{"id":8912,"date":"2018-12-20T02:04:54","date_gmt":"2018-12-20T00:04:54","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=8912"},"modified":"2018-12-20T02:04:57","modified_gmt":"2018-12-20T00:04:57","slug":"13-jahre-haft-nach-mord-an-madchen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=8912&lang=de","title":{"rendered":"13 Jahre Haft nach Mord an M\u00e4dchen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/polizist.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8913\" srcset=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/polizist.jpg 800w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/polizist-300x225.jpg 300w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/polizist-768x576.jpg 768w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/polizist-480x360.jpg 480w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/polizist-667x500.jpg 667w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption><br>APA\/ Helmut Fohringer<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Ein 16-j\u00e4hriger, der im Mai in einer Gemeindebauanlage in Wien-D\u00f6bling ein sieben Jahre altes M\u00e4dchen aus der Nachbarschaft get\u00f6tet haben soll, ist am Mittwochabend am Landesgericht wegen Mordes zu 13 Jahren Haft verurteilt worden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zudem wurde der Sch\u00fcler in eine Anstalt f\u00fcr geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Das Urteil ist nicht rechtskr\u00e4ftig. Verteidigerin Liane Hirschbrich erbat Bedenkzeit, Staatsanw\u00e4ltin Monika Gansterer gab vorerst keine Erkl\u00e4rung ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich zu Beginn des Verfahrens bekannte sich der 16-J\u00e4hrige schuldig. \u201eEine Stimme im Kopf hat gesagt, dass ich sie w\u00fcrgen soll. Das tat ich auch. Ich habe weitere Anweisungen geh\u00f6rt. Dass ich sie in die Duschkabine bringen soll, ein Messer holen und zustechen soll\u201c, sagte der Angeklagte am Mittwoch vor Gericht. Weitere Details wollte er nicht preisgeben: \u201eIch kann es nicht noch n\u00e4her schildern. Ich kann mich nicht erinnern, den Kopf ganz abgetrennt zu haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Psychiater bejaht Schuldf\u00e4higkeit<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach der T\u00f6tung habe ein Freund an der T\u00fcr gel\u00e4utet. Er habe aufgemacht, der Freund habe die Leiche gesehen. \u201eEr hatte Angst und war geschockt\u201c, berichtete der 16-J\u00e4hrige. Er habe dann alleine die Leiche gewaschen und \u201ein ein Sackerl gepackt und entsorgt\u201c. Die Stimme habe ihm gesagt: \u201eIn den M\u00fcll.\u201c Die Stimmen h\u00f6re er schon seit Jahren, meinte der Angeklagte. Die Frage eines Geschworenen, ob er die Stimmen auch jetzt h\u00f6re, bejahte der Sch\u00fcler: \u201eSie sagen mir, dass ich mich beruhigen soll, dass es nicht so schlimm ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Strengste Sicherheitsvorkehrungen auch vor dem Geb\u00e4ude<\/p>\n\n\n\n<p>Bei dem Verfahren kam es daher vor allem auch zum Schlagabtausch zwischen zwei psychiatrischen Gutachtern: Der von der Staatsanwaltschaft beigezogene Gerichtspsychiater Peter Hofmann bescheinigte dem Angeklagten Zurechnungsf\u00e4higkeit zum Tatzeitpunkt und damit grunds\u00e4tzlich Schuldf\u00e4higkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Der 16-J\u00e4hrige habe im vergangenen Mai, als er auf das sieben Jahre alte M\u00e4dchen losging, neben erheblichen Zwangsst\u00f6rungen &#8211; einem Kontroll- und Waschzwang mit bis zu 40-maligem H\u00e4ndewaschen am Tag &#8211; und einer Neigung zu Selbst\u00fcberh\u00f6hung eine narzisstisch-schizoide Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung aufgewiesen, erl\u00e4uterte der Gutachter. Die schizophrene Erkrankung habe sich aber erst \u201eim Vorstadium\u201c befunden, sagte Hofmann. Die Diskretions- und Dispositionsf\u00e4higkeit des Sch\u00fclers w\u00e4ren nicht aufgehoben gewesen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Widerspr\u00fcchliches zweites Gutachten<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Fall einer anklagekonformen Verurteilung sprach sich der Sachverst\u00e4ndige f\u00fcr die zus\u00e4tzliche Einweisung in eine Anstalt f\u00fcr geistig abnorme Rechtsbrecher aus. Die Gefahr, dass der Bursch ohne die im Ma\u00dfnahmenvollzug gew\u00e4hrleistete haftbegleitende therapeutische Behandlung wieder Straftaten mit schweren Folgen setzen wird, sei betr\u00e4chtlich &#8211; mehr dazu in&nbsp;<a href=\"https:\/\/wien.orf.at\/news\/stories\/2939569\/\">Hadishat-T\u00e4ter f\u00fcr Psychiater \u201egef\u00e4hrlich\u201c<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem widersprach sein Kollege Werner Gerstl, der dem Angeklagten im Tatzeitraum Unzurechnungsf\u00e4higkeit bescheinigte. Eine innere Stimme h\u00e4tte den 16-J\u00e4hrigen \u201eblitzartig \u00fcberfallen\u201c und ihm \u201ePack zu!\u201c gesagt. Da habe der Bursch \u201ein einem \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Aggressionsstau diesen ganz schlimmen Mord begangen\u201c. Gerstl meinte, der Angeklagte habe bereits mit acht oder neun Jahren zu halluzinieren begonnen, wobei er sich bei seinen Ausf\u00fchrungen auf eine eingehende Untersuchung und die dabei get\u00e4tigten Angaben des 16-J\u00e4hrigen bezog.