{"id":8378,"date":"2018-10-28T23:53:57","date_gmt":"2018-10-28T21:53:57","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=8378"},"modified":"2018-10-28T23:53:57","modified_gmt":"2018-10-28T21:53:57","slug":"abschiebung-aus-vorarlberg-dreijaehriger-von-mutter-getrennt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=8378&lang=de","title":{"rendered":"Abschiebung aus Vorarlberg: Dreij\u00e4hriger von Mutter getrennt"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_8380\" aria-describedby=\"caption-attachment-8380\" style=\"width: 405px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8380\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Sulzberger-1-e1540763618157.jpg\" alt=\"\" width=\"405\" height=\"540\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8380\" class=\"wp-caption-text\">foto: jutta berger<br \/>Initiative Pro Asyl Sulzberg k\u00e4mpft f\u00fcr armenisch-iranische Familie.<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Bei der Abschiebung einer armenisch-iranischen Familie aus dem Bregenzerwald trennte die Beh\u00f6rde einen kleinen Buben von seiner schwangeren Mutter <\/strong><\/p>\n<p>Bregenz \u2013 Sonntagmorgen im Landeskrankenhaus Bregenz. Ein kleiner Bub spielt im Wartebereich der Entbindungsstation. Der Automat mit den bunten Spielzeugkugeln hat es ihm angetan. &#8222;Welche Farbe hat den die Kugel?&#8220;, fragt die junge Frau, die mit ihm wartet. &#8222;Gelb!&#8220; &#8222;Und die hier ist blau, gell?&#8220; &#8222;Nein&#8220;, sagt der Knirps bestimmt, &#8222;die ist dunkelblau.&#8220; Ein bisschen lang wurde f\u00fcr ihn die Warterei, deshalb wollte er ja raus aus der Entbindungsstation, hin zu den bunten Kugeln. Das Vergn\u00fcgen w\u00e4hrte nur kurz, wieder hereinkommen, wird ihm und seiner Betreuerin beschieden. Auf die Frage nach dem Warum erh\u00e4lt er keine Antwort.<\/p>\n<p>Der Kleine wartet nicht auf ein Geschwisterchen, wie man meinen k\u00f6nnte. Er hei\u00dft Anri, ist drei Jahre alt und ist ein H\u00e4ftling, seine Betreuerin eine Mitarbeiterin des BFA. Auf der Entbindungsstation liegt seine Mama, im f\u00fcnften Monat schwanger. Die 32-j\u00e4hrige Armenierin wurde wegen einer drohenden Fr\u00fchgeburt eingeliefert. Nun wird sie \u00fcberwacht, nicht nur mit Ger\u00e4ten. Polizeibeamte stehen vor dem Krei\u00dfsaal, m\u00fcssen sie und ihren aus dem Iran stammenden Mann bewachen.<\/p>\n<p>Die kleine Familie wurde am Sonntagmorgen um f\u00fcnf Uhr aus ihrer Wohnung in Sulzberg (Bregenzerwald) abgeholt, sollte abgeschoben werden. Der Stress l\u00f6ste bei der schwangeren Frau eine gesundheitliche Krise aus. Die Frau sei gyn\u00e4kologisch gesund, es sei aber zu Komplikationen wegen der Stresssituation gekommen, sagte Sicherheitslandesrat Christian Gantner (VP) auf Nachfrage des STANDARD. Ihr Kind und ihr Mann w\u00fcrden nach Wien gebracht.<\/p>\n<p><strong>Ein barbarischer und rechtswidriger Akt\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Was am Sonntagmittag auch geschah. Azat P. wurde mit seinem kleinen Sohn an der Hand von der Polizei aus dem Krankenhaus gebracht. Die Initiative Pro Asyl aus Sulzberg kam zu sp\u00e4t. &#8222;Wir konnten uns nicht einmal verabschieden&#8220;, sagt Erwin Steurer, Fl\u00fcchtlingsbeauftragter der Gemeinde, der mit rund 30 Freundinnen und Freunden der Familie ins Krankenhaus gefahren war. Rechtsanwalt Ludwig Weh, der den Abtransport nicht verhindern konnte, h\u00e4lt &#8222;die Festnahme eines dreij\u00e4hrigen Kindes und die Trennung von seiner Mutter f\u00fcr einen barbarischen Akt.&#8220;<\/p>\n<p>Die Festnahme sei zudem rechtswidrig: Die Familie, deren Asylantrag letztinstanzlich abgelehnt wurde, h\u00e4tte bis 1. November Zeit zur freiwilligen Ausreise gehabt. Er habe das auch telefonisch der Regionaldirektion des BFA mitgeteilt, sagte Weh. &#8220; Der Regionaldirektor sagte mir, er \u00fcbernehme daf\u00fcr die Haftung.&#8220; Weh will nun f\u00fcr die schwangere Frau eine Fristverl\u00e4ngerung erreichen.<\/p>\n<p><strong>Familie voll integriert<\/strong><\/p>\n<p>Was Erwin Steurer und der Initiative Pro Asyl so gar nicht in den Kopf gehen will: &#8222;Arpine und Azat leben seit fast f\u00fcnf Jahren hier, sie sind voll integriert, im Kirchenchor, in der Liturgiegruppe, in der Tanzgruppe. Azat macht Gemeinwesenarbeit im Rahmen der Integrationst\u00e4tigkeit.&#8220; Anri, der kleine Sohn der beiden, kam vor drei Jahren hier auf die Welt. &#8222;Der ist ein richtiger Sulzberger.&#8220;<\/p>\n<p>Weh und die Unterst\u00fctzer aus Sulzberg sind sich einig: &#8222;Es ist mit der Menschenrechtskonvention absolut unvereinbar, ein dreij\u00e4hriges Kind von seiner Mutter zu trennen.&#8220;<\/p>\n<p>Einen ersten Abschiebeversuch verhinderte die Initiative und erreichte aufschiebende Wirkung f\u00fcr ein Jahr.<\/p>\n<p><strong>Jutta Berger<\/strong>, 28.10.2018<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>https:\/\/derstandard.at<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Abschiebung einer armenisch-iranischen Familie aus dem Bregenzerwald trennte die Beh\u00f6rde einen kleinen Buben von seiner schwangeren Mutter Bregenz \u2013 Sonntagmorgen im Landeskrankenhaus Bregenz. Ein kleiner Bub spielt im Wartebereich der Entbindungsstation. 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