{"id":5507,"date":"2018-03-13T11:11:43","date_gmt":"2018-03-13T09:11:43","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=5507"},"modified":"2018-03-13T11:11:43","modified_gmt":"2018-03-13T09:11:43","slug":"kleines-feuer-bestellt-grosse-explosion-bekommen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=5507&lang=de","title":{"rendered":"&#8222;Kleines Feuer&#8220; bestellt &#8211; gro\u00dfe Explosion bekommen"},"content":{"rendered":"<div class=\"em_rotate em_reset_top ui-tabs ui-widget ui-widget-content ui-corner-all\">\n<div class=\"em_clear\"><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"em_cnt_center\">\n<div class=\"em_cnt_middle\">\n<figure id=\"attachment_5508\" aria-describedby=\"caption-attachment-5508\" style=\"width: 466px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-5508\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Download-6.jpg\" alt=\"\" width=\"466\" height=\"262\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5508\" class=\"wp-caption-text\">Bild: heute.at<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong><span class=\"em_cnt_artikelansicht_uz\">Von Daniel Bischof<\/span><\/strong>Beim Prozess um angeblichen Brandanschlag auf eine Pizzeria zeigen sich die Angeklagten teilgest\u00e4ndig.<\/p>\n<div id=\"em_cnt_artikel\" class=\"em_cnt_artikelansicht ui-tabs-panel ui-widget-content ui-corner-bottom\">\n<div id=\"em_artikelansicht_artikel\">\n<p id=\"absatz1\" class=\"em_text\">Wien. So hatte Herr K. sich das nicht vorgestellt. Unproblematisch h\u00e4tte alles verlaufen, Geld h\u00e4tte er bekommen sollen. Stattdessen sa\u00df der 43-J\u00e4hrige am Donnerstag als Angeklagter vor dem Strafrichter. &#8222;Ich f\u00fchle mich, als w\u00e4re ich von den zwei T\u00fcrken verarscht worden&#8220;, sagte er.<\/p>\n<p class=\"em_text\">Gemeinsam mit anderen mutma\u00dflichen Mitgliedern einer tschetschenischen Bande muss sich K. vor einem Sch\u00f6ffensenat (Vorsitz: Claudia Bandion-Ortner) des Wiener Straflandesgerichts verantworten. Die angebliche Bande soll am 13. M\u00e4rz 2017 einen Brandanschlag auf eine Pizzeria in Hollabrunn ver\u00fcbt haben &#8211; im Auftrag des t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Lokalbetreibers und seines Neffen, so die Anklage. Das Ziel der beiden M\u00e4nner sei gewesen, durch den vorget\u00e4uschten Brandunfall 190.000 Euro von der &#8222;Wiener St\u00e4dtischen Versicherung&#8220; zu kassieren. Aus formalen Gr\u00fcnden wird der Fall in Wien verhandelt.<\/p>\n<p class=\"em_text\">K. zeigte sich am Donnerstag teilgest\u00e4ndig. &#8222;Das alles bereue ich auch&#8220;, sagte er gleich zu Beginn, noch sehr nerv\u00f6s. &#8222;Ich habe noch keine Vorstrafen, das ist das erste Mal bei mir. Ich bin etwas aufgeregt&#8220;, erz\u00e4hlte er. Wenige Tage vor dem Brand habe er die beiden M\u00e4nner \u00fcber Vermittlung eines Friseurs in deren Lokal getroffen. Die Gesch\u00e4fte w\u00fcrden nicht gut laufen, die Anrainer und Polizei sie nicht besonders m\u00f6gen, h\u00e4tten sie ihm erz\u00e4hlt. Er selbst sei verschuldet gewesen. Daher habe er das Angebot angenommen, f\u00fcr 1500 Euro &#8222;einen kleinen Brand&#8220; in dem Lokal zu legen, so K.<\/p>\n<p class=\"em_text\"><strong><span class=\"zt\">&#8222;Wollten schauen, was passiert&#8220;<\/span><\/strong><br \/>\nMit einem 28-j\u00e4hrigen Tschetschenen lie\u00df er sich von einem weiteren Landsmann zum Lokal chauffieren. Dort seien Benzin und Papiert\u00fccher bereit gelegen, sagte K. Es habe aber bereits &#8222;komisch&#8220; nach Gas und Benzin gerochen, als er mit seinem Kollegen eingetreten sei. Der Fu\u00dfboden sei zudem rutschig gewesen. Nach dem Versch\u00fctten des Benzins habe man das Lokal verlassen, drau\u00dfen eine Fensterscheibe eingeschlagen und durch das Loch brennende Papiert\u00fccher ins Innere geworfen. &#8222;Wir sind nicht gleich weggegangen. Wir wollten schauen, was passiert.