{"id":6518,"date":"2018-05-20T09:53:02","date_gmt":"2018-05-20T07:53:02","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=6518"},"modified":"2018-05-20T09:54:14","modified_gmt":"2018-05-20T07:54:14","slug":"wem-ich-als-tschetschene-danke-sage","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=6518&lang=de","title":{"rendered":"Wem ich als Tschetschene Danke sage"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_6520\" aria-describedby=\"caption-attachment-6520\" style=\"width: 550px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6520\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/kda001-1-e1526802672833.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"395\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6520\" class=\"wp-caption-text\">foto: apa\/hans punz<br \/>Am Fundort der Leiche gedachten anteilnehmende Menschen des M\u00e4dchens mit Blumen und Kerzen.<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Der Fall der erstochenen Hadischa hat Ressentiments der \u00fcbelsten Sorte, das h\u00e4ssliche \u00d6sterreich ans Tageslicht gebracht. Ein Dank an alle, die stattdessen f\u00fcr Werte der Humanit\u00e4t und der sozialen Solidarit\u00e4t eintreten \u2013 ungeachtet der Herkunft eines Menschen.<\/strong><\/p>\n<p>Wie ein Schrecken las sich Samstagmorgen die beklemmende Nachricht von dem gewaltsamen Tod der siebenj\u00e4hrigen Hadischa aus dem Ditteshof. Eines M\u00e4dchens, das, wie es alle Kinder in Wien in ihrem Alter so tun, nachmittags an einem Fenstertag auf dem Kinderspielplatz ihres Gemeindebaus spielte und nichts von der Trag\u00f6die ahnen konnte, die ihm etwas sp\u00e4ter widerfahren sollte.<\/p>\n<p>Die Reaktion, die ein Mensch mit dem Mindesten an Menschlichkeit in seinem Herzen auf solch eine erschreckende Nachricht zeigt, ist offensichtlich: Best\u00fcrzung und Mitgef\u00fchl. Was man in den Stellungnahmen zu einem Online-Artikel der &#8222;Kronen Zeitung&#8220; auch vernehmen konnte. Man konnte Kommentare (orthografisch so belassen, wie sie erschienen sind, Anm. der Red.) wie die folgenden lesen:<\/p>\n<p>&#8222;RIF, kleines M\u00e4derl!&#8220;,<\/p>\n<p>&#8222;Kleiner Engel hoffentlich musstest du nicht leiden!&#8220;,<\/p>\n<p>&#8222;Armes M\u00e4dchen, was musst du f\u00fcr Angst gehabt haben in deinen letzten Minuten [&#8230;] Furchtbar, welch Monster macht sowas!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Mein Beileid gilt der Familie.&#8220;,<\/p>\n<p>&#8222;Meine Tochter ist im selben Alter. Und so wenig mir die Entwicklungen der letzten Jahre gefallen \u2013 dass muss damit nichts zu tun haben. Gab es leider vor 10, 20, 30 Jahren auch schon. Aber wir k\u00f6nnen unsere Kinder doch nicht einsperren?&#8220;<\/p>\n<p>Dies waren nur wenige von den zahlreichen Kommentaren der Best\u00fcrzung, die User der &#8222;Kronen Zeitung&#8220; posteten.<\/p>\n<p>Jedoch ging diese Art von Kommentaren etwas sp\u00e4ter im Sumpf der &#8222;gel\u00e4uterten&#8220; Stimmen unter. Was war geschehen? Gegen Mittag wurde auch die Herkunft der Siebenj\u00e4hrigen bekanntgegeben; die kleine Hadischa stammt aus Tschetschenien.<\/p>\n<p>Nun war zu lesen:<\/p>\n<p>&#8222;Ich glaub die Eltern haben eventuell damit was zu tun. Wer meldet sein kleines Kind erst um 23.30 als vermisst? Wh ist die kleine misshandelt worden so will man die Spuren verwischen. Aber nat\u00fcrlich nur reine Spekulation.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Hauptsache, die Ur-Wiener m\u00fcssen bis z. zwei Jahre auf eine Gemeindebauwohnung warten. [&#8230;] Diesbez\u00fcglich, die ganze Familie, samt der ganzen Verwandtschaft, ordentlich, unter die Lupe nehmen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Jetzt kommen endlich mehr Infos, tschetschenische Familie, 15:00 Uhr zum letzten Mal gesehen und meine Vermutung bzgl. den Eltern stimmt erst einmal. Ich bin gespannt wann die Familie oder ein bekannter der Familie \u00fcberf\u00fchrt wird denn das ist meistens eine Geschichte innerhalb der Familie oder bekannten davon. Ist jetzt aber nur eine Vermutung.