{"id":7583,"date":"2018-08-13T11:52:42","date_gmt":"2018-08-13T09:52:42","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=7583"},"modified":"2018-08-13T11:52:42","modified_gmt":"2018-08-13T09:52:42","slug":"asylwerber-in-lehre-wir-finden-kaum-lehrlinge-sind%e2%80%85froh-um-jeden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=7583&lang=de","title":{"rendered":"Asylwerber in Lehre: &#8222;Wir finden kaum Lehrlinge, sind\u2005froh um jeden&#8220;"},"content":{"rendered":"<div class=\"article-paragraph\">\n<figure id=\"attachment_7584\" aria-describedby=\"caption-attachment-7584\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7584\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/-e1534153432752.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"270\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7584\" class=\"wp-caption-text\">Gexi Tostmann ist Alt-Chefin eines traditionsreichen Trachten-Unternehmens. Um ihren Lehrling Hamid will sie k\u00e4mpfen. \u00a9 Bild: www.neumayr.cc\/Neumayr\/Leo<\/figcaption><\/figure>\n<h2 class=\"article-header-leadText\">Bei \u00d6VP und FP\u00d6 wird Ruf nach Bleiberecht f\u00fcr Asylwerber, die Lehre machen, immer lauter. Regierung stellt sich vorerst taub.<\/h2>\n<p>Ein Schneiderlehrling in der Dirndl-Produktion, ein flei\u00dfige Techniker bei den\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\"><a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/kurier.at\/themen\/%C3%96BB\">\u00d6BB<\/a><\/span>oder der talentierte Kochlehrling: Sie alle teilen ein Problem: Sie sind Asylwerber, ihnen droht die\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Abschiebung<\/span>.<\/p>\n<p>Erst Anfang Juli wurde das Fremdenrecht versch\u00e4rft (Zugriff auf Handydaten und Bargeld der Fl\u00fcchtlinge). Der in Aussicht gestellte\u00a0<span class=\"scayt-misspell-word\">Niederlassungstitel<\/span>, der Jugendlichen aus Drittstaaten erm\u00f6glicht h\u00e4tte, in\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">\u00d6sterreich<\/span>\u00a0eine\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Lehre<\/span>\u00a0zu absolvieren, fand sich in der Novelle nicht. Das kritisierte die Wirtschaftskammer \u2013 noch unter Pr\u00e4sident Christoph\u00a0<span class=\"scayt-misspell-word\">Leitl<\/span>. Schlie\u00dflich h\u00e4tte das die Basis f\u00fcr die \u201edringend erforderliche\u00a0<span class=\"scayt-misspell-word\">aufenthaltsrechtliche<\/span>\u00a0L\u00f6sung\u201c f\u00fcr Lehrlinge sein k\u00f6nnen, die einen negativen Asylbescheid erwarten.<\/p>\n<p>Unter\u00a0<span class=\"scayt-misspell-word\">Leitls<\/span>\u00a0Nachfolger Harald\u00a0<span class=\"scayt-misspell-word\"><span class=\"rtr-schema-org\"><a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/kurier.at\/themen\/harald-mahrer\">Mahrer<\/a><\/span><\/span>\u00a0bleibt das Thema weiter ungel\u00f6st. Der fr\u00fchere Wirtschaftsminister ist auf Regierungslinie.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"article-paragraph\">\n<h2>Portisch, Kapsch und Co.: Was Experten dazu sagen<\/h2>\n<\/div>\n<div class=\"is-inlineSlider is-variableHeight slider\">\n<div class=\"slider-content noSliderTouch\">\n<div class=\"slider-items slider-items-transition\">\n<div class=\"linkCard\">\n<div class=\"linkCard-image\">\n<figure class=\"picImage link-image\">\n<p><figure style=\"width: 616px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/image.kurier.at\/images\/cfs_616w\/2742977\/46-105550873.jpg\" alt=\"\" width=\"616\" height=\"412\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bild: Kurier\/Franz Gruber<\/figcaption><\/figure><\/figure>\n<\/div>\n<div class=\"linkCard-content\">\n<p class=\"linkCard-text\">Hugo Portisch, Autor &amp; Historiker: \u201eEs ist unsinnig, junge Menschen auszubilden und dann abzuschieben. Da zu sagen, Recht muss Recht bleiben, ist nicht meine Ansicht.