&#8220;<\/p>\n<p class=\"em_text\">Es passierte viel. Kein kleiner Brand, eine wuchtige Explosion war die Folge. Die beiden M\u00e4nner wurden weggeschleudert, der j\u00fcngere schwer verletzt. Pkw und Fensterscheiben in der N\u00e4he wurden besch\u00e4digt. Das Portal des Geb\u00e4udes wurde aus der Verankerung gerissen. Die \u00fcber der Pizzeria wohnenden Menschen blieben unverletzt. &#8222;Es freut mich wirklich, dass au\u00dfer uns niemand verletzt worden ist&#8220;, so K. &#8222;Wenn ich gewusst h\u00e4tte, was da passiert, h\u00e4tte ich das nicht gemacht.&#8220;<\/p>\n<p class=\"em_text\">Teilgest\u00e4ndig zeigte sich auch der 28-j\u00e4hrige mutma\u00dfliche Komplize. 1000 Euro seien ihm f\u00fcr Aufpasserdienste versprochen worden, gab er an. &#8222;Die T\u00fcrken&#8220; h\u00e4tten ihm gesagt, man solle nur ein bisschen die W\u00e4nde schw\u00e4rzen und Rauch erzeugen. Auch er war \u00fcber die Wucht der Explosion \u00fcberrascht: &#8222;Ich wei\u00df nicht, welche Bomben die T\u00fcrken dort gelagert haben.&#8220; &#8222;Ist Ihnen bewusst, dass in einem Lokal m\u00f6glicherweise Gaskartuschen herumliegen?&#8220;, fragte Richterin Bandion-Ortner. Mit dem Benzin habe er nichts zu tun gehabt, antwortete der junge Mann.<\/p>\n<p class=\"em_text\">Schwer verletzt &#8211; er hatte zahlreiche Knochenbr\u00fcche, offene Wunden und ein Sch\u00e4del-Hirn-Trauma &#8211; schleppte er sich wieder zum Auto. Die drei M\u00e4nner fuhren nach Wien. Dort ging es aber nicht gleich in ein Spital. Zun\u00e4chst traf sich die Gruppe auf einer Tankstelle noch mit weiteren Tschetschenen. Erst danach machten sie sich ins AKH auf.<\/p>\n<p class=\"em_text\">Dort soll der 28-J\u00e4hrige gesagt haben, dass die Verletzungen entstanden seien, weil er aus einem fahrenden Auto gefallen sei. Das bestritt er vor Gericht nun allerdings. Dass er drei Tage nach dem Vorfall an einem tschetschenischen Grillfest in Wien im Spitalsgewand teilnahm, gab der junge Mann hingegen zu. &#8222;Das war eine Geburtstagsfeier&#8220;, erkl\u00e4rte er. Der Krankenschwester habe er ja Bescheid gegeben.<\/p>\n<p class=\"em_text\"><strong><span class=\"zt\">&#8222;Wir sind verarscht worden&#8220;<\/span><\/strong><br \/>\nBefragt wurde am Donnerstag auch der Mann, welcher K. und den 28-J\u00e4hrigen zur Pizzeria gefahren hatte. Er ist ebenfalls angeklagt. &#8222;Ich bin nicht schuldig&#8220;, erkl\u00e4rte er. Er sei lediglich ein Taxifahrer f\u00fcr die zwei M\u00e4nner gewesen, von einem geplanten Brandanschlag habe er nichts gewusst. 500 Euro h\u00e4tte er f\u00fcr die Fahrt bekommen sollen.<\/p>\n<p class=\"em_text\">Nachdem die zwei anderen M\u00e4nner in Hollabrunn ausgestiegen, habe er Musik geh\u00f6rt und in seinem Auto gewartet, schildert er. &#8222;20, 30 Minuten nachdem die weggegangen sind, habe ich einen L\u00e4rm geh\u00f6rt. Eine Explosion&#8220;, sagte er. Blut\u00fcberstr\u00f6mt seien die beiden zur\u00fcckgekommen. &#8222;Ich fragte: Was ist passiert?&#8220; &#8222;Wir sind verarscht worden. So sollte es nicht passieren&#8220;, habe man ihm gesagt. &#8222;Warum haben Sie nicht die Rettung angerufen?&#8220;, fragte Bandion-Ortner. &#8222;Keine Ahnung. Ich kenne die Nummer nicht.&#8220; &#8211; &#8222;Na geh. Die kennt doch jeder&#8220;, entgegnete die Richterin.<\/p>\n<p class=\"em_text\">Jedenfalls sei die Gruppe weiter nach Wien gefahren, schilderte der Angeklagte. Bei bei einer Tankstelle im 20. Bezirk habe man einige Tschetschenen getroffen. &#8222;Warum sind Sie nicht gleich ins AKH gefahren?&#8220;, erkundigte sich Bandion-Ortner. &#8222;Naja, das ist so ein Versammlungsort f\u00fcr Tschetschenen.