{"id":7855,"date":"2018-09-07T09:19:53","date_gmt":"2018-09-07T07:19:53","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=7855"},"modified":"2018-09-07T09:19:53","modified_gmt":"2018-09-07T07:19:53","slug":"habib-nazari-arbeiten-ist-leben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=7855&lang=de","title":{"rendered":"Habib Nazari: \u201eArbeiten ist Leben\u201c"},"content":{"rendered":"<div class=\"headerWrapper left\">\n<div class=\"cell content\">\n<p class=\"modTitle\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7856 alignleft\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/-e1536304666243.png\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"273\" \/>Wer sind die Menschen, die nach \u00d6sterreich gefl\u00fcchtet sind und sich hier ein neues Leben, fernab von Krieg und Verfolgung aufbauen? Immer mehr von ihnen schaffen es, hier Fu\u00df zu fassen. Wir stellen sie in der Reihe \u201eIch lebe und arbeite in \u00d6sterreich\u201c vor. Heute: Habib Nazari, 53, afghanischer Pass.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"swslang\">\n<p><strong>Ankunft auf Raten<\/strong><\/p>\n<p>Habib Nazari lebt seit 2001 in \u00d6sterreich. \u201eDie ersten paar Jahre nach meiner Ankunft in \u00d6sterreich hab ich in der Steiermark gelebt. Damals mit einem dreij\u00e4hrigen Aufenthaltstitel. Als ich das verl\u00e4ngern wollte, hie\u00df es, ich bekomme keines mehr, ich solle zur\u00fcck nach Afghanistan, da das Land ja sicher w\u00e4re\u201c erz\u00e4hlt er. Habib Nazari hat sich danach erneut um einen Aufenthaltstitel bem\u00fcht, das Interview dazu hatte er 2008. Im Jahr darauf, 2009 bekam er \u2013 nach acht Jahren Aufenthalt in \u00d6sterreich \u2013 letztendlich Asyl. Im gleichen Jahr konnte er seine Frau und seine drei Kinder nachholen. Endlich war die Familie nach langen Jahren der Trennung wieder vereint. Die beiden S\u00f6hne arbeiten mittlerweile. Die Tochter, auf die Herr Nazari besonders stolz ist, hat dieses Jahr maturiert und beginnt in K\u00fcrze mit ihrem Studium.<\/p>\n<p><strong>Kinder wollen etwas werden<\/strong><\/p>\n<p>\u201eAn den Kindern sieht man, dass wir keine schlechten Menschen sind\u201c, sagt er. \u201eSie wollen arbeiten, ein normales Leben aufbauen, etwas werden\u201c, damit meint Herr Nazari nicht nur seine eigenen drei Kinder, sondern auch die anderen jungen Hazara die hier in \u00d6sterreich leben. \u201eIn den Medien geht es meist nur um ein paar Afghanen, die f\u00fcr unseren schlechten Ruf sorgen, was ist mit den Leuten, die lernen und machen und tun und sich bem\u00fchen? Nie gehen die Medien in die Berufsschulen und schauen sich an was die jungen Afghanen, die sich bem\u00fchen, brav sind und alles leisten. Das ist nicht fair.\u201c<\/p>\n<p><strong>Ausbildung als Fotograf<\/strong><\/p>\n<p>Herr Nazari hat als junger Mann einige Jahre im Iran und in Pakistan gelebt, dort konnte er eine Ausbildung als Fotograf und als Fotografjournalist absolvieren. Im Iran hat er dann auch drei Jahre als Fotojournalist gearbeitet. Die Zeit damals im Iran war nicht einfach, erz\u00e4hlt er, aber das sei alles nichts im Vergleich zu dem, wie die Situation heute f\u00fcr afghanische Fl\u00fcchtlinge im Iran ist. \u201eDie Deportationen haben sehr zugenommen\u201c, erz\u00e4hlt er, \u201ebis zu 4000 Menschen pro Tag m\u00fcssen zur\u00fcck nach Afghanistan. Auch meine Mutter musste vor vier Monaten aus dem Iran zur\u00fcck nach Afghanistan. Und dort, was sollen die Menschen dort? Es gibt keine Arbeit und andauernde Lebensbedrohung.\u201c<\/p>\n<p><strong>Leidenschaft f\u00fcr Bilder<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Kamera t\u00e4tig zu sein ist bis heute seine gro\u00dfe Leidenschaft. \u201eEs gab zwei Ausstellungen mit meinen Arbeiten, eine davon im koreanischen Kulturhaus. Dieses Jahr gab es noch keine. Geplant ist eine zur \u201aLangen Nacht der Flucht\u2018\u201c, erz\u00e4hlt er l\u00e4chelnd. \u201eAm liebsten fotografiere ich die Natur und Menschen, da kann man auch neue Menschen kennenlernen. Das ist eine soziale Angelegenheit, so lerne ich dann auch die Kultur der Menschen besserkennen.