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Untersuchung fand allerdings f\u00fcnf Monate nach dem letzten Termin statt, den Hofmann mit dem Angeklagten hatte. \u201eAls er gemerkt hat, dass die Stimmen lauter werden, hat er nachgelesen. Mit zehn Jahren, in Fachb\u00fcchern, im Internet\u201c, gab Gerstl die Erinnerungen des Angeklagten wieder. Sehr fr\u00fch sei bei diesem die Vermutung gereift, er leide an Schizophrenie, was er seinen Eltern auch mitgeteilt habe. Diese h\u00e4tten das aber nicht wahrhaben wollen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Staatsanwaltschaft beantragte \u201eObergutachten\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p>Mit der Zeit habe sich aber \u201eeine manifeste Form der schizophrenen Erkrankung\u201c entwickelt, bemerkte Gerstl. Zu den imperativen Stimmen seien Erscheinungen, wiederkehrende halluzinatorische Gestalten getreten: \u201eFiguren, die ihm Angst gemacht haben.\u201c Ab November oder Dezember 2017 sei das psychopathologische Geschehen gef\u00e4hrlich geworden. Er schlie\u00dfe aus, \u201edass allein Stress das Vollbild einer Schizophrenie ausgebildet hat, die vorher nicht vorhanden gewesen sein soll\u201c, widersprach Gerstl in aller Deutlichkeit der Einsch\u00e4tzung Hofmanns.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gestellten Antrag auf Beiziehung eines dritten psychiatrischen Sachverst\u00e4ndigen wurde von den drei Berufsrichtern nicht Folge gegeben. Denn von der Beiziehung eines weiteren psychiatrischen Sachverst\u00e4ndigen sei keine \u201eVerbreiterung der Entscheidungsgrundlagen\u201c zu erwarten. Daher lag die Entscheidung, welchem Gutachten sie folgen, alleine bei den Geschworenen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/oekastatic.orf.at\/static\/images\/site\/oeka\/20181251\/polizist1.5834788.jpg\" alt=\"Sicherheitskr\u00e4fte vor dem Landesgericht\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>APA\/ Helmut Fohringer<\/p>\n\n\n\n<p>Das Landesgericht wurde extra f\u00fcr den Prozess aufger\u00fcstet<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Verteidigerin: Mandant \u201eschwer krank\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p>Ihr Eingangspl\u00e4doyer hatte die Staatsanw\u00e4ltin mit dem Satz begonnen, der 16-J\u00e4hrige habe das M\u00e4dchen \u201ebrutal get\u00f6tet\u201c. Ende 2017 habe der Bursch begonnen, sich mit dem Thema Mord auseinanderzusetzen, und sich \u00fcberlegt, \u201ewas die beste Variante w\u00e4re\u201c. Am 11. Mai 2018 h\u00e4tten sich die Mordgedanken des Sch\u00fclers \u201emanifestiert\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Siebenj\u00e4hrige, die mit ihrer Familie in derselben Gemeindebauanlage lebte, hatte an diesem Tag den Angeklagten und dessen j\u00fcngeren Bruder &#8211; wie oft zuvor in der Vergangenheit &#8211; besucht. Das M\u00e4dchen spielte mit dem kleinen Bruder auf der PlayStation, der 16-J\u00e4hrige gab ihr danach ein Eis, ehe er sie &#8211; wie die Staatsanw\u00e4ltin ausf\u00fchrte &#8211; \u201emit den H\u00e4nden am Hals gepackt und gew\u00fcrgt hat\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Siebenj\u00e4hrige habe gehustet, der Angeklagte habe darauf \u201ebeschlossen, ihr den Hals abzuschneiden\u201c, sagte die Staatsanw\u00e4ltin. Die Verteidigerin darauf: Ihr Mandant sei \u201epsychisch sehr schwer krank, sodass er nicht wei\u00df, was er tut, und nicht Recht von Unrecht unterscheiden kann\u201c. Der Gerichtsmediziner erl\u00e4uterte im Prozess: Kausal f\u00fcr den Todeseintritt sei ein tiefer Schnitt im Halsbereich gewesen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Viele Sicherheitskr\u00e4fte, Foto- und Filmverbot<\/h2>\n\n\n\n<p>Vor dem Eingang des Landesgerichts hatte sich bereits in den fr\u00fchen Morgenstunden eine meterlange Warteschlange gebildet. Auch die Geschworenen mussten sich den eingehenden Sicherheitskontrollen unterziehen. Wegen der Kontrollen verz\u00f6gerte sich auch der f\u00fcr 9.00 Uhr angesetzte Prozessbeginn. Auch w\u00e4hrend des Prozesses herrschen strengste Sicherheitsvorkehrungen im und um das Geb\u00e4ude. Im Saal waren zahlreiche bewaffnete Sicherheitskr\u00e4fte postiert. F\u00fcr das gesamte Landesgericht galt ein absolutes Fotografier- und Filmverbot.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn unmittelbar nach der aufsehenerregenden Bluttat sollen Angeh\u00f6rige und Personen aus dem Umfeld der betroffenen tschetschenischen Familie Blutrache geschworen haben. Der Tatverd\u00e4chtige wurde aus Sicherheitsgr\u00fcnden in ein Gef\u00e4ngnis bzw. in eine psychiatrische Einrichtung in einem anderen Bundesland verlegt.<\/p>\n\n\n\n<p>https:\/\/wien.orf.at\/news<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein 16-j\u00e4hriger, der im Mai in einer Gemeindebauanlage in Wien-D\u00f6bling ein sieben Jahre altes M\u00e4dchen aus der Nachbarschaft get\u00f6tet haben soll, ist am Mittwochabend am Landesgericht wegen Mordes zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Zudem wurde der Sch\u00fcler in eine Anstalt f\u00fcr geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Das Urteil ist nicht rechtskr\u00e4ftig. 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