&#8220; &#8211; &#8222;Um drei Uhr in der Nacht bei einer Tankstelle?&#8220; &#8211; &#8222;Ja. Jeder verbringt seine Zeit, so wie er will.&#8220; &#8211; &#8222;Was sagt Ihre Frau dazu?&#8220; &#8211; &#8222;Der gebe ich Bescheid, dass ich zu tun habe.&#8220; &#8211; &#8222;Na, das ist fein.&#8220;<\/p>\n<p class=\"em_text\">Vor der Polizei hatte der Fahrer noch angegeben, von der geplanten Brandstiftung gewusst zu haben. An diese Aussage k\u00f6nne er sich nicht erinnern, es sei ihm damals nicht gut gegangen, sagte der Angeklagte nun: &#8222;Ich hatte R\u00fcckenschmerzen.&#8220; Belastet wurde er am Donnerstag allerdings von dem 43-J\u00e4hrigen und 28-J\u00e4hrigen, die angeben, dass er sehr wohl in die Pl\u00e4ne eingeweiht gewesen sei.<\/p>\n<p class=\"em_text\"><strong><span class=\"zt\">&#8222;Ich konnte ihn nicht stoppen&#8220;<\/span><\/strong><br \/>\nDer Betreiber der Pizzeria &#8211; im Unterschied zu den Tschetschenen sitzt der 40-J\u00e4hrige nicht in U-Haft &#8211; r\u00e4umte ein, vom Brandanschlag auf sein Lokal gewusst zu haben. Der Plan dazu sei aber von seinem Neffen gekommen: &#8222;Ich konnte ihn nicht stoppen&#8220;. Der Gastwirt behauptete, sein 33 Jahre alter Verwandter w\u00e4re sein Gesch\u00e4ftspartner und daher mitspracheberechtigt gewesen: &#8222;Die H\u00e4lfte der Investitionen hat er get\u00e4tigt.&#8220;<\/p>\n<p class=\"em_text\">Weil die Pizzeria sehr schlecht ging, sei der Neffe auf die Idee gekommen, ein &#8222;kleines Feuer&#8220; legen zu lassen, um anschlie\u00dfend die Versicherungssumme kassieren zu k\u00f6nnen: &#8222;Wie er mir im Vorfeld dar\u00fcber berichtet hat, war ich dagegen. Aber ich habe es nicht verhindern k\u00f6nnen.&#8220; Er habe sich am Ende gesagt, &#8222;er soll tun, was er f\u00fcr richtig h\u00e4lt&#8220;.<\/p>\n<p class=\"em_text\">Der Neffe h\u00e4tte \u00fcber einen Friseur einen Tschetschenen gefunden, der alles in die Hand nahm: &#8222;Wir haben keine Vorbereitungshandlungen machen m\u00fcssen. Wir haben uns nicht eingemischt.&#8220; Der Tschetschene und seine Helfer h\u00e4tten versichert, &#8222;dass sie professionell t\u00e4tig werden. Wir sind davon ausgegangen, dass es ein kleiner Brand wird. An eine gro\u00dfe Explosion hat niemand gedacht&#8220;.<\/p>\n<p class=\"em_text\"><strong><span class=\"zt\">&#8222;Uns geht es gut&#8220;<\/span><\/strong><br \/>\n&#8222;Der Onkel l\u00fcgt&#8220;, meinte im Anschluss der 33-J\u00e4hrige. Dieser h\u00e4tte ihn am 8. M\u00e4rz nach Hollabrunn bestellt und ihm erkl\u00e4rt, er habe &#8222;ein kleines Feuer&#8220; in Auftrag gegeben. &#8222;Warum ausgerechnet bei Tschetschenen?&#8220;, fragte die Richterin. &#8222;Weil man h\u00f6rt, dass die alles machen&#8220;, lautete die Antwort. Er h\u00e4tte gar kein Motiv gehabt, sich auf einen Versicherungsbetrug einzulassen: &#8222;Ich hab\u2018 einen Bausparer gehabt.&#8220; Zudem betreibt er gemeinsam mit seiner Frau einen Handy-Shop: &#8222;Uns geht es gut.&#8220;<\/p>\n<p class=\"em_text\">Auf die Frage, warum er mit seinem Wissen um den bevorstehenden Brandanschlag nicht zur Polizei gegangen sei, antwortete der Angeklagte, er habe seinen Onkel &#8222;nicht reinreiten&#8220; wollen. Dass das Lokal in die Luft flog, &#8222;war ein Schock f\u00fcr mich. Das war nicht mehr lustig.&#8220;<\/p>\n<p class=\"em_text\">Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt. Das Verfahren ist vorerst bis zum 19. April anberaumt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"em_text\">\u00a0wienerzeitung.at\/dossiers\/vor_gericht<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Daniel BischofBeim Prozess um angeblichen Brandanschlag auf eine Pizzeria zeigen sich die Angeklagten teilgest\u00e4ndig. Wien. 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