Gesellschaft gedr\u00e4ngt werden. Neu sind diese Trends wirklich nicht. Sieglinde Trannacher war schon mit diesen Entwicklungen konfrontiert, hat sie sich doch jahrzehntelang professionell mit Armut, Alter und Ausgrenzung besch\u00e4ftigt und dagegen angek\u00e4mpft. Dieses ihr Engagement hat heute an Aktualit\u00e4t und Dringlichkeit noch dazu gewonnen. Das konnten wir allen eigereichten Projekten anmerken, vor allem am politischen Realit\u00e4tsbezug jener Projekte, mit denen wir es zu tun haben: Diese Projekte wissen um die populistische Schlagseite der heutigen Politik und halten gerade deshalb daran fest, dass die Integrationsdefizite nicht der mangelnden \u201eIntegrationswilligkeit\u201c der Fl\u00fcchtlinge und Migranten zuzuschreiben sind, sondern an der Unwilligkeit oder Unf\u00e4higkeit der herrschenden Politik, diesen Menschen passende Integrationsangebote zu machen. Wenn man n\u00e4mlich die asylsuchenden Menschen vorneweg als \u201ekulturfremde\u201c und \u201earbeitsscheue Sozialschmarotzer\u201c einsch\u00e4tzt, darf man sich nicht dar\u00fcber wundern, wenn sich diese Menschen mit ihren Bed\u00fcrfnissen allein gelassen f\u00fchlen und sich in sog. Parallelgesellschaften zur\u00fcckziehen. Sie igeln sich in ihren traumatischen Erfahrungen ein und k\u00f6nnen die Integrationsangebote, die ihnen die Politik macht, gar nicht als solche wahrnehmen.<\/p>\n<p>Niederschwellige Projekte, wie sie der Jury in der Mehrzahl vorlagen, setzen daher auf eine aufsuchende Strategie: Sie suchen ihre Adressaten dort auf, wo sie sich gerade befinden. Das gelingt oft nicht im ersten Anlauf, weil zun\u00e4chst ein gewisses Vertrauen von Mensch zu Mensch aufgebaut werden muss. Und dazu eignen sich oft zun\u00e4chst andere, nicht-sprachlich vermittelte gemeinsame Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Und damit bin ich auch schon bei dem Projekt, dem die Jury den ersten Preis zugesprochen hat: Es ist das Projekt INTEGRATIONSINITIATIVE FAMILIE des Vereins ASPIS. Der Initiator, die \u201eSeele des Projekts\u201c, ist Mag. Siegfried Stupnik.<\/p>\n<p>Zur Vorgeschichte des Projekts eine kurze Information: ASPIS ist ein Forschungs- und Beratungszentrum f\u00fcr Opfer von Gewalt, das unter der Leitung von Kollegen Prof. Klaus Ottomeyer vor 20 Jahren an der Universit\u00e4t Klagenfurt gegr\u00fcndet wurde und seither als gemeinn\u00fctziger Verein besteht, der sich die psychologische Betreuung von Fl\u00fcchtlingen in K\u00e4rnten zur Hauptaufgabe gemacht hat. Siegfried Stupnik hat sich in diesem Rahmen mehr und mehr mit den praktischen Fragen der Integration auseinandergesetzt. Er gr\u00fcndete einen Fu\u00dfballclub mit Fl\u00fcchtlingen aus Tschetschenien und organisierte Fu\u00dfballturniere. Das war eine Aktion mit gro\u00dfer Nachhaltigkeit. Nicht nur, dass der Fu\u00dfballclub heute noch besteht, er bl\u00fcht und gedeiht in einer erweiterten Form: Fl\u00fcchtlinge aus mehreren L\u00e4ndern spielen heute als \u201eFC International\u201c unter einem Trainer, der in seiner Heimat ein sehr bekannter Fu\u00dfballstar war, bis er selbst aus Tschetschenien fliehen musste.