{"id":4607,"date":"2017-12-26T18:42:32","date_gmt":"2017-12-26T16:42:32","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=4607"},"modified":"2017-12-26T18:42:32","modified_gmt":"2017-12-26T16:42:32","slug":"amnesty-prangert-sowjetmethoden-an","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=4607&lang=de","title":{"rendered":"Amnesty prangert Sowjetmethoden an"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_4608\" aria-describedby=\"caption-attachment-4608\" style=\"width: 468px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4608 size-full\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/\u043f\u0435\u0440\u0435\u0441\u044b\u043b\u043a\u0430.jpg\" alt=\"\" width=\"468\" height=\"352\" srcset=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/\u043f\u0435\u0440\u0435\u0441\u044b\u043b\u043a\u0430.jpg 468w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/\u043f\u0435\u0440\u0435\u0441\u044b\u043b\u043a\u0430-300x226.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 468px) 100vw, 468px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4608\" class=\"wp-caption-text\">Pikabu<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"teaser\"><strong>Russische Gefangene sind auf Transporten unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt. Dokumentiert hat diese nun die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. In Gef\u00e4ngniswaggons aus der Sowjetzeit, genannt Stolypins, werden laut Amnesty sowohl M\u00e4nner als auch Frauen in \u00fcberf\u00fcllte Abteile verfrachtet und in weit entfernte russische Gefangenenlager gebracht.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIn den Z\u00fcgen werden H\u00e4ftlinge in kleine Zellen gequetscht, ohne L\u00fcftung oder Tageslicht\u201c, berichtete Denis Kriwoschejew, stellvertretender Direktor f\u00fcr Europa und Zentralasien bei Amnesty. Die gr\u00f6\u00dferen Abteile seien 3,5 Quadratmeter gro\u00df und beinhalten sieben metallene Schlafkojen, so der Bericht. Darin w\u00fcrden aber bis zu zw\u00f6lf Personen untergebracht. Aufrecht zu stehen sei zudem aufgrund der geringen H\u00f6he unm\u00f6glich. Die kleineren Abteile seien gar nur zwei Quadratmeter gro\u00df.<\/p>\n<h2>\u201eEs hatte 40 Grad, und es gab kein Wasser\u201c<\/h2>\n<p>\u201eWir sind vier Tage lang nach Samara (Stadt im s\u00fcdwestlichen Russland, Anm.) gefahren &#8211; ohne Betten &#8211; in der Kleidung, die wir anhatten. Es hatte 40 Grad, und es gab kein Wasser\u201c, berichtete der ehemalige Gefangene Hennadij Afanasiew gegen\u00fcber Amnesty.<\/p>\n<div class=\"image bigpicture\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"\u00a9 Amnesty International\/Ernest Mezak\" src=\"http:\/\/orf.at\/static\/images\/site\/news\/20171248\/gefangenen_transporte_russland_body2_n.4790218.jpg\" alt=\"Zellen im Gefangenentransport\" width=\"800\" height=\"533\" \/><\/p>\n<p class=\"credit\">Amnesty International\/Ernest Mezak<\/p>\n<p class=\"caption\">Die einzelnen Zellen f\u00fcr bis zu zw\u00f6lf Personen sind zwischen zwei und 3,5 Quadratmeter gro\u00df<\/p>\n<\/div>\n<p>Afansaiew erz\u00e4hlte von einem kl\u00e4glichen Versuch der Beamten, die Waggons zu k\u00fchlen: \u201eSie haben Wasser auf den Stolypin gespritzt &#8211; aber dann hat es gedampft. Es ist darin wie in einer Metallkiste.