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"linkCard\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"article-paragraph\">\n<p>Rudolf Anschober, Integrationslandesrat O\u00d6: \u201eEs ist gegen die Interessen der Gesellschaft und der Wirtschaft, Asylwerber, die in Ausbildung stehen, abzuschieben.\u201c<\/p>\n<p>Wie lange das so bleibt, ist offen. Zuletzt ist der Druck auf T\u00fcrkis-Blau und\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Mahrer<\/span>massiv gestiegen, Asylwerber, die in einem Mangelberuf eine\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Lehre<\/span>\u00a0machen (seit 2012 erlaubt), nicht w\u00e4hrend der Lehrzeit abzuschieben. 300 der derzeit 900 Asylwerber-Lehrlinge sind betroffen. Mehr und mehr Prominente unterst\u00fctzen deshalb die Initiative des gr\u00fcnen O\u00d6-Landesrates\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Rudi Anschober<\/span>, der seit Herbst 2017 f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Und nicht nur die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen, sondern auch \u00d6VP-Landeshauptleute aus\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Salzburg<\/span>\u00a0oder\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Vorarlberg<\/span>, schwarze Wirtschaftsk\u00e4mmerer und sogar erste blaue Unternehmer und Kammerfunktion\u00e4re sind daf\u00fcr, Fl\u00fcchtlinge zumindest ihre\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Lehre<\/span>abschlie\u00dfen zu lassen.<\/p>\n<p>\u201eAsylwerber, die gut integriert sind und arbeiten wollen, sollte man wegen des absoluten\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Fachkr\u00e4ftemangels<\/span>\u00a0zumindest bis Ende der Lehrzeit behalten k\u00f6nnen. Das ist wirtschaftlich sinnvoll, da muss man pragmatisch sein\u201c, sagt\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Erich Schoklitsch<\/span>, Chef blauen Wirtschaftstreibenden in der\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Steiermark<\/span>. Er hat in der steirischen Kammer mitbeschlossen, dass junge Asylwerber w\u00e4hrend der dreij\u00e4hrigen Lehrzeit und danach f\u00fcr weitere zwei Jahre in\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">\u00d6sterreich<\/span>\u00a0bleiben sollen d\u00fcrfen (entspricht \u201e3 plus 2\u201c-Modell).<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"article-paragraph\">\n<h2>Keine Asyl-Hintert\u00fcr<\/h2>\n<\/div>\n<div class=\"article-paragraph\">\n<p>Doch die\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Regierung<\/span>\u00a0stellt sich taub. Die FP\u00d6-Bundespartei gibt die Losung aus: \u201eEine\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Lehre<\/span>\u00a0ist kein Asylgrund\u201c. Und auch \u00d6VP-Wirtschaftsministerin\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Margarete Schramb\u00f6ck<\/span>\u00a0sowie Kammer-Chef\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Mahrer<\/span>, sagen: Die\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Lehre<\/span>\u00a0darf keine Hintert\u00fcr f\u00fcr<span class=\"rtr-schema-org\">Asyl<\/span>\u00a0sein. Au\u00dferdem sei mit den 900 Lehrlingen das Fachkr\u00e4fteproblem ohnehin nicht zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Die Wirtschaft l\u00e4sst das aber immer seltener gelten. Industrie-Pr\u00e4sident\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Georg Kapsch<\/span>\u00a0kontert: \u201eDer\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Fachkr\u00e4ftemangel<\/span>\u00a0ist ein aktuelles aber auch ein strukturelles Problem \u2013 alleine heuer fehlen uns 10.500 Fachkr\u00e4fte. Ein Teil davon l\u00e4sst sich durch qualifizierte Zuwanderung l\u00f6sen. Das \u201e3 plus 2\u201c-Modell ist eine geeignete \u00dcbergangsl\u00f6sung. Mittelfristig brauchen wir aber eine strategische Zuwanderungspolitik. Die Migrationsphobie, die es im Land gibt, muss endlich abgebaut werden.