{"id":665,"date":"2017-07-09T05:50:27","date_gmt":"2017-07-09T03:50:27","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=665"},"modified":"2017-07-09T06:46:24","modified_gmt":"2017-07-09T04:46:24","slug":"auf-putins-spuren-in-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=665&lang=de","title":{"rendered":"Auf Putins Spuren in Hamburg"},"content":{"rendered":"<p class=\"intro\">Wladimir Putin hat ein besonderes Verh\u00e4ltnis zu Hamburg. Er ging in der Hansestadt ein und aus, als er noch weitgehend unbekannt war. Und im Rathaus sorgte er einst f\u00fcr einen Eklat. Nun kommt er wieder: zum G20-Gipfel.<\/p>\n<div class=\"picBox full\"><a class=\"overlayLink init\" href=\"http:\/\/www.dw.com\/de\/auf-putins-spuren-in-hamburg\/a-39518528#\" rel=\"nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"http:\/\/www.dw.com\/image\/39489641_303.jpg\" alt=\"default\" width=\"478\" height=\"269\" \/><\/a><\/div>\n<div class=\"group\">\n<div class=\"longText\">\n<p>Wolfgang Rosenbauer steht auf der Dachterrasse von Philips Medical Systems und schaut auf Flugzeuge am Horizont. Der Sitz seines fr\u00fcheren Arbeitgebers im Hamburger Norden liegt nah am Flughafen. &#8222;Sie alle werden hier landen &#8222;, sagt der Mann mit den schneewei\u00dfen Haaren. Gemeint sind die Staats- und Regierungschefs der G20-L\u00e4nder, die zum Gipfel am 7. und 8. Juli in die Hansestadt kommen. Auch Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin wird dabei sein. Rosenbauer hat ihn vor rund 25 Jahren in einem Geb\u00e4ude nebenan empfangen.<\/p>\n<div class=\"picBox medium \">\n<p><a class=\"overlayLink init\" href=\"http:\/\/www.dw.com\/de\/auf-putins-spuren-in-hamburg\/a-39518528#\" rel=\"nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" title=\"Wolfgang Rosenbauer\" src=\"http:\/\/www.dw.com\/image\/39519445_404.jpg\" alt=\"Wolfgang Rosenbauer, ehemaliger Vize-Pr\u00e4sident Osteuropa bei Philips Medical Systems in Hamburg \" width=\"308\" height=\"173\" border=\"0\" \/><\/a>Wolfgang Rosenbauer<\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Gezielte Fragen, kaum ein Wort Deutsch<\/strong><\/p>\n<p>Anfang der 1990er Jahre war Rosenbauer Vize-Pr\u00e4sident f\u00fcr Osteuropa bei Philips Medizin. Der niederl\u00e4ndische Konzern begann damals ein Gro\u00dfprojekt in Russland. Es ging um den Aufbau einer medizinischen Ger\u00e4teindustrie im Volumen von rund einer Milliarde damaliger D-Mark. Doch es gab Schwierigkeiten. Einem Werk bei St. Petersburg, das Strahlenkanonen f\u00fcr die Krebsbek\u00e4mpfung produzieren sollte, fehlten Geld und Material. Rosenbauer suchte Kontakt zu Putin, damals stellvertretender\u00a0B\u00fcrgermeister St. Petersburgs und zust\u00e4ndig f\u00fcr Au\u00dfenbeziehungen.<\/p>\n<p>Da Hamburg und St. Petersburg Partnerst\u00e4dte sind, reiste Putin in jener Zeit mehr als ein Dutzend Mal in &#8222;die sch\u00f6nste Stadt in Deutschland&#8220;, wie er die Elbmetropole nannte. Bei einem Besuch um 1992 habe er Putin auf ein Abendessen in ein traditionsreiches Steak-Restaurant eingeladen, das es heute nicht mehr gibt. Der Gast aus St. Petersburg habe &#8222;so getan, als w\u00fcrde er \u00fcberhaupt kein Deutsch verstehen&#8220; und das Gespr\u00e4ch von einem Mitarbeiter \u00fcbersetzen lassen. Dabei war Putin in den 1980er Jahren als Offizier des sowjetischen Geheimdienstes KGB in einer anderen Stadt an der Elbe stationiert, Dresden, und sprach flie\u00dfend Deutsch. &#8222;Am Ende guckte er mich an und sagte: Prima, geben Sie mir die Papiere. Auf Deutsch.