\u201c Herrn Nazaris Leidenschaft f\u00fcr Bilder passt auch gut zu seinem Brotjob in der \u00d6sterreichischen Galerie im Belvedere, wo er seit 2010 als Arbeiter besch\u00e4ftigt ist und hin und wieder sein Hobby zum Beruf machen kann.<\/p>\n<p><strong>Beim Anpacken rasch zur Stelle<\/strong><\/p>\n<p>Bevor er zum Belvedere gekommen ist, hat er im Lugner City Kino gearbeitet und davor war er bei einer Reinigungsfirma besch\u00e4ftigt, weil sein Deutsch damals noch nicht so gut war, erz\u00e4hlt er. Hier in \u00d6sterreich hat Herr Nazari nach seiner Ankunft auch eine G\u00e4rtnerausbildung absolviert und gelernt, wie man Biodiesel produziert. Er geh\u00f6rt zu den Menschen die sich f\u00fcr keine Arbeit zu schade sind. Wenn es ums Anpacken geht, ist er auch rasch zur Stelle. \u201eAm Anfang hab ich im 21er Haus auf dem Gel\u00e4nde des Belvederes gearbeitet\u201c, erz\u00e4hlt er, \u201edort war das Schwerarbeit, die ich aber gar nicht als so schwer empfunden hab. Ich mag es sehr, wenn man k\u00f6rperlich ordentlich arbeiten kann.\u201c<\/p>\n<p><strong>Arbeit ist Leben<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWas Arbeit f\u00fcr mich ist? Arbeit ist Leben. Ohne sie k\u00f6nnen wir nicht existieren, man ist besch\u00e4ftigt. Wenn man nicht arbeitet, verliert man den Kontakt zur Wirklichkeit und man kommt vielleicht auf bl\u00f6de Gedanken. Arbeit ist wichtig, nicht nur wegen der Pension.\u201c<\/p>\n<p><strong>Der ideale Job<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDas ist nat\u00fcrlich die Fotografie\u201c, l\u00e4chelt er. \u201eAber es funktioniert leider nicht hier in \u00d6sterreich, dass ich das hauptberuflich mache. Die Konkurrenz ist zu gro\u00df.\u201c Ob er k\u00fcnstlerisch fotografiert oder als Fotojournalist arbeitet ist ihm eigentlich egal, sagt er l\u00e4chelnd, \u201eHauptsache fotografieren.\u201c<\/p>\n<p><strong>Umeinander k\u00fcmmern<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr sich w\u00fcnscht er sich Gesundheit und ein ruhiges Leben. F\u00fcr die Hazara in \u00d6sterreich w\u00fcnscht er sich Schutz, \u201eIch wei\u00df nicht woher der kommen soll, aber wir brauchen Schutz. Im Durchschnitt sterben pro Tag 20 Angeh\u00f6rige der Minderheit der Hazara in Afghanistan. Das muss man sich vorstellen!\u201c Und dann w\u00fcnscht er sich noch, dass die Menschen sich wieder mehr umeinander k\u00fcmmern und nicht nur darum, wie viel Geld sie verdienen k\u00f6nnen. \u201eEs kann nicht sein, dass das Geld wichtiger ist als die Menschen, oder?\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>https:\/\/www2.sosmitmensch.at<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sind die Menschen, die nach \u00d6sterreich gefl\u00fcchtet sind und sich hier ein neues Leben, fernab von Krieg und Verfolgung aufbauen? Immer mehr von ihnen schaffen es, hier Fu\u00df zu fassen. Wir stellen sie in der Reihe \u201eIch lebe und arbeite in \u00d6sterreich\u201c vor. Heute: Habib Nazari, 53, afghanischer Pass. Ankunft auf Raten Habib Nazari [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-7855","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7855","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7855"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7855\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7858,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7855\/revisions\/7858"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7855"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7855"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/ichkeria.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7855"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}