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<figure class=\"picImage\">\n<p><figure style=\"width: 616px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"46-111528169\" src=\"https:\/\/image.kurier.at\/images\/cfs_616w\/2743031\/46-111528169.jpg\" alt=\"\" width=\"616\" height=\"411\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Hamid macht beim Trachten-Unternehmen Tostmann eine Schneider-Lehre \u00a9 Bild: www.neumayr.cc\/Neumayr\/Leo<\/figcaption><\/figure><\/figure>\n<div class=\"article-paragraph\">\n<h2>Trachten-Chefin Tostmann: \u201ePflicht der Alten, mahnend einzugreifen\u201c<\/h2>\n<p><strong>Hamid, Schneider (26).\u00a0<\/strong>Zugegeben, f\u00fcr einen Lehrling ist Hamid mit seinen 26 Jahren schon relativ alt, daf\u00fcr hat er Erfahrung vorzuweisen: Der Afghane ist im\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Iran<\/span>\u00a0geboren und hat dort als Schneider gearbeitet. F\u00fcr Anna und\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Gexi Tostmann<\/span>vom renommierten Trachtenmode-Unternehmen\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Tostmann<\/span>\u00a0in Seewalchen ist Hamid ein Gewinn bzw. ein \u201eBeispiel perfekter Integration\u201c, dr\u00fcckt es Jung-Chefin Anna\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Tostmann<\/span>\u00a0aus.<\/p>\n<p>Sie besch\u00e4ftigt derzeit vier Asylwerber als Lehrlinge, wobei einer gerade die Abschlusspr\u00fcfung absolviert hat. Als sie das erste Mal mit ihren Sch\u00fctzlingen in den Medien auftrat, sei sie mit Beschimpfungen konfrontiert gewesen, schildert sie. \u201eEs gab auch Aufrufe, nicht bei uns zu kaufen. Es hat mich ersch\u00fcttert, wie manche v\u00f6llig unwissend Hass verbreiten. Es ist ja nicht so, als h\u00e4tten sie jemandem den Job weggenommen. Wir finden kaum Lehrlinge und sind froh um jeden, der arbeiten will und die Voraussetzungen mitbringt.\u201c<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ein M\u00e4dchen, das in der Wiener Filiale bei\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Tostmann<\/span>\u00a0arbeitet, bereits einen Positiv-Bescheid bekommen hat, muss Hamid noch zittern: Er ist seit mehr als drei Jahren in\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">\u00d6sterreich<\/span>\u00a0und wartet, wie seine Berufung ausgeht. Auch Alt-Chefin\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Gexi Tostmann<\/span>\u00a0(Bild rechts) k\u00e4mpft f\u00fcr ihre Sch\u00fctzlinge \u2013 und richtet der Politik aus: \u201eEs ist jetzt die Pflicht der erfahreneren Alten, mahnend und korrigierend einzugreifen.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<figure class=\"picImage\">\n<p><figure style=\"width: 616px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"46-111525713\" src=\"https:\/\/image.kurier.at\/images\/cfs_616w\/2743034\/46-111525713.jpg\" alt=\"\" width=\"616\" height=\"411\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Bagher macht seit einem Jahr eine Ausbildung bei den \u00d6BB \u00a9 Bild: Kurier\/Franz Gruber<\/figcaption><\/figure><\/figure>\n<div class=\"article-paragraph\">\n<h2>\u201eWir sind \u00fcberzeugt, dass er eine Bereicherung f\u00fcr den Arbeitsmarkt ist\u201c<\/h2>\n<p><strong>Bagher, Elektrotechniker (20).<\/strong>\u00a0Er ist das, was man gemeinhin \u201eintegriert\u201c nennt: Bagher spricht gut Deutsch, spielt in seiner Freizeit gerne Fu\u00dfball und wohnt mit einem Kumpel in einer Wiener Genossenschaftswohnung.