{"id":9252,"date":"2019-02-13T15:13:07","date_gmt":"2019-02-13T13:13:07","guid":{"rendered":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=9252"},"modified":"2019-02-13T15:13:09","modified_gmt":"2019-02-13T13:13:09","slug":"die-wainachischen-waisen-des-holdomor-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ichkeria.at\/?p=9252&lang=de","title":{"rendered":"Die wainachischen Waisen des Holdomor"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"574\" src=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/\u0433\u043e\u043b\u043e\u0434\u043e\u043c\u043e\u0440.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9253\" srcset=\"http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/\u0433\u043e\u043b\u043e\u0434\u043e\u043c\u043e\u0440.jpg 800w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/\u0433\u043e\u043b\u043e\u0434\u043e\u043c\u043e\u0440-300x215.jpg 300w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/\u0433\u043e\u043b\u043e\u0434\u043e\u043c\u043e\u0440-768x551.jpg 768w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/\u0433\u043e\u043b\u043e\u0434\u043e\u043c\u043e\u0440-480x344.jpg 480w, http:\/\/ichkeria.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/\u0433\u043e\u043b\u043e\u0434\u043e\u043c\u043e\u0440-697x500.jpg 697w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>In den Jahren 1932-1933 konnten Tausende von Ukrainern, der T\u00f6tung durch Hunger, dem \u00bbHolodomor\u00ab entkommen, die Millionen von Leben in der ukrainischen sozialistischen Sowjetrepublik kostete. Einige gingen ins tschetschenische Autonome Oblast, wo die einheimischen Familien sie aufnahmen. Dieser Teil der Geschichte blieb au\u00dferhalb von Tschetschenien bisher beinahe unbekannt.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Im kleinen tschetschenischen Aul Belgata erinnere man sich noch an Lyuba, ein kleines verwaistes M\u00e4dchen, das aus dem Holodomor geflohen ist. Lyuba und ihre Familie gelang es, aus der ukrainischen sozialistischen Sowjetrepublik bis zum Januar 1933 zu entkommen, als deren Grenzen im Auftrag von Joseph Stalin geschlossen wurden und die Hungersnot ihren H\u00f6hepunkt erreichte. Viele Opfer des Holodomors versuchten, in die Nachbarl\u00e4nder zu fliehen &#8211; Rum\u00e4nien, Polen, aber die Familie von Lyuba beschloss, in den S\u00fcdosten zu gehen, ins tschetschenische Autonome Oblast, wo laut Ger\u00fcchten die Anwohner den verhungernden Ukrainern Nahrung und Schutz boten. Lyubas Eltern erreichten ihr Ziel niemals \u2013 sie starben vor Hunger auf dem Weg. Die kleine Lyuba wurde in ein tschetschenisches Waisenhaus gebracht, wo sie schnell die Sprache und die \u00f6rtlichen Br\u00e4uche lernte. Sie verbrachte den Rest ihres Lebens im Kreise ihrer Adoptiveltern, zusammen mit einer unbestimmten Zahl von ukrainischen Kindern, die entweder von der Hungersnot verwaist oder von ihren verhungernden Verwandten an Tschetschenen anvertraut worden waren &#8211; eine Episode des Holodomors, die praktisch undokumentiert bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Lyuba ist seitdem verstorben. Aber 80 Jahre nach der Hungersnot lebt ihre Erinnerung in Tschetschenien weiter. Amina, eine pensionierte Schullehrerin, die sie pers\u00f6nlich kannte, sagt, dass Lyuba sich schlie\u00dflich im Aul Belgato niederlie\u00df. Sie erz\u00e4hlte Azattyk, dass Lyuba ihren tschetschenischen Ehemann sehr gern hatte und sie gemeinsam zwei Kinder hatten, welche im Kindesalter starben. Die Trag\u00f6die traf Lyuba 1994 erneut, als die russische F\u00f6deration den ersten Krieg gegen tschetschenische Separatisten startete und St\u00e4dte wie D\u00f6rfer wahllos bombardierte. Damals starb der Ehemann von Lyuba. Amina erz\u00e4hlt weiter, dass sie nach dem Tod ihres Mannes in Armut lebte, aber trotz der \u00dcberzeugungsarbeit von Amina, in die Stadt zu ziehen, beschloss Lyuba, in dem Aul zu bleiben, in dem ihr Mann und ihre Kinder begraben wurden. Die Bewohner des Auls brachten ihr Essen und halfen ihr, selbst der Imam.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt viele m\u00fcndliche Zeugnisse in Tschetschenien \u00fcber Ukrainer, die in Tschetschenien w\u00e4hrend des Holodorms Schutz fanden, aber es gibt keine schriftlichen Beweise, keine Archivdaten. Der Rentner Khozha Yakhyayev sagte gegen\u00fcber Azattyk, dass sein Aul mindestens hundert ukrainischen Familien w\u00e4hrend der Hungersnot aufgenommen h\u00e4tte. Onkel Yakiyajew war der Kopf des Dorfes, und er erinnerte sich oft an ihre Ankunft: \u00bbAls sie ankamen, ersch\u00f6pft durch Hunger, zeigten wir ihnen unsere Gastfreundschaft. In Tschetschenien, gab es damals 500 Familien, und jede f\u00fcnfte Familie akzeptierte Ukrainer in ihre H\u00e4user. Wir haben ihnen bis 1938 geholfen.\u00ab Heute gibt nur noch wenige ethnische Ukrainer in tschetschenischen Auls, einige kehrten nach dem Ende der Hungersnot in ihre Heimat zur\u00fcck, andere als der Krieg in den 90er in Tschetschenien ausbrach.<\/p>\n\n\n\n<p>Yakhyayev erz\u00e4hlt weiter \u00fcber die Waisen und wie einige von ihnen w\u00e4hlten ihren Pflegefamilien ins Exil zu folgen, als Stalin 1944 die Deportation der Tschetschenen, Inguschen, Karatschaier, Balkaren und Mescheten befahl. W\u00e4hrend einige zur\u00fcckkehrten, starben viele auf der zerm\u00fcrbenden Reise nach Zentralasien und Sibirien oder in den folgenden Jahren. Diejenigen, die blieben, k\u00fcmmerten sich um die H\u00e4user, die von den deportierten Tschetschenen zur\u00fcckgelassen wurden: \u00bbDie Ukrainer haben Freundlichkeit mit Freundlichkeit zur\u00fcckgezahlt. Sie k\u00fcmmerten sich um die leeren H\u00e4user und die Habseligkeiten, die von den Tschetschenen zur\u00fcckgelassen wurde, sie k\u00fcmmerten sich um ihr Vieh \u00ab, sagt Yakhyajew. \u00bbSie haben ihr Bestes getan, um diese H\u00e4user zu bewahren und sie vor Pl\u00fcnderungen zu sch\u00fctzen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion haben Gelehrte und Historiker Tausende von Zeugnissen von Holodomor-\u00dcberlebenden gesammelt aber bis zum heutigen Tag ist au\u00dferhalb Tschetscheniens dieser Teil der Geschichte des \u00bbHolodomor\u00ab kaum bekannt. Vasyl Marochka, einer der f\u00fchrenden Historiker des \u00bbHolodomor\u00ab in der Ukraine, sagt, dass es keine Quellen aus der Zeit der Hungersnot gibt, welche belegen, dass Ukrainer ins tschetschenische Autonome Oblast gefl\u00fcchtet sind. Der tschetschenische Historiker Vakhit Akayev sagt, dass Familienfotos und andere potenzielle Beweise f\u00fcr diese Ereignisse w\u00e4hrend der Deportation der Tschetschenen und den beiden nachfolgenden Kriegen verschwunden sind. \u00bbNeue Ereignisse entfalteten sich, neue, noch schrecklichere Trag\u00f6dien verfinsterten alte\u00ab, sagt er. \u00bbDeshalb wurde dieses Thema noch nie erforscht.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tschetschenen zumindest haben aber die Waisen des \u00bbHolodomor\u00ab nicht vergessen. Der tschetschenische Folklore\u00a0S\u00e4nger Imam Alimsultanov widmete ihnen ein Lied mit dem Titel \u00bbUkraine, danke\u00ab zu ihrem Andenken. \u00bbEs war in den 1930er Jahren, das Schicksal hat uns schon damals zusammengebracht\u00ab, singt er. \u00bbHunger, Zerst\u00f6rung rundum, Tschetschenien nahm die Ukrainer auf.\u00ab<a href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Koba\/Desktop\/Die%20wainachischen%20Waisen%20des%20Holdomor.docx\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>https:\/\/kaukasischer-knoten.blogspot.com\/2017\/03<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Jahren 1932-1933 konnten Tausende von Ukrainern, der T\u00f6tung durch Hunger, dem \u00bbHolodomor\u00ab entkommen, die Millionen von Leben in der ukrainischen sozialistischen Sowjetrepublik kostete. Einige gingen ins tschetschenische Autonome Oblast, wo die einheimischen Familien sie aufnahmen. 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