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Und so etwas passiert in einem Nobelbezirk. Aber eine allgemeine Frage: Wie k\u00f6nnen Tschetschenen sich diese Gegend eigentlich leisten?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Tschetschenien &#8230; alles klar. Danke!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Was machen Leute aus Tschetschenien hier? Das kann ja nicht wahr sein.&#8220;<\/p>\n<p>Einer der Vertreter dieser Gesellschaftsschicht empfand in der Facebook-Gruppe &#8222;FP\u00d6&#8220;, mit der die gleichnamige Partei nichts zu tun haben will, in dem Kontext gar das Verlangen nach der Aufforderung, dass die Tschetschenen sich &#8222;nicht beschweren und daf\u00fcr dankbar sein&#8220; sollten, &#8222;von uns aufgenommen worden zu sein!&#8220;.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte das alles nun relativieren und sagen, dass der Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung auch im Wissen um die Herkunft des M\u00e4dchens \u00fcber den Vorfall best\u00fcrzt sei und mit den Angeh\u00f6rigen mitf\u00fchle, was auch stimme, doch die Ausnahmen sind immer h\u00e4ufiger anzutreffen. F\u00fcr diese Ausnahmen stand anscheinend die Herkunft dieses M\u00e4dchens, das, wie von der Polizei best\u00e4tigt, durch einen Halsstich get\u00f6tet wurde, im Vordergrund und nicht das Leid, das diese tschetschenische Familie heimgesucht hatte.<\/p>\n<p><strong>Absurder Diskurs <\/strong><\/p>\n<p>Das Bedauerliche ist, dass diese Ausnahmen es dank ihrer politischen Stimmen sowie einiger Vertreter der Medien schaffen, ihren absurden Diskurs in die Gesellschaft zu tragen und sich hierf\u00fcr auch kein wenig sch\u00e4men. Die Frage, die ich hier in den Raum stelle, ist, wessen Verdienst es ist, die Auffassungen dieser Menschen derart pervertiert zu haben.<\/p>\n<p>Und nein, bei diesen werde ich mich als ein Tschetschene nicht bedanken, denn nicht sie waren es, die mir die helfende Hand gereicht haben. Vielmehr waren es diejenigen, die f\u00fcr Werte der Humanit\u00e4t und der sozialen Solidarit\u00e4t, und zwar ungeachtet der Herkunft eines Menschen, stehen, und diejenigen ihrer fr\u00fcheren Vertreter, die sich aufopfernd f\u00fcr diese Werte eingesetzt haben. Diesen \u00d6sterreicherinnen und \u00d6sterreichern sage ich als Tschetschene: Danke! (Suleyman Magomadov, 14.5.2018)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Suleyman Magomadov\u00a0<\/strong>(26) studiert Rechtswissenschaften an der Universit\u00e4t Wien. Er ist in Grosny geboren und lebt seit 2004 in Wien. Nachdem der Autor mit nahen Angeh\u00f6rigen der siebenj\u00e4hrigen Hadischa gesprochen hat, gaben diese Folgendes bekannt: Das M\u00e4dchen sei um etwa 15 Uhr auf den Spielplatz ihres Gemeindebaus zum Spielen rausgegangen. Kurz vor 16 Uhr sei ihr Fehlen bemerkt worden und man h\u00e4tte begonnen, selbstst\u00e4ndig nach der Kleinen zu suchen. Man h\u00e4tte sich bei einigen Nachbarn \u2013 deren Kinder das M\u00e4dchen zu Hause besuchten und die sie selbst besuchte \u2013 erkundigt, ob das M\u00e4dchen nicht zu ihnen gegangen sei. Auch h\u00e4tte man mit der Hilfe einiger Verwandten alle nahegelegenen Kinderspielpl\u00e4tze, U-Bahn-Haltestellen und viele andere Orte durchsucht. Dann seien unter allen Bekannten \u00fcber Whatsapp Aufrufe \u00fcber die Abg\u00e4ngigkeit des M\u00e4dchens verschickt worden \u2013 welche sich rasch unter vielen in Wien lebenden Tschetschenen verbreiteten. Nachdem man auch nach einer intensiven Suchaktion in Eigenregie das M\u00e4dchen nicht gefunden habe, h\u00e4tte man am Abend die Polizei verst\u00e4ndigt.<\/p>\n<p><span class=\"form\">KOMMENTAR DER ANDEREN<\/span><\/p>\n<p><span class=\"author\">SULEYMAN MAGOMADOV\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span class=\"date\">14. Mai 2018<\/span><\/p>\n<p>https:\/\/derstandard.at<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Fall der erstochenen Hadischa hat Ressentiments der \u00fcbelsten Sorte, das h\u00e4ssliche \u00d6sterreich ans Tageslicht gebracht. Ein Dank an alle, die stattdessen f\u00fcr Werte der Humanit\u00e4t und der sozialen Solidarit\u00e4t eintreten \u2013 ungeachtet der Herkunft eines Menschen. 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