<\/p>\n<p>Sozialleistungen bezieht der 20-j\u00e4hrige Afghane keine, im Gegenteil: Seinen Mietanteil \u00fcber\u00a0 rund 270 Euro kann er sich leisten, weil Bagher seit knapp einem Jahr eine\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Lehre<\/span>\u00a0zum Elektro-, Anlagen und Betriebstechniker bei in einer Lehrwerkst\u00e4tte der\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">\u00d6BB<\/span>\u00a0macht. Monatlich bekommt er daf\u00fcr 750 Euro \u2013 auf die rund 100 Euro Mindestsicherung, die ihm als \u201eAufstocker\u201c zust\u00fcnden, verzichtet der junge Mann, der vor f\u00fcnf Jahren vor den\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Taliban<\/span>\u00a0nach\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Wien<\/span>\u00a0fl\u00fcchtete.<\/p>\n<p>Um bei der Bahn anfangen zu k\u00f6nnen, holte er rasch den Pflichtschulabschluss nach und bestand eine Aufnahmepr\u00fcfung.\u00a0\u00a0 Auf die Frage, wie ihm sein Job\u00a0 gef\u00e4llt, zeigt\u00a0 Bagher stolz auf eine Urkunde \u2013\u00a0 das Papier bescheinigt ihm den Titel des Jahrgangsbesten seiner Lehrlingstruppe. Zudem\u00a0 findet sich Baghers Job auf der Mangelberufsliste. Kurzum: Hierzulande sucht man genau das, was Bagher tut.<\/p>\n<p>Und doch wurde er\u00a0 vor wenigen Wochen via Bescheid aufgefordert, das Land gen\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Afghanistan<\/span>\u00a0zu verlassen. Der Grund: Im Sommer lief Baghers subsidi\u00e4rer Schutz ab\u00a0 \u2013 diesen bekam er erst f\u00fcr ein Jahr, im Jahr 2016 wurde er f\u00fcr zwei weitere Jahre gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Als Schiite ist er im Visier der sunnitischen\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Taliban<\/span>. 2013 wollten sie Bagher\u00a0 bereits rekrutieren\u00a0 \u2013 da schickte ihn sein Vater mit Schlepperhilfe nach\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Europa<\/span>.\u00a0 Die\u00a0 Familie hat\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Afghanistan<\/span>\u00a0l\u00e4ngst verlassen: \u201eSie sind in den\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Iran<\/span>\u00a0geflohen. Ich kenne niemanden mehr in\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Afghanistan<\/span>\u00a0und habe Angst. Die t\u00f6ten dort Leute, einfach so.\u201c Mit der Hilfe des\u00a0\u00a0 bekannten\u00a0 Journalisten\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Lorenz Gallmetzer<\/span>\u00a0legte er nun Beschwerde beim\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Bundesverwaltungsgericht<\/span>\u00a0gegen den negativen Asylbescheid ein. \u201eTrotz allem\u201c, so Bagher, \u201ebleibe ich optimistisch\u201c.<\/p>\n<p>Auch sein Arbeitgeber setzt sich f\u00fcr seinen Verbleib ein: \u201eEr ist ein flei\u00dfiger und braver Bursche\u201c, hei\u00dft es\u00a0 in einem Empfehlungsschreiben der\u00a0\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">\u00d6BB<\/span>\u00a0an das\u00a0\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Bundesverwaltungsgericht<\/span>. Im Gegensatz zu anderen Betrieben nimmt die Bahn\u00a0 keine Asylwerber auf, sondern nur Menschen mit Aufenthaltstitel \u2013 \u00fcber den Bagher\u00a0 jahrelang verf\u00fcgte hatte.<\/p>\n<p>\u201eWir sind\u00a0 davon \u00fcberzeugt\u201c, so das Ende des Briefes ans Gericht,\u00a0 \u201edass\u00a0 er\u00a0 eine Bereicherung f\u00fcr den \u00f6sterreichischen Arbeitsmarkt ist und nach seiner 3,5-j\u00e4hrigen Lehrzeit eine gute Fachkraft darstellt\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<figure class=\"picImage\">\n<p><figure style=\"width: 455px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"46-106192351\" src=\"https:\/\/image.kurier.at\/images\/cfs_616w\/2743037\/46-106192351.jpg\" alt=\"\" width=\"455\" height=\"606\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Lehrling Amir mit Malermeisterin Martina Gusenbauer \u00a9 Bild: Raffaela Lindorfer<\/figcaption><\/figure><\/figure>\n<div class=\"article-paragraph\">\n<h2>\u201eW\u00fcrde mir noch zwei oder drei Lehrlinge wie Amir w\u00fcnschen\u201c<\/h2>\n<p><strong>Amir, Maler (25).