<\/p>\n<p>Einerlei ob dieser Fu\u00dfballclub ein Spiel gewinnt oder nicht, ein vorbildliches Integrationsmodell ist dieses Projekt allemal, hatte doch der damalige Landeshauptmann von K\u00e4rnten J\u00f6rg Haider propagiert: K\u00e4rnten muss tschetschenenfrei werden! Diese populistische und menschenverachtende Ansage ist fast auf den Tag genau 10 Jahre alt. Und bitte glauben Sie nicht, dass ich von l\u00e4ngst vergangenen Zeiten spreche &#8211; obwohl wir heute sagen k\u00f6nnen: Das war eine \u201eFehlanzeige\u201c, Gott sei Dank. Dank vor allem an Siegfried Stupnik und an alle Menschen mit Zivilcourage, die sich damals mit seinem Integrationsanliegen solidarisiert haben &#8211; und Sieglinde Trannacher geh\u00f6rte nat\u00fcrlich zu ihnen. Sie haben dem Willen des Landesherrn erfolgreich ihren Widerstand entgegengesetzt und den guten Ruf von K\u00e4rnten als ein offenes und menschenfreundliches Land gerettet. Solche Projekte und Aktionen k\u00f6nnen n\u00e4mlich zeigen, dass und wie man die Worth\u00fclse \u201eWillkommenskultur\u201c mit konkreten Initiativen f\u00fcllen kann und was man machen muss, damit dieser Begriff Leben bekommt bzw. gelebte Wirklichkeit wird.<\/p>\n<p>Das Projekt INTEGRATIONSINITIATIVE FAMILIE, das heute ausgezeichnet wird, startet also mit berechtigten Vorschusslorbeeren an Siegfried Stupnik und seine MitarbeiterInnen, unter ihnen ist auch Frau Natalia Russinova, die ich ebenfalls ganz herzlich begr\u00fc\u00dfe. \u00a0Anhand dieses Projektes wird sich zeigen, in welchem komplexen Problemfeld Fl\u00fcchtlingsfamilien versuchen, bei uns Fu\u00df zu fassen, und wie ihnen dabei geholfen werden kann. Wir haben keine Zweifel daran, dass Siegfried Stupnik vor dem Hintergrund der bei ASPIS gesammelten Erfahrungen das Projekt an seine Ziele heranf\u00fchren wird. Ich zitiere aus der Projektbeschreibung von S. Stupnik:<\/p>\n<p>\u201eWir ermutigen die Menschen, am kulturellen und gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, und arbeiten an den individuellen St\u00e4rken der begleitenden Personen. Durch tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung, aber auch durch kulturspezifische psychologische Beratungsgespr\u00e4che wird das Selbstvertrauen der betreuten Menschen gest\u00e4rkt. Im Zentrum unserer Arbeit steht auch die Vermittlung der \u201eWerte\u201c unserer Gesellschaft, mit besonderer Beachtung der Gleichberechtigung von Frauen sowie der gewaltfreien Erziehung der Kinder.\u201c<\/p>\n<p>Die Jury gratuliert dem Preistr\u00e4gerprojekt und w\u00fcnscht ihm viel Erfolg und Gl\u00fcck bei der Umsetzung des Vorhabens \u201eIntegrationsinitiative Familie\u201c!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[1] Barbara Gross, Pr\u00e4sidentin der Volkshilfe Steiermark, Stefan Mauthner, Leiter des Sozialamtes der Stadt Klagenfurt und Peter Gstettner als Obmann des Mauthausen Komitees K\u00e4rnten\/Koroska).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>https:\/\/www.armutsnetzwerk.at<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sieglinde-Trannacher-Preis 2017 w\u00fcrdigt die Arbeit des Vereins Aspis \u00a0In der Volksk\u00fcche Klagenfurt wurde am Montag, 11. Dezember 2017 der zweite Sieglinde-Trannacher-W\u00fcrdigungspreis vergeben. 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