\u201c Die Fahrt in die Straflager dauere insgesamt meist einen Monat oder l\u00e4nger. Die Gefangenenz\u00fcge w\u00fcrden dazwischen mehrere Halte einlegen, bei denen die H\u00e4ftlinge in Transitzellen eingesperrt werden.<\/p>\n<h2>Kein Kontakt zur Au\u00dfenwelt<\/h2>\n<p>Amnesty kritisiert, dass die Gefangenen w\u00e4hrend des Transports keinen Kontakt zur Au\u00dfenwelt h\u00e4tten. Der russische Strafvollzug (FSIN) verweigerte der Menschenrechtsorganisation zufolge Informationen \u00fcber Zwischenstopps. Unter Geheimhaltung werde von den Beh\u00f6rden die Strecke beschlossen, ebenso die Haftanstalt, in die die Menschen gebracht werden. Die Gefangenen w\u00fcssten nichts \u00fcber ihr Schicksal und seien faktisch rechtlos, so Amnesty. Sie berichten von Missbrauch und von H\u00e4ftlingen, die von einem auf den anderen Tag einfach verschwunden waren.<\/p>\n<h2>Transport \u00fcber Tausende Kilometer<\/h2>\n<p>Die unmenschlichen Bedingungen, denen Gefangene in Russland auf der Reise ausgesetzt sind, seien keine Ausnahme in Europa. Es gebe etliche &#8211; auch westliche &#8211; L\u00e4nder, in denen der Transport von H\u00e4ftlingen problematisch ist, so Amnesty. Staaten, die hinter den EU-Standards f\u00fcr Gefangenentransporte zur\u00fcckbleiben, seien Frankreich, Spanien, Ungarn, Litauen, die Ukraine sowie Irland und Gro\u00dfbritannien. Geschichtlich und auch geografisch betrachtet, w\u00fcrden sich in Russland jedoch die Probleme noch mehr durch das Netz der Straf- und Arbeitslager der ehemaligen Sowjetunion (Gulags) versch\u00e4rfen.<\/p>\n<div class=\"image bigpicture\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"\u00a9 Amnesty International\/Ernest Mezak\" src=\"http:\/\/orf.at\/static\/images\/site\/news\/20171248\/gefangenen_transporte_russland_body1_n.4790217.jpg\" alt=\"Zellen im Gefangenentransport\" width=\"800\" height=\"533\" \/><\/p>\n<p class=\"credit\">Amnesty International\/Ernest Mezak<\/p>\n<p class=\"caption\">H\u00e4ftlinge m\u00fcssen auf metallenen Pritschen schlafen<\/p>\n<\/div>\n<p>Der FSIN erbte dieses System. Die meisten befinden sich in abgelegenen, d\u00fcnn besiedelten Teilen des Landes. Das bedeutet, dass Gefangene oft mehrere tausend Kilometer transportiert werden m\u00fcssen. Im Falle des Gefangenen Alexander Melnikow, der zu neun Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt wurde, waren es laut Amnesty 5.600 Kilometer von Krasnouralsk im Ural nach Ulan Ude in Sibirien. W\u00fcrde man diese Strecke mit dem Auto fahren, so brauchte man rund 60 Stunden.<\/p>\n<div class=\"image bigpicture\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"\u00a9 Amnesty International\/Ernest Mezak\" src=\"http:\/\/orf.at\/static\/images\/site\/news\/20171248\/gefangenen_transporte_russland_body3_n.4790219.jpg\" alt=\"Gefangenentransport in Russland\" width=\"800\" height=\"533\" \/><\/p>\n<p class=\"credit\">Amnesty International\/Ernest Mezak<\/p>\n<p class=\"caption\">In Stolypins werden Gefangene teilweise monatelang transportiert<\/p>\n<\/div>\n<p>Melnikows Frau Swetlana berichtete Amnesty, dass sie gegen die Verlegung ihres Mannes sowie gegen die Gewalt gegen ihn protestiert habe &#8211; allerdings ohne Erfolg: \u201eIch habe mich beschwert, weil er geschlagen wurde. Sie bestraften ihn dann noch mehr und steckten ihn in eine Strafzelle, wo noch strengere Regeln herrschten. Dort wurde ihm nur ein Besuch pro Jahr erlaubt.