<\/strong>\u00a0Die Berufsschule hat er mit \u201egutem Erfolg\u201c abgeschlossen, in Deutsch einen Zweier im Zeugnis und geht am Wochenende trotzdem noch freiwillig in Deutschkurse. Sogar schwimmen hat Amir gelernt, weil das in\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">\u00d6sterreich<\/span>\u00a0ja alle machen, meint er.<\/p>\n<p>Dass er dennoch einen negativen Asylbescheid bekommen hat, ist f\u00fcr seinen Chef,\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Christian Sch\u00fctz<\/span>\u00a0von der Malerei Hauser in\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Linz<\/span>, v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich. \u201eEr ist beispielgebend daf\u00fcr, wie man sich in k\u00fcrzester Zeit extrem gut integrieren kann. Das sehen auch andere und nehmen sich ihn hoffentlich als Vorbild.\u201c Der 25-J\u00e4hrige ist bald im zweiten Lehrjahr als Maler \u2013 und er habe das Potenzial, den Meister zu machen, glaubt\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Sch\u00fctz<\/span>.<\/p>\n<p>Was Amir auszeichnet: \u201eEr ist sehr kommunikativ und h\u00f6flich. Jeder Vorarbeiter nimmt ihn deshalb gerne mit auf die Baustelle. Er hackelt nicht, weil er die acht Stunden am Tag herunterbiegen muss, sondern weil er etwas lernen will.\u201c Detail am Rande: Amir spricht Hochdeutsch, w\u00e4hrend seine Kollegen entweder ober\u00f6sterreichischen Dialekt oder schlecht Deutsch oder sprechen.<\/p>\n<p>F\u00fcr seinen Chef steht fest: \u201eWir werden alle Hebel in Bewegung setzen, damit Amir in\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">\u00d6sterreich<\/span>\u00a0bleiben darf. Ich w\u00fcrde mir noch zwei oder drei wie ihn als Lehrlinge w\u00fcnschen.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<figure class=\"picImage\">\n<p><figure style=\"width: 616px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"46-110855807\" src=\"https:\/\/image.kurier.at\/images\/cfs_616w\/2743043\/46-110855807.jpg\" alt=\"\" width=\"616\" height=\"411\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Samir macht im Bergergut eine Koch-Lehre \u00a9 Bild: Werner Dedl<\/figcaption><\/figure><\/figure>\n<div class=\"article-paragraph\">\n<h2>Wertvoller Mitarbeiter, der es \u201eauch als Mensch verdient hat\u201c<\/h2>\n<p><strong>Samir, Koch (24).\u00a0<\/strong>Vorweg stellte Eva-Maria P\u00fcrmayer klar: \u201eWir k\u00f6nnen uns kein Sozialprojekt leisten.\u201c Als Samir um die Chance bat, beim\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Bergergut<\/span>\u00a0in\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Afiesl<\/span>\u00a0in\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Ober\u00f6sterreich<\/span>\u00a0als Koch arbeiten zu d\u00fcrfen, \u00fcberzeugte er aber schon nach zwei Probetagen.<\/p>\n<p>Kein Sozialprojekt also, sondern ein junges Talent, hinter dem die Chefin voll steht. Lehrlinge zu bekommen ist in der\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Gastronomie<\/span>\u00a0nicht einfach. \u201eEr ist unglaublich engagiert, motiviert\u00a0 und hat gro\u00dfes Talent als Koch.\u201c Samir ist ein \u201eVorzeige-Lehrling\u201c, sagt sie. Und die Anspr\u00fcche sind hoch: Die K\u00fcche im\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Bergergut<\/span>\u00a0hat zwei Hauben.