&#8220;<\/p>\n<p>Rosenbauer erkl\u00e4rt die Erfahrung mit Putins &#8222;naturgegebenem Misstrauen&#8220; und seiner &#8222;KGB-Pr\u00e4gung&#8220;. &#8222;Sein Verhalten war \u00e4u\u00dferst kontrolliert, er sagte selber nichts, er fragte&#8220;, erinnert er sich. Diese &#8222;Fokussiertheit&#8220; habe ihn beeindruckt. Putins KGB-Vergangenheit sei ihm bewusst gewesen und habe &#8222;\u00fcberhaupt nicht gest\u00f6rt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Ein zuverl\u00e4ssiger und schwieriger Partner\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ob Putin dem Projekt am Ende geholfen hat? &#8222;Das er\u00fcbrigte sich dann, denn\u00a0es fing an zu laufen&#8220;, sagt Rosenbauer. &#8222;Es kam eine Nachricht aus Moskau: Es funktioniert jetzt, nichts mehr tun&#8220;.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter traf Rosenbauer Putin mehrmals an diversen Orten, auch im Rathaus: &#8222;Er h\u00e4tte auch fliegen k\u00f6nnen, so schnell raste er \u00fcber die G\u00e4nge.&#8220; &#8222;Wenn die Stadt Hamburg etwas wollte, machte sie alles \u00fcber Putin und das funktionierte dann&#8220;, erz\u00e4hlt der Gesch\u00e4ftsmann, der heute als Berater t\u00e4tig ist. Ein Hamburger Beamter, der einige Male Putin traf, beschreibt ihn so: &#8222;Wir konnten uns auf sein Wort verlassen, das war damals keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.&#8220; Putin sei aber &#8222;auch ein schwieriger Partner&#8220; gewesen.<\/p>\n<div class=\"picBox full \">\n<p><a class=\"overlayLink init\" href=\"http:\/\/www.dw.com\/de\/auf-putins-spuren-in-hamburg\/a-39518528#\" rel=\"nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" title=\"Wladimir Putin und Gerhard Schr\u00f6der, 2004\" src=\"http:\/\/www.dw.com\/image\/39518636_401.jpg\" alt=\"Deutschland Wladimir Putin in Hamburg\" width=\"505\" height=\"284\" border=\"0\" \/><\/a>Wladimir Putin und Gerhard Schr\u00f6der, 2004<\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Ein T\u00fcrknall , der bis heute schallt\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Einmal erlebte Hamburg Putin auf eine besondere Art, die bis heute f\u00fcr Verwunderung sorgt. Seit 1356 wird in der Hansestadt das sogenannte Matthiae-Mahl gefeiert. Hunderte prominente G\u00e4ste aus Politik, Wirtschaft und Kultur versammeln sich im historischen Rathaus, um zu speisen. \u201eDas ist eine sehr alte Einrichtung, sehr getragen, sehr\u00a0vornehm&#8220;, erkl\u00e4rt\u00a0Wolfgang Rosenbauer. &#8222;Bei der Veranstaltung benimmt man sich, es steht der Silberschatz der Stadt Hamburg auf den Tischen, die Leute sitzen da in Frack und in besten Kleidern. Man pflegt ausgesprochen hochrangigen Smalltalk.&#8220;<\/p>\n<p>Am 25. Februar 1994 ist auch Putin dabei. Als einer der Ehreng\u00e4ste, der damalige Pr\u00e4sident Estlands Lennart Meri, eine Rede h\u00e4lt, macht Putin etwas, was bei diesem Festakt noch nie passierte: Er steht auf und geht. &#8222;Mit durchgedr\u00fcckten Knien, einen ver\u00e4chtlichen Blick auf den Gastgeber werfend, so verl\u00e4sst er den Saal, jeder Schritt begleitet vom Knarzen des Parketts&#8220;, so beschreibt die Szene eine ZEIT-Korrespondentin. &#8222;Ein Raunen folgt ihm. Wer war&#8217;s? Was hat denn der? Schon donnert die T\u00fcr ins Schloss.&#8220;<\/p>\n<p>Wolfgang Rosenbauer war zwar an dem Tag nicht dabei, doch er kennt Berichte von Augenzeugen: &#8222;Es war schon ein Schock&#8220;. Was genau sagte Meri, das Putin sich so \u00e4rgerte? Die Rede liest sich wie eine Prophezeiung dessen, was 20 Jahre sp\u00e4ter auf der Krim geschah. Und Putins Reaktion zeigt, dass er deutlich vor seiner M\u00fcnchner Rede 2007 ein Signal an den Westen schickte. Der estnische Pr\u00e4sident verwies damals auf ein Papier des Au\u00dfenministeriums in Moskau: &#8222;Es stellt fest, dass das Problem der ethnischen russischen Gruppen in benachbarten L\u00e4ndern von Russland nicht allein mit diplomatischen Mitteln gel\u00f6st werden k\u00f6nne.