\u201c<\/p>\n<h2>Keine einzige Strafanstalt in Moskau-Stadt<\/h2>\n<p>Obwohl die Beh\u00f6rden offiziell nach russischem Recht darauf achten m\u00fcssen, Gefangene in der N\u00e4he ihrer Heimat unterzubringen, sei das meist nicht der Fall, so der Bericht. Zudem gebe es zahlreiche Ausnahmen, oder es werden Gr\u00fcnde genannt, wie zum Beispiel die \u00dcberf\u00fcllung von Gef\u00e4ngnissen in der N\u00e4he, die einen Transport ins Ungewisse rechtfertigen.<\/p>\n<div class=\"image bigpicture\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"\u00a9 Grafik: APA\/ORF.at\" src=\"http:\/\/orf.at\/static\/images\/site\/news\/20171248\/gefangenen_transporte_russland_o.4790246.png\" alt=\"Karte Von Russland\" width=\"800\" height=\"403\" \/><\/p>\n<p class=\"credit\">Grafik: APA\/ORF.at<\/p>\n<p class=\"caption\">Gefangener Melnikow wurde 5.600 Kilometer von Krasnouralsk im Ural nach Ulan Ude in Sibirien transportiert<\/p>\n<\/div>\n<p>Amnesty kritisiert, dass die russische Infrastruktur generell nicht darauf ausgerichtet sei, Gefangene nahe bev\u00f6lkerungsreichen Gegenden unterzubringen. So gebe es laut Bericht beispielsweise in der Metropolregion Moskau sechs Strafanstalten, in der sehr d\u00fcnn besiedelten Republik Komi im Norden aber ganze 13. In Moskau-Stadt gebe es daf\u00fcr keine einzige. Da nur 46 der 760 Strafanstalten Frauen unterbringen, seien diese h\u00e4ufiger den unmenschlichen Transporten ausgesetzt als M\u00e4nner.<\/p>\n<h2>Distanz als psychologisches Mittel<\/h2>\n<p>Wenn die Gefangenen dann am Ziel sind, befinden sie sich Tausende Kilometer von ihren Angeh\u00f6rigen entfernt. \u201eDie Distanz ist ein psychologisches Mittel, um Gefangene zu schw\u00e4chen\u201c, so Alexei Sokolow von der Amnesty-Menschenrechtsgruppe im Ural in einer Aussendung zu dem Bericht. So werden etwa Familienbesuche durch die Distanz extrem erschwert, wie etwa auch im Fall Melnikow.<\/p>\n<p>Ins \u00f6ffentliche Licht r\u00fcckten die Zust\u00e4nde in Russlands Gef\u00e4ngnissen sowie die Transporte immer wieder &#8211; in den letzten Jahren etwa durch den inhaftierten russischen Oligarchen Michail Chodorkowski oder die Musikerin und Feministin Nadeschda Tolokonnikowa der Punkband Pussy Riot.<\/p>\n<h2>\u201eMenschenrechtsverletzungen m\u00fcssen aufh\u00f6ren\u201c<\/h2>\n<p>F\u00fcr Amnesty ist klar, dass es sich hier um Verletzungen der Menschenrechte handle. \u201eF\u00fcr die russische Regierung sind die Gefangenentransporte und die Haft abseits jeglicher Zivilisation eine inhumane Methode, um diesen Menschen Unterst\u00fctzung vorzuenthalten und sie faktisch zu isolieren. Das sind eklatante Menschenrechtsverletzungen, die umgehend aufh\u00f6ren m\u00fcssen\u201c, so auch die \u00f6sterreichische Amnesty-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Annemarie Schlack gegen\u00fcber ORF.at.<\/p>\n<p>Es sei an der Zeit, dass Russland handle und Transparenz zulasse. An den Europarat wandte sich die Organisation mit den Worten, den Gefangenentransport in Russland, aber auch in den EU-Mitgliedsl\u00e4ndern genauer zu \u00fcberwachen und Standards einzufordern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>http:\/\/orf.at\/stories<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Russische Gefangene sind auf Transporten unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt. Dokumentiert hat diese nun die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. 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