<\/p>\n<p>Samir stammt aus dem\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Nordirak<\/span>, ist Kurde, und kam 2016 bei der gro\u00dfen Migrationsbewegung nach\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">\u00d6sterreich<\/span>. Mittlerweile ist er im zweiten Lehrjahr, hat eine eigene Wohnung und eine einheimische Familie, die ihn unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Als der erste Negativ-Bescheid kam, war der Schock gro\u00df, die Hoffnung liegt jetzt im Berufungsverfahren am Asylgericht. Auf die zweite Anh\u00f6rung wartet er aber seit Monaten,\u00a0 der Druck ist eine gro\u00dfe Belastung. Auch P\u00fcrmayer will als Chefin daf\u00fcr k\u00e4mpfen, dass Samir in\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">\u00d6sterreich<\/span>\u00a0bleiben darf. Nicht nur, weil er ein wertvoller Mitarbeiter ist, wie sie betont, sondern auch, \u201eweil er es als Mensch verdient hat\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<figure class=\"picImage\">\n<p><figure style=\"width: 616px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"46-111527304\" src=\"https:\/\/image.kurier.at\/images\/cfs_616w\/2743046\/46-111527304.jpg\" alt=\"\" width=\"616\" height=\"411\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Hayathollah mit Rudi Anschober und Chef Franz Baumann \u00a9 Bild: Anschober<\/figcaption><\/figure><\/figure>\n<div class=\"article-paragraph\">\n<h2>Deutsch auf Maturaniveau: \u201eEs ist beachtlich, was er geschafft hat\u201c<\/h2>\n<p><strong><span class=\"rtr-schema-org\">Hayathollah<\/span>, Metallbautechniker (19).<\/strong>\u00a0Er wei\u00df sich zu helfen, das zeichnet\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Hayathollah<\/span>\u00a0aus. Der 19-J\u00e4hrige bekam, als er nach\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">\u00d6sterreich<\/span>\u00a0fl\u00fcchtete, keinen Platz in einem Deutschkurs, schaute stattdessen YouTube-Videos und lernte so die Sprache bis zum B2-Level \u2013 das ist Maturaniveau, erz\u00e4hlt sein Chef\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Franz Baumann<\/span>\u00a0stolz.<\/p>\n<p>In seiner Glaserei macht der junge Afghane eine\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Lehre<\/span>\u00a0als Metallbautechniker, und das so erfolgreich, dass er die Berufsschule k\u00fcrzlich mit Vorzug absolviert hat. Sogar der Klassenvorstand hat bei\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Baumann<\/span>\u00a0angerufen, um ihn zu seinem Lehrling zu gratulieren. \u201eDas ist schon beachtlich\u201c, sagt\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Baumann<\/span>, der es keine Sekunde bereut hat,\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Hayathollah<\/span>\u00a0aufzunehmen.<\/p>\n<p><span class=\"rtr-schema-org\">Baumann<\/span>\u00a0besch\u00e4ftigt 110 Mitarbeiter und 15 Lehrlinge \u2013 Nachwuchs zu bekommen, sei in der Branche schwierig, sagt er: \u201eWir haben viele Auftr\u00e4ge, und wenn wir die abarbeiten und Qualit\u00e4t abliefern wollen, brauchen wir f\u00e4hige Arbeiter.\u00a0<span class=\"rtr-schema-org\">Hayathollah<\/span>\u00a0ist so einer.\u201c<\/p>\n<p>Dass sein Lehrling einen Negativ-Bescheid bekommen hat und abgeschoben werden k\u00f6nnte, h\u00e4lt er f\u00fcr einen gro\u00dfen Fehler. \u201eWir werden ihm helfen, wo wir k\u00f6nnen, um das hinzukriegen\u201c, betont der Chef.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>https:\/\/kurier.at<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei \u00d6VP und FP\u00d6 wird Ruf nach Bleiberecht f\u00fcr Asylwerber, die Lehre machen, immer lauter. Regierung stellt sich vorerst taub. Ein Schneiderlehrling in der Dirndl-Produktion, ein flei\u00dfige Techniker bei den\u00a0\u00d6BBoder der talentierte Kochlehrling: Sie alle teilen ein Problem: Sie sind Asylwerber, ihnen droht die\u00a0Abschiebung. 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