&#8220; Andere Mittel seien f\u00fcr Moskau denkbar, schlussfolgerte Meri. Er warnte vor Russlands &#8222;neo-imperialistischer\u00a0Politik&#8220; und appellierte, osteurop\u00e4ische Staaten, auch die Ukraine, in die &#8222;demokratische Welt&#8220; zu integrieren.<\/p>\n<p><strong>Kein Ehrendoktor f\u00fcr Putin<\/strong><\/p>\n<p>Zehn Jahre sp\u00e4ter gab es noch einen Eklat um Putin in Hamburg. Sein Besuch als Pr\u00e4sident war f\u00fcr September 2004 geplant. Gerhard Schr\u00f6der war damals Bundeskanzler und Putins Duzfreund. Anl\u00e4sslich des Besuchs wollte die Hamburger Universit\u00e4t Putin die\u00a0Ehrendoktorw\u00fcrde verleihen.<\/p>\n<div class=\"picBox medium rechts \">\n<p><a class=\"overlayLink init\" href=\"http:\/\/www.dw.com\/de\/auf-putins-spuren-in-hamburg\/a-39518528#\" rel=\"nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" title=\"Prof. Rolf von L\u00fcde\" src=\"http:\/\/www.dw.com\/image\/39519457_404.jpg\" alt=\"Rolf von L\u00fcde, Professor f\u00fcr Soziologie (emeritiert) an der Uni Hamburg \" width=\"306\" height=\"172\" border=\"0\" \/><\/a>Prof. Rolf von L\u00fcde<\/p>\n<\/div>\n<p>Doch es gab Wiederstand. Rolf von L\u00fcde war einer von rund 60 Professoren, die einen Gegenaufruf unterzeichneten. &#8222;Die wesentlichen Aspekte dieser Petition waren, dass unter Putins Verantwortung ein zweiter Krieg in Tschetschenien angezettelt wurde&#8220;, sagt der emeritierte Professor. Au\u00dferdem habe man auf autorit\u00e4re Herrschaft, Druck auf Medien, NGOs und Oppositionspolitiker hingewiesen. Jetzt f\u00fchlt sich von L\u00fcde best\u00e4tigt: &#8222;Was wir damals reklamiert haben, l\u00e4sst sich heute tagt\u00e4glich in Russland beobachten &#8211; und Putin ist der Verantwortliche.&#8220;<\/p>\n<p>Die Universit\u00e4t hat die Verleihung kurzfristig aus Termingr\u00fcnden abgesagt. Auch Putin kam nicht und begr\u00fcndete es mit dem Terroranschlag in Beslan, bei dem Hunderte starben. Der Besuch wurde im Dezember nachgeholt.<\/p>\n<p>Jetzt d\u00fcrfte Hamburg den russischen Staatschef mit gemischten Gef\u00fchlen empfangen. &#8222;Die Bev\u00f6lkerung ist gespalten&#8220;, sagt der Soziologe von L\u00fcde. Putins Empfang in Hamburg d\u00fcrfte diesmal k\u00fchler ausfallen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>http:\/\/www.dw.com\/de\/auf-putins-spuren-in-hamburg\/a-39518528<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wladimir Putin hat ein besonderes Verh\u00e4ltnis zu Hamburg. Er ging in der Hansestadt ein und aus, als er noch weitgehend unbekannt war. Und im Rathaus sorgte er einst f\u00fcr einen Eklat. Nun kommt er wieder: zum G20-Gipfel. Wolfgang Rosenbauer steht auf der Dachterrasse von Philips Medical Systems und schaut auf Flugzeuge am Horizont. Der Sitz [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":682,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-665","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-religion"],"jetpack_featured_media_url":"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Gamburg-e1499575562863.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/665","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=665"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/665\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":671,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/665\/revisions\/671"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/682"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=665"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=665"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=665"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}