{"id":6922,"date":"2018-06-19T12:42:04","date_gmt":"2018-06-19T10:42:04","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=6922"},"modified":"2018-06-19T12:42:04","modified_gmt":"2018-06-19T10:42:04","slug":"12-stunden-tag-mit-vollgas-hundert-jahre-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=6922&lang=de","title":{"rendered":"12-Stunden-Tag \u2013 Mit Vollgas hundert Jahre zur\u00fcck\u2026"},"content":{"rendered":"<header class=\"entry-header\"><\/header>\n<div class=\"entry-content\">\n<div id=\"author1box\" class=\"print-only\">\n<div class=\"author_odd\">\n<div class=\"author-name\">\n<figure id=\"attachment_6923\" aria-describedby=\"caption-attachment-6923\" style=\"width: 417px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-6923\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/-e1529404894123.jpg\" alt=\"\" width=\"417\" height=\"330\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6923\" class=\"wp-caption-text\">B17.ru<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>\u00dcberfallsartig wurde am 14.6.2018 im Nationalrat seitens der Regierungsparteien\u00a0<a href=\"https:\/\/www.parlament.gv.at\/PAKT\/VHG\/XXVI\/A\/A_00303\/index.shtml\">ein Initiativantrag<\/a>\u00a0eingebracht. Sein Inhalt: die von der Industrie bestellte, vollkommen bedingungslose Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeit auf bis zu 12-Stunden-Tags und 60 Stunden\u00a0in der Woche. Keine Begutachtung durch Interessenvertretungen, keine Verhandlungen<\/strong>.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"pf-content\">\n<p>Vor fast genau hundert Jahren\u00a0wurde der 12-Stundentag abgeschafft. Diese Errungenschaft wurde heute, hundert Jahre sp\u00e4ter, von der Regierung r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht. Die bedingungslose Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeit hei\u00dft: W\u00e4hrend bis dato maximal zehn Stunden am Tag gearbeitet werden darf, d\u00fcrfen k\u00fcnftig auch eine 11. und 12. Stunde (als \u00dcberstunde) angeordnet werden. Anstatt 50 Stunden in der Woche, darf der Arbeitgeber 60 Stunden Arbeit verlangen.<\/p>\n<p>12 Stunden machen krank und vernichten Arbeitspl\u00e4tze. Sie erschweren die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, insbesondere dem Familienleben und verfestigen an sich bereits \u00fcberholte Geschlechterrollen. Ihre generelle Einf\u00fchrung ist daher nicht nur f\u00fcr die betroffenen ArbeitnehmerInnen, sondern auch gesamtgesellschaftlich ein R\u00fcckschritt in fr\u00fchindustrielle Zeiten. Jede Ausweitung der Arbeitszeit muss daher mit Bedacht erfolgen, sie muss sich an harten Pr\u00fcfsteinen messen lassen und sie muss auch den ArbeitnehmerInnen Vorteile bieten.<\/p>\n<p>Uns wird verkauft: Nix geht im Staate \u00d6sterreich. Verkrustete starre Regelungen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Wie wir wissen, gibt es schon bisher zahlreiche Ausnahmebestimmungen, zum Beispiel in bestimmten au\u00dferordentlichen, unvorhersehbaren Situationen, in denen dem Unternehmen ein wirtschaftlicher Schaden droht. Sind keine anderen Ma\u00dfnahmen zumutbar \u2013 wie z. B. die Einstellung zus\u00e4tzlicher ArbeitnehmerInnen \u2013 kann auch heute bereits unter strengen, geregelten Voraussetzungen und verpflichtender Mitbestimmung des Betriebsrats ein vor\u00fcbergehender 12-Stunden-Tag und eine 60-Stunden-Woche zugelassen werden. 24 Wochen im Kalenderjahr \u2013 das ist die H\u00e4lfte des Jahres!<\/p>\n<p>Warum sollte also \u00fcberhaupt eine \u00c4nderungsnotwendigkeit bestehen? Die Antwort ist schnell gegeben: Genau diese betriebliche Mitbestimmung, genau diese Einschr\u00e4nkung auf Notsituationen und die Vorteile f\u00fcr ArbeitnehmerInnen (wie z. B. 100-prozentige \u00dcberstundenzuschl\u00e4ge), die als Gegengesch\u00e4ft legitimer Weise verlangt werden, sind der Wirtschaft ein Dorn im Auge.<\/p>\n<h2><strong>Zeit und Geld<\/strong><\/h2>\n<p>Im Arbeitsverh\u00e4ltnis gibt es zwei zentrale Verhandlungsfragen: Zeit und Geld. Das Arbeitszeitgesetz ist ein Schutzgesetz, dass verhindern soll, dass ArbeitnehmerInnen durch \u00fcberlange Arbeitszeiten krank werden und sie sich f\u00fcr die Profitmaximierung ihres Arbeitgebers kaputt arbeiten m\u00fcssen. Ein Schutzgesetz, das verhindern soll, dass ihr Privatleben leidet, dass sie ihre Kinder\u00a0nur zum Schlafen-gehen sehen und mangelnde Planbarkeit und Vorhersehbarkeit eine selbstbestimmte Freizeitgestaltung verunm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Dieser Interessenausgleich ist nicht immer leicht zu finden \u2013 klar ist aber, je belastender Arbeitszeiten sind (zB wegen ihrer L\u00e4nge oder der einseitigen Bestimmungsm\u00f6glichkeit durch den Arbeitgeber), desto wichtiger sind ihre Beschr\u00e4nkung auf Einzelf\u00e4lle und die Schaffung von Ausgleichsma\u00dfnahmen. Die Palette dabei ist vielf\u00e4ltig: H\u00f6here Zuschl\u00e4ge, mehr Freizeit, begr\u00fcndungsloses Ablehnungsrecht von \u00dcberstunden etc.<\/p>\n<p>Neben Geld r\u00fcckt zunehmend die Schaffung von zus\u00e4tzlicher Freizeit in den Fokus. Denn niemand kann sich seine Gesundheit zur\u00fcckkaufen, niemand kann sich die Zeit mit dem eigenen Kind zur\u00fcckkaufen.<\/p>\n<h2><strong>Interessenausgleich: Abgeschafft!<\/strong><\/h2>\n<p>Genau mit diesen Bed\u00fcrfnissen spielen Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer und Bundesregierung. Lauthals propagieren sie wie vorteilhaft die neu vorgeschlagene Arbeitszeitverl\u00e4ngerung f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten sei. Von mehr Freizeit, mehr Freiheit, sogar von einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist die Rede.<\/p>\n<p>Eine glatte L\u00fcge. Ein Blick in den Initiativantrag offenbart schnell: Der Entwurf enth\u00e4lt keine Wahlfreiheit, keine Freizeit, keine Selbstbestimmtheit. Keine Verk\u00fcrzung, keine langen Wochenenden, keine zus\u00e4tzlichen Ausgleichsma\u00dfnahmen. Kein Wort davon. Zeitgleich ist wie bisher vom Good Will des Arbeitgebers abh\u00e4ngig. Zus\u00e4tzliche Freizeit oder k\u00fcrzere Gesamtarbeitszeiten? Fehlanzeige!<\/p>\n<h2><strong>Frontalangriff auf die ArbeitnehmerInnen<\/strong><\/h2>\n<p>Doch es kommt noch schlimmer. Betriebliche Mitbestimmung wird bereits seit geraumer Zeit als l\u00e4stig, b\u00fcrokratisch,\u00a0eben einfach nicht mehr modern, abgetan. Die Konsequenz der Regierungsparteien: Sie wird einfach ersatzlos abgeschafft. Die bisherige Mitbestimmung des Betriebsrats und die Instrumente zum Interessenausgleich beim 12-Stunden-Tag werden ersatzlos gestrichen. Bisher haben sie sichergestellt, dass die ArbeitnehmerInnen bei einer derartigen Ausweitung der Arbeitszeit nicht auf der Strecke bleiben.<\/p>\n<p>Der einzige \u201eVorteil\u201c, der dem Initiativantrag zu entnehmen ist: Die 11. und 12. Stunde bleiben \u00dcberstunden. Die Zuschl\u00e4ge werden nicht abgeschafft. Wir nehmen also zur Kenntnis: Der Vorteil der ArbeitnehmerInnen ist, dass ihnen nicht auch noch das Geld weggenommen wird. Auch das stimmt nicht ganz. Denn die Betriebsvereinbarungen haben bisher in aller Regel eine 100%-Zuschlag vorgesehen. Nun mehr bleibt den ArbeitnehmerInnen nur der gesetzliche Zuschlag von 50%.<\/p>\n<p>Das ist keine Flexibilisierung der Arbeitszeit, das ist keine Modernisierung. Im Gegenteil. Aus einem ArbeitnehmerInnen-Schutzgesetz wird ein Gesetz zur Erm\u00f6glichung nahezu grenzenloser Ausbeutung.<\/p>\n<header class=\"entry-header\">\n<div><\/div>\n<div class=\"entrydate\"><strong><a href=\"https:\/\/awblog.at\/author\/susanne-haslinger\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Susanne<\/a><\/strong><\/div>\n<\/header>\n<div class=\"entry-content\">\n<div id=\"author1box\" class=\"print-only\">\n<div class=\"author_odd\">\n<div class=\"author-name\"><strong><a href=\"https:\/\/awblog.at\/author\/susanne-haslinger\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Haslinger<\/a><\/strong><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>https:\/\/awblog.at<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcberfallsartig wurde am 14.6.2018 im Nationalrat seitens der Regierungsparteien\u00a0ein Initiativantrag\u00a0eingebracht. Sein Inhalt: die von der Industrie bestellte, vollkommen bedingungslose Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeit auf bis zu 12-Stunden-Tags und 60 Stunden\u00a0in der Woche. Keine Begutachtung durch Interessenvertretungen, keine Verhandlungen. Vor fast genau hundert Jahren\u00a0wurde der 12-Stundentag abgeschafft. Diese Errungenschaft wurde heute, hundert Jahre sp\u00e4ter, von der Regierung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-6922","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6922","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6922"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6922\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6925,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6922\/revisions\/6925"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6922"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6922"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6922"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}