{"id":858,"date":"2017-07-14T20:40:36","date_gmt":"2017-07-14T18:40:36","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=858"},"modified":"2017-07-14T20:40:36","modified_gmt":"2017-07-14T18:40:36","slug":"eine-unendliche-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=858&lang=de","title":{"rendered":"Eine unendliche Geschichte"},"content":{"rendered":"<h2><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-859 alignleft\" style=\"font-size: 16px;\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/42_n-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/h2>\n<p>Gewalt und Krieg, Unterdr\u00fcckung und Widerstand pr\u00e4gen die russisch-tschetschenische Geschichte. Zu keiner Zeit akzeptierte das kaukasische Volk die Herrschaft Moskaus.<\/p>\n<p>Der Kaukasus, eine Region vieler V\u00f6lker, Kulturen und Religionen zwischen dem Schwarzen und Kaspischen Meer, gilt als die Achillesferse Russlands. Als Hauptursache gil<\/p>\n<p>t die Kolonialisierungspolitik Moskaus, gegen die sich vor allem die Tschetschenen seit jeher massiv zur Wehr setzen.<\/p>\n<p>Erste Versuche, den Kaukasus unter russische Kontrolle zu bringen, unternahm Zar Iwan IV. der &#8222;Schreckliche&#8220;. 1559 lie\u00df er in Tarki am Kaspischen Meer eine Festung bauen und stationierte hier sp\u00e4ter ein Kosakenheer. Bis zur Eroberung des Kaukasus dauerte es aber noch 300 Jahre. Erst die Truppen von Zar Nikolaus I. konnten 1859 den Widerstand der Bergv\u00f6lker brechen und die \u00f6lreiche Region im Kaukasus erobern.<\/p>\n<div id=\"inflow_div\" class=\"gujAd  inflow Ad-in-Flow-1\"><\/div>\n<h2>Selbstst\u00e4ndigkeit nur von kurzer Dauer<\/h2>\n<p>Anf\u00fchrer dieses Kampfes, an dem sich die Tschetschenen ma\u00dfgeblich beteiligten, war der Dagestaner Imam Schamil. Auf zeitweilige Erfolge der Kaukasus-Rebellen antworteten die Russen mit einer Strategie der verbrannten Erde und massenhaften Umsiedlungen. Die in den Wirren der russischen Revolution von 1917 gewonnene Selbstst\u00e4ndigkeit der Bergv\u00f6lker war nur von kurzer Dauer.<\/p>\n<p>Die Tschetschenen akzeptierten nie die russische Herrschaft, und im Zweiten Weltkrieg ordnete Josef Stalin (1922-1953) wegen angeblicher Kollaboration mit Deutschland die Deportation von rund einer halben Million Tschetschenen nach Kasachstan an. Viele kamen um, erst nach Stalins Tod wurde ihnen in den 50er Jahren die R\u00fcckkehr in die Heimat gestattet.<\/p>\n<h2><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-860 alignleft\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/\u043315_n-205x300.jpg\" alt=\"\" width=\"205\" height=\"300\" \/>Schmachvolle Niederlage der russischen Streitkr\u00e4fte<\/h2>\n<p>In den folgenden Jahren entstand wieder die Autonome Sowjetrepublik (ASSR) Tschetschenien-Inguschetien, aus der nach dem Zerfall der Sowjetunion die zu Russland geh\u00f6renden Republiken Tschetschenien und Inguschetien hervorgingen. Unter dem nationalistischen Pr\u00e4sidenten Dschochar Dudajew, der 1991 die Unabh\u00e4ngigkeit ausrief und sich zwei Jahre sp\u00e4ter zum Alleinherrscher ausrief, versch\u00e4rften sich die Spannungen mit Moskau. Sie entluden sich im Dezember 1994 im ersten Tschetschenienkrieg, der f\u00fcr die russischen Streitkr\u00e4fte mit einer schmachvollen Niederlage und nach 13 Monaten mit dem R\u00fcckzug aus der Kaukasusrepublik endete.<\/p>\n<p>Nach Anschl\u00e4gen in Moskau und anderen St\u00e4dten, bei denen mehr als 300 Menschen get\u00f6tet wurden, sowie Zusammenst\u00f6\u00dfen in Dagestan marschierten russische Truppen 1999 erneut in Tschetschenien ein. Die K\u00e4mpfe wurden mit unerbittlicher H\u00e4rte gef\u00fchrt; das Fl\u00fcchtlingselend war und ist gro\u00df. Diesmal gelang es den 100.000 Mann z\u00e4hlenden russischen Truppen, die Rebellen aus den St\u00e4dten zu vertreiben; besiegt und ausgeschaltet haben sie sie allerdings nicht.<\/p>\n<h2>Spektakul\u00e4re Geiselnahmen<\/h2>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 2001 brachten zwei spektakul\u00e4re Geiselnahmen im Ausland den von der Welt\u00f6ffentlichkeit immer wieder schnell verdr\u00e4ngten Tschetschenien-Konflikt wieder in den Brennpunkt: Im M\u00e4rz wurde in der T\u00fcrkei ein russisches Flugzeug entf\u00fchrt, im April brachten tschetschenische Rebellen in einem Istanbuler Hotel 120 G\u00e4ste in ihre Gewalt. Schon damals mutma\u00dfte der Russlandexperte Christoph Neuberg von der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Politik in Berlin, dass dies nicht die letzte derartige Aktion gewesen sei. Man k\u00f6nne nur hoffen, dass k\u00fcnftige Geiselnahmen \u00e4hnlich glimpflich ablaufen. Sie taten es nicht, wie das Geiseldrama in einem Moskauer Theater 2002 gezeigt hat.<\/p>\n<p>Noch im Juli 2000 hatten die russischen Streitkr\u00e4fte die Zahl der noch aktiven tschetschenischen K\u00e4mpfer auf 1.500 gesch\u00e4tzt. Dennoch f\u00fcgten sie den russischen Truppen an einem einzigen Sonntag mit mehreren Bombenanschl\u00e4gen schwere Verluste zu: 54 Menschen, darunter 37 Soldaten, wurden get\u00f6tet, mehr als hundert verletzt.<\/p>\n<p>Es war ein koordinierter Schlag in den tschetschenischen St\u00e4dten Argun, Gudermes, Urus-Martan und Nowogrosnenski. &#8222;Dies zeigt, dass der tschetschenische Widerstand lebt&#8220;, erkl\u00e4rte damals der unabh\u00e4ngige Milit\u00e4rexperte Pawel Felgenhauser.<\/p>\n<h2>Menschenrechtsverletzungen und Willk\u00fcr<\/h2>\n<p>Pr\u00e4sident Wladimir Putin schloss von Anfang an kategorisch Verhandlungen mit den Rebellen aus. Eine politische L\u00f6sung sei erst m\u00f6glich, wenn alle Rebellen vernichtet seien, gab er als Devise aus. Bei der Besetzung Tschetscheniens gibt es immer wieder Berichte \u00fcber Menschenrechtsverletzungen und Willk\u00fcr; Massengr\u00e4ber werden entdeckt, junge M\u00e4nner werden von russischen Truppen abgef\u00fchrt und verschwinden.<\/p>\n<p>In seiner harten Haltung sah er sich nach den Anschl\u00e4gen vom 11. September best\u00e4tigt; US-Pr\u00e4sident George W. Bush erkl\u00e4rte beim Werben f\u00fcr seine Allianz gegen den Terrorismus unverbl\u00fcmt: &#8222;Entweder du bist f\u00fcr uns oder f\u00fcr die Terroristen.&#8220;<\/p>\n<h2>Putin nutzte Weltlage<\/h2>\n<p>Putin nutzte die neue Weltlage, um mehr Spielraum f\u00fcr seine Tschetschenienpolitik einzufordern. Bei Auslandsreisen Putins hie\u00df es fortan, der Kampf gegen den Terrorismus habe die Frage nach der Wahrung der Menschenrechte in Tschetschenien in den Hintergrund gedr\u00e4ngt. So hie\u00df es bei einem Besuch Putins im September 2001 in Berlin, es gehe in erster Linie darum, die &#8222;Front gegen den Terror m\u00f6glichst effektiv zu schmieden&#8220;.<\/p>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Bereits im 19. Jahrhundert verlie\u00dfen viele Tschetschenen wegen der Kriegswirren ihr Land. Heute gibt es im Ausland gr\u00f6\u00dfere Gruppen u.a. in Dagestan, Inguschetien, der T\u00fcrkei und Kasachstan. Bis heute hat das unbeugsame Bergvolk von jetzt sch\u00e4tzungsweise etwa einer Million Menschen an seiner kulturellen Eigenst\u00e4ndigkeit und seinen kriegerischen Traditionen festgehalten. Das seit Jahrhunderten wichtigste Bindeglied im Zusammenleben sind nicht staatliche Institutionen, sondern die Familienclans. Von den &#8222;ungl\u00e4ubigen&#8220; Besatzern unterscheidet die Tschetschenen auch ihr strikter moslemischer Glaube, den sie im 16. Jahrhundert unter der Herrschaft der T\u00fcrken angenommen haben.<\/p>\n<p>Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sind an der S\u00fcdflanke Russlands eine Vielzahl von bedrohlichen Konflikten ausgebrochen. Tschetschenien ist nur einer von mehreren Krisenherden im Kaukasus:<\/p>\n<p><strong>Georgien<\/strong><\/p>\n<p>wird von Russland beschuldigt, dass es auf seinem Gebiet St\u00fctzpunkte f\u00fcr tschetschenische und andere Terroristen dulde. Die Stabilit\u00e4t der fr\u00fcheren Sowjetrepublik selbst wird von Abspaltungsversuchen der Provinzen Abchasien und S\u00fcdossetien bedroht.<\/p>\n<p>Im S\u00fcden Russlands verlangen die<\/p>\n<p><strong>Inguschen<\/strong><\/p>\n<p>von den<\/p>\n<p><strong>Nordosseten<\/strong><\/p>\n<p>die R\u00fcckgabe eines Gebietes, auf dem sie vor der Zwangsdeportierung durch Stalin gegen Ende des Zweiten Weltkriegs gesiedelt hatten.<\/p>\n<p><strong>Armenien u<\/strong><strong>nd Aserbaidschan<\/strong><\/p>\n<p>streiten seit langem um das Gebiet von Berg-Karabach, eine christlich-armenische Enklave im moslemischen Aserbaidschan. Bei bewaffneten Auseinandersetzungen bis Mitte der 90er Jahre wurden zehntausende Menschen get\u00f6tet.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"m-source\">\n<div class=\"a-text-block\">\/DPA<\/div>\n<\/div>\n<div>24. Oktober 2002<\/div>\n<div><\/div>\n<div>http:\/\/www.stern.de\/politik<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gewalt und Krieg, Unterdr\u00fcckung und Widerstand pr\u00e4gen die russisch-tschetschenische Geschichte. Zu keiner Zeit akzeptierte das kaukasische Volk die Herrschaft Moskaus. Der Kaukasus, eine Region vieler V\u00f6lker, Kulturen und Religionen zwischen dem Schwarzen und Kaspischen Meer, gilt